TV – Serie: „The Looming Tower“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender Hulu-Serie angeschaut:

 

„The Looming Tower“ (in D. auf Amazon Prime zu sehen, ab dem 18.08.18 auf Blu-ray und DVD erhältlich)  10 x approx. 50 min   drama, thriller, biopic adaptation

dir. Alex Gibney, John Dahl, Ali Selim, Michael Slovis, Craig Zisk   cast: Jeff Daniels, Bill Camp, Michael Stuhlbarg, Peter Sarsgaard, Tahar Rahim, Wrenn Schmidt, Ella Rae Peck, Alec Baldwin, Jennifer Ehle, Louis Cancelmi, Jamie Neumann

 

Im Jahr 1998. Professor Martin Schmidt (Peter Sarsgaard) ist der Leiter CIA-Anti-Terror-Einheit „Alec Station“ in Washington, D.C. Er ist Osama bin Laden auf der Spur, kürzlich kam er in den Besitz eines wichtigen Datenträger der islamistischen Terrorzelle al-Qaida. Die Ermittlungsergebnisse seines Teams gibt er jedoch nicht, wie es seine Pflicht wäre, an den Leiter der New Yorker FBI-Abteilung für Terrorismus-Abwehr „I-49“, John O´Neill (Jeff Daniels), weiter. Zu tief sitzen die Rivalitäten zwischen der CIA und dem FBI. John O´Neill führt eigene Ermittlungen und erhält von seinen beiden offiziellen Informanten Vince (Louis Cancelmi) und Toni-Ann (Jamie Neumann) in „Alec Station“, Informationen, dass die CIA an einer möglichen Terrorzelle in Albanien ermittelt. Der FBI-Veteran Robert Chesney (Bill Camp) verfolgt derweil eine Spur in Kenia und findet schließlich einen klaren Hinweis auf eine Terrorzelle in Albanien. John O´Neill schickt schließlich seinen neuen arabisch-amerikanischen FBI-Agenten Ali Soufan (Taha Rahim) nach Tirana. Osama bin Laden hat amerikanische Journalisten zu einem Interview nach Afghanistan eingeladen. In dem Interview, das im TV ausgestrahlt wird, ruft er alle Muslime zum Mord an US-Bürgern auf. Dieses Mal droht er mit einem konkreten Anschlag in den nächsten Wochen. Zwei Monate später explodieren zwei Autobomben vor den amerikanischen Botschaftsgebäuden in Kenia und Tansania. Dabei kamen über 224 Menschen, darunter 12 Amerikaner, ums Leben und Tausende wurden verletzt… 

  

A- (Wertung von A bis F) „The Looming Tower“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert und geht der Frage nach, ob die Anschläge vom 11. September 2001 theoretisch von den amerikanischen Geheimdienstlern und Terrorexperten hätten verhindert werden können. Es ist eine Adaption von dem, mit einem Pulitzerpreis ausgezeichneten, gleichnamigen Sachbuch von Lawrence Wright. Serienschöpfer und Produzenten sind der Autor der Romanvorlage, der Dokumentarfilmemacher und Oscar-Gewinner Alex Gibney („Taxi to the Dark Side“, „Going Clear: Scientology and the Prison of Belief“) und der amerikanische Schauspieler („The Birdcage“, „Enough“, A Mighty Heart) und Oscar-nominierte Drehbuchautor („Capote“, Foxcatcher) Dan Futterman. Alex Gibney hat auch bei der ersten Episode („Now it Begins“) Regie geführt. 

„The Looming Tower“ beginnt Ende der 1990er Jahre und erzählt von der zunehmenden Bedrohung durch Osama bin Laden und al-Qaida. 

Schon mit der ersten Folge werden die Fehler der Geheimdienste deutlich. Obwohl die CIA in ihrer Terrorabwehr-Abteilung „Alec Station“ offiziell zwei FBI-Beamte in ihrer Abteilung zu sitzen haben, verheimlichen sie sämtliche wichtige Informationen vor ihnen. Beim FBI hingegen wird durch ihre Ermittlungen deutlich, dass die Bedrohung durch Islamisten immer stärker wird. John O´Neill, der Chef der FBI-Terrorismusabwehr stellt fest, dass sie von 10.000 FBI-Mitarbeitern nur acht arabisch-sprechende Beamte haben, die sich mit der islamischen Kultur auskennen. Eigentlich höchste Zeit, etwas zu ändern. Trotz aller Rivalitäten dieser beiden Geheimdienste sollten sie beginnen, ihre Informationen auszutauschen, abzugleichen, an einem Strang zu ziehen und die wachsende Gefahr durch islamistischen Terrorzellen gemeinsam zu bekämpfen. 

Hier haben wir aber mind. zwei Alpha-Tiere, den stoischen CIA-Professor (gespielt von Peter Sarsgaard), der ausschließlich seinen Plan durchsetzen will, am liebsten Bomben worauf-auch-immer schmeissen will, in der Hoffnung, Osama bin Laden (Geheimdienstsprache: UBL) zu töten. Auf der anderen Seite den erfahrenen FBI-Oberen (gespielt von Jeff Daniels), der die Zusammenhänge sieht und durchdacht handeln will. Er erkennt, vielleicht auch durch seinen muslimischen Protegé, dass es mit der Tötung von UBL längst nicht getan ist. „The Looming Tower“ zeigt den Kleinkrieg zwischen der CIA und dem FBI, der Agency und dem Bureau, „Alec Station“ und „I-49“.  

Die Welt der amerikanischen Geheimdienstler war seinerzeit scheinbar eine reine Männerdomäne, Frauen spielen eine untergeordnete Rolle. In dem Verlauf der Ereignisse (die letztendlich zu den Anschlägen vom 11. September 2001 führten) zeigt sich, dass man Männer in solchen verantwortlichen Posten nicht alleine lassen sollte. Hier – und das Ganze beruht auf Tatsachen – sind die verantwortlichen Männer so mit sich beschäftigt, tragen Machtkämpfe aus und verlieren darüber ihr eigentliches Ziel aus den Augen. An einer Zusammenarbeit der CIA mit dem FBI war seinerzeit nicht zu denken. Unfassbar, vielleicht hätten wirklich, wenn die werten Gentlemen ihre Befindlichkeiten und Eitelkeiten hätten überwinden können, die weltverändernden Terroranschläge vom 11. September 2001 verhindert werden können. 

Zugegebenermassen werden hier auch zwei Frauen gezeigt, die aus einer Motivation heraus gehandelt haben, die nicht nachvollziehbar ist. Eine der beiden Frauen, war die CIA-Analystin Diane Marsh, die Professor Martin Schmidt unterstellt war und die andere Frau war George W. Bushs damalige Sicherheitsberaterin, Condoleezza Rice, die schlichtweg ignorant und unverantwortlich gehandelt hat. Letzteres wird zum einen zu Beginn des Jahres 2001 deutlich und zum anderen, spätestens mit der, im TV live übertragenen, Anhörung vor dem  9/11-Untersuchungsausschuss im Jahr 2004. 

Die Sympathieträger dieser Geschichte sind für mich der FBI-Agent John O´Neill und sein libanesisch-amerikanischer Agent Ali Soufan. 

Wenn man sieht, welche Themen heutzutage unsere Nachrichten bestimmen, war die Sicherheitslage der westliche Welt vor 9/11 noch weitestgehend in Ordnung. Ende der 1990er Jahre war schon fast eine unbeschwerte Zeit. Seinerzeit hat uns, beispielsweise, die Presse wochenlang mit US-Präsident Bill Clinton und seiner Affäre mit Monika Lewinsky unterhalten. Der islamistische Terror war für die normale Bevölkerung noch nicht sicht- und fühlbar. 

