San Francisco – Film: „Once Upon a Time…in Hollywood – 70mm“

Ich war am 02.08.19 in San Francisco und am 10.08.19 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Once Upon a Time…in Hollywood – 70mm“ (dt. Kinostart: 15.08.19)  161 min drama, comedy, thriller  

dir. Quentin Tarantino  cast: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Bruce Dern, Al Pacino, Austin Butler, Kurt Russell, Zoe Bell, Michael Madsen, Rebecca Gayheart, Luke Perry, Damien Lewis, Lena Dunham, Scoot McNairy, Maya Hawke, Rafal Zawierucha voice: Kurt Russell 

 

Im Februar des Jahres 1969. Der alternde TV-Darsteller Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) hadert mit seinem Schicksal. Durch die erfolgreiche TV-Westernserie „Bounty Law“ wurde er berühmt, irgendwann wurde die Serie aber abgesetzt und nun wird er nur noch in kleineren Schurkenrollen für Fernseh-Serien besetzt. Sein Stunt-Double und bester Freund Cliff Booth (Brad Pitt) bekommt aufgrund seines Rufes schon länger keine anderen Stunt-Jobs. Wenn er keine Arbeiten für seinen Freund übernimmt oder ihn hin und her kutschiert, lebt er in den Tag hinein. Und dann ist da noch die aufstrebende Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie), die erst kürzlich mit ihrem Gatten, dem Star-Regisseur Roman Polanski (Rafal Zawierucha) in Daltons direkte Nachbarschaft gezogen ist… 

 

B (Wertung von A bis F) „Once Upon a Time in Hollywood“ ist der neunte Film des Autors und Filmemachers Quentin Tarantino („Reservoir Dogs“, „Jackie Brown“, Grindhouse Planet Terror/Death Proof, Inglourious Basterds, Django Unchained, The Hateful Eight) 

Wie bewertet man einen Film, bei dem man die ersten zwei Stunden zwar nicht langweilig, aber mit Ausnahme von ein paar Highlights auch nicht wirklich überragend, (zusammenfassend vielleicht irgendwas zwischen B+ und C+) und die letzten 40 Minuten – nach dem Zeitsprung – nahezu perfekt (A bis A-) fand?

Der Filmtitel ist zum einen der Hinweis darauf, dass dieser Film ein Märchen ist (Once Upon a Time…/Es war einmal…) und zum anderen als eine Hommage an einen von Tarantinos Lieblingsregisseuren Sergio Leone (von dem zwei seiner Filme in der amerikanischen Übersetzung „Once Upon a Time in the West“ und „Once Upon a Time in America“ heißen) zu verstehen. 

„Once Upon a Time…in Hollywood“ ist natürlich eine Liebeserklärung an die amerikanische Filmindustrie der vergangenen Tage, die vielen vergessenen TV-Darsteller und die Charaktere, die sie porträtierten, die Schauspieler, die mal beinahe ihren großen Durchbruch in Hollywood hatten, die zahlreichen  Stuntmen, deren Namen die Zuschauer nicht kennen, die vielen TV-Serien und Filme von früher und schließlich ist der Film auch eine Verbeugung an eine (unschuldige) Ära, die langsam zu Ende geht. 

Dabei hat der gesamte Film keine wirkliche Handlung. In den ersten beiden Stunden passiert relativ wenig, man hängt einfach entspannt mit Leonardo DiCaprios Rick Dalton, Brad Pitts Cliff Booth und auch etwas mit Margot Robbies Sharon Tate rum. Dabei liegt der Fokus auf den ehemaligen Fernsehstar Rick Dalton. Der ist ein, in die Jahre gekommene Schauspieler, plagt sich schon länger mit Selbstzweifeln und wird nur noch in Gast- und Nebenrollen in TV-Serien besetzt. Gerade dreht er eine TV-Western-Serie. In besseren Zeiten hatte er sich ein Haus in den Hills gekauft, kürzlich ist der „Rosemary´s Baby“-Regisseur Roman Polanski und seine Frau, die aufstrebende Schauspielerin Sharon Tate, in seine direkte Nachbarschaft gezogen. Sein bester Freund Cliff Booth war jahrelang sein Stunt-Double, kann aber aufgrund seines Rufes (und einer ungeklärten Sache aus seiner Vergangenheit – Hat er oder hat er nicht? Natalie Woods Schicksal und das eventuelle Zutun von Schauspieler Robert Wagner kommt einen in Erinnerung) als Stuntman in der Filmbranche nicht mehr richtig Fuß fassen. Im Gegensatz zu seinem Kumpel Rick Dalton nimmt Cliff Booth sein Schicksal allerdings gelassen. Wenn er seinen Freund nicht durch die Gegend kutschiert oder andere Aufgaben für ihn erledigt, lässt er sich einfach treiben. Wenn man Sympathie für diese beiden Hauptfiguren aufbringen und/oder die mit viel Liebe zum Detail inszenierten ersten zwei Stunden wertschätzen kann, wird einem auch nicht langweilig. Auch kann man beispielsweise mal darauf achten, wie oft Fußfetischist Quentin Tarantino hier (dreckige) Füße in Szene setzt. 

Zugegebenermassen bin ich aber dennoch etwas ratlos aus dem Film gekommen, vielleicht hatte ich mir einfach etwas anderes vorgestellt. Tarantinos letzten Film, The Hateful Eight , hatte ich relativ schnell ins Herz geschlossen, vielleicht muss ich diesen noch länger sacken lassen, definitiv nochmal im Kino schauen (ein Update erfolgt dann). Die ersten zwei Stunden beinhalten einige großartige Szenen (in den meisten ist Leo involviert). Tarantino hat seinen Film mit erkennbar viel Leidenschaft, aber auch Leichtigkeit inszeniert und versetzt einen in dieses spezielle Los Angeles. Vielleicht haben mir einfach seine geniale Dialoge gefehlt. Alles nach dem Zeitsprung wirkte auf mich schon fast wie ein eigener Film, den ich in dieser Form vielleicht sogar lieber gesehen hätte. Aber was soll´s, Quentin Tarantino hat diesen Film wohl vordergründig für sich selbst und als Verbeugung für das fast schon vergessene (TV-)Hollywood dieser Zeit gemacht.

Leonardo DiCaprio und Brad Pitt zusammen in einem Film zu sehen, ist ein großes Plus. Man fragt sich unweigerlich, warum Tarantino erst kommen muss, der diese beiden Superstars gemeinsam in einem Film besetzt. Ich war nie ein großer Freund von Brad Pitt, im fortgeschrittenen Alter gefällt er mir optisch, aber auch schauspielerisch wesentlich besser. Mit der richtigen Rolle – wie hier – kann er sogar richtig überzeugen. Ich habe ihn selten so cool gesehen. Leonardo DiCaprio, der hier einen stotternden, unsicheren zweitklassigen TV-Darsteller gibt, hat auch mindestens zwei Oscar-Szenen (einmal bei Dreharbeiten mit Timothy Olyphant und dann als er in seinen Trailer zurückkehrt). 

