Meine Top Ten Filme aus dem Jahr 2016

In meiner persönlichen Filmliste für das Jahr 2016 tauchen insgesamt 102 Filme auf. 12 Filme habe ich davon auf VOD oder in unserem Bordprogramm gesehen, alle anderen Filme im Kino. Einige Filme („Toni Erdmann“, „Nocturnal Animals“, „Manchester By the Sea“, „Arrival“, „Miss Sloane“,“ La La Land“ und „The Wailing“) habe ich sogar 2x (entweder im Bordprogramm, im Kino oder auf Netflix) gesehen. Ansonsten war ich auch im Jahr 2016 auf drei Filmfestivals (Berlinale, Tribeca Film Festival und New York Film Festival). Außerhalb der Berlinale war ich in Deutschland 10 x im Kino (9 x habe ich es im Jahr 2016 geschafft, in Pressevorführungen zu gehen, „Toni Erdmann“ habe ich mir regulär im Kino angeschaut), ansonsten war ich dieses Jahr ausschließlich in Nordamerika im Kino.

Da ich vorwiegend in den U.S.A. ins Kino gehe, versuche ich am Ende des Jahres noch möglich alle sogenannten Prestige- bzw. Oscar-Filme anzusehen, bevor ich meine Top-Ten-Liste erstelle. Das gelingt mir logischerweise nicht immer. Ausdrücklich möchte ich darauf hinweisen, dass ich es nicht geschafft habe, mir „Elle“, „20th Century Women“ und „The Neon Demon“ anzuschauen – bei diesen drei Filmen, denke ich, dass sie Potenzial hätten, in meiner Top Ten zu landen. Außerdem möchte ich betonen, dass in meiner Top Ten nicht zwingend, die von mir am besten bewerteten Filme landen, ich möchte mit meiner Bestenliste einfach mein Filmjahr repräsentieren.

In meiner Top Ten für Filme des Jahres 2016 stehen ein neuseeländischer Film und ein deutscher Film, ansonsten haben es nur amerikanische Produktionen geschafft, einer davon ist eine knapp 8-stündige Dokumentation, einer ein Animationsfilm.

 

 

Meine Top Ten Filme aus dem Jahr 2016:

Auf Platz 1 Nocturnal Animals und Miss Sloane

auf den Plätzen 3 bis 10 meine Lieblingsfilme, in der Reihenfolge in der ich sie gesehen habe:

 
Hunt for the Wilderpeople
Always Shine
O.J.: Made in America
Toni Erdmann
Kubo and the Two Strings
Manchester by the Sea
Moonlight
Arrival

 

Folgende Filme hätten es beinahe in meine Top Ten geschafft (in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe): Indignation, Little Men, The Witch, Eye in the Sky, The Wailing, De Palma, Popstar: Never Stop Never Stopping, Hell or High Water, Train to Busan, „Weiner“, The Edge of Seventeen, „Captain Fantastic“ und Fences

 
Die für mich besten Performances des Jahres 2016:
– Michael Shannon (Nocturnal Animals), aber natürlich auch in Midnight Special, Elvis &NixonLoving und „Frank & Lola“
– Ralph Fiennes (Hail, Caesar!, A Bigger Splash)
– Peter Sarsgaard (Jackie)
– Sandra Hüller (Toni Erdmann)
– Mackenzie Davis (Always Shine)
– Casey Affleck (Manchester by the Sea)
– Jennifer Connelly (American Pastoral)
– Hailee Steinfeld (The Edge of Seventeen)
– Viggo Mortensen und beinahe alle Kinder in „Captain Fantastic“
– Viola Davis (Fences)

 
Meine Neuentdeckungen des Jahres 2016:
Lily Gladstone (Certain Women), Lucas Hedges (Manchester by the Sea), Mahershala Ali (Free State of Jones, Moonlight, Hidden Figures), Michael Barbieri (Little Men), Anya Taylor-Joy (The Witch) und Alden Ehrenreich (Hail, Caesar!, Rules Don´t Apply)

Aus den unterschiedlichsten Gründen haben mir folgende Filme gar nicht gefallen:

A Quiet Passion
The Invitation
Fear, Inc.
Green Room
The Nice Guys
The Girl on the Train
The Birth of a Nation
Billy Lynn´s Long Halftime Walk

Hidden Figures (bei der Veröffentlichung meiner Top Ten/Flop-Liste war mir dieser Film bereits völlig entfallen)
aber insgesamt gesehen, war es ein ziemlich starkes Kinojahr.

 
Meiner Top Ten Filme aus dem Jahr 2015 konnte man entnehmen, welche Filme mich am meisten für das Filmjahr 2016 interessierten:

„Hail, Caesar!“, dir. Joel and Ethan Coen
„Silence“, dir. Martin Scorsese
„Money Monster“, dir. Jodie Foster, nicht gesehen
„La La Land“, dir. Damien Chazelle
„Snowden“, dir. Oliver Stone
„American Pastoral“, dir. Ewan MacGregor
„War on Everyone“, dir. John Michael McDonagh,  nicht gesehen
„War Machine“, dir. David Michod,  verschoben ins Jahr 2017
„Nocturnal Animals“, dir. Tom Ford , TOP TEN
„Loving“, dir. Jeff Nichols
„Salt and Fire“, dir. Werner Herzog,  nicht gesehen, auch wenn Michael Shannon mitspielt, die Fernes hat mich abgeschreckt
„Certain Women“, dir. Kelly Reichardt
„Paterson“, dir. Jim Jarmusch
„Passengers“, dir. Morten Tyldum, nicht gesehen, die schlechten Bewertungen haben mich abgeschreckt
„The Light Between Oceans“, dir. Derek Cianfrance
„Wiener-Dog“, dir. Todd Solondz, nicht gesehen – bereue ich furchtbar
„The Promise“, dir. Terry George, verschoben ins Jahr 2017
„The Story of Your Life“, dir. Denis Villeneuve in „Arrival“ umbenannt,  TOP TEN

 
Für das Jahr 2017 interessieren mich bislang am meisten folgende Filme:

„Mother“, dir. Darren Aronofsky
„Untitled Detroit Project“, dir. Kathryn Bigelow
„War Machine“, dir. David Michod
„The Promise“, dir. Terry George
„Suburbicon“, dir. George Clooney
„The Shape of Water“, dir. Guillermo Del Toro
„Tully“, dir. Jason Reitman
„Untitled Paul Thomas Anderson Fashion Project“, dir Paul Thomas Anderson
„Downsizing“, dir. Alexander Payne
„Darkest Hour“, dir. Joe Wright
„Wonderstruck“, dir. Todd Haynes
„Logan Lucky“, dir. Steven Soderbergh
„The Killing of a Sacred Deer“, dir. Yorgos Lanthimos
„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, dir. Martin McDonagh
„Dunkirk“, dir. Christopher Nolan
„Isle of Dogs“, dir. Wes Anderson

Boston – Film: „Miss Sloane“

Ich war am 10.12.16 in Boston und am 16.12.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Miss Sloane“ (dt. Filmtitel: Die Erfindung der Wahrheit, dt. Kinostart: 06.07.17) 132 min drama, thriller
dir. John Madden cast: Jessica Chastain, Mark Strong, Gugu Mbatha-Raw, Michael Stuhlbarg, Alison Pill, John Lithgow, Sam Waterston

 
Washington D.C. Die ehrgeizige Politstrategin Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) überwirft sich mit ihrem Chef (Sam Waterston) und verlässt nach elf Jahren ihren Arbeitgeber, eine einflussreiche Lobby-Firma. Jetzt arbeitet sie für eine Organisation und leitet eine Kampagne, mit der sie und ihr Team über 60 U.S. Senatoren davon überzeugen müssen, ein neues, schärferes Waffengesetz zu befürworten. Mit dem neuen Gesetz werden strengere Überprüfungen beim Waffenkauf gefordert. Mit ihrer Kampagne legt sich die Lobbyistin mit der mächtigen Waffenlobby an. Ihr altes und jetzt gegnerische Team unter der Leitung von Pat Conners (Michael Stuhlbarg) unterstützt die Waffenlobby und versucht die Senatoren auf ihre Seite zu ziehen. Beide Teams kämpfen mit allen Mitteln…

 
A (Wertung von A bis F) „Miss Sloane“ ist der neue Film des englischen Filmemachers John Madden („Shakespeare in Love“, „Proof“, „The Best Exotic Marigold Hotel“).