Meine Lieblingsszenen: viele, aber beispielsweise als Bill Camps Charakter, FBI-Veteran Robert Chesney einen der Terroristen verhört in Episode 3 („Mistakes Are Made“). Hier sieht man in einer einzigen Szene , was für ein faszinierender Schauspieler Bill Camp ist. Eine sehr starke Szene gibt es auch in der fünften Episode  („Y2K“): zur Jahrtausendwende am Times Square teilt John O´Neill, nachdem die Sylvester-Nacht zum Jahrtausendwechsel ruhig verlaufen ist, seinem Kollegen mit, dass er sicher ist, dass die Terroristen im Land sind, er weiß aber nicht, was sie genau vorhaben.

Meine Lieblingsfolge: Episode 9 („Tuesday“) Hier sieht man wie alles zusammenfällt. Wer alt genug ist, um den Tag des Terroranschlags bewusst erlebt zu haben, für den endet diese Folge mit einem Schlag in die Magengrube. Man sieht Originalfilmmaterial zum einen von der Flughafen-Überwachungskamera, die die Terroristen zeigt und zum anderen Original-Aufnahmen des Untersuchungsausschusses zu 9/11 aus dem Jahr 2004. Hier wird der damalige CIA-Direktor George Tenet befragt, warum er die Informationen, dass sich ein bekanntes al-Qaida-Mitglied seit März 2000 im Land befindet nicht an das FBI weitergeleitet hat und warum sich diese Person nicht auf der Watchlist befand, bzw. rund um die Uhr beobachtet wurde. Später sieht man die damalige Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice (die in der fiktiven Erzählung, zuvor die Sorgen der Geheimdienstler vor einem drohenden al-Qaida-Anschlag auf amerikanischen Boden nicht ernst genommen hat), wie sie im Jahr 2004 vor dem Untersuchungsausschuss befragt wird. Sie sagt aus, ihr wäre nicht klar gewesen, dass sie etwas gegen die al-Qaida-Zellen hätten tun sollen. Es wird darauf hingewiesen, dass sie ausdrücklich mit dem Datenträger v. 6.8.2001 gewarnt wurde, dass es sehr wahrscheinlich zu einem Anschlag in den U.S.A. kommt. Sie wird gefragt, ob sie sich an den Titel dieses Datenträgers erinnert. Sie antwortet daraufhin: Bin Laden Determined to Attack Inside the United States. Wow. Daran konnte ich mich gar nicht mehr erinnern. Jetzt rückblickend unfassbar, dass sie daraufhin nicht als Nationale Sicherheitsberaterin entlassen wurde. Sie wurde sogar ein Jahr später als Außenministerin der Vereinigten Staaten ernannt. Wie kommt es, dass diese Leute nie zur Verantwortung gezogen wurden?

Die finale Episode („9/11“) hat mich tief bewegt und in die Zeit dieser Terror-Anschläge, die die Welt veränderten, zurückversetzt. Diese Folge fängt die Stimmung zu dieser Zeit hervorragend ein. Vieles hat man gesehen, aber nicht, wie wohl die Geheimdienstler, die diese Anschläge wohl hätten verhindern können, mit der Situation umgegangen sind. Die tragischste aller Geheimdienst-Persönlichkeiten ist zweifelsohne John O´Neill. Zum Zeitpunkt der Terroranschläge arbeitete er – unfreiwillig – bereits nicht mehr für das FBI, sondern führte das Sicherheitspersonal in den Twin Towers. Eine brillante Szene gibt es auch noch gegen Ende der Episode als der muslimische FBI-Agent Ali Soufan den Terroristen aufzeigt, was tatsächlich im Koran steht.

Schon vor 9/11 verband mich eine innige Liebe mit der Stadt New York, ich reiste damals schon mehrmals im Jahr privat in die Stadt, Hatte – wie immer – frei im September und wollte tatsächlich auch in die Stadt fliegen. Wie die meisten, die alt genug waren, um diesen Tag schon bewusst zu erleben, werde ich nie vergessen, wie ich von dem Terroranschlag erfahren habe und nicht wahrhaben wollend, was passierte, daraufhin über Tage die Nachrichtenberichterstattung quasi rund um die Uhr verfolgte. Relativ kurz nach den Anschlägen bin ich erstmalig im Oktober 2001 wieder nach Manhattan geflogen. Den Geruch meiner Lieblingsstadt und die Stimmung in dieser Zeit werde ich nie vergessen. 

Wie alle exzellenten Serien bzw. Mehrteiler habe ich mir diese auch 2 x angeschaut. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

John O´Neill ist der Leiter des New Yorker FBI-Abteilung für Terrorismusabwehr (I-49). John O´Neill lebt für seinen Job, er ist seit über 20 Jahren bei dem FBI. Er ist überzeugt, dass die USA, Ziel eines Anschlags von al-Qaida ist, wird aber von der CIA, insbesonders von Professor Martin Schmidt (gespielt von Peter Sarsgaard), was deren Informationen über die Islamisten angeht, kurz gehalten. John O´Neill gab es tatsächlich. Beruflich ist er und sein Mitarbeiter Ali Soufan für mich die Sympathieträger dieser wahren Geschichte. Privat sah es bei ihm wohl etwas chaotisch aus, in der Realität hatte er wohl tatsächlich vier (in der Serie sind es „nur“ 3 Frauen) gleichzeitig, die nichts voneinander wussten. Außerdem hatte er wohl auch einige Disziplinarverfahren am Hals. Auch wenn ich der Meinung bin, dass man das wahre Leben nicht spoilern kann, hier eine kleine SPOILER-WARNUNG was seine Person angeht: Nach 25 Jahren beim FBI, im Jahr 2001, wurde er gezwungen, seinen Rücktritt einzureichen. Zweieinhalb Wochen vor dem 11.September 2001 hatte er seinen ersten Tag in seinem neuen Job als Leiter des Sicherheitspersonals der World Trade Center. Die unglaubliche Tragik seines Lebens besteht darin, dass er bei den 9/11-Anschlägen in einem der Türme verstarb. SPOILER-WARNUNG ZU ENDE Gespielt wird John O´Neill hier von dem amerikanischen TV-, Film- und Theaterschauspieler Jeff Daniels. Sein Spielfilmdebüt gab er in Milos Formans „Ragtime“. Er hat in unzähligen Kinofilmen („Terms of Endearment“, „Dumb and Dumber“„The Squid and the Whale“, Steve Jobs) mitgespielt. Für seine Rolle in der TV-Serie The Newsroom, hat er  er einen Emmy Award gewonnen. Für seine Performances in den Bühnenstücken „God of Carnage“ und „Blackbird“ wurde er jeweils für den Tony Award nominiert 

Professor Martin Schmidt ist der Leiter der CIA-Anti-Terror-Einheit „Alec Stattion“ in Washington. Diese Figur setzt sich wohl aus mehreren realen Charakteren zusammen. Seine Figur hat aber durchaus starke Ähnlichkeit mit dem damaligen CIA-Agenten und Leiter der Anti-Terror-Einheit „Alec Station“ Michael Scheuer. Er machte seit 1996 Jagd auf Osama bin Laden. Gespielt wird Professor Schmidt von dem amerikanischen Charakterschauspieler Peter Sarsgaard. Sein Spielfilmdebüt gab er in „Dead Man Walking“. Seither hat er in unzähligen guten Filmen (u.a. „Shattered Glass“, „The Dying Gaul“, Rendition, Blue Jasmine, Jackie) und in einigen TV-Serien („The Killing“, „Wormwood“) mitgespielt. Peter Sarsgaard ist exzellent in der Rolle des sehr smarten, aber überheblichen Professors Martin Schmidt. Im realen Leben ist er mit der Schauspielerin Maggie Gyllenhaal (The Dark Knight) verheiratet.