„Once Upon a Time in Hollywood“ ist bis in die kleinsten Rollen prominent besetzt. Außerdem spielen hier auffällig viele Töchter von bekannten Schauspielern bzw. Regisseuren mit: Maya Hawke (Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke), Harley Quinn Smith (Tochter von Filmemacher Kevin Smith), Rumer Willis (Tochter von Demi Moore und Bruce Willis) und Margaret Qualley (Tochter von Andie McDowell, die aber mittlerweile schon selbst durch die TV-Serien „The Leftovers“ und Fosse/Verdon eine gewisse Bekanntheit hat) 

Der Soundtrack ist – wie üblich – superb und selbstverständlich bereits gekauft (ich liebe besonders die Versionen von „California Dreamin´“ und von „You Keep Me Hangin´On“).

Bekanntermassen ist noch vor Beginn der Dreharbeiten zu „The Hateful Eight“ das Drehbuch zu selbigen Film im Internet aufgetaucht. Quentin Tarantino hatte das damals extrem wütend gemacht. Von „Once Upon a Time in Hollywood“ gab es nun nur ein fertiges Skript, das – so wurde berichtet – nur der Produzent des Films, David Heyman, und die beiden Stars Leonardo DiCaprio und Brad Pitt im Ganzen zu lesen bekamen…und das auch nur bei dem Starregisseur zu Hause.  

Update nach meinem zweiten Kinobesuch

B+ (Wertung von A bis F) Ziemlich genau eine Woche nachdem ich den Film das erste Mal geschaut habe, habe ich ihn mir an einem Samstagabend in Dolby Vision in einem normalen Kinocenter in Los Angeles ein weiteres Mal angeschaut. Zuvor habe mir noch den großartig recherchierten Podcast „You Must Remember This“ (Folge 44 – 52) angehört. Darin geht es um Charles Manson´s Hollywood und – u.a. was für diesen Film besonders interessant ist –  was Doris Days Sohn Terry Melcher und die Spahn Movie Ranch für eine Rolle spielt. Außerdem versetzen einen diese Podcast-Folgen in die perfekte Stimmung für einen Film, der Ende der 1960er Jahre in L.A. spielt. 

Bei der Zweitsichtung lag mein Augenmerk noch mehr auf Kostüme, Ausstattung, Regie und Schnitt. Alle Szenen, in denen Leonardo DiCaprio in einem Film, einer TV-Serie, einer Sendung oder einer Werbung zu sehen ist, die während der Dreharbeiten und der Drehpausen spielen, finde ich perfekt. Es hat mir dieses Mal auch nicht zu lange gedauert bis es auf die Spahn-Ranch geht. Genau diese Sequenz hat mir dieses Mal sogar noch einen Tick besser gefallen, allein von der Inszenierung (auch mit dem musikalischen Ausklang). Ich wünschte Tarantino hätte die meisten Szenen mit Margot Robbies Sharon Tate rausgeschnitten, für die Erzählung sind sie unnötig und ich fand sie bei meiner Zweitsichtung sogar nervig. Letztlich fand ich den Film bei der zweiten Sichtung etwas besser, habe dem Zeitsprung entgegengefiebert und bleibe dabei, lieber hätte ich einen Film im Stil des dritten Aktes gesehen. In diesem gab es von den Angelenos sogar ein Mal Szenenapplaus und auch wurde in meiner ausverkauften Vorstellung zum Schluss applaudiert. 

„Once Upon a Time in Hollywood“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Leonardo DiCaprio), Bester Nebendarsteller (Brad Pitt), Bestes Originaldrehbuch Update: „Once Upon a Time in Hollywood“ wurde für 10 Oscars nominiert (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Leonardo DiCaprio), Bester Nebendarsteller (Brad Pitt), Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bestes Kostümdesign, Bestes Szenenbild, Bester Ton und Bester Tonschnitt) Update: „Once Upon a Time in Hollywood“ hat zwei Oscars (Bester Nebendarsteller, Brad Pitt und Bestes Szenenbild) gewonnen. 

„Once Upon a Time in Hollywood“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist am 26.07.19 in 3,659 amerikanischen Kinos gestartet. Quentin Tarantino ist einer der wenigen Regisseure, der noch auf analogem Film dreht. Im Gegensatz zu Tarantinos letztem Werk „The Hateful Eight“ wurde dieser Film auf 35mm gedreht, Kameramann Robert Richardson hat erklärt, dass bei diesem Film die 70mm-Fassung das Budget gesprengt hätte. Es gibt nur wenige (fünf) Kinos in den U.S.A. die „Once Upon a Time in Hollywood“ im Großformat auf die Leinwand bringen. Das Alamo Drafthouse New Mission in San Francisco hat die erforderliche Projektionstechnik für das Cinemascope-Breitbild. Ich habe mich für dieses besondere Kinoerlebnis entschieden und dafür auch einen etwas längeren Anfahrtsweg in Kauf genommen. In meiner gut besuchten 11.00-Uhr-Vorstellung gab es zum Filmende Applaus. Es gibt noch eine Szene während des Abspanns.  

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „A Beautiful Day in the Neighborhood„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Marielle Hellers neuer Film über Fred Rogers mit Tom Hanks als selbiger.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Queen & Slim„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Drama/Thriller mit Daniel Kaluuya 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 90%


Trailer v. Film: „Knives Out„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Rian Johnsons neuer Film: Willkommen zurück in der Indie-Welt. Mit Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Toni Collette, Lakeith Stanfield, Christopher Plummer und Michael Shannon

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Jojo Rabbit„

Bewertung des Teasers: A-

Kommentar: Taika Waititis neuer Film, Nazi-Satire mit Thomasin McKenzie, Sam Rockwell, Scarlett Johansson

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: versteht sich von selbst 


Trailer v. Film: „Joker„

Bewertung des Trailers: A

Kommentar: Klasse Trailer, Mega-Joaquin, trotzdem habe ich etwas Bauchweh, vielleicht wegen dem Regisseur (Todd Phillips), aber er läuft auf den Herbst-Festivals, also kann er doch gar nicht schlecht sein, oder? 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Ein Blick in das Foyer des Alamo Drafthouse Kinos in Frisco
…mit einer eigenen Video – und
und Musikabteilung (zusätzlich gibt es cooles Merchandise)

 

Trailer, die am 10.08.19 gespielt wurden:

Trailer v. Film: „Hustlers„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Ich dachte erst, dass wäre die Neuverfilmung von „Showgirls“. Film mit J.Lo und anderen

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „Gemini Man„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: Sci-Fi-Actionthriller mit Will Smith. Neuer Film von Ang Lee, der leider schon länger keinen richtig guten Film präsentiert hat.