Ich habe ein Faible für smarte Politthriller und gute Charakterstudien. Auch mag ich – wie ich es nenne – „runde“ Geschichten. „Miss Sloane“ ist genau das.

„Miss Sloane“ gibt einem am Anfang des Films eine Idee von der üblichen Strategie der titelgebenden Figur. Miss Sloane ist eine ehrgeizige Frau, die sich in der harten Welt der Lobbyisten in Washington durchgesetzt hat. Sie ist stets perfekt vorbereitet und ihren Widersachern meist einen Schritt voraus ist, schießt aber durchaus auch mal über das Ziel hinaus. Miss Sloane ist sehr erfolgreich in ihrem Metier, aber sie hat auch Prinzipien. Eine Gewinnertype, die sich sogar mit der mächtigen amerikanischen Waffenlobby anlegt – wäre sie ein Mann, jeder würde sie bewundern. Sie  lebt für ihren Job, ist aber nicht fehlerfrei und zahlt einen hohen Preis für dieses Leben.

 
Jessica Chastain (Zero Dark Thirty, A Most Violent Year) ist gewohnt bravourös. Sie kann unterkühlte Frauen sehr gut spielen. Miss Sloane ist keine Sympathieträgerin, aber dafür ein faszinierender, vielschichtiger Charakter, der mich bis zum Schluss gefesselt hat. Ich liebe scharfzüngige, zynische und sehr smarte Filmfiguren. Besonders mochte ich den Schlagabtausch, den sich Miss Sloane und ihr Kollege und spätere Gegner (gespielt von Michael Stuhlbarg) liefern. Bei Miss Sloanes Aussage am Ende des Films habe ich sogar Gänsehaut bekommen.

Schauspielerisch sind aber auch Mark Strong, Gugu Mbatha-Raw und – wie immer – Michael Stuhlbarg klasse. Jake Lacy ist mir das erste Mal in Love the Coopers aufgefallen, hier spielt er Forde und ist auch ein Hingucker, irgendwie.

Jessica Chastain hat in einem Interview erzählt, wie sie sich auf den Film vorbereitet hat. Weniger als 10% in der Washingtoner Lobby-Industrie sind Frauen. Sie hat sich mit elf Lobbyistinnen in Washington getroffen und war überrascht, dass diese Frauen auch so cool waren. Besonders erstaunt war die Schauspielerin, wie viel Geld man in dieser Branche verdient.

Wenn man diesen Film (insbesondere im Original) schaut, wird man kaum glauben können, dass dieses dialogreiche, brillante Drehbuch das erste Skript des Engländers Jonathan Perera ist. Es hätte auch von Aaron Sorkin (The Social Network, Moneyball, Steve Jobs) sein können.

 
Bei den meisten Filmen spielt leider immer noch eine männliche Figur die Hauptrolle und die Frau hat meist nur eine unterstützende Rolle oder ist schmückendes Beiwerk. Dieses Jahr gibt es auffällig viele Filme („La La Land“, „Arrival“, „Jackie“, „Elle“, „Hidden Figures“, „20th Century Women“, „The Edge of Seventeen“, „Krisha“, „Toni Erdmann“, etc.), bei denen ein starker und komplexer Frauencharakter, den Film trägt. Weiter so!

 
Ich habe mir den Film ein zweites Mal angeschaut. Bei der zweiten Sichtung hatte ich genauso wenig an dem Film auszusetzen, wie bei der ersten und damit ist der Film festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

„Miss Sloane“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Jessica Chastain), Bester Nebendarsteller (Mark Strong, Michael Stuhlbarg), Beste Nebendarstellerin (Gugu Mbatha Raw), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien Update: Der Film wurde bei den Oscars leider komplett übergangen.

 
„Miss Sloane“ wurde erstmalig auf dem AFI Fest 2016 gezeigt. Der Film ist am 25.11.16 in drei ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 9.12.16 ist der Film landesweit in den amerikanischen Kinos zu sehen. In Deutschland startet „Miss Sloane“ unter dem Filmtitel „Die Erfindung der Wahrheit“ am 06.07.17 in den Kinos.

 
Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:
Trailer v. Film: „La La Land“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Perfekter Trailer von Damien Chazelles neuem Film mit Emma Stone, Ryan Gosling und J. K. Simmons. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Passengers„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Morten Tyldums neuer Film, Sci-Fi-Romanze mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt. Jennifer Lawrence sieht in dem Kleid echt ein Knaller aus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 7 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „50 Shades Darker„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Fortsetzung zu „50 Shades of Grey“ – ich verstehe nicht, wie die Dorman besetzen konnte, er ist wirklich alles andere als sexy. Aber gut, was interessiert es mich.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Silence„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Martin Scorsese neuer Film. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Collateral Beauty„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Drama mit Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Naomie Harris und Kate Winslet – diesen Trailer habe ich so oft gesehen, dass ich ihn exakt mitsprechen kann…Der hat mittlerweile so schlechte Bewertungen, dass ich ihn mir auch nicht mehr anschauen will.
Wie oft schon im Kino gesehen: 7 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „A United Kingdom„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Biopic-Drama mit Rosamund Pike und David Oyelowo
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: interessiert mich gar nicht

Trailer v. Film: „Valerian and the City of a Thousands Planets„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Luc Bessons neuer Sci-Fi-Film mit Dane DeHaan und Cara Delevingne
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „The Circle„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Sci-Fi-Film mit Tom Hanks, John Boyega und Emma Watson
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

amerikanischer Aufsteller von "Miss Sloane"
amerikanischer Aufsteller von „Miss Sloane“

 

Chicago – Film: „The Edge of Seventeen“

Ich war am 22.11.16 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„The Edge of Seventeen“ 102 min comedy, drama
dir. Kelly Fremon Craig cast: Hailee Steinfeld, Woody Harrelson, Kyra Sedgwick, Blake Jenner, Haley Lu Richardson

 
Nadine (Hailee Steinfeld) ist 17 Jahren und hat es gerade ziemlich schwer. Als sie 13 Jahre alt war, ist ihr geliebter Vater gestorben seither lebt sie mit ihrer nervigen Mutter (Kyra Sedgwick) und ihrem verhassten Bruder Darian (Blake Jenner) zusammen. Jetzt fängt ihre beste – und einzige – Freundin Krista (Haley Lu Richardson) auch noch was mit ihrem Bruder an. Na bravo! Da bleibt nur noch, ihren Lehrer (Woody Harrelson) mal wieder richtig zuzutexten, nur der stellt sich leider auch nicht auf ihre Seite…

 

 

A- (Wertung von A bis F) „The Edge of Seventeen“ ist das Regiedebüt der amerikanischen Autorin und Filmemacherin Kelly Fremon Craig.

Es gibt zugegebenermassen viele Coming-of-Age-Filme, „The Edge of Seventeen“ ist aber als einer der Besten hervorzuheben. Der Film ist sehr smart, von dem trockenen Wortwitz und seiner überragenden Protagonistin kann er sich durchaus mit Jason Reitmans Juno messen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Film in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016 landet.

Der Chemie zwischen Woody Harrelson und Hailee Steinfeld ist es zu verdanken, dass insbesondere die Szenen zwischen ihren beiden Charakteren brüllend komisch sind.

 
Hailee Steinfeld gab ihr Spielfilmdebüt in dem Coen Bros.-Film True Grit. Für diese Performance wurde sie prompt für den Oscar nominiert. Ein paar Jahre später habe ich sie dann in John Carneys Begin Again gesehen. Dort fand ich sie trampelig und war nicht mehr so begeistert von ihr. „The Edge of Seventeen“ ist der dritte Film in dem ich sie sehe und jetzt bin ich hundertprozentig sicher, dass ihr eine große Karriere bevorsteht. Nadine ist ein neurotischer, unsicherer Teenager, der denkt, dass sich die ganze Welt um sie drehen müsste. Sie hält sich für sehr smart und glaubt, dass sie nur von Idioten umgeben ist. Hailee Steinfeld verschwindet hinter ihrem Charakter. Für mich ist das ganz klar eine Oscar-Performance, schade, dass der Film so wenig Aufmerksamkeit erhält. Was Hailee Steinfelds Karriere angeht, habe ich am Anfang des Films noch Probleme mit ihrem Äußeren gehabt und habe ihre Zukunft eher als Charakterschauspielerin gesehen, je mehr ich sie jedoch beobachten konnte, desto mehr hat sie mich mit ihrer Präsenz, ihrer Ausstrahlung und ihrem Charme um den Finger gewickelt. Am Ende des Films fand ich sie sogar sehr hübsch und jetzt denke ich, dass sie sogar das Zeug zum Filmstar hat.