Ali Soufan ist ein libanesisch-amerikanischer FBI-Beamter. Er ist Muslim und in Beirut geboren und aufgewachsen. Ali ist im Jahr 1998 nur einer der 8 von 10.000 Mitarbeitern beim FBI, der Arabisch spricht und sich auch mit der islamischen Kultur auskennt. John O´Neill (gespielt von Jeff Daniels) ist sein Mentor, er arbeitet in seiner Gruppe „I-49“. Ali Soufan ist – wie John O´Neill – eine reale Persönlichkeit, er stand übrigens den Serienschöpfern von „The Looming Tower“ als Berater bei. Wie bereits oben erwähnt sind für mich Ali Soufan und sein Chef John O´Neill die Sympathieträger der Geschichte. Gespielt wird Ali Soufan von dem französischen Schauspieler Tahar Rahim gespielt. Er hat einige Auszeichnungen für seine Performance in Jacques Audiards „A Prophet“ gewonnen und war in einigen internationalen Produktionen, u.a. in Asghar Farhadis „The Past“ und Fatih Akins „The Cut“ mitgespielt. Ich denke, dass „The Looming Tower“ in den U.S.A. sein Durchbruch ist und man ihn bald in mehr amerikanischen Filmen sehen wird.

Diane Marsh ist eine CIA-Analystin und Professor Martin Schmidt (gespielt von Peter Sarsgaard) unterstellt. Sie glaubt daran, dass ausschließlich die CIA das Potenzial hat, den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen und hält Informationen vor dem FBI zurück. Ihr Charakter ist aus mindestens drei realen Persönlichkeiten entwickelt worden. Für mich ist Diane Marsh neben den ganzen Terroristen die unangenehmste Figur dieser Mini-Serie. Gespielt wird Diane Marsh von der amerikanischen Schauspielerin Wrenn Schmidt. Sie hatte bereits in einigen TV-Serien („Boardwalk Empire“, „The Americans“, „Tyrant“) eine größere Rolle. 

Robert „Bob“ Chesney (Bill Camp) ist ein FBI Veteran. Er arbeitet für John O´Neill (gespielt von Jeff Daniels). Gespielt wird er von dem amerikanischen Schauspieler Bill Camp. Mir ist dieser hervorragende Schauspieler erstmalig im Jahr 2016, in der TV-Serie The Night Of aufgefallen. Im realen Leben ist er mit der amerikanischen Schauspielerin Elizabeth Marvel (TV-Serie Homeland, Staffel 6 und 7) verheiratet. 

Richard Clarke ist der Bundeskoordinator für Nationale Sicherheit in den USA. Er hat US-Präsidenten Bill Clinton direkt beraten. Auch Richard Clarke ist eine reale Persönlichkeit. Gespielt wird er von dem genialen amerikanischen Schauspieler Michael Stuhlbarg. Mir ist er erstmals in A Serious Man der Coen Bros. aufgefallen. Was hat er nicht seither alles gespielt. Aus der Filmwelt ist er nicht mehr wegzudenken. Unvergessen in Steve Jobs und Miss Sloane. Allein dieses Jahr, im Jahr 2018, spielte er mit Call Me by Your NameThe Post und The Shape of Water in drei Oscar-nominierten bzw. -prämierten Filmen. Auch in den TV-Serien „Boardwalk Empire“ und der dritten Staffel von „Fargo“ hatte er eine Hauptrolle. 

George Tenet ist der Direktor der CIA. Er ist bekanntermassen auch eine reale Persönlichkeit. Gespielt wird George Tenet von dem amerikanischen Schauspieler Alec Baldwin. Der Charakterschauspieler hat in einigen exzellenten Filmen („Glengarry Glen Ross“, „State and Main“, „The Cooler“, Blue Jasmine) und guten TV-Serien („Will & Grace“, „30 Rock“) mitgespielt. Den meisten ist er bekannt durch seine Parodie von Donald Trump bei SNL. Für diese Performance hat er auch einen Emmy Award gewonnen. Zwei weitere Emmys hat er für seine Rolle in „30 Rock“ gewonnen. Für 15 weitere Emmy Awards war er nominiert. Außerdem hat er eine Oscar-Nominierung für seine Performance in „The Cooler“ und eine Tony-Nominierung für seine Rolle in dem Bühnenstück „A Streetcar Named Desire“ erhalten. Alec Baldwin ist er der älteste der Baldwin Brüder, Daniel, William und Stephen sind ebenfalls alle Schauspieler. 

 

„The Looming Tower“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Outstanding Limited Series, Outstanding Directing for a Limited Series, Movie or Dramatic Special, Outstanding Lead Actor in a Limited Series or Movie (Jeff Daniels, Taha Rahim), Outstanding Supporting Actor in a Limited Series or Movie (Peter Sarsgaard, Michael Stuhlbarg, Bill Camp) Update: „The Looping Tower“ ist im Jahr 2018 für vier Emmys (Outstandig Lead Actor, Jeff Daniels, Outstanding Supporting Actor, Michael Stuhlbarg, Outstanding Directing für die Episode „9/11“ und Outstanding Casting for a Limited Series) nominiert worden. 

„The Looming Tower“ feierte seine Weltpremiere am 15.02.18 in New York. Die internationale Premiere zweier Episoden erfolgt kurz daraufhin auf der Berlinale 2018. In den U.S.A. wurde der Mehrteiler erstmalig, mit einer Episode pro Woche, v. 28.02.18 – 18.08.18 auf dem amerikanischen Streaming-Sender Hulu ausgestrahlt. In Deutschland ist die Serie ist seit dem 4.5.18 in einer wohl verbesserten Synchro-Version auf Amazon Prime zu streamen. Die Originalfassung ist aber definitiv zu empfehlen. „The Looming Tower“ erscheint ab dem 18.08.18 auf Blu-ray und DVD. Ich war im April 2018 zu einer HULU-Veranstaltung (incl. FYC-Screening mit anschließendem Q & A mit Dan Futterman, u.a. und einer Party) für SAG-AFTRA-Mitglieder in New York eingeladen, woraufhin für mich feststand, diese Serie unbedingt sehen zu müssen. 

Trailer zu sehen:

 

 

 

FYC-Sreening von „The Looming Tower“ im Metrograph in Manhattan April 2018

 

Q & A nach dem FYC-Sreening von „The Looming Tower“ im Metrograph in Manhattan April 2018

 

Boston – Film: „The Post“

Ich war am 08.01.18 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Post“ (dt. Filmtitel: „Die Verlegerin“, dt. Kinostart: 22.02.18) 115 min drama, biopic
dir. Steven Spielberg cast: Meryl Streep, Tom Hanks, Sarah Paulson, Bob Odenkirk, Tracy Letts, Bradley Whitford, Bruce Greenwood, Matthew Rhys, Alison Brie, Jesse Piemons, Michael Stuhlbarg

 

Nach dem Tod ihres Ehemannes, und ohne groß Erfahrung im Zeitungsgeschäft, musste Katherine Graham (Meryl Streep) die Washington Post übernehmen. Im Jahr 1971 ist sie jetzt bereits seit einigen Jahren die Verlagschefin der Zeitung. Ihr Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) versucht sie eines Tages davon überzeugen, brisante Unterlagen eines hochrangigen Mitglieds des amerikanischen Verteidigungsministeriums zu publizieren. Die sogenannten Pentagon Papers decken einen riesigen Vertuschungsskandal des Weißen Hauses auf. Die geheimen Dokumente belegen, dass vier U.S.-Präsidenten die amerikanische Öffentlichkeit hinsichtlich des Vietnamkrieges bewusst getäuscht haben. Das Konkurrenzblatt, die New York Times, begann bereits, Auszüge des Materials zu drucken, woraufhin der amtierende U.S.-Präsident Nixon eine Einstweiligen Verfügung gegen weitere Veröffentlichungen bewirkte. Sollte die Post jetzt die Pentagon Papers publizieren, könnte es das Ende der Zeitung bedeuten…

 

B- (Wertung von A bis F) „The Post“ basiert auf wahren Begebenheiten. Die Veröffentlichung der Pentagon Papers zählt neben der Watergate-Affäre zu den größten Politskandalen der Vereinigten Staaten. Dies ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Steven Spielberg („Jaws“, „Jurassic Park“, „Schindler´s List“, Lincoln). Nach „Saving Private Ryan“, „Catch Me If You Can“, „The Terminal“ und Bridge of Spies arbeitet der Regisseur bereits das fünfte Mal mit dem Schauspieler Tom Hanks zusammen.