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wahrscheinlich schon 


Trailer v. Film: „Knives Out„

Bewertung des Trailers: A- (neuer Trailer) 

Kommentar: Rian Johnsons neuer Film: Willkommen zurück in der Indie-Welt. Mit Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Toni Collette, Lakeith Stanfield, Christopher Plummer und Michael Shannon

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „A Beautiful Day in the Neighborhood„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Marielle Hellers neuer Film über Fred Rogers mit Tom Hanks als selbiger.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Queen & Slim„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Drama/Thriller mit Daniel Kaluuya 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 90%


Trailer v. Film: „Joker„

Bewertung des Trailers: A

Kommentar: Klasse Trailer, Mega-Joaquin, trotzdem habe ich etwas Bauchweh, vielleicht wegen dem Regisseur (Todd Phillips), aber er läuft auf den Herbst-Festivals, also kann er doch gar nicht schlecht sein, oder? 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Ad Astra„

Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer) 

Kommentar: James Grays neuer Film. Sci-Fi mit Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Charlie´s Angels„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: War das nötig? Dritter Film, dieses Mal führt Elizabeth Banks Regie mit Kristen Stewart

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich weiß nicht


Trailer v. Film: „Good Boys„

Bewertung des Trailers: B (neuer Redband Trailer)

Kommentar: Komödie mit Jacob Tremblay 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 80%

D.C. – Film: „The Revenant“

Ich war am 11.01.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Revenant“ (dt. Filmtitel: „The Revenant – der Rückkehrer“, dt. Kinostart war der 06.01.16) 156 min western, drama, adaptation
dir. Alejandro González Iñárritu cast: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck) befinden sich auf der Jagd. Hugh Glass führt eine Gruppe von Pelzhändlern durch die amerikanische Wildnis. Eines Tages wird er von einem Bären attackiert und schwer verletzt. Seine Jagdbegleiter kümmern sich zunächst um ihn, bis der Todgeweihte von seinem vermeintlichen Beschützer John Fitzgerald (Tom Hardy) zurückgelassen wird. Hugh Glass kämpft sich zurück ins Leben und schwört Rache.

A- (Wertung von A bis F) Der Film wurde von einer wahren Geschichte inspiriert.
„The Revenant“ basiert auf Michael Punkes Buch „The Revenant: a Novel of Revenge“.

Handwerklich ist „The Revenant“ ein Meisterwerk. Erzählt wird eine klassische Überlebens- und Rachegeschichte. Die Story ist simple, Dialoge werden kaum benötigt.

Zugegebenermassen nehme sehr ungern Kollegen mit ins Kino, meist kann ich es irgendwie abwenden, in dem ich den Film/die Filme, die ich mir anschauen möchte, meinen potenziellen Begleitern schlecht rede (zu brutal, Liebesschnulze, viel Dialoge, sehr actionreich, sehr Indie, der Film hat schlechte Kritiken bekommen, aber ich will ihn trotzdem gucken – Notlügen halt – aber was soll man machen). Ich habe einfach keine Lust auf permanentes Gequatsche, will die Handlung oder die Gags nicht erklären, will auch nicht runterleiern, wo der und der Schauspieler noch mitgespielt hat und erst recht nicht, will ich während des Films, den ich vielleicht klasse finde, hören, wie gelangweilt sie sind. Ich will mir einfach den Film anschauen und zwar am allerliebsten alleine. Ich habe natürlich über die Jahre auch meine Erfahrungen sammeln dürfen. Bei „The Revenant“ habe ich ausnahmsweise eine Kollegin (freiwillig) mitgenommen. Den Abend zuvor hatten wir uns beide die Golden Globes angeschaut, sie wohnt in Irland (hatte also keine Probleme, alles zu verstehen – das ist auch manchmal ein Thema) und hatte auch einen, wie ich fand, guten Filmgeschmack. Das checke ich selbstverständlich auch vorher. Ich frage Kollegen immer gern nach ihren Lieblingsfilmen oder was sie gerne gucken und sollte sie oder er dann „Fack Ju Göhte“ ,Til Schweiger- oder Michael Bay-Filme, einer der Sex and the City-Filme oder (worst case scenario) einen Anne Hathaway-Film nennen, dann kann ich unter keinen Umständen mit der/oder dem ins Kino gehen. Logisch. Jedenfalls habe ich die Kollegin als „geeignet“ empfunden, mochte sie und fand es in diesem Fall interessant, im Anschluss an den Film, ihre Meinung zu „The Revenant“ zu hören.

Das Erste was wir beide unisono nach dem Film rausposaunten, war, wie überwältigend und intensiv diese Bilder waren, diese traumhaften Landschaftsaufnahmen, diese grandiose Kameraführung, dieses Wie-bloss-haben-sie-die-oder-die-Szene-gedreht?, diese Mama-Bär-Attacke, dieser phänomenale Sound (Gut, das kam mehr von mir, sie hatte sich schon zu Beginn des Films, Stöpsel in die Ohren gesteckt – ihr war es einfach zu laut). Wir waren uns aber auch einig darüber, dass es ein strapaziöses Kinoerlebnis war. Man fiebert mit Leo. Was muss der arme Kerl noch alles über sich ergehen lassen? Ich habe mich dabei ertappt, dass ich ihm schon gewünscht habe, zu sterben. „The Revenant“ ist ein Film, der fürs Kino gemacht ist und dem man auch auf der großen Leinwand sehen sollte. Alejandro González Iñárritus Vorgängerfilm Birdman hat es im Jahr zuvor schon in meine Bestenliste aus dem Jahr 2014 geschafft und dieses cineastische Erlebnis wurde nur zu gern in meine Bestenliste aus dem Jahr 2015 aufgenommen. Bevor ich mir „The Revenant“ im Kino angeschaut habe, habe ich gehört, dass der Film mit jeder Sichtung gewinnen soll. So sehr mir der Film auch gefällt, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich in nächster Zeit noch mal diesen Strapazen aussetzen will.

Das Erste was ich jetzt – 2 Wochen nachdem ich den Film gesehen habe – mit „The Revenant“ assoziiere, ist die Leistung von Leonardo DiCaprio und die von Kameramann Emmanuel Lubezki (genannt Chivo). Seine Kamera ist permanent in Bewegung. Mit Ausnahme von einer Szene (am Lagerfeuer) wurden alle Szenen mit natürlichem Licht gedreht. Was auch bedeutete, dass nur eine Stunde pro Tag gedreht werden konnte. Es ist eine spektakuläre Arbeit, die tatsächlich den rekordbrechenden dritten Oscar (nach Gravity und Birdman) in Folge verdient hätte. Wenn die Academy-Mitglieder ihren Wahlzettel ausfüllen, erscheint übrigens nicht der Name des Kameramannes/ der Kamerafrau, sondern ausschließlich der Film. Chivos Mitnominierte sind Ed Lachman (für Carol), Robert Richardson (für, gerade ein zweites Mal gesehen, The Hateful Eight, John Seale (für Mad Max: Fury Road) und der 13x für den Oscar nominierte Roger Deakins (für Sicario). Schwer zu entscheiden, wer da gewinnen soll. Beste Kamera wird aller Voraussicht nach der Film gewinnen, der auch in den anderen technischen Kategorien ausgezeichnet wird.

Wenn ich etwas an „The Revenant“ auszusetzen habe, dann die Vater/Sohn-Geschichte und die spirituellen Rückblenden. Leonardo DiCaprio kann nichts für sein jugendliches Äußeres aber sein halbindianischer Sohn und er sehen sich vom Alter her viel zu ähnlich. Mich hat das gestört und leider rausgebracht.

Gewinnt Leo für diese Performance seinen langersehnten Oscar? Ja.

Leonardo DiCaprio setzt hier seine gesamte Physis ein und gibt zweifelsfrei eine oscarwürdige Performance. Ich persönlich finde, dass Leo in The Wolf of Wall Street eine noch bessere Performance gibt. Dafür hätte AMPAS ihn auszeichnen müssen. Die Academy wollte aber lieber einen abgemagerten Schönling, der endlich den Sprung von schlechten RomComs ins anspruchsvolle Charakterfach geschafft hat, würdigen. Schade, sehr schade.