 
Erwin (gespielt von Hayden Szeto) ist entzückend, auch mal schön einen so ganz anderen asiatischen Charakter zu sehen.

„The Edge of Seventeen“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Beste Hauptdarstellerin (Hailee Steinfeld), Bester Nebendarsteller (Woody Harrelson)

„The Edge of Seventeen“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2016 gezeigt. Der Film ist am 18.11.16 landesweit in den amerikanischen Kinos gestartet. Bislang ist noch kein deutscher Kinostart bekannt.

 
Trailer zu sehen:

Der Red Band Trailer zu sehen:

 
Woody Harrelson und Hailee Steinfeld brechen bei den Dreharbeiten vor Lachen zusammen:

 
vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „La La Land“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Perfekter Trailer von Damien Chazelles neuem Film mit Emma Stone, Ryan Gosling und J. K. Simmons. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „50 Shades Darker„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Fortsetzung zu „50 Shades of Grey“ – war das nötig? Jamie Dornan ist so unsexy.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Passengers„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Morten Tyldums neuer Film, Sci-Fi-Romanze mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt. Jennifer Lawrence sieht in dem Kleid echt ein Knaller aus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Office Christmas Party„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Komödie mit Jason Bateman und ja, leider Jennifer Aniston
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „The Bye Bye Man„
Bewertung des Trailers: A- (neuer Trailer)
Kommentar: Horrorfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Space Between Us„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Sci-Fi-Teenager-Romanze
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „‚Fist Fight„
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Komödie mit Ice Cube, Charlie Day und Tracey Morgan
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Why Him?„
Bewertung des Trailers: A- (Redband-Trailer)
Kommentar: Komödie mit James Franco und Bryan Cranston
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

amerikanisches Filmplakat von "The Edge of Seventeen"
amerikanisches Filmplakat von „The Edge of Seventeen“

 

Chicago – Film: „Nocturnal Animals“

Ich war am 22.11.16 und am 24.11.16 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Nocturnal Animals“ (dt. Kinostart: 22.12.16) 116 min thriller, adaptation
dir. Tom Ford cast: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Armie Hammer, Laura Linney, Andrea Riseborough, Michael Sheen

 
Susan Morrow (Amy Adams) ist eine sehr erfolgreiche Galeristin in Los Angeles. Vor 19 Jahren hat sie sich von ihrem ersten Ehemann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal) scheiden lassen. Es war die große Jugendliebe, aber dennoch hatte sie sich seinerzeit entschlossen, dass der attraktive Hutton (Armie Hammer) besser zu ihr passt. Bis heute sind sie verheiratet, leben aber aneinander vorbei. Glücklich ist Susan nicht. Jetzt erhält sie eines Morgens ein Manuskript per Post. Ihr Ex-Mann ist Schriftsteller, sein neues Buch hat er ihr gewidmet und sie soll auch die erste sein, die den Roman liest. Susan beginnt zu lesen, es ist ein spannender, aber auch sehr verstörender Roman…

 

 

A (Wertung von A bis F) „Nocturnal Animals“ basiert auf Austin Wrights Roman „Tony and Susan“. Es ist nach dem brillanten A Single Man erst der zweite Film des amerikanischen Modedesigners und Filmemachers Tom Ford. Tom Ford hat auch Drehbuch zu dem Film geschrieben.

Jedes Jahr hoffe ich auf einen Film, der mich irgendwie umhaut. Dieses Jahr habe ich bereits viele gute und einige sehr gute Filme im Kino sehen dürfen. Mein 83. Film war dann für mich der Volltreffer. „Nocturnal Animals“ ist ein Film ganz nach meinem Geschmack.

Nach Tom Fords erstklassigem Regiedebüt habe ich mich auf seinen Folgefilm wie verrückt gefreut. Vom Style her hatte ich eine gewisse Vorstellung, wie dieser zweite Film beginnt. Im Leben wäre ich nicht auf diese ersten Szenen, diese ersten irritierenden vielleicht zwei Minuten, gekommen.

„Nocturnal Animals“ ist ein stylischer, nuancierter Rachethriller, genauer gesagt sind es zwei Geschichten, bei denen die Grenzen der Handlungsstränge verschwimmen. Stilistisch könnten beide Stories nicht unterschiedlicher inszeniert sein. Auf der einen Seite die elegante, stilvolle und sicher kalte Inszenierung von Amy Adams Gegenwart (und Vergangenheit mit Jake Gyllenhaal) und auf der anderen Seite die schmuddlige, sehr aufwühlende Inszenierung der Texas-Story. Das Ende des Films ist perfekt, offen und doch so klar.

Jeder Szene im Film sieht man an, dass sie von einem (Mode-) Designer komponiert wurde. Vom Stil der Inneneinrichtung von Amy Adams Haus, die Kostüme (übrigens nicht von Tom Fords eigenem Mode-Label) bis zu den Akzenten, die der Modeschöpfer mit der Farbe Rot (ein Telefon, ein Sofa, einen Vorhang, etc.) und der Farbe Grün (Cowboystiefel, Fliesen, ein Auto, ein Kleid, etc.) setzt.

 
Tom Ford muss auch ein Faible für rothaarige Frauen haben, während es in seinem Erstling „A Single Man“ noch Julianne Moore war, sind es hier Amy Adams, Isla Fisher, Ellie Bamber, Laura Linney)

Wenn Michael Shannon auf der Leinwand auftaucht, bin ich ernsthaft außerstande mich auf irgendwas anderes zu konzentrieren. Während ich ihn so anschaute, habe ich mich gefragt, ob ich eigentlich noch irgendeinen anderen Lieblingsschauspieler neben ihn habe – mir ist keiner eingefallen. Das ist natürlich Blödsinn, aber Michael Shannon hat die Gabe, die gesamte Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen. So sehr, dass mir Jake Gyllenhaal beinahe leid tat, nehmen so einem Ausnahmetalent bestehen zu müssen. Wenn man die beiden in einer Szene zusammen sieht, kommt bei Jake Gyllenhaal der Schauspieler durch, während Shannon einfach nur die Figur „ist“. Das ist Schauspielkunst. AMPAS – bitte, geht in die Screenings, guckt diesen Film, nominiert Shannon und gibt ihm den Oscar. Es ist Zeit.

Schauspielerisch hat mir auch Aaron Taylor-Johnson (Nowhere Boy, Savages, seinerzeit noch Aaron Johnson) sehr gut gefallen.

Da ich unplanmäßig sieben Tage in Chicago in gestrandet bin, irgendwann alle neuen Filme, die ich sehen wollte, gesehen habe, hatte ich Zeit, mir Tom Fords Werk ein zweites Mal anschauen zu können.

Tom Ford soll bloss nicht auf die Idee kommen, mich erneut 7 !!! Jahre auf seinen nächsten Film warten zu lassen.

Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass „Nocturnal Animals“ selbstverständlich festgesetzt in meiner TOP TEN für Filme aus dem Jahr 2016 ist. Im Übrigen, der andere Film mit Amy Adams (Arrival) ist nach der zweiten Sichtung auch bereits festgesetzter TOP TEN-Film.

„Nocturnal Animals“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Jake Gyllenhaal), Beste Hauptdarstellerin (Amy Adams), Bester Nebendarsteller (Michael Shannon), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Update: „Nocturnal Animals“ hat eine Oscar-Nominierung erhalten, erfreulicherweise für Michael Shannon als bester Nebendarsteller.

 
„Nocturnal Animals“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2016 gezeigt. Dort hat der Film den Grand Jury Prize gewonnen. „Nocturnal Animals“ ist am 18.11.16 in 37 ausgewählten Kinos in den U.S.A. gestartet. Der Film kommt am 22.12.16 in die deutschen Kinos.