„The Post“ ist ein passabler Film, noch mehr ist es für mich aber Steven Spielbergs etwas verzweifelter Versuch einen wirklich relevanten Film über den Journalismus und noch wichtiger die Pressefreiheit zu inszenieren. Ungefähr zwei Drittel des Films geht es eigentlich nur darum, ob die Washington Post die Pentagon Papiere druckt oder nicht. Ich empfand das sehr zäh und auch auf Dauer langweilig. Steven Spielberg liess es sich natürlich auch nicht nehmen, am Ende des Films den Watergate-Skandal anzudeuten. Ein Skandal, der nach der Affäre um die Pentagon Papers aufgedeckt wurde und weltweit sicherlich für mehr Aufsehen gesorgt hat. Die Watergate-Affäre wurde durch die Enthüllungsjournalisten der Washington Post (Bob Woodward und Carl Bernstein) ans Licht gebracht. Zurück zu Spielbergs Film über die Pentagon Papiere: Ich mag immer mindestens etwas an den Filmen des amerikanischen Filmemachers, hier mochte ich besonders die gesamte Sequenz in der Druckerei. Das Beste des Films ist jedoch Meryl Streep. Zu Recht wurde die dreifache Oscar-Preisträgerin für diese Performance für ihren 21. Academy Award nominiert, auch wenn man vielleicht darüber diskutieren könnte, ob das jetzt eine Haupt- oder Nebenrolle ist.

„The Post“ und Paul Thomas Andersons Phantom Thread waren zusammen mit Ridley Scotts Film All the Money in the World die letzten Filme, die – in der Oscar-Saison 2017/2018 gezeigt wurden. Auf dem Papier sah „The Post“ noch am Anfang der Oscar-Saison 2017/2018 so aus, als wäre es ein sicherer Favoriten-Film bei den 90th Academy Awards. Am 23.01.18 wurde der Film jedoch nur für zwei Oscars (Bester Film und Beste Hauptdarstellerin – Meryl Streep) nominiert.

Der großartige Michael Stuhlbarg hat dieses Jahr in drei oscarnominierten Filmen (The Shape of Water  und vor allen Dingen – unvergessen in der einen Szene in Call Me by Your Name) mitgespielt. In „The Post“ spielt er den Chefredakteur der New York Times.

„The Post“ ist am 22.12.17 in neun amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 12.01.18 läuft der Film landesweit in 2819 Kinos in den U.S.A. Unter dem Filmtitel „Die Verlegerin“ soll der Film am 22.02.18 in die deutschen Kinos kommen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

da ich sehr spät aus Molly´s Game kam, habe ich nur noch folgenden Trailer mitbekommen:

Trailer v. Film: „Red Sparrow„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Wow – zumindest vom Trailer her. Spionagethriller mit Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Matthias Schoenaerts
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Boston – Film: „The Shape of Water“

Ich war am 08.12.17 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Shape of Water“ (dt. Filmtitel: „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“, dt. Kinostart: 15.02.18)  123 min   fantasy, drama, thriller
dir. Guillermo del Toro cast: Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Doug Jones, Michael Stuhlbarg, Octavia Spencer, Lauren Lee Smith, Nick Searcy, David Hewlett

 

Während des Kalten Krieges, im Jahr 1962 in Baltimore. Die stumme Elisa (Sally Hawkins) arbeitet als Reinigungskraft in einem geheimen Hochsicherheitslabor des US-Militärs. Eines Tages wird ein Amphibien-Wesen aus dem Amazonas geliefert. Elisa freundet sich mit der Kreatur an, fühlt sich sogar zu ihm hingezogen. Als sie realisiert, dass er in Gefahr ist, überzeugt sie ihren Nachbarn Giles (Richard Jenkins), den Amphibien-Mann zu befreien…

 

B+ (Wertung von A bis F) „The Shape of Water“ ist der neue Film des mexikanischen Filmemachers Guillermo del Toro („Mimic“, „The Devil´s Backbone“, „Pan´s Labyrinth“, Hellboy II: The Golden Army , Crimson Peak).

Alexander Desplats einprägsamer, wunderbarer Score zieht einen gleich zu Beginn in die Geschichte und in del Toros fantasiereiche, in Grün getauchte Welt. Die Filmmusik unterstützt die Handlung fortwährend. Es gibt so vieles an dem Film zu lieben. Wenn ich zurückblicke, fällt mir als Erstes ein, wie tief beeindruckt mich die Szenenbilder haben. Während des Films habe ich daran gedacht, wie gerne ich jetzt durch diese Sets schlendern und mir alles ganz genau anschauen würde. Die Apartments von Richard Jenkins und Sally Hawkins Charakteren, das Diner (mit dieser tollen, runden Kuchen-Vitrine) oder das Büro mit den schrägen, fast bodenlangen Fenstern von Michael Shannons Charakter – ich konnte mich nicht genug an den Details sattsehen. Guillermo del Toro als kreativer Chef und sein Filmausstatter und Bühnenbildner nutzen hier, was die komplette grüne Farbpalette bietet. Die Farbe sieht man hier nicht nur in allen Varianten und Nuancen, selbst als Wort wird das Grün einige Male erwähnt.

„The Shape of Water“ ist ein Genre-Mix aus einem Drama, Thriller, Monsterfilm, Musical und einer Romanze, alles nicht zufällig in der Zeit des Kalten Krieges angesiedelt. Leider mochte ich die Liebesgeschichte nicht. Als Guillermo del Toro sich die Story ausgedacht hat, hat er die Rolle der Elisa für Sally Hawkins geschrieben. Mit der englischen Schauspielerin (Blue Jasmine) hatte ich bereits einige Male ein Problem, hier ging sie mir zunehmend auf die Nerven, was vorwiegend an ihrer Filmfigur liegt. Die süße Klebrigkeit von Elisa hat mich an Amélie aus dem gleichnamigen französischen RomCom-Film aus dem Jahr 2001 erinnert. So wenig ich Amélie mochte, so wenig mag ich Elisa. Perfekt wäre „The Shape of Water“ für mich mit Richard Jenkins Charakter als zentrale Figur und Elisa als Nebenfigur, die eine rein freundschaftliche Beziehung mit der Wasserkreatur pflegt.