Die 88. Academy Awards werden in Erinnerung bleiben, dass es die Verleihung war, bei dem Leonardo DiCaprio den Oscar gewann. Wenn er sich nicht noch etwas Heftiges zu Schulden kommen lässt, brauchen sie eigentlich nicht bis nach der Show zu warten, um seinen Namen auf die Statue einzugravieren. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass er für DIESE Performance in „The Revenant“ nicht gewinnt, dann muss er sich darauf einrichten, dass er wahrscheinlich NIE einen Oscar in einem jährlichen Wettbewerb gewinnen wird. NIE. Vielleicht wird er dann eines Tages (wie Schauspieler Cary Grant) mit einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet, vielleicht wird ihm aber auch das verwehrt. Bestes Beispiel dafür ist Richard Burton, der 7x für den Oscar nominiert war und nicht mal einen Ehren-Oscar erhalten hat,

Ich hatte es bereits in einem anderen Zusammenhang erwähnt, AMPAS wird dieses Jahr erschreckend ernsthaft vorgeworfen, rassistisch zu sein. Fakt ist, dass der, nicht gerade mit viel Ausdruck und mit noch weniger Talent gesegnete, afro-amerikanische Jamie Fox einen Oscar gewonnen hat und ein Chamäleon wie Tom Hardy dieses Jahr mit „The Revenant“ seine erste Oscar-Nominierung erhalten hat.

Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Tom Hardy hier mitspielt, hätte ich ihn wahrscheinlich gar nicht erkannt, vielleicht an seiner Stimme. Seine Performance ist herausragend – wie immer. Bei dieser Oscar-Nominierung fließt aber mit Sicherheit ein, dass er im Jahr 2015 auch ebenso überragend in Legend war und dazu noch in dem Besten-Film-Anwärter „Mad Max: Fury Road“ mitspielt.

Domhnall Gleeson hat mir hier auch recht gut gefallen. 2015 war für ihn tatsächlich ein großartiges Jahr. Er spielte in zwei für den Oscar nominierten Filmen (Brooklyn und halt „The Revenant“) mit und hat darüberhinaus noch in einem fantastischen Sci-Fi-Film (Ex Machina) und dem, vielleicht erfolgreichsten Film aller Zeiten „Star Wars: The Force Awakens“ mitgespielt.

Die Filmmusik in „The Revenant“ ist grandios. Der Score wurde leider schon vorab von AMPAS für die Oscars disqualifiziert. Nach den Regeln der Academy können grundsätzlich zwei Komponisten eine Musik für einen Film schreiben. Die beiden Musiker, der Japaner Ryuichi Sakamoto und der Deutsche Carsten Nicolai, besser bekannt unter dem Pseudonym Alva Noto, haben ihre Musik zwar eigens für „The Revenant“ komponiert, aber sie haben zusätzlich musikalische Werke mindestens eines anderen Künstlers (Bryce Dessner) verwendet. Es ist durchgeklungen, dass die Academy-Mitglieder vom Fachbereich Musik von der Filmmusik von „The Revenant“ beeindruckt waren, aber nicht auseinanderhalten konnten, welche Musik von welchem Komponisten ist. Schade, sonst hätte der Film sicherlich 13 Oscar-Nominierungen bekommen.

„The Revenant“ hat mit 12 Oscar-Nominierungen die meisten in der Oscar-Saison 2015/2016 erhalten (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio, Bester Nebendarsteller Tom Hardy, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Bestes Kostümdesign, Bestes Szenenbild, Bestes Make-up und beste Frisuren und Beste visuelle Effekte)

Dass der Film 12 Oscar-Nominierungen erhalten hat, zeigt, wie beliebt dieser Film bei den Academy-Mitgliedern innerhalb der einzelnen Fachbereiche ist. Der Oscar-Gewinn in der Königskategorie Bester Film ist jetzt – 5 Wochen vor der Verleihung – aber in weiter Ferne gerückt. Vor ein paar Tagen musste ich realisieren, dass rein statistisch gesehen The Big Short den Academy Award in der Kategorie Bester Film gewinnen wird.

„The Revenant“ hat bereits drei Golden Globes (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio) gewonnen.

Update: „The Revenant“ hat 3 Oscars (Beste Regie, Leonardo DiCaprio als Bester Hauptdarsteller und Chivo als Bester Kameramann) gewonnen.

„The Revenant“, Joy und The Hateful Eight waren die letzten drei potenziellen Oscar-Anwärter, die der amerikanischen Presse gezeigt wurden. „The Revenant“ startete am 25.12.15 in ganzen 4 amerikanischen Kinos. Seit  dem 8.1.16 wurde der Film dann landesweit in 3375 Kinos gezeigt. Mit den 12 Oscar-Nominierungen wurde die Kopienzahl noch mal erhöht. Mittlerweile ist er auf 3711 Leinwänden zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

 

Trailer v. Film: „Deadpool„
Bewertung des Trailers: B+ (Redband-Trailer)
Kommentar: Marvel-Mist
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Hail, Caesar!„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Der neueste Coen-Bros-Film mit Josh Brolin, Geoge Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Frances McDormand, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Captain America: Civil War„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Marvel-Mist, dritter Teil von Captain America mit Iron Man
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „London Has Fallen„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Actionfilm und Fortsetzung zu Olympus Has Fallen
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Free State of Jones„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Bürgerkriegs-Action-Drama mit Matthew McConaughey
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

 

D.C. – Film: "The Wolf of Wall Street"

Ich war am 6.1.14 in Washington und habe mir im Kino angeschaut:

„The Wolf of Wall Street“ (dt. Kinostart:16.01.14) 179 min drama, comedy, adaptation, biopic
dir. Martin Scorsese cast: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Matthew McConaughey, Margot Robbie, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Cristin Milloti, Spike Jonze

Im Jahr 1987 ist Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) 22 Jahre alt und ehrgeizig. Er bewirbt sich in einer Maklerfirma an der Wall Street. Sein Chef, der Broker Mark Hanna (Matthew McConaughey), erklärt ihm, wie man richtig viel Geld am Telefon verdienen kann und führt ihn in die Welt von Drogen und Prostituierten ein. Jordan ist aber zur falschen Zeit am falschen Ort. Der 19.10.1987, der sogenannten Black Monday machte Jordans Wall Street-Träume zunichte. Er ist aber der geborene Verkäufer, hat eine große Überzeugungskraft und Charisma. Einige Zeit später gründet er sein eigenes Maklerunternehmen, Stratton Oakmont. Den jungen ambitionierten Donnie (Jonah Hill) macht er zu seinem Vize und stellt noch ein paar Bekannte ein, deren einziges Ziel es ist, reich zu werden und das Leben in vollen Zügen zu geniessen. Innerhalb kürzester Zeit baut der Anlagebetrüger Jordan Belfort ein Millionenimperium auf. Dass er zu so einem unfassbaren Reichtum nur gekommen ist, weil er seine Kunden geprellt hat – was soll´s. Sie geniessen ihr Leben auf der Überholspur, feiern sich jeden Tag, mit weit mehr Alkohol, Drogen und Prostituierten als sie verkraften…

A- (Wertung von A bis F) „The Wolf of Wall Street“ basiert auf der gleichnamigen Autobiografie von Jordan Belfort. Wenn man sich den Film anschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, dass das alles gar nicht wahr sein kann. Ich habe kürzlich ein Interview mit Leonardo DiCaprio gesehen, der stand mit Jordan Belfort in Kontakt. Jordan Belfort hat Leonardo DiCaprio versichert, dass alles noch schlimmer war als im Film dargestellt.