 

 

Trailer zu sehen:

 

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Collateral Beauty„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Drama mit Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Naomie Harris und Kate Winslet – der Film sieht aus wie ein Oscar-Film, warum ist er nicht mehr im Gespräch?
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Cure for Wellness„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Wow – Gore Verbinskis neuer Film, Thriller mit Dane DeHaan
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Allied„
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Robert Zemeckis neuer Film mit Marion Cotillard und Brad Pitt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

Trailer v. Film: „50 Shades Darker„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Fortsetzung zu „50 Shades of Grey“ – war das nötig? Jamie Dornan ist so unsexy.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 
Trailer v. Film: „Passengers„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Morten Tyldums neuer Film, Sci-Fi-Romanze mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Monster Calls„
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: Romanverfilmung mit Sigourney Weaver und Felicity Jones. Liam Neeson verleiht dem Monster seine wunderbare Stimme
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

 
Trailer v. Film: „La La Land“
Bewertung des Trailers: A (neuer Trailer)
Kommentar: Perfekter Trailer von Damien Chazelles neuem Film mit Emma Stone, Ryan Gosling und J. K. Simmons. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Zookeeper´s Wife„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Romanverfilmung mit Jessica Chastain und Daniel Brühl
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

amerikanisches Filmplakat von "Nocturnal Animals"
amerikanisches Filmplakat von „Nocturnal Animals“

Montréal – Film: „Arrival“

Ich war am 16.11.16 in Montreál und am 25.11.16 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Arrival“ (dt. Kinostart: 24.11.16) 117 min sci-fi, drama, adaptation
dir. Denis Villeneuve cast: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Tzi Ma, Mark O´Brien

 

 

Zwölf außerirdische Raumschiffe sind plötzlich an verschiedenen Plätzen der Erde aufgetaucht. Niemand kann sich erklären, warum. Alle Versuche mit den Außerirdischen zu kommunizieren, scheitern. Die amerikanische Regierung beauftragt Colonel Weber (Forest Whitaker), ein Team aus Wissenschaftlern zusammenzustellen. Die Sprachprofessorin Dr. Louise Banks (Amy Adams) und der Mathematikwissenschaftler Dr. Ian Donnelly (Jeremy Renner) haben die Aufgabe, die Sprache der Aliens zu entschlüsseln und damit den Grund des Besuches der Außerirdischen herauszufinden…

 

 

A- (Wertung von A bis F) „Arrival“ basiert auf Ted Chiangs Kurzgeschichte „Story of Your Life“. Es ist der neue Film des kanadischen Filmemachers Denis Villeneuve (Incendies, Prisoners, EnemySicario). „Arrival“ ist nach den drei letztgenannten Filmen der vierte englisch-sprachige Film des Regisseurs.

Auf dem Papier erzählt „Arrival“ eine ganz simple Geschichte, am Ende hat man aber einen sehr komplexen Film gesehen über den man noch eine Weile grübeln und diskutieren kann. Der Zuschauer, der ausschließlich konventionelles, actionreiches Sci-Fi-Kino mag, gerne an die Hand genommen und durch einen Film geführt wird, schlichtweg alles erklärt bekommen möchte, wird mit diesem Film gar nichts anfangen können. „Arrival“ gibt keine Erklärungen, er stellt Fragen.

„Arrival“ ist ein ruhig, langsam, aber durchaus fesselnd erzählter und – vor allen Dingen – gut durchdachter Erwachsenen-Sci-Fi-Film mit interessanten philosophischen Ansätzen. Hauptsächlich ist es ein Film über Kommunikation und Sprache.

Es empfiehlt sich, den Film ein zweites Mal zu sehen. Auch oder gerade wenn man bei der ersten Sichtung bereits rechtzeitig eine „Auflösung“ erkannt hat und damit den Rest des Film in einem anderen Licht sehen konnte, hält der Film ganz sicher auch beim zweiten Mal noch einiges parat. Der Film ist von einer minimalistischen Schönheit und hat einen imposanten Sound und Score. Die beeindruckenden Bilder stammen von dem afroamerikanischen Kamerakünstler Bradford Young (Ain´t Them Bodies Saints, Selma, A Most Violent Year, Pawn Sacrifice).

Bevor man sich diesen Film anschaut, sollte man so wenig wie möglich darüber gehört oder gelesen haben. Ganz unbelastet sollte man sich auf die Geschichte einlassen, in diese Welt eintauchen und das für sich herausziehen, was man möchte. Da ich meine Gedanken und Interpretationen zu dem Film festhalten wollte, habe ich mich dazu entschieden, mit Ankündigung zu spoilern. Unterteilt habe ich es in einen kleinen Spoiler (der im Groben beschreibt, worum es in dem Film geht) und einen großen Spoiler (der sich mit der, von Amy Adams brillant verkörperten zentralen Figur beschäftigt).

 
spoiler

Wie nähert man sich einer völlig fremden Spezies? Wie kommuniziert man mit Fremden, wenn deren Sprache nicht das Geringste mit der eigenen oder einer anderen bekannten Sprache zutun hat? Jeder, der schon mal eine fremde Sprache erlernt hat, weiß, dass, wenn man die Sprache immer besser beherrscht, man irgendwann in dieser fremden Sprache denkt. Wenn sich das Sprachverständnis weiter verbessert, träumt man sogar in der fremden Sprache. Viele Worte haben in jeder Sprache unterschiedliche Bedeutungen, wie leicht ist es, gewisse Worte falsch zu interpretieren? In meinem Job als Flugbegleiterin werden wir ständig geschult, einer der wichtigsten Seminare im Umgang mit internationalen Gästen ist „Interkulturelle Kommunikation“. Wie geht man mit fremden Kulturen um, welche Besonderheiten der unterschiedlichen Mentalitäten muss man beachten? Worauf muss man achten, um beispielsweise einen japanischen Gast nicht vor den Kopf zu stossen, etc.? Wie verhält man sich in den einzelnen Ländern, was sind die Dos and Don´ts, die Verhaltensweisen in dem jeweiligen Land? Für die Sprachwissenschaftlerin Louise in „Arrival“ gibt es keinen Leitfaden im Umgang mit den Aliens. Also, zurück zur Ausgangsfrage: Wie nähert man sich dieser fremden Spezies? Was ist, wenn man die Kommunikation mit den Außerirdischen und das Erlernen ihrer Sprache auch noch unter erschwerten Bedingungen (Zeitdruck) durchführen muss? Eigentlich ist es ein langwieriger Prozess, aber die amerikanische Regierung wird langsam ungeduldig und will endlich wissen, warum die Aliens in Montana gelandet sind. Sind sie in friedlicher oder kriegerischer Absicht hier?

Und was ist, wenn man nicht die einzige Nation ist, die mit dieser fremden Spezies konfrontiert wird? Wie gehen die anderen Regierungen mit einer nie da gewesenen Situation um? In diesem Film sind es 12 Nationen, zum Teil Großmächte, die mit der gleichen Situation umgehen müssen. Wie läuft die Kommunikation zwischen den einzelnen Ländern? Tauscht man sich mit den anderen Nationen aus oder löst jedes Land für sich das Problem? Was ist, wenn eine Nation nicht so offen und geduldig ist, wie eine andere, das Dasein der Außerirdischen als Bedrohung einschätzt und militärisch vorgehen will? Was ist die Konsequenz eines solchen Handelns?

spoiler Ende

 
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Die Protagonistin Louise (die zweifelsfrei smarteste Person des Films) ist Linguistin und geht offen auf die Aliens zu, lässt sich auf sie ein und möchte sie verstehen und deren Sprache erlernen. Wie ein fremder Kulturkreis tickt, erkennt man daran, wie dieser seine Sprache nutzt. Die Sprache der Außerirdischen basiert auf Zeit. Dadurch dass Louise die Sprache der Aliens immer besser versteht, hat sie irgendwann die Gabe, die Zeit nicht nur linear zu sehen. Sie sieht die Zeit/das Leben (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) als Ganzes. Im Film hat Louise Visionen, einzelner Lebensabschnitte, die in ihrer Zukunft liegen. Dabei gibt es viele schöne Erlebnisse, aber auch schmerzhafte Schicksalsschläge, die in ihrem Leben auf sie zukommen. Wird sie sich trotzdem für dieses Leben entscheiden? Wenn man weiß, dass eine Beziehung endet, geht man sie trotzdem ein? Wenn man weiß, dass sein Kind sterben wird, entscheidet man sich trotzdem dafür, dieses Kind zu bekommen? Im Film denkt man am Anfang, Rückblenden zu sehen, am Ende stellt sich heraus, dass dies Vorschauen auf Louises Zukunft sind. Der Film ist nicht linear erzählt. Mir war das selbstverständlich auch nicht von Beginn an klar, irgendwann gibt der Film aber Hinweise darauf.

 
SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER   –  Ende

 
Der Film hat bei mir nach der ersten Sichtung nicht die volle Punktzahl erreichen können. Beispielsweise konnte ich mir die plötzlichen Untertitel nicht erklären. Ich bin gespannt darauf, wie der Film bei der zweiten Sichtung wirkt.