In dieser Oscar-Saison gibt es wohl keinen Film mit vielfältigeren Hauptfiguren: eine stumme Putzfrau, ein schwuler Werbegrafiker, eine Afroamerikanerin, ein Amphibien-Monster als romantischer Held und im Kontrast ein weißer, rassistischer und sexistischer Amerikaner als Bösewicht. Für die Besetzung hatte der Filmemacher bereits beim Schreiben nicht nur Sally Hawkins, sondern auch Octavia Spencer, Michael Shannon und Doug Jones (als Amphibien-Mann) im Sinn. Ich bin nun auch nicht wirklich Fan von Octavia Spencer, hier gefiel sie mir zum ersten Mal. Michael Shannon ist generell klasse und kann das Böse wie kaum ein anderer repräsentieren. Richard Jenkins spielt hier einen so liebenswerten Charakter, dass ich – wie bereits erwähnt – mir gewünscht hätte, der Film würde seiner Figur wesentlich mehr Raum geben. Michael Stuhlbarg hat wohl die Zeit seines Lebens. Im Jahr 2017 ist er in tatsächlich drei potenziellen Oscar-Filmen („The Shape of Water“, The Post“ und „Call Me by Your Name“) zu sehen. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass er für seine Oscar-Szene in Call Me by Your Name nominiert werden müsste.

Auch wenn mir „The Shape of Water“ von der Story her etwas überladen erschien und ich auf die Liebesgeschichte hätte verzichten können, ist der Film ein fantastisches und sehr mutiges Werk, welches in jeder Szene Guillermo del Toros Handschrift trägt. Darüberhinaus merkt man seinen Filmfiguren an, wieviel Herzblut er in jeden einzelnen Charakter gesteckt hat. Guillermo del Toro ist der letzte, der drei mexikanischen Ausnahme-Regisseure (in Hollywood als die Three Amigos bekannt: Alfonso Cuarón, Alejandro González Inárritu und Guillermo del Toro), der noch keinen Oscar hat. Ich hoffe, dass er für sein visuell perfektes, bildgewaltiges Erwachsenen-Märchen mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet wird. In meinen Augen hätte er den Oscar bereits für den besten fremdsprachigen Film für „Pan´s Labyrinth“ verdient (gewonnen hatte seinerzeit, nicht weniger verdient, der deutsche Film „Das Leben der Anderen“).

Was den Oscar-Gewinn als Bester Film angeht, hat „The Shape of Water“ kürzlich einen herben Rückschlag erlitten. Ausgerechnet die Gewerkschaft der Schauspieler hat diesen Film nicht für einen SAG-Award Best Ensemble nominiert.

„The Shape of Water“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Sally Hawkins), Bester Nebendarsteller (Richard Jenkins, Michael Shannon), Beste Nebendarstellerin (Octavia Spencer), Bestes Originaldrehbuch und viele technische Kategorien. Update: „The Shape of Water“ hat 13 Oscar-Nominierungen erhalten (Best Picture, Best Director, Best Actress – Sally Hawkins, Best Supporting Actress – Octavia Spencer, Best Supporting Actor – Richard Jenkins, Best Original Screenplay, Best Cinematography, Best Costume Design, Best Film Editing, Best Production Design, Best Score, Best Sound Mixing, Best Sound Editing) Update: „The Shape of Water“ hat vier Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bestes Szenenbild und Beste Filmmusik) gewonnen.

„The Shape of Water“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2017 gezeigt. Der Film wurde mit dem wichtigsten Preis des Festivals, den Goldenen Löwen, ausgezeichnet. „The Shape of Water“ ist am 1.12.17 in zwei amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er in 730 Kinos in den U.S.A. Für Deutschland ist ein Kinostart für den 15.02.18 geplant.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Fifty Shades Freed„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: das dieser Mist so viel Geld macht…
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Post„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Der neue Spielberg-Film mit Meryl Streep und Tom Hanks. Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Isle of Dogs„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Wes Andersons neuer Stop-motion-Animationsfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Phantom Thread„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Paul Thomas Andersons neuer Film mit der (vorerst) letzten Performance von Daniel-Day Lewis.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „All the Money in the World„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer mit nun Christopher Plummer)
Kommentar: Kevin Spacey rausgeschnitten, Plummer drin und nach diesem Trailer sieht der Film wesentlich actionreicher aus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „12 Strong„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Kriegsfilm mit Michael Shannon und anderen
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Quiet Place„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Wow, cooler Trailer. Horrorfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Berlin (ale) – Film: „Call Me by Your Name“

Ich war am 15.02.17 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Call Me by Your Name“(dt. Kinostart: 01.03.18) 130 min drama, adaptation
dir. Luca Guadagnino cast: Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg, Amira Casar

 

Sommer 1983 in Norditalien. Der 24-jährige amerikanische Student Oliver (Armie Hammer) verweilt in den Sommerferien auf dem großzügigen Landsitz seines Professors (Michael Stuhlbarg). Die beiden arbeiten, Oliver verbringt aber auch viel Zeit mit dem 17-jährigen Sohn des Professors, Elio (Timothée Chalamet). Die Anziehung der beiden jungen Männer wird im Laufe des Sommers immer intensiver…

 

 

A- (Wertung von A bis F) „Call Me by Your Name“ basiert auf André Acimans gleichnamigen Roman. Es ist der neue Film des italienischen Drehbuchautors und Regisseurs Luca Guadagnino („I Am Love“, A Bigger Splash). Der Film gilt als sehr persönlicher Film des Filmemachers.

Die Beziehung der beiden jungen Männer entwickelt sich langsam und ganz natürlich. Der 17-jährige Elio ist fasziniert von dem gutaussehenden Amerikaner, sein Interesse wächst, am Anfang Spielereien, Flirts, Blicke, Andeutungen, erste Berührungen, Rückzieher, Erwartungen, Enttäuschungen, Sehnsüchte – Luca Guadogino hat es so inszeniert, dass sich der Zuschauer daran erinnert, wieder ganz jung und fürchterlich verliebt zu sein. „Call Me by Your Name“ ist wie ein langer, schöner und unvergesslicher Sommer.

Die Chemie der beiden Hauptdarsteller (Armie Hammer und Timothée Chalamet) stimmt. Ihre Charaktere sind hetero- bzw. bisexuell, das ist aber alles nebensächlich, weil es um die erste große Liebe geht und mit wem man die geniesst, sollte egal sein.

Der Film lief bereits auf dem Sundance Film Festival. Wenn der Film dann später im Jahr in den amerikanischen Kinos startet, kann es sein, dass er in Teilen der Vereinigten Staaten kontrovers diskutiert wird. „Call Me by Your Name“ ist ein sehr europäischer Film und die Gesetzgebung ist bei uns gelockerter. In den meisten Bundesstaaten macht sich ein Älterer generell strafbar, wenn er mit einem 17-jährigen Jungen oder Mädchen (also unter 18 Jahre und damit minderjährig) Sex hat.

Michael Stuhlbarg habe ich das erste Mal in dem Coen Bros.-Film A Serious Man gesehen, seither spielt er vorwiegend Nebenrollen, aber ist immer exzellent. Hier spielt er einen Charakter, der mit seinen Gefühlen lange im Verborgenen bleibt und dann hält er gegen Ende des Films einen hochemotionalen Monolog, womit er wohl viele Zuschauer zum Weinen bringen dürfte. Für mich ist das eine ganz klare Oscar-Szene.

Armie Hammer (The Social Network, Nocturnal Animals, Final Portrait) ist unfassbar gutaussehend und passt in die Zeit der 1980er Jahre, genauso wie Jude Law einfach unverschämt attraktiv in „The Talented Mr. Ripley“ war und perfekt Ende der 1950er Jahre aufgehoben war.

Heute, Anfang März 2017, ist „Call Me by Your Name“ der erste Film des noch jungen Jahres bei dem ich mir vorstellen kann, dass er am Ende des Jahres in einigen Bestenlisten auftauchen und auch bei den Oscars 2018 eine Rolle spielen könnte. Update: Call Me By Your Name hat 4 Oscar-Nominierungen erhalten (Best Picture, Best Actor – Timothee Chalamet, Best Adapted Screenplay, Best Original Song – The Mystery of Love) Update: „Call Me by Your Name“ hat einen Oscar (Bestes adaptiertes Drehbuch) gewonnen.