Es gibt wohl im Moment keinen Film, der in den U.S.A. mehr polarisiert als „The Wolf of Wall Street“. Darf man dem widerlichen und gierigen Abschaum der Welt, der ausschließlich auf Kosten Anderer zu viel Geld gekommen, dabei zeigen wie sie ausgelassen ihr Leben geniessen? Ich hatte tatsächlich auch starke Bedenken, gibt es für mich doch heutzutage auch wenig, was mehr meinen Zorn hervorrufen kann als Banken, Banker, Aktienhändler, Ratingagenturen und das ganze skrupellose Pack in der Finanzwelt, dass mit ihren Spekulationen, Betrügereien und unsauberen Machenschaften nicht nur den kleinen Mann in den Ruin treibt, sondern auch ganze Länder und letztlich die Weltwirtschaft.

Bei vielen mitunter großartigen Filmen oder Serien stehen Mafiosi, bestechliche und kriminelle Politiker oder Wirtschaftsbosse, Serienmörder oder Psychopathen im Mittelpunkt. Warum sollte man also keinen Film über einen soziopathischen Anlagebetrüger sehen? Der Film konzentriert sich aber nicht so sehr darauf, wie er zu dem Geld gekommen ist und wen er dabei geschädigt hat, sondern mehr wie er immer geldgieriger wurde und wie er mit seinem krassen Lebenswandel die Millionen verprasst hat. Auch wenn der Film in den 1980er und 1990er Jahren spielt, was die Gier in der Finanzwelt angeht, könnte der Film wohl kaum aktueller sein.

Das Drehbuch hat Terence Winter geschrieben. Der war selbst in den 1980er Jahren an der Wall Street tätig. Terence Winter hat in der Rechtsabteilung bei Merrill Lynch gearbeitet und hat seinerzeit immer davon geträumt, ein Leben zu führen wie einer dieser Jordan Belforts. Vielleicht hat sich das auf die Authentizität des Drehbuchs und damit des Films ausgewirkt.

In meinen Augen verherrlicht Scorsese nicht das hemmungslose Leben von gewissenlosen Aktienhändlern. Anders ausgedrückt, wer am Ende von „The Wolf of Wall Street“ gerne mit Jordan Belfort getauscht hätte bzw. ihn um den Lebenswandel, den er geführt hat, beneidet, hat selbst ein Drogenproblem und/ oder eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung. „The Wolf of Wall Street“ ist eine Satire bzw. noch präziser eine Groteske. Hier sind die Charaktere die Geschichte und das was man auf der Leinwand sieht, könnte man am Besten als organisiertes Chaos bezeichnen.

Ich habe mir überlegt, wem ich „The Wolf of Wall Street“ empfehlen würde. Der Film ist etwas für Cineasten und für Scorsese-Fans, aber dann wird es schon eng. Man sollte Leonardo DiCaprio definitiv mögen, weil er ist praktisch in jeder einzelnen Szene zu sehen ist. Zusätzlich fungiert er auch noch als Erzähler des Films. Leonardo DiCaprio-Fans bekommen hier zweifelsfrei eine Performance von ihm geboten, die sie überraschen wird. Ich beispielsweise habe nicht mal geahnt, dass so viel komisches Talent in ihm steckt. „The Wolf of Wall Street“ ist ein Film, bei dem man beinahe drei Stunden einem – Entschuldigung – drogensüchtigen und sexbesessenen Arschloch zuschaut. Wenn man einen Film erwartet, bei dem der „Bösewicht“ am Ende des Films seine verdiente Strafe erhält, sollte man im Kinoprogramm nach einem anderen Film Ausschau halten. Man sollte auch kein Problem mit vulgärer Sprache haben (irgendeiner hat sich die Mühe gemacht, zu zählen, wie oft das Wort „Fuck“ gesagt wurde, es waren rekordbrechende 506 Mal, ganz zu schweigen von anderen Ausdrücken) oder der Darstellung von exzessiven Konsum von Drogen, Sexparties, etc. Definitiv muss man den Humor mögen und darf das Gezeigte nicht ernst nehmen. Wer fühlt sich also bei „Wolf“ bestens unterhalten? Nach wie vor würde ich es nur für Cineasten und Scorsese-Fans unterschreiben, denn die werden sicherlich ihren Spaß haben und sich an Szenen erfreuen, die sie so noch nie gesehen haben.

Meine Lieblingsszenen sind: der erste Streit mit seiner Ehefrau wegen „Venice“, Jordan Belforts erstes Zusammentreffen mit dem FBI-Ermittler auf der Yacht, und natürlich, wie kann es anders sein, die gesamte Sequenz 90 Minuten nach der Einnahme von Lemmon 714. Da habe ich vor Lachen beinahe einen Gesichtskrampf bekommen. Diese Szene hat sogar in den Academy Screenings großen Szenenapplaus bekommen.

Ich saß mit ungefähr 30 Mitzuschauern in einer mittäglichen Vorstellung. Mit mir zusammen saß noch eine andere Frau weiter vorne im Kinosaal. Die Frau und ich haben während des gesamten Films am meisten und am lautesten gelacht.

Dazu möchte ich gleich dringend empfehlen, den Film a) auf der großen Leinwand zu sehen und b) in der Originalfassung.

Die Schauspieler sind eigentlich alle großartig, allen voran natürlich Leonardo DiCaprio. Nach „Gangs of New York“, „The Aviator“, „The Departed“ und Shutter Island ist „The Wolf of Wall Street“ die fünfte Zusammenarbeit des Schauspielers mit Meisterregisseur Martin Scorsese. Leonardo DiCaprio gibt eine fantastische und beispiellose Performance. In einem normalen Oscar-Jahr würde er hundertprozentig dafür eine Oscar-Nominierung erhalten. Ich hatte aber bereits in meinen vorherigen Beiträgen erwähnt, dass gerade in der Kategorie Bester Schauspieler mindestens zehn starke Darstellungen um die nur fünf Plätze konkurrieren. Wer wird also nicht nominiert: Robert Redford, Bruce Dern, Matthew McConaughey, Chiwetel Ejiofor, Tom Hanks, Joaquin Phoenix, Oscar Isaac, Christian Bale, Forest Whitaker oder Leonardo DiCaprio? Meine Wunschliste wäre: Matthew McConaughey, Chiwetel Ejiofor, Joaquin Phoenix, Leonardo DiCaprio und Christian Bale oder Tom Hanks. Passiert natürlich nicht, aber wünschen kann man ja.

Matthew McConaughey gibt aber auch wieder eine sensationelle Performance. Würde man ihn noch etwas länger im Film sehen, könnte er sehr wahrscheinlich auch mit einer Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller rechnen. Für Matthew McConaughey sind das drei herausragende Performances im Filmjahr 2013 (Mud, Dallas Buyers Club und „The Wolf of Wall Street“). Ich hoffe, dass er durch seine Extremdiät für „Dallas Buyers Club“ nicht magersüchtig geworden ist, gesund sieht er in „The Wolf of Wall Street“ nämlich immer noch nicht aus.

Jonah Hill wurde im Vorfeld schon über den grünen Klee gelobt. Er hat ein paar gute Szenen, aber so richtig kann ich nicht nachvollziehen, warum um seine Performance so ein Gewese gemacht wird.