 

A (Wertung von A bis F) „Arrival“ gewinnt tatsächlich nochmal durch die zweite Sichtung, auch habe ich keine Probleme mit den Untertiteln mehr. Damit ist „Arrival“ festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

 
„Arrival“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Amy Adams), Bester Nebendarsteller (Jeremy Renner, Forest Whitaker), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Update: „Arrival“ wurde für insgesamt 8 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt, Beste Kamera (hier hat der erste afroamerikanische Kameramann Bradford Young eine Nominierung erhalten, der erste schwarze Kameramann war Remi Adefarasin für „Elizabeth“), Bestes Szenenbild, Bester Ton, Bester Tonschnitt. Gewonnen hat „Arrival einen Academy Award (Bester Tonschnitt). 

„Arrival“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2016 gezeigt. Dort hat der Film den Future Film Festival Digital Award gewonnen. Der Film ist am 11.11.16 landesweit in die amerikanischen und kanadischen Kinos gekommen. In Deutschland startet der Film am 24.11.16.

 

 

Trailer zu sehen:

 

 

 

 
vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Collateral Beauty„
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: Drama mit Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Naomie Harris und Kate Winslet – der Film sieht aus wie ein Oscar-Film, warum ist er nicht mehr im Gespräch?
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Cure for Wellness„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Wow – Gore Verbinskis neuer Film, Thriller mit Dane DeHaan
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Office Christmas Party„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Komödie mit Jason Bateman und ja, leider Jennifer Aniston
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Allied„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Robert Zemeckis neuer Film mit Marion Cotillard und Brad Pitt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

amerikanisches Filmplakat von "Arrival"
amerikanisches Filmplakat von „Arrival“

 

NYC – Film: „Moonlight“

Ich war am 2.10.16 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Moonlight“ (dt. Kinostart: 09.03.17) 110 min drama, adaptation
dir. Barry Jenkins cast: Trevante Rhodes, André Holland, Janelle Monáe, Naomie Harris, Mahershala Ali, Alex Hibbert, Jaden Piner, Ashton Sanders, Jharrel Jerome

 
Chiron (Alex Hibbert) ist zehn Jahre alt, sehr schüchtern und anders als seine gleichaltrigen Schulkameraden. Kev (Jaden Piner) ist noch ganz okay, aber seine anderen Mitschüler mobben ihn ständig. Auch Zuhause hat er keinen Halt, seine Mutter (Naomie Harris) ist drogensüchtig und der Vater hat schon lange das Weite gesucht. Eines Tages lernt er einen Erwachsenen, Juan (Mahershala Ali), kennen, er freundet sich mit ihm und seiner Freundin Teresa (Janelle Monáe) an.

 

 

A- (Wertung von A bis F) „Moonlight“ basiert auf das von Tarell Alvin McCraneys geschriebene semi-autobiografische Theaterstück „In Moonlight Black Boys Look Blue“. Es ist erst der zweite Spielfilm des amerikanischen Regisseurs Barry Jenkins („Medicine for Melancholy“).

 
„Moonlight“ ist ein Porträt des Afroamerikaners Chiron. Es ist eine Charakterstudie, bei dem man Chiron als Kind (in dem Kapitel „Little), als Jugendlicher (in dem Kapitel („Chiron“) und als Erwachsener (in dem Kapitel „Black“) begleitet und an seinem Leben teilnimmt. Es ist ein intensiver Film über das Erwachsenwerden, das Anderssein, das Schwul sein – ohne es sich aber selbst eingestehen zu können oder zu wollen und schließlich ist es auch eine Liebesgeschichte zwischen zwei afroamerikanischen Männer.

Ich hätte dieser Geschichte noch ewig zuschauen können. Ganz besonders war ich von Juan begeistert, den der kleine Chiron kennenlernt. Gespielt wird er von dem wunderbaren Mahershala Ali (Free State of Jones). Leider taucht Juan später nicht wieder auf und es wurde auch nicht mehr über die, für Chiron so wichtige Person gesprochen. Im anschließenden Q & A auf dem New York Film Festival wurde der Regisseur Barry Jenkins darauf angesprochen. Er meinte, dass es so beabsichtigt war, weil es manchmal Menschen gibt, die in einem Leben auftauchen, für eine gewisse Zeit wichtig sind und dann aber aus verschiedenen Gründen einfach nicht mehr da sind. Ich habe darüber nachgedacht und kann dem nur beipflichten.

„Moonlight“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

 
Im Jahr 2006 – ein Jahr bevor ich meine Oscar-Prognosen erstmalig veröffentlichte – hat Paul Haggis Film „Crash“ völlig überraschend den Oscar gewonnen. Ang Lees „Brokeback Mountain“ war damals DER Favorit. Für viele Oscar-Experten gilt „Crash“ noch heute als einer der schlechtesten Oscar-Gewinner-Filme überhaupt und das Ganze als einer der größten Oscar-Skandale. War es doch der Beweis, das AMPAS hauptsächlich von homophoben, alten, weißen Männern dominiert wurde. Ich sehe es etwas differenzierter, mochte „Brokeback Mountain“ fand aber „Crash“ (in Deutschland übrigens unter „L.A. Crash“ geführt) nicht so schlimm, mein Lieblingsfilm von den seinerzeit fünf nominierten Filmen war George Clooneys „Good Night, and Good Luck“.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und geguckt wie viele neue Künstler AMPAS in den letzten zehn Jahren jährlich eingeladen hat:

2006 – 120
2007 – 115
2008 – 105
2009 – 134
2010 – 135
2011 – 178
2012 – 176
2013 – 276
2014 – 271
2015 – 322
2016 – 683

Wenn man sich die Listen, der Künstler, die eingeladen wurden anschaut, kann davon ausgehen, dass AMPAS seither viel „bunter“ geworden ist: viele Frauen, Nicht-Weiße, Homosexuelle (ob offen oder nicht) und überhaupt wesentlich jüngere Künstler beleben seither die Academy. Für die Oscar-Experten wird es dadurch immer schwieriger, zu ergründen was DIE Academy wohl wählt. „Moonlight“ ist so gut, dass ich mir fast sicher bin, dass er als Bester Film nominiert wird. Mit dem Oscars-So-White-Desaster im Rücken gibt es noch drei andere Filme („Fences“, „Loving“ und „The Birth of a Nation“), die nominiert werden könnten. Ob einer der drei („Birth“ hat keine Chance, ich berichtete darüber) Filme letztlich bei dieser NEUEN ACADEMY den Oscar gewinnt, kann man derzeit noch nicht sagen. Die Chancen für einen (schwarzen) Gay-Film der Oscar-Gewinner-Film zu sein, stehen aber definitiv besser als noch vor 10 Jahren.

„Moonlight“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali, Trevante Rhodes, Andre Holland), Beste Nebendarstellerin (Naomi Harris), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Update: „Moonlight wurde für insgesamt 8 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali), Beste Nebendarstellerin (Naomie Harris), Bestes adaptierte Drehbuch, Beste Filmmusik, Beste Kamera, Bester Schnitt. Gewonnen hat „Moonlight“ drei Academy Awards (Bester Film, Bester Nebendarsteller Mahershala Ali und Bestes adaptiertes Drehbuch. 

„Moonlight“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2016 gezeigt. Der Film startet am 21.10.16 in einigen amerikanischen Kinos. Ich habe ihn auf dem New York Film Festival 2016 gesehen. Im Anschluß an den Film gab es stehende Ovationen. Der Filmemacher Barry Jenkins und die komplette Besetzung waren anwesend und haben sich den vielen Fragen des Publikums gestellt. Der Film startet am 09.03.17 in den deutschen Kinos.

 

 

Trailer zu sehen:

 

 

 

amerikanisches Filmplakat von "Moonlight"
amerikanisches Filmplakat von „Moonlight“

 

Vor dem Screening von "Moonlight" auf dem New York Film Festival zeigt sich der Regisseur und seine Besetzung dem Publikum.
Vor dem Screening von „Moonlight“ auf dem New York Film Festival zeigt sich der Regisseur und seine Besetzung dem Publikum.

 

 

Nach dem Screening von "Moonlight" auf dem New York Film Festival zeigt sich Barry Jenkins (links) mit seinen Schauspielern unter tosendem Applaus vom Balkon des Theaters.
Nach dem Screening von „Moonlight“ auf dem New York Film Festival zeigt sich Barry Jenkins (links) mit seinen Schauspielern unter tosendem Applaus vom Balkon des Theaters.