„Call Me by Your Name“ wurde erstmalig auf dem Sundance Filmfestival 2017 gezeigt. Ich habe ihn auf der Berlinale gesehen. Auf dem 67. Berlin International Film Fest wurde der Film in der Sektion Panorma Special gezeigt. Gezeigt wurde die OmU (wobei nur die französische und italienische Sprache untertitelt war). Dank der Beharrlichkeit des Kino- (oder Berlinale-) personals (Heben sie die Hand, wenn sie neben sich noch einen Platz frei haben, die freien Plätze wurden gezählt, die Zahl nach draußen gegeben und entsprechend kamen auch die letzten glücklichen Zuschauer rein), war die Vorstellung bis auf den letzten Platz ausverkauft. So professionell kenne ich es tatsächlich nur vom Tribeca Film Festival. Bravo Cubix. Noch vor der Premiere in Sundance hat Sony die weltweiten Vertriebsrechte gekauft, Sony Pictures Classics bringt den Film in den U.S.A. ins Kino, sehr wahrscheinlich in der Oscar-Saison. Derzeit ist noch kein deutscher Kinostart bekannt. Update: Der Film startet am 24.11.17 in den amerikanischen Kinos. Ein deutscher Kinostart ist für den 01.03.18 geplant.

Trailer zu sehen:

 

Boston – Film: „Miss Sloane“

Ich war am 10.12.16 in Boston und am 16.12.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Miss Sloane“ (dt. Filmtitel: Die Erfindung der Wahrheit, dt. Kinostart: 06.07.17) 132 min drama, thriller
dir. John Madden cast: Jessica Chastain, Mark Strong, Gugu Mbatha-Raw, Michael Stuhlbarg, Alison Pill, John Lithgow, Sam Waterston

 
Washington D.C. Die ehrgeizige Politstrategin Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) überwirft sich mit ihrem Chef (Sam Waterston) und verlässt nach elf Jahren ihren Arbeitgeber, eine einflussreiche Lobby-Firma. Jetzt arbeitet sie für eine Organisation und leitet eine Kampagne, mit der sie und ihr Team über 60 U.S. Senatoren davon überzeugen müssen, ein neues, schärferes Waffengesetz zu befürworten. Mit dem neuen Gesetz werden strengere Überprüfungen beim Waffenkauf gefordert. Mit ihrer Kampagne legt sich die Lobbyistin mit der mächtigen Waffenlobby an. Ihr altes und jetzt gegnerische Team unter der Leitung von Pat Conners (Michael Stuhlbarg) unterstützt die Waffenlobby und versucht die Senatoren auf ihre Seite zu ziehen. Beide Teams kämpfen mit allen Mitteln…

 
A (Wertung von A bis F) „Miss Sloane“ ist der neue Film des englischen Filmemachers John Madden („Shakespeare in Love“, „Proof“, „The Best Exotic Marigold Hotel“).

Ich habe ein Faible für smarte Politthriller und gute Charakterstudien. Auch mag ich – wie ich es nenne – „runde“ Geschichten. „Miss Sloane“ ist genau das.

„Miss Sloane“ gibt einem am Anfang des Films eine Idee von der üblichen Strategie der titelgebenden Figur. Miss Sloane ist eine ehrgeizige Frau, die sich in der harten Welt der Lobbyisten in Washington durchgesetzt hat. Sie ist stets perfekt vorbereitet und ihren Widersachern meist einen Schritt voraus ist, schießt aber durchaus auch mal über das Ziel hinaus. Miss Sloane ist sehr erfolgreich in ihrem Metier, aber sie hat auch Prinzipien. Eine Gewinnertype, die sich sogar mit der mächtigen amerikanischen Waffenlobby anlegt – wäre sie ein Mann, jeder würde sie bewundern. Sie  lebt für ihren Job, ist aber nicht fehlerfrei und zahlt einen hohen Preis für dieses Leben.

 
Jessica Chastain (Zero Dark Thirty, A Most Violent Year) ist gewohnt bravourös. Sie kann unterkühlte Frauen sehr gut spielen. Miss Sloane ist keine Sympathieträgerin, aber dafür ein faszinierender, vielschichtiger Charakter, der mich bis zum Schluss gefesselt hat. Ich liebe scharfzüngige, zynische und sehr smarte Filmfiguren. Besonders mochte ich den Schlagabtausch, den sich Miss Sloane und ihr Kollege und spätere Gegner (gespielt von Michael Stuhlbarg) liefern. Bei Miss Sloanes Aussage am Ende des Films habe ich sogar Gänsehaut bekommen.

Schauspielerisch sind aber auch Mark Strong, Gugu Mbatha-Raw und – wie immer – Michael Stuhlbarg klasse. Jake Lacy ist mir das erste Mal in Love the Coopers aufgefallen, hier spielt er Forde und ist auch ein Hingucker, irgendwie.

Jessica Chastain hat in einem Interview erzählt, wie sie sich auf den Film vorbereitet hat. Weniger als 10% in der Washingtoner Lobby-Industrie sind Frauen. Sie hat sich mit elf Lobbyistinnen in Washington getroffen und war überrascht, dass diese Frauen auch so cool waren. Besonders erstaunt war die Schauspielerin, wie viel Geld man in dieser Branche verdient.

Wenn man diesen Film (insbesondere im Original) schaut, wird man kaum glauben können, dass dieses dialogreiche, brillante Drehbuch das erste Skript des Engländers Jonathan Perera ist. Es hätte auch von Aaron Sorkin (The Social Network, Moneyball, Steve Jobs) sein können.

 
Bei den meisten Filmen spielt leider immer noch eine männliche Figur die Hauptrolle und die Frau hat meist nur eine unterstützende Rolle oder ist schmückendes Beiwerk. Dieses Jahr gibt es auffällig viele Filme („La La Land“, „Arrival“, „Jackie“, „Elle“, „Hidden Figures“, „20th Century Women“, „The Edge of Seventeen“, „Krisha“, „Toni Erdmann“, etc.), bei denen ein starker und komplexer Frauencharakter, den Film trägt. Weiter so!

 
Ich habe mir den Film ein zweites Mal angeschaut. Bei der zweiten Sichtung hatte ich genauso wenig an dem Film auszusetzen, wie bei der ersten und damit ist der Film festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

„Miss Sloane“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Jessica Chastain), Bester Nebendarsteller (Mark Strong, Michael Stuhlbarg), Beste Nebendarstellerin (Gugu Mbatha Raw), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien Update: Der Film wurde bei den Oscars leider komplett übergangen.

 
„Miss Sloane“ wurde erstmalig auf dem AFI Fest 2016 gezeigt. Der Film ist am 25.11.16 in drei ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 9.12.16 ist der Film landesweit in den amerikanischen Kinos zu sehen. In Deutschland startet „Miss Sloane“ unter dem Filmtitel „Die Erfindung der Wahrheit“ am 06.07.17 in den Kinos.