Besser hat mir da Kyle Chandler und überraschenderweise Jean Dujardin gefallen.

Auch Margot Robbie, die die zweite Ehefrau von Jordan Belfort spielt, finde ich perfekt besetzt und schauspielerisch überzeugend.

Martin Scorsese hat sogar drei Regisseure (und Schauspieler) engagiert: Rob Reiner, Spike Jonze und Jon Favreau. Alle haben mir gut gefallen, besonders aber Rob Reiner als Jordan Belforts Vater.

„The Wolf of Wall Street“ war der letzte Prestige-Film im Filmjahr 2013, der der amerikanischen Presse gezeigt wurden. Dann stand er auch noch bis zum 17.12.13 unter Embargo.

Im Jahr 2012 waren „Les Misérables“, Django Unchained und Zero Dark Thirty die letzten Filme, die der amerikanischen Presse gezeigt wurde. In der letzten Oscar-Saison war es „Zero Dark Thirty“, der Kontroversen auslöste und gegen den negative Kampagnen geführt wurden. Kaum raus, wurde raufgehauen und man konnte praktisch minütlich beobachten, wie die Chancen von „Zero Dark Thirty“ auf den Oscar-Gewinn schwanden. Dieses Jahr ist es wohl „The Wolf of Wall Street“. In einer Woche werden die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben, die Academy Mitglieder haben bereits ihre Wahlzettel ausgefüllt und abgeschickt. Ob „The Wolf of Wall Street“ tatsächlich unter den Besten Filmen der Academy landet, ist derzeit noch etwas fraglich.

Bekanntlich hatte Martin Scorsese Probleme bei der Fertigstellung von „The Wolf of Wall Street“. Der First Cut des Films war 4 Stunden und fünf Minuten lang, wurde in test screenings gezeigt und alle waren begeistert. Martin Scorsese und seine Cutterin Thelma Schoonmaker waren sich aber einig, dass ein 4-Stunden-Film schwer zu vermarkten ist. Auch hatten die Beiden überlegt „The Wolf of Wall Street“, wie bei Quentin Tarantinos Film „Kill Bill“, in zwei Teilen ins Kino zu bringen. „Wolf“ ist, so waren sie sich dann aber einig, kein Film, den man in der Mitte teilen kann und bei dem jeder Teil für sich als Film funktioniert. So mussten die beiden Künstler zurück in den Schneideraum und haben, etwas unter Zeitdruck, die Schere anlegen müssen. Ich habe letztens ein Interview mit Leo und Scorsese im amerikanischen Fernsehen gesehen. Die Beteiligten waren sich einig, dass sie jetzt mit dem 3-Stunden-Endprodukt glücklich sind. Auch wenn wohl einige Lieblingsszenen von Scorsese und Schoonmaker der Schere zum Opfer gefallen sind. Ich wäre sehr an der ursprünglichen Fassung von 4-Stunden interessiert, die hoffentlich eines Tages als Bonus Material auf der DVD enthalten ist.

Seit „Raging Bull“ arbeitet die Cutterin Thelma Schoonmaker mit Martin Scorsese zusammen. Mit ein paar wenigen Ausnahmen hat sie alle Scorsese-Filme geschnitten. Ihnen wird eine ähnlich enge berufliche Beziehung nachgesagt wie Alfred Hitchcock mit seiner Cutterin (und Ehefrau) Alma Reville.Thelma Schoonmaker hat bereits drei Oscars gewonnen. („Raging Bull“, „The Aviator“, „The Departed“). Sie gilt als Beste ihrer Branche.

„The Wolf of Wall Street“ ist in meiner Top Ten für Filme aus dem Filmjahr 2013.

„The Wolf of Wall Street“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Leonardo DiCaprio), Bester Nebendarsteller (Jonah Hill, Matthew McConaughey) Beste Nebendarstellerin (Margot Robbie, Christin Milloti), Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Beste Kostüme, Bester Schnitt, Bester Ton

Die zwei amerikanischen Trailer, die ich im Kino gesehen habe:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Lone Survivor“
Bewertung des Trailers: C+ (neuer Trailer mit Kommentar vom Regisseur)
Kommentar: Militär-Action-Film nach wahren Begebenheiten mit Mark Wahlberg und Eric Bana.
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Bad Words“
Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer)
Kommentar: Komödie von und mit Jason Bateman. Die mussten einen Redband-Trailer zeigen, weil die Sprache doch für manche Ohren ziemlich heftig ist.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Transcendence“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Sci-Fi-Thriller mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Kate Mara, etc. Der Film ist das Regiedebüt von Christopher Nolans Kameramann Wally Pfister.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Jack Ryan: Shadow Recruit“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Action von und mit Kenneth Branagh, auch mit Chris Pine und Kevin Costner und Keira Knightley. Der neue Trailer ist eigentlich kein richtiger Trailer, er zeigt am Anfang eine komplette lange Action-Szene, so dass ich beinahe dachte, im falschen Film zu sitzen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: okay ich gucke ihn wahrscheinlich

Trailer v. Film: „Non-Stop“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Actionfilm mit Liam Neeson und Julianne Moore. Filme, die in einem Flugzeug spielen muss ich gucken – früher oder später. Hoffentlich hat dieser Trailer nicht alle Wendungen verraten.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Monuments Men“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: George Clooneys neuer Film, Zweite Weltkriegsfilm mit George Clooney, Matt Damon, Cate Blanchett, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin. Der Film ist bestimmt nicht doll, sonst hätten sie ihn nicht aus der Oscar-Saison geschoben.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Dawn of the Planet of the Apes“
Bewertung des Teasers: A-
Kommentar: Wow! Die Fortsetzung von Rise of the Planet of the Apes, den ich sehr mochte.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: "Django Unchained"

Ich war am 09.01.13 in New York und habe mir im Kino angeschaut:

„Django Unchained“ (dt. Kinostart: 17.01.13) 165 min action, western, drama, comedy
dir. Quentin Tarantino cast: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Kerry Washington, James Remar, Don Johnson, Jonah Hill

Im Jahr 1858 reitet der deutsche Zahnarzt, Dr. King Schultz (Christoph Waltz) auf seinem Pferd Fritz durch die Südstaaten. Er arbeitet als Kopfgeldjäger und ist auf der Suche nach den Brittle-Brüdern (M.C. Gainey, Cooper Huckabee, Doc Duhame). Der Sklave Django (Jamie Foxx) soll ihm dabei helfen, die Brüder zu identifizieren. Er kauft ihn frei. Sie bilden ein gutes Team und Django will schließlich seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) von dem fiesen Plantagenbesitzer Calvin J. Candie (Leonardo DiCaprio) befreien…

C- (Wertung von A bis F) Man darf vielleicht nie außer Acht lassen, dass Quentin Tarantino hauptsächlich Filme für sich selbst und seine Fans macht. Seitdem ich seinerzeit „Reservoir Dogs“ gesehen habe, bin ich Fan.

Ich hoffe, dass „Django Unchained“ nur ein Ausrutscher war und Quentin Tarantino nicht verlernt hat, gute Filme zu schreiben und zu inszenieren. Gut, Inglorious Basterds war in meinen Augen auch schon nicht so gelungen wie seine vorangegangen Werke (ich habe noch mal nachgeschaut, ich habe „Inglourious Basterds“ mit B+ bewertet – aus der Erinnerung heraus hätte ich gedacht, es war ein B- oder gar C+), aber „Django Unchained“ hat mir noch wesentlich schlechter gefallen.