 

NYC – Film: „Manchester by the Sea“

Ich war am 2.10.16 in New York und am 26.11.16 in Chicago habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Manchester by the Sea“ (dt. Kinostart: 19.1.17) 137 min drama
dir. Kenneth Lonergan cast: Casey Affleck, Lucas Hedges, Michelle Williams, Kyle Chandler, Tate Donovan,  Gretchen Mol, Matthew Broderick

 

 

Lee Chandler (Casey Affleck) lebt in Boston und arbeitet als Hausmeister. Eines Tages erfährt er, dass sein Bruder Joe (Kyle Chandler) gestorben ist. Er war zwar herzkrank, aber so plötzlich hat niemand mit seinem Ableben gerechnet. Lee fährt in seine Heimatstadt, Manchester-by-the Sea, zurück und kümmert sich um seinen 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges). Im Testament hat ihn sein Bruder als Vormund für den Jungen bestimmt. Mit dieser Verantwortung ist Lee überfordert…

 
A- (Wertung von A bis F) Nach den Filmen „You Can Count on Me“ und Margaret ist „Manchester by the Sea“ erst die dritte Regiearbeit des New Yorker Drehbuchautors und Filmemachers Kenneth Lonergan.

Als ich mein Ticket für Manchester by the Sea“ gekauft habe, habe ich mich bereits darauf eingerichtet, deprimiert aus dem Kino zu kommen. Der Film ist jedoch anders, als ich erwartete. Es ist ein Drama, traurig – klar, aber auch unglaublich witzig, manchmal wurde in der Vorstellung so viel und so laut gelacht, dass man beinahe Mühe hatte, die Dialoge komplett zu verstehen.

Der Humor resultiert hauptsächlich aus der authentischen und lebensnahen Beziehung von Lee und Patrick. Der Alltag der Beiden bietet viel Situationskomik und auch ist die Kommunikation dieser beiden glaubwürdigen Persönlichkeiten teilweise brüllend komisch. Die Beziehung wirkt so echt, es hätte auch eine Reportage über einen Onkel und seinen nervigen Teenager-Neffen sein können.

 
Casey Affleck spielt hier einen introvertierten, sympathischen jungen Mann – einen ganz normalen Typen, der natürlich nicht fehlerfrei ist. Ich erinnere mich an eine Situation in einer Bar, bei der ich – in dem Moment – nicht wirklich nachvollziehen konnte, warum er auf eine bestimmte Art reagierte. Wie das Schicksal bei Lee zugeschlagen hat, warum Lee von den Einwohnern in Manchester als DER Lee Chandler bezeichnet wird, erfährt der Zuschauer in Rückblenden. Man sieht, wie das Schicksal bei ihm zugeschlagen hat und warum er es nicht länger in dem Kaff ausgehalten hat. Jetzt bekommt er von jetzt auf gleich die Vormundschaft für seinen 16-jährigen Neffen aufs Auge gedrückt. Als Zuschauer nimmt man teil an dem Leben dieser Beiden, der Teenager mit seinen riesigen Teenager-Problemen und der Onkel, der nicht so richtig weiß, wie er damit umgehen soll. Irgendwann steht man Lee und Patrick so nah, dass man Teil der Familie sein könnte. Ich weiss nicht warum, aber ich hatte die ganze Zeit befürchtet, dass Lee und Patrick am Ende noch etwas Schreckliches zustösst. Es ist die Angst, die man bei Menschen hat, die einem nahestehen.

„Manchester by the Sea“ ist, meiner Meinung nach, einer der besten Filme des Jahres 2016. Es ist ein intensiver, aber unaufgeregter Film, der nicht auf ein spektakuläres Ende hinarbeitet.

 

Update: Nach der zweiten Sichtung des Films, ist „Manchester by the Sea“ festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

Diese Performance wird Casey Affleck nach „The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ höchstwahrscheinlich seine zweite Oscar-Nominierung einbringen. Rückblickend betrachtet ist ER der Film, es ist seine Geschichte und ihn habe ich immer noch direkt vor Augen. Mit den Afflecks als Schauspieler habe ich mich immer schwer getan. Ben Affleck fand ich erstmalig in Gone Girl gut, was aber weniger an seiner Performance als mehr daran lag, dass er für die Rolle idealbesetzt war. Casey Affleck ist natürlich der eindeutig besserer Schauspieler der beiden Brüder, aber irgendwie fand ich auch ihn immer überschätzt. Mit „Manchester by the Sea“ sehe ich das erstmalig anders, hier wäre es sogar gerechtfertigt, wenn er mit dem Oscar ausgezeichnet wird. Wobei man hier auch ganz klar sagen muss, dass er für die Rolle auch perfekt besetzt ist. Im Moment ist Casey Affleck sogar der Favorit auf den Oscar-Gewinn als bester Hauptdarsteller ist. In einer Nebenrolle ebenso erstklassig ist Lucas Hedges. Viele Kritiker loben die Performance von Michelle Williams in den Himmel, das kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Sie ist gut – das ist sie immer, aber hier steht sie im Schatten von Casey Affleck und Lucas Hedges.

 
„Manchester by the Sea“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck), Bester Nebendarsteller (Lucas Hedges, Kyle Chandler), Beste Nebendarstellerin (Michelle Williams), Bestes Originaldrehbuch, Beste Filmmusik. Update: „Manchester by the Sea“ wurde für insgesamt 6 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck), Bester Nebendarsteller (Lucas Hedges), Beste Nebendarstellerin (Michelle Williams), Bestes Originaldrehbuch. Gewonnen hat „Manchester by the Sea“ zwei Academy Awards (Bester Hauptdarsteller Casey Affleck, Bestes Orginaldrehbuch).

„Manchester by the Sea“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2016 gezeigt. Der Film startet am 18.11.16 in einigen amerikanischen Kinos. In Deutschland ist der Film ab dem 19.1.17 zu sehen. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2016 gesehen.

 
Trailer zu sehen:

 

 

 

NYC – Film: „Train to Busan“

Ich war am 28.09.16 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Train to Busan“ (Originaltitel: „Busanhaeng“) 118 min thriller, drama, horror
dir. Sang-ho Yeon cast: Yoo Gong, Soo-an Kim, Yu-mi, Jeong, Dong-seok Ma, Woo-sik Choi, Eui-sung Kim

 
Der Fondmanager Seok-Woo (Yoo Gong) ist alleinerziehend, seine Frau hat ihn verlassen. Seine Arbeit nimmt ihn so ein, dass er kaum Zeit hat, sich um seine kleine Tochter Soo-an (Soo-an Kim) zu kümmern. Jetzt hat die Kleine aber Geburtstag und will unbedingt ihre Mutter in Busan besuchen. Da Seok-Woo seine Tochter ja nicht alleine reisen lassen kann, nimmt sich der Vielbeschäftigte von der Arbeit frei und steigt mit ihr zusammen in den Schnellzug nach Busan. In letzter Minute steigt noch eine junge Frau dazu. Es stellt sich heraus, dass sie infiziert ist und innerhalb kürzester Zeit zum Zombie mutiert, andere Passagiere angreift und infiziert. Die Epidemie greift nicht nur im Zug um sich, sondern verbreitet sich mittlerweile in Windeseile im gesamten Land.

 

 

A- (Wertung von A bis F) „Train to Busan“ ist der erste Realfilm des südkoreanischen Filmemachers Sang-ho Yeon. Bislang hat er ausschließlich Animationsfilme gedreht, u.a. „Seoul Station“, was ein Prequel zu diesem Film ist und die Ereignisse einen Tag vor denen in „Train to Busan“ erzählt.

Nach The Wailing ist dieser Film bereits der zweite erstklassige koreanische Genre-Film in diesem Jahr. „Train to Busan“ ist ideen- und actionreich, smart, spannungsgeladen und hat eindrucksvolle Effekte – kurzum es ist einer der besten Zombie-Filme, die ich je gesehen habe. Gut, nun ist das nicht gerade mein Lieblingsgenre, also drücke ich es klarer aus: „Train to Busan“ könnte in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016 landen. Ich würde ihn sogar  Kinogängern empfehlen, die normalerweise solchen Genre-Filmen aus dem Weg gehen.

 
Eine Fortsetzung zu „Train to Busan“ ist bereits beschlossene Sache ist. Sowohl Frankreich als auch Hollywood ist an einem Remake interessiert. Derzeit ist noch nicht klar, wer den Zuschlag erhält.