 
Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:
Trailer v. Film: „La La Land“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Perfekter Trailer von Damien Chazelles neuem Film mit Emma Stone, Ryan Gosling und J. K. Simmons. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Passengers„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Morten Tyldums neuer Film, Sci-Fi-Romanze mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt. Jennifer Lawrence sieht in dem Kleid echt ein Knaller aus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 7 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „50 Shades Darker„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Fortsetzung zu „50 Shades of Grey“ – ich verstehe nicht, wie die Dorman besetzen konnte, er ist wirklich alles andere als sexy. Aber gut, was interessiert es mich.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Silence„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Martin Scorsese neuer Film. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Collateral Beauty„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Drama mit Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Naomie Harris und Kate Winslet – diesen Trailer habe ich so oft gesehen, dass ich ihn exakt mitsprechen kann…Der hat mittlerweile so schlechte Bewertungen, dass ich ihn mir auch nicht mehr anschauen will.
Wie oft schon im Kino gesehen: 7 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „A United Kingdom„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Biopic-Drama mit Rosamund Pike und David Oyelowo
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: interessiert mich gar nicht

Trailer v. Film: „Valerian and the City of a Thousands Planets„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Luc Bessons neuer Sci-Fi-Film mit Dane DeHaan und Cara Delevingne
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „The Circle„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Sci-Fi-Film mit Tom Hanks, John Boyega und Emma Watson
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

amerikanischer Aufsteller von "Miss Sloane"
amerikanischer Aufsteller von „Miss Sloane“

 

Montréal – Film: „Doctor Strange – IMAX-3D“

Ich war am 16.11.16 in Montreál und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Doctor Strange – IMAX-3D“ (dt. Kinostart war der 27.10.16) 115 min action, fantasy, adaptation
dir. Scott Derrickson cast: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams, Benedict Wong, Michael Stuhlbarg, Benjamin Bratt, Mads Mikkelsen, Tilda Swinton

 
Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein brillanter, aber ziemlich überheblicher Neurochirurg. Nach einem schweren Autounfall kann er, trotz mehrerer Operationen und Therapien, nicht mehr als Chirurg arbeiten. Als er von einem Wunderheiler erfährt, setzt er seine ganze Hoffnung darein. Er reist schließlich zu dem, von „the Ancient One“ (Tilda Swinton) geführten nepalesischen Kloster. Sie führt ihn in die mystische Welt voller alternativen Dimensionen ein. Dr. Strange wird zum Magier ausgebildet und soll fortan die Welt vor einer Invasion von Mächten aus finsteren und bösen Dimensionen beschützen…

 
B (Wertung von A bis F) „Doctor Strange“ basiert auf den gleichnamigen Comics. Es ist der 14. Marvel-Studio-Film aus dem MCU (Marvel Cinematic Universe). Bei dem Film hat der amerikanische Filmemacher Scott Derrickson („The Exorcism of Emily Rose“, Sinister, „Deliver Us from Evil“) Regie geführt.

 
Ich halte die meisten Comic-Verfilmungen für überflüssig, insbesondere die Gelddruckmaschine Marvel ist mir ein Dorn im Auge. Hin und wieder gucke ich mir aber dann doch einen Film oder eine TV-Serie (Daredevil) an. Warum? Weiß ich selbst nicht. „Doctor Strange“ erschien mir von der Besetzung und vom Trailer her mal ein Film, der auch in meiner Welt richtig cool wirkte.

Besonders von dem Produktionsdesign und von den spektakulären Spezialeffekten weiß dieser Film, zu beeindrucken. Auch führt ein feiner Humor durch den Film. Das gefiel mir alles so gut, dass ich mir am Ende ein „A-„ notiert habe. Leider musste ich dann aber feststellen, dass der Film noch gar nicht zu Ende war und es noch ermüdende ca. 15-20 Minuten so weiterging. Schade, weniger wäre hier mehr gewesen, auch wenn in dieser Zeit auch noch einige atemberaubende CGI-Effekte auf einen warteten.

Für das Marvel Studio war Benedict Cumberbatch die Idealbesetzung für die Rolle des Doctor Strange, sie hatten aber auch einen Plan B in der Tasche: Joaquin Phoenix. Wenn man Benedict Cumberbatch in dieser Rolle sieht, kann man sich nicht vorstellen, dass ein anderer Schauspieler in dieser Rolle überzeugen kann und auch nicht der von mir sehr verehrte Joaquin Phoenix.

 
Selten gebe ich eine Empfehlung für die 3D-Fassung, diesen Film sollte man – wenn man die Möglichkeit hat – sogar unbedingt in der eindrucksvollen IMAX-3D-Version sehen. Die 3D-Fassung sollte es aber in jedem Fall sein.

 
„Doctor Strange“ ist zu Recht für einige technische Oscar-Nominierungen im Gespräch. Update: „Doctor Strange“ wurde für einen Oscar nominiert, in der Kategorie Beste visuelle Effekte

„Doctor Strange“ ist einer der wenigen amerikanischen Filme, die eine Woche vor dem amerikanischen Kinostart (4.11.16), in Deutschland ins Kino (27.10.16) gekommen ist. Filme starten in Deutschland bekanntermassen immer am Donnerstag, in den U.S.A. grundsätzlich (es gibt ein paar Ausnahmen an Feiertagen) immer freitags.

 
Trailer zu sehen:

 
vorgeschaltete Trailer:

 

 

Trailer v. Film: „Fantastic Beasts and Where to Find Them„
Bewertung des Trailers: A- (neuer Trailer)
Kommentar: Die Trailer sind wirklich klasse, ich würde ihn mir vielleicht anschauen, wenn Eddie Redmayne nicht mitspielen würde – ihn kann ich wirklich nicht mehr sehen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „xXx: Return of Xander Cage„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: noch so ein Triple X-Actionfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 
Trailer v. Film: „Rogue One: A Star Wars Story„
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer – in IMAX 3D)
Kommentar: Ein Film aus dem Star-Wars-Universum mit Felicity Jones, Ben Mendelsohn, Forest Whitaker und Mads Mikkelsen. Den Sinn verstehe ich nicht, außer dass man bei Lucasfilm und Disney alle Möglichkeiten ausschöpft, richtig viel Geld mit dem Namen „Star Wars“ zu machen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Guardians of the Galaxy Vol.2„
Bewertung des Teasers: B+ (in IMAX 3D)
Kommentar: 2. Teil
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wenn mir irgendwas Schweres auf den Kopf fällt…

 

Montréal – Film: „Arrival“

Ich war am 16.11.16 in Montreál und am 25.11.16 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Arrival“ (dt. Kinostart: 24.11.16) 117 min sci-fi, drama, adaptation
dir. Denis Villeneuve cast: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Tzi Ma, Mark O´Brien

 

 

Zwölf außerirdische Raumschiffe sind plötzlich an verschiedenen Plätzen der Erde aufgetaucht. Niemand kann sich erklären, warum. Alle Versuche mit den Außerirdischen zu kommunizieren, scheitern. Die amerikanische Regierung beauftragt Colonel Weber (Forest Whitaker), ein Team aus Wissenschaftlern zusammenzustellen. Die Sprachprofessorin Dr. Louise Banks (Amy Adams) und der Mathematikwissenschaftler Dr. Ian Donnelly (Jeremy Renner) haben die Aufgabe, die Sprache der Aliens zu entschlüsseln und damit den Grund des Besuches der Außerirdischen herauszufinden…

 

 

A- (Wertung von A bis F) „Arrival“ basiert auf Ted Chiangs Kurzgeschichte „Story of Your Life“. Es ist der neue Film des kanadischen Filmemachers Denis Villeneuve (Incendies, Prisoners, EnemySicario). „Arrival“ ist nach den drei letztgenannten Filmen der vierte englisch-sprachige Film des Regisseurs.

Auf dem Papier erzählt „Arrival“ eine ganz simple Geschichte, am Ende hat man aber einen sehr komplexen Film gesehen über den man noch eine Weile grübeln und diskutieren kann. Der Zuschauer, der ausschließlich konventionelles, actionreiches Sci-Fi-Kino mag, gerne an die Hand genommen und durch einen Film geführt wird, schlichtweg alles erklärt bekommen möchte, wird mit diesem Film gar nichts anfangen können. „Arrival“ gibt keine Erklärungen, er stellt Fragen.