Ich habe mich gefragt, warum dieser Film bei so vielen Kritikern und Kinogängern so gut ankommt. Nach kurzer Überlegung kam ich zu der Überzeugung, dass es wahrscheinlich als cool gilt, seine Filme uneingeschränkt toll zu finden und ihn als Filmemacher zu vergöttern, egal ob er ein Meisterwerk abliefert oder daneben langt.

Das Beste an „Django Unchained“ ist in meinen Augen die Musik, aber selbst die hat nicht durchweg funktioniert.

„Django“ ist so ein Film, bei dem man nie in die Geschichte eintauchen kann, den man aber für seine Machart, manche Ideen, Szenen, Kameraeinstellungen, ausgewählte Songs und Dialoge schätzen kann.

Der Film hat seine Momente, aber bis Leonardo DiCaprio endlich auftaucht, ist der Film ein völlig überzogenes und nur mittellustiges Roadmovie. Der dritte Akt ist zwar durchaus sehenswert, wirkt aber, als ob der Abspann viel zu lang geraten ist. Auch wenn der Film wirklich quälend lang ist, macht es den Anschein, als sei er unfertig und zusammengewürfelt.

Gefühlte Ewigkeiten muss man einem Hauptdarsteller, der das Aussehen und die Ausstrahlungskraft eines süßen Monchhichis hat, bei seinem Abenteuer zuschauen. Das empfand ich als sehr anstrengend. Eine Augenweide und in einer so ganz anderen Rolle überzeugt hier Leonardo DiCaprio. Auch gut, aber nicht herausstechend fand ich Christoph Waltz. Großartig, wie so oft, ist natürlich Samuel L. Jackson.

Das Schlimmste an „Django Unchained“ ist Quentin Tarantino. Quentin Tarantino sollte auf keinen Fall mehr irgendwo schauspielerisch in Erscheinung treten. Damit tut er niemanden einen Gefallen. Dass er nicht für die Goldene Himbeere nominiert wurde, kann nur daran liegen, dass die Academy, die für die Razzie-Nominierungen stimmen, ihn mit Sicherheit anbeten.

„Django Unchained“ wurde gerade für fünf Oscars nominiert (Bester Film, Bester Nebendarsteller (Christoph Waltz), Bestes Originaldrehbuch (Quentin Tarantino), Beste Kamera, Bester Tonschnitt). Update:  Christoph Waltz hat seinen zweiten Oscar für diese Rolle gewonnen und Quentin Tarantino wurde für sein Drehbuch ausgezeichnet. 

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Pain & Gain“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Action mit Mark Wahlberg und Dwayne Johnson. Eigentlich gucke ich keine Filme mit Letztgenannten, der Trailer war aber nicht schlecht, bis klar war, dass es ein Michael Bay-Film ist. :))
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Lone Ranger“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Action/Western mit Johnny Depp
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 50%

Trailer v. Film: „Oblivion“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Sci-Fi mit Tom Cruise
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „This is the End“
Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer – kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einen im Kino gesehen habe)
Kommentar: Actionkomödie mit Seth Rogen, James Franco, Jonah Hill, Danny McBride, Michael Cera, Jay Baruchel, Paul Rudd
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 80%

Trailer v. Film: „Scary Movie 5“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Ich weiß zwar nicht mehr welchen, aber irgendeinen Teil dieser Reihe fand ich lustig. Der hier ist mit Charlie Sheen und Heather Locklear
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ?

Trailer v. Film: „A Good Day to Die Hard“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: na darauf habe ich ja ein Leben lang gewartet…
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Dark Skies“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Horrorfilm. Im Januar und Februar starten in den U.S.A. einfach nur Schrottfilme.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Boston – Film: "J. Edgar"

Ich war am 26.11.11 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„J. Edgar“ (dt. Kinostart: 19.01.12) 137 min biographical drama
dir. Clint Eastwood cast: Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Jeffrey Donovan, Judi Dench, Josh Lucas, Lea Thompson, Adam Driver

Im Jahr 1924 wurde J. Edgar Hoover nach seinem Studium als neuer Direktor der amerikanischen Bundespolizei (Bureau of Investigation) ernannt. Er strukturierte die Behörde um und vergrösserte ihren Machtbereich. Im Jahr 1935 wurde die Behörde umbenannt in Federal Bureau of Investigation (F.B.I.) und J. Edgar Hoover war bis zu seinem Tod im Jahr 1972, insgesamt 48 Jahre, als Chef der amerikanischen Bundespolizei tätig. Er hat unter insgesamt acht verschiedenen US-Präsidenten gedient, hat Kommunisten, Bürgerrechtler, Homosexuelle und Ehebrecher gehasst und bekämpft. Überhaupt ist er gegen Jeden, der eine andere politische Überzeugung oder Moralauffassung als er hatte, vorgegangen. Er hat diese Leute (darunter auch US-Präsidenten, Prominente und sogar Martin Luther King) abhören lassen, führte geheime Akten über sie und hat teilweise die Beweise genutzt, um die Personen zu erpressen. Die Mafia hat er hingegen nie so bekämpft, wie er es durch seine Funktion gekonnt hätte. J. Edgar Hoover war einer der mächtigsten Personen der Vereinigten Staaten von Amerika.

In dem Film diktiert J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) einigen jungen Agenten die Geschichte seiner F.B.I.-Tätigkeit. Im Film erfährt man auch, was für einen Stellenwert seine Mutter (Judi Dench) in seinem Leben hatte und dass er Clyde Tolson (Armie Hammer) zu seinem Stellvertreter ernannt hat. Bis zu seinem Tod war Clyde Tolson auch der Lebenspartner von J. Edgar Hoover.

C+ (Wertung von A bis F) Der skrupellose FBI Chef J. Edgar Hoover hat mich schon sehr früh fasziniert. Vor jetzt mehr als zwanzig Jahren habe ich seine Biografie förmlich verschlungen.

Clint Eastwood schafft es mit seinem Film „J. Edgar“ in meinen Augen nicht, dieser so wichtigen historischen Person gerecht zu werden. Biografische Filme müssen auch immer dem Zuschauer, der nicht ausreichend Hintergrundwissen hat, eine Persönlichkeit erklären. Der Film hätte sich noch mehr auf sein Karriere, die Mittel, die er eingesetzt hat, um sie voranzutreiben, seine fiesen Taktiken und letztlich seine Macht konzentrieren müssen. Sicherlich ist auch seine private Beziehung zu seinem Stellvertreter interessant, mir nimmt aber die Liebesgeschichte eine zu dominante Rolle ein. Auch hätte ich gerne erfahren, warum seine Sekretärin (gespielt von Naomi Watts) ihm so ergeben war. Ihre Figur ist unbefriedigend ausgearbeitet. Die Geschichte wird in unzähligen Rückblenden erzählt und springt von der einen Zeit in die nächste und wieder zurück. Ich sehe das Problem des Films im Drehbuch. (geschrieben von Dustin Lance Black, der für Milk einen Oscar gewonnen hat). Clint Eastwoods Regiearbeit ist einmal mehr bemerkenswert, gerade die Nacht- und Außenaufnahmen sind sehr elegant. Die Ausstattung und die Garderobe wirken authentisch.