„Train to Busan“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2016 gezeigt. Der Film wurde am 22.07.16 in den amerikanischen Kinos gestartet. In den U.S.A. werden fremdsprachige Filme immer in der Originalfassung mit englischen Untertiteln gezeigt. Bislang ist noch kein deutscher Kinostart bekannt.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:
Trailer v. Film: „Doctor Strange„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Ich bin ja von Marvel-Superhelden-Kram gelangweilt, aber der sieht in meiner Welt irgendwie cool aus. Außerdem spielen Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Michael Stuhlbarg, Mads Mikkelsen, etc. mit.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Assassin´s Creed„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Actionfilm, der auf einem Videospiel basiert – ja, nee – ist klar und warum spielen da Michael Fassbender, Marion Cotillard, Brendan Gleeson und Jeremy Irons mit?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: vielleicht muss ich einfach nicht ALLES mit Fassy gucken.

Trailer v. Film: „The Great Wall„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Historische Actionfilme sind selten meine Welt. Der hier ist eindeutig für den chinesischen Markt produziert, auch wenn Matt Damon mitspielt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „I Belonged to You„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: chinesischer Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: möglich

Trailer v. Film: „Sword Master„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: chinesischer Martial-Arts-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 

NYC – Film: „Kubo and the Two Strings“

Ich war am 19.08.16 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Kubo and the Two Strings“ (dt. Filmtitel: „Kubo – Der tapfere Samurai“, dt. Kinostart: 27.10.16) 102 min animation
dir. Travis Knight cast: Art Parkinson, Charlize Theron, Ralph Fiennes, Rooney Mara, Matthew McConaughey, George Takei

 

 

Die Geschichte spielt im Japan vor unserer Zeit. Der kleine Kubo (Art Parkinson) lebt mit seiner Mutter in einer Höhle am Meer. Tagsüber geht er ins Dorf und unterhält die Bevölkerung mit seinen fantasievollen Geschichten. Seine Mutter (Charlize Theron) hat ihm immer eingetrichtert, dass er vor Anbruch der Dunkelheit zurück sein soll. Eines Tages bleibt er zu lange draußen und begegnet prompt zwei Geistern. Bei den beiden Geistern handelt es sich um seine beiden Tanten (Rooney Mara), vor denen hat ihn seine Mutter immer eindringlich gewarnt. Für Kubo beginnt ein gefährliches Abenteuer…

 
A- (Wertung von A bis F) Nach Coraline, ParaNorman und The Boxtrolls ist „Kubo and the Two Strings“ erst der vierte Film des Stop-Motion-Animationsstudios LAIKA. Es ist der erste Spielfilm bei dem der Vorstand und Präsident von LAIKA, Travis Knight, Regie führt. Travis Knight ist der Sohn von Phil Knight, Gründer des Sportartikel-Herstellers Nike.

Ich musste selbst noch mal nachschauen, aber den ersten Trailer von „Kubo“ habe ich vor dem Kinofilm Zootopia gesehen. Ich mochte die Figuren nicht und wollte mir den Film auch gar nicht anschauen. Jetzt – ein halbes Jahr später – bin ich ziemlich begeistert von dem Streifen. Zweifelsfrei ist es der technisch perfekteste der vier LAIKA-Filme und er erzählt eine originelle und originale Geschichte.

Die Animation in „Kubo and the Two Strings“ ist eine Kombination aus Stop-Motion-Technik und CGI. Am Anfang standen aber immer die handgefertigten Puppen und die, mit viel Liebe zum Detail gebauten Sets. Immer wenn das im Film durchscheint, sind mir vor Rührung die Tränen gekommen. Wer gibt sich den heute, mit all den technischen Möglichkeiten, noch so viel Mühe?

 
Erzählt wird die Story des einäugigen, japanischen Jungen Kubo, einem Geschichtenerzähler. Seitdem sein Vater verstorben ist, kümmert er sich rührend um seine kranke Mutter. Eines Tages beschwört er zwei Geister aus seiner Vergangenheit und muss aus dem Dorf flüchten. Er wird Götter und Monster bekämpfen und bekommt dabei Hilfe von zwei Gefährten, Monkey und Beetle.

„Kubo and the Two Strings“ ist ein ideenreiches Abenteuer, das einen in eine ganz andere Welt führt. Vielleicht sind es ein paar Feinheiten, die man an der Story noch hätte verbessern können, ansonsten habe ich an dem Film wenig auszusetzen. Kubo ist natürlich der Held, meine Lieblingsfigur ist jedoch Monkey. Mich störte, dass Beetle von Matthew McConaughey gesprochen wird. Mir ist die Stimme und Sprache des texanischen Schauspielers so vertraut, dass ich diese überall heraushöre und mich das hier aus dem Film brachte. Mit Hollywoodstars kann man natürlich prima Werbung machen, ich könnte aber oftmals gut darauf verzichten, dass bekannte Schauspieler die Sprechrollen in den Animationsfilmen übernehmen. „Kubo and the Two Strings“ ist ein Film mit japanischen Figuren, der ausschließlich in Japan spielt und wird in den U.S. A. zu Recht dafür kritisiert, dass er vorwiegend von weißen Schauspielern synchronisiert wird.

 
Nach wie vor bin ich PIXAR-Fan, aber LAIKA macht auch einzigartige Filme und darüberhinaus plant dieses Animationsstudio keine Fortsetzungen zu ihren Filmen, daher schlägt mein Herz mittlerweile mehr für LAIKA.

Aus Zeitgründen habe ich „Kubo and the Two Strings“ in der 2D-Fassung gesehen, werde ihn mir aber noch mal in der ganz sicher lohnenswerten 3D-Version anschauen.

Den Film habe ich in einem Kinocenter in New York gesehen. Es ist offiziell der erste Film für den ich 16 USD für eine Kinokarte gezahlt habe. In Manhattan gibt es kaum Vergünstigungen für Vormittagsvorstellungen, o.ä. Es ist unglaublich, wie sich die Ticketpreise in den letzten Jahren entwickelt haben.

„Kubo and the Two Strings“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016. 

 
„Kubo and the Two Strings“ ist im Gespräch für eine Oscar-Nominierung als bester Animationsfilm. Update: „Kubo and the Two Strings“ wurde für insgesamt 2 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Animationsfilm und Beste visuelle Effekte

Trailer zu sehen:

 

 

 

 

Das Making-of:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „A Monster Calls„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Romanverfilmung mit Sigourney Weaver und Felicity Jones. Liam Neeson verleiht dem Monster seine wunderbare Stimme
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

Trailer v. Film: „Sing„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Musical-Animationsfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: interessiert mich nicht

Trailer v. Film: „Trolls„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: bunter Musical-Animationsfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „The Eagle Huntress„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Dokumentation
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Storks“
Bewertung des Trailers: A- (neuer Trailer)
Kommentar: Animationsfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Monster Trucks„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Fantasy-Kinderfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Queen of Katwe
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Biopic mit David Oyelowo und Lupita Nyong´o
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

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TV – Film/Serie: „O.J.: Made in America“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender ABC/ESPN-Doku-Serie angeschaut:

„O.J.: Made in America“ (in Deutschland am 7.7. 17 und 8.7.17 auf ARTE zu sehen)  5 x approx. 90 min (464 min) documentary
dir. Ezra Edelman cast: O.J. Simpson

 

 

Diese Dokumentation widmet sich der komplexe Persönlichkeit des ehemaligen Football-Stars O.J. Simpson. Sie gibt aber auch einen Einblick in die Rassenkonflikte mit denen sich die U.S.A., aber insbesondere Los Angeles seit vielen Jahren auseinandersetzen muss.

 

 

A- (Wertung von A bis F) „O.J.: Made in America“ war in den U.S.A. dieses Jahr das TV-Event. Irgendwie ist das Jahr 2016 das O.J.-Simpson-Jahr. Die TV-Serie The People v. O. J. Simpson: American Crime Story ist zweifelsfrei eine der besten amerikanischen Miniserien des Jahres 2016 und wurde kürzlich – nicht sonderlich überraschend – für rekordverdächtige 22 Emmys nominiert. „O.J.: Made in America“ ist nun eine knapp achtstündige Dokumentation, die sowohl im amerikanischen Kino als auch im amerikanischen TV gezeigt wurde und sich damit für die Emmys UND die Oscars im nächsten Jahr bewirbt.