„Arrival“ ist ein ruhig, langsam, aber durchaus fesselnd erzählter und – vor allen Dingen – gut durchdachter Erwachsenen-Sci-Fi-Film mit interessanten philosophischen Ansätzen. Hauptsächlich ist es ein Film über Kommunikation und Sprache.

Es empfiehlt sich, den Film ein zweites Mal zu sehen. Auch oder gerade wenn man bei der ersten Sichtung bereits rechtzeitig eine „Auflösung“ erkannt hat und damit den Rest des Film in einem anderen Licht sehen konnte, hält der Film ganz sicher auch beim zweiten Mal noch einiges parat. Der Film ist von einer minimalistischen Schönheit und hat einen imposanten Sound und Score. Die beeindruckenden Bilder stammen von dem afroamerikanischen Kamerakünstler Bradford Young (Ain´t Them Bodies Saints, Selma, A Most Violent Year, Pawn Sacrifice).

Bevor man sich diesen Film anschaut, sollte man so wenig wie möglich darüber gehört oder gelesen haben. Ganz unbelastet sollte man sich auf die Geschichte einlassen, in diese Welt eintauchen und das für sich herausziehen, was man möchte. Da ich meine Gedanken und Interpretationen zu dem Film festhalten wollte, habe ich mich dazu entschieden, mit Ankündigung zu spoilern. Unterteilt habe ich es in einen kleinen Spoiler (der im Groben beschreibt, worum es in dem Film geht) und einen großen Spoiler (der sich mit der, von Amy Adams brillant verkörperten zentralen Figur beschäftigt).

 
spoiler

Wie nähert man sich einer völlig fremden Spezies? Wie kommuniziert man mit Fremden, wenn deren Sprache nicht das Geringste mit der eigenen oder einer anderen bekannten Sprache zutun hat? Jeder, der schon mal eine fremde Sprache erlernt hat, weiß, dass, wenn man die Sprache immer besser beherrscht, man irgendwann in dieser fremden Sprache denkt. Wenn sich das Sprachverständnis weiter verbessert, träumt man sogar in der fremden Sprache. Viele Worte haben in jeder Sprache unterschiedliche Bedeutungen, wie leicht ist es, gewisse Worte falsch zu interpretieren? In meinem Job als Flugbegleiterin werden wir ständig geschult, einer der wichtigsten Seminare im Umgang mit internationalen Gästen ist „Interkulturelle Kommunikation“. Wie geht man mit fremden Kulturen um, welche Besonderheiten der unterschiedlichen Mentalitäten muss man beachten? Worauf muss man achten, um beispielsweise einen japanischen Gast nicht vor den Kopf zu stossen, etc.? Wie verhält man sich in den einzelnen Ländern, was sind die Dos and Don´ts, die Verhaltensweisen in dem jeweiligen Land? Für die Sprachwissenschaftlerin Louise in „Arrival“ gibt es keinen Leitfaden im Umgang mit den Aliens. Also, zurück zur Ausgangsfrage: Wie nähert man sich dieser fremden Spezies? Was ist, wenn man die Kommunikation mit den Außerirdischen und das Erlernen ihrer Sprache auch noch unter erschwerten Bedingungen (Zeitdruck) durchführen muss? Eigentlich ist es ein langwieriger Prozess, aber die amerikanische Regierung wird langsam ungeduldig und will endlich wissen, warum die Aliens in Montana gelandet sind. Sind sie in friedlicher oder kriegerischer Absicht hier?

Und was ist, wenn man nicht die einzige Nation ist, die mit dieser fremden Spezies konfrontiert wird? Wie gehen die anderen Regierungen mit einer nie da gewesenen Situation um? In diesem Film sind es 12 Nationen, zum Teil Großmächte, die mit der gleichen Situation umgehen müssen. Wie läuft die Kommunikation zwischen den einzelnen Ländern? Tauscht man sich mit den anderen Nationen aus oder löst jedes Land für sich das Problem? Was ist, wenn eine Nation nicht so offen und geduldig ist, wie eine andere, das Dasein der Außerirdischen als Bedrohung einschätzt und militärisch vorgehen will? Was ist die Konsequenz eines solchen Handelns?

spoiler Ende

 
SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER

Die Protagonistin Louise (die zweifelsfrei smarteste Person des Films) ist Linguistin und geht offen auf die Aliens zu, lässt sich auf sie ein und möchte sie verstehen und deren Sprache erlernen. Wie ein fremder Kulturkreis tickt, erkennt man daran, wie dieser seine Sprache nutzt. Die Sprache der Außerirdischen basiert auf Zeit. Dadurch dass Louise die Sprache der Aliens immer besser versteht, hat sie irgendwann die Gabe, die Zeit nicht nur linear zu sehen. Sie sieht die Zeit/das Leben (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) als Ganzes. Im Film hat Louise Visionen, einzelner Lebensabschnitte, die in ihrer Zukunft liegen. Dabei gibt es viele schöne Erlebnisse, aber auch schmerzhafte Schicksalsschläge, die in ihrem Leben auf sie zukommen. Wird sie sich trotzdem für dieses Leben entscheiden? Wenn man weiß, dass eine Beziehung endet, geht man sie trotzdem ein? Wenn man weiß, dass sein Kind sterben wird, entscheidet man sich trotzdem dafür, dieses Kind zu bekommen? Im Film denkt man am Anfang, Rückblenden zu sehen, am Ende stellt sich heraus, dass dies Vorschauen auf Louises Zukunft sind. Der Film ist nicht linear erzählt. Mir war das selbstverständlich auch nicht von Beginn an klar, irgendwann gibt der Film aber Hinweise darauf.

 
SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER   –  Ende

 
Der Film hat bei mir nach der ersten Sichtung nicht die volle Punktzahl erreichen können. Beispielsweise konnte ich mir die plötzlichen Untertitel nicht erklären. Ich bin gespannt darauf, wie der Film bei der zweiten Sichtung wirkt.

 

A (Wertung von A bis F) „Arrival“ gewinnt tatsächlich nochmal durch die zweite Sichtung, auch habe ich keine Probleme mit den Untertiteln mehr. Damit ist „Arrival“ festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

 
„Arrival“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Amy Adams), Bester Nebendarsteller (Jeremy Renner, Forest Whitaker), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Update: „Arrival“ wurde für insgesamt 8 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt, Beste Kamera (hier hat der erste afroamerikanische Kameramann Bradford Young eine Nominierung erhalten, der erste schwarze Kameramann war Remi Adefarasin für „Elizabeth“), Bestes Szenenbild, Bester Ton, Bester Tonschnitt. Gewonnen hat „Arrival einen Academy Award (Bester Tonschnitt). 

„Arrival“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2016 gezeigt. Dort hat der Film den Future Film Festival Digital Award gewonnen. Der Film ist am 11.11.16 landesweit in die amerikanischen und kanadischen Kinos gekommen. In Deutschland startet der Film am 24.11.16.

 

 

Trailer zu sehen:

 

 

 

 
vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Collateral Beauty„
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: Drama mit Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Naomie Harris und Kate Winslet – der Film sieht aus wie ein Oscar-Film, warum ist er nicht mehr im Gespräch?
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Cure for Wellness„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Wow – Gore Verbinskis neuer Film, Thriller mit Dane DeHaan
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Office Christmas Party„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Komödie mit Jason Bateman und ja, leider Jennifer Aniston
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Allied„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Robert Zemeckis neuer Film mit Marion Cotillard und Brad Pitt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

amerikanisches Filmplakat von "Arrival"
amerikanisches Filmplakat von „Arrival“