Orenthal James Simpson gilt bis heute als einer der besten U.S.-amerikanischen Sportler. Als Afro-Amerikaner hätte er sich für die Rechte der schwarzen Bevölkerung einsetzen können, das hat er jedoch stets abgelehnt. Eines seiner berühmtesten Zitate ist: „I´m not black – I´m O.J“. Vor allen Dingen wollte er immer von der privilegierten „weißen“ Gesellschaft respektiert werden. Dies ist dem Ausnahmesportler auch gelungen – die Schwarzen haben ihn natürlich trotzdem verehrt. O.J. Simpson ist einer der wenigen afroamerikanischen Helden, der es sogar geschafft hat, dass seine Hautfarbe nie relevant, quasi unsichtbar war. Er hat mit seiner weißen Ehefrau (Nicole Simpson) in einer, vorwiegend von wohlhabenden, weißen Amerikanern bevölkerten Gegend von Los Angeles (Brentwood) gelebt. Irgendwann kamen seine Gewalttätigkeiten gegenüber seiner Ehefrau ans Tageslicht. Als „The Juice“ hat er jedoch eine Sonderbehandlung der L.A.P.D. genossen. Die zahlreichen Notrufe seiner Ehefrau wurden nie richtig ernst genommen. Am 12.06.1994 wurden Nicole Simpson und Ron Goldman brutal ermordet. Es gab eindeutige Beweise für O.J. Simpsons Schuld. Es kam zu einem Gerichtsprozess, der über acht Monate dauerte und live im amerikanischen TV übertragen wurde. O.J. konnte sich die teuersten Anwälte leisten und die kamen schließlich auf die smarte Idee, Rassismus in den Vordergrund des Strafprozesses zu stellen und so von den Mordvorwürfen und den hieb- und stichfesten Indizien abzulenken. Der Ex-Footballer wurde schließlich freigesprochen. O.J. Simpsons Freispruch war – vereinfacht gesagt – nur der Tatsache geschuldet, dass er schwarz ist. Letztlich haben seine Staranwälte O.J.s Hautfarbe genutzt, um vorzuführen, dass Afro-Amerikaner von der Polizei und der Justiz stets vorverurteilt und benachteiligt werden. Nach dem Urteil und seiner Freilassung dachte O.J. er könnte nun so weiterleben wie zuvor, nur galt der Star gemeinhin als schuldig und die privilegierte „weiße Gesellschaft“ wollte jetzt nichts mehr mit ihm zutun haben. Dazu kam, dass er kurze Zeit später in dem Zivilprozess für die Tötung von Nicole Simpson und Ron Goldman zur Verantwortung gezogen und zur Zahlung von 33 Millionen Dollar an die Angehörigen verurteilt wurde. O.J. Simpson, der der afro-amerikanischen Gemeinschaft immer den Rücken gekehrt hatte, suchte – nachdem er von der weißen Gesellschaft abgelehnt wurde – nun deren Anerkennung – und wurde aufgenommen. Einige Jahre später (im Jahr 2007) ist O.J. Simpson mit einigen Bekannten in ein Hotelzimmer in Las Vegas eingedrungen und hat zwei Fanartikel-Händler auf die Rückgabe seiner persönlichen Erinnerungsstücke aus seiner Sportlerzeit gedrängt. Er wurde verhaftet und angeklagt. Für dieses Delikt wurde er wegen bewaffneten Raubüberfall, versuchter Körperverletzung und Geiselnahme angeklagt und verurteilt. Seit nunmehr acht Jahren sitzt er im Gefängnis. Er verbüsst eine 33-jährige Gefängnisstrafe, die nichts mit dem, ihm im Jahr 1994 vorgeworfenen Doppelmord zutun hat. Das verhängte Strafmass gilt gemeinhin als härter als üblich und man wird das Gefühl nicht los, als ob das die späte Rache der Justiz für den Freispruch in dem Doppelmord-Prozess ist.

Die Dokumentation beginnt mit O.J. Simpsons Worten: „As a kid growing up in the ghetto, one of the thing I wanted most was not money, it was fame“. Sie endet mit seinen Worten: „Please remember me as the Juice. Please remember me as a good guy. Please.“

Auch wenn sich O.J. Simpson in diesem Dokuformat nicht selbst zu irgendwelchen Vorwürfen äußert, habe ich die Dokumentation als ihm gegenüber sehr fair empfunden. Ezra Edelmann erzählt in chronologischer Reihenfolge die Lebensgeschichte von O.J. Simpson, er widmet sich intensiv seiner Sportlerkarriere und versucht in knapp acht Stunden dem Phänomen O.J. Simpson auf die Spur zu kommen. Zwischendurch habe ich durchaus Sympathie und auch mal Mitgefühl mit dem Ex-NFL-Star empfunden. Er hat aber zweifelsfrei auch eine dunkle Seite. Der Regisseur dokumentiert O.J.s Wut, seine Eifersucht und seine Prügelattacken. In meinen Augen ist er ein Narzisst und Soziopath. Ich habe nie daran gezweifelt, dass er seine Ex-Frau und Ron Goldman brutal ermordet hat, dafür gab es seinerzeit einfach erdrückende Beweise. Mit diesem Film kann sich aber jeder selbst ein Bild von ihm und den Tatvorwürfen machen. Die Dokumentation gibt aber auch Raum für die, mit Rassenkonflikten gespickte Geschichte der U.S.A. und insbesondere der Bevölkerung von Los Angeles. Durch die TV-Serie „The People v. O.J. Simpson: American Crime Story“ habe ich verstanden, wie es zu dem unfassbaren Freispruch des Doppelmörders gekommen ist, mit „O.J.: Made in America“ wurde mir klar, dass unter den gegebenen Umständen tatsächlich nichts anderes als ein Freispruch möglich war.

In dieser Dokumentation werden unzählige Original-Filmaufnahmen aus der Zeit, Videoaufzeichnungen aus dem Gericht, Tagebucheinträge, private und offizielle Fotos gezeigt und der Filmemacher lässt in 72 Interviews Angehörige, Journalisten, Freunde, Bekannte, Geschäftspartner und Weggefährten von O.J. Simpson, aber auch Anwälte, die Staatsanwältin Marcia Clarke, Mark Fuhrman und andere Polizisten, die in den Fall involviert waren, zu Wort kommen. „O.J.: Made in America“ gibt sehr viel Hintergrundwissen über den „Trial of the Century“. Auch erklären Geschworene, warum sie seinerzeit für den Freispruch stimmten und wie sie das heute sehen.

O.J. Simpson ist eine faszinierende Persönlichkeit und der Fall bleibt einzigartig. Anhand dieser Doku wird einem aber auch klar, dass sich in Sachen Rassismus und Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in letzten 20 Jahren wenig geändert hat.

„O.J. : Made in America“ ist eine exzellente Dokumentation. Ich empfehle jedoch zuerst „The People v. O.J.Simpson: American Crime Story“ zu gucken.

„O.J.: „Made in America“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

„O.J.: Made in America“ ist im Gespräch für eine Oscar-Nominierung als bester Dokumentarfilm. Update: „O.J.: Made in America“ hat eine Oscar-Nominierung als beste Dokumentation erhalten. Gewonnen hat O.J.: Made in America“ den Academy Award für die beste Dokumentation. 

„O.J.: Made in America“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2016 gezeigt. Die erste Episode dieses Fünfteilers wurde am 11.06.16 auf dem amerikanischen Sender ABC ausgestrahlt. Die restlichen vier Teile waren dann vom 14.-18.06.16 ausschließlich auf dem amerikanischen Sportsender ESPN zu sehen. „O.J.: Made in America“ konnte bei den diesjährigen Emmy-Awards nicht mit einer Nominierung berücksichtigt werden, dafür hätte die Doku in der Zeit vom 1.6.15 – 31.5.16 ausgestrahlt werden müssen. Eine Emmy-Award-Nominierung im Jahr 2017 ist sehr wahrscheinlich. Für das Jahr 2016 hat diese beeindruckende Dokumentation aber sehr gute Chancen auf einen noch viel größeren Preis, den Academy Award. Um sich für die Academy Awards zu qualifizieren, wurde diese 464-minütige Dokumentation extra zuerst im Mai 2016 in Kinos in New York und in L.A. County gezeigt. Nach den AMPAS-Regeln muss eine Dokumentation außerdem eine Filmkritik (eine Fernsehkritik ist nicht ausreichend) von der New York Times oder der L.A. Times erhalten. Es wäre die erste TV-Serie, die einen Oscar-erhalten würde.

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