Leonardo DiCaprio schafft es, dem Zuschauer J. Edgar Hoover menschlich nahezubringen. Immer mal wieder während des Films und natürlich zum Schluss hat mich dieser Mann, der sich so sehr seinen eigenen moralischen Vorstellungen unterwarf und Zeit seines Lebens nie zugeben konnte, homosexuell zu sein, gerührt. Von dem Film nehme ich, was die Person J. Edgar Hoover angeht, eigentlich nur mit, dass er mir leid tut. Das dürfte eigentlich nicht sein. Von Beginn des Films an war ich von Leonardo DiCaprios Performance gefesselt, so sehr, dass ich mich regelrecht zwingen musste, auch auf andere Schauspieler zu achten. Das hat sich erst geändert als Armie Hammer ins Spiel kam. Die Anziehungskraft der Beiden ist spürbar. Leonardo DiCaprio hat nun optisch überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem ehemaligen Direktor des F.B.I. Leo spielt ihn über einen Zeitraum von über fünfzig Jahren. Als er J. Edgar Hoover in jungen Jahren porträtiert, hatte ich noch so meine Schwierigkeiten mit seiner Performance, in seiner Sprache habe ich immer wieder den Filmstar rausgehört und auch von den dunklen Augen war ich zunächst abgelenkt. Dann aber, als er den älteren und alten J. Edgar Hoover spielt (dank auch der perfekten Arbeit der Maskenbilder), verschwindet Leonardo DiCaprio komplett hinter seiner Filmfigur. Sein Aussehen, seine Sprache, seine Gesichtsausdrücke, seine Körperhaltung, sein Gang – das ist nicht mehr ein Schauspieler, hier sieht man J. Edgar Hoover. Damit ist es für mich eine eindeutige Oscar-Performance.

Bei den anderen Performances möchte ich Armie Hammer (The Social Network) herausheben. Er hat mir schauspielerisch sehr gut gefallen, obwohl seine Performance durch eine teils lächerlich wirkende Maske als älterer/alter Mann etwas überschattet wird. Gefallen hat mir auch, klar, Judi Dench als schwulenfeindliche Übermutter von J. Edgar Hoover. Nicht so überzeugt war ich hier von Naomi Watts, aber das lag mehr an in ihrer Filmfigur.

In einer sehr gut besuchten Samstagabend Vorstellung sind während des Films immer mal wieder Zuschauer aufgestanden und gegangen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Extremely Loud and Incredibly Close“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer, leider immer noch dieser U2-Song)
Kommentar: Stephen Daldrys Drama, das den 11. September 2001 thematisiert. Besetzung: Tom Hanks, Sandra Bullock, Max von Sydow und Viola Davis. Gilt als möglicher Oscar-Film, obwohl ihn immer noch keiner gesehen hat…
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „New Year´s Eve“
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: RomCom mit Ashton Kutcher, Hilary Swank, Michelle Pfeiffer, Jon Bon Jovi, Zac Efron, Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Sarah Jessica Parker, Jessica Biel und Katherine Heigl und Til Schweiger (spätestens beim Auftauchen der beiden Letztgenannten im Trailer, war ich raus aus der Geschichte…)
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%, es sei denn er bekommt eine RT-Bewertung von mind. 60%

Trailer v. Film: „Safe House“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Actioner mit Ryan Reynolds und Denzel Washington
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 40%

Trailer v. Film: „The Girl with the Dragon Tattoo“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: David Finchers Remake der gleichnamigen Stieg Larsson-Verfilmung mit Daniel Craig, Rooney Mara, Robin Wright. An Rooney Mara habe ich mich nicht nur mittlerweile gewöhnt und ich bin sehr gespannt auf diese Performance. Oscar-Film oder Oscar-Potential, wird sich (immer noch) zeigen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „War Horse“
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: „War Horse“ gilt immer noch als möglicher Oscar-Film. Für mich immer noch ein „Arbeitsfilm“.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Young Adult“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Jason Reitmans neue Tragikomödie mit einer scheinbar brillanten Charlize Theron. Auch mit dabei Patrick Wilson und Patton Oswalt. Oscar-Potential. Ich glaube, der Film wird mir gefallen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Boston – Film: "Inception"

Ich war am 16.07.10 in Boston und am 25.07.10 in Los Angeles und habe mir im Kino angeschaut:

„Inception“ (dt. Kinostart am 29.07.10) 148 min sci-fi, thriller, drama
dir. Christopher Nolan cast: Leonardo DiCaprio, Ellen Page, Ken Watanabe, Joseph Gordon-Levitt, Marion Cotillard, Michael Caine, Cilian Murphy, Tom Hardy, Tom Berenger, Pete Postlethwaite

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) arbeitet als Industriespion. Er hat sich darauf spezialisiert, Ideen und Firmengeheimnisse aus dem Unterbewusstsein bzw. den Träumen der Angestellten für das Konkurrenzunternehmen zu stehlen. Cobb und seine Mitarbeiter Arthur (Joseph Gordon-Levitt) und Eames (Tom Hardy) bekommen von dem Industriemagnaten Saito (Ken Watanabe) einen neuen Auftrag. Cobbs eigene Problematik erschwert jedoch die Erfüllung des Auftrages…

B, unter Vorbehalt (Wertung von A bis F) „Inception“ ist definitiv ein Film, den man mehrmals gesehen haben sollte. Beim ersten Kinobesuch kann man den Film in seiner gesamten Komplexität kaum erfassen. Nach einigem Hin und Her habe ich mich in meiner Bewertung für ein „B“ entschieden, jedoch ohne sicher zu sein, dass ich diese Bewertung nach dem zweiten Kinobesuch aufrecht erhalten kann. Für mich ist dabei überraschend, dass ich mir sowohl eine Verbesserung als auch eine Verschlechterung in der Bewertung vorstellen kann. Ist „Inception“ viel besser als er mir zunächst erscheint oder versucht der Film, ähnlich Leonardo DiCaprios letztem Film Shutter Island, besonders intelligent zu sein, ohne dass ihm dies vollends gelingt? Ausserdem frage ich mich, ob dies ein Film ist (wie z.B. „The Matrix“) bei dem man praktisch gezwungen werden soll, ihn cool zu finden. Alles offen.

Visuell ist der Film ein absoluter Leckerbissen. Es sei jedem potentiellen Zuschauer dringend geraten, die grösste Leinwand seiner Stadt zu finden. Wenn vorhanden, würde ich auch zu der IMAX-Fassung raten. Bei Christopher Nolans letztem Film (The Dark Knight) wurde bereits eindringlich empfohlen, die IMAX-Fassung zu sehen. Diesmal hatte ich die Wahl und habe mir die etwas teurere, aber sehr lohnenswerte Digital-Fassung gegönnt. In keinem Fall ist es empfehlenswert, „Inception“ zuerst auf DVD bzw. auf einem kleinem Bildschirm zu schauen. Wie bereits bei „The Dark Knight“ ist auch „Inception“ ein Film für den Kinos gebaut werden.

Durch die komplexe und wirre (nicht negativ gemeint, ich liebe David Lynch-Filme) Erzählweise ist es mir schwergefallen, in den Film reinzukommen. Richtig sicher bin ich mir nicht, ob es mir überhaupt gelungen ist. Vielleicht hätte Christopher Nolan nicht über zehn Jahre an dem Drehbuch rumschreiben sollen, sondern diese Aufgabe dem großen Künstler Charlie Kaufman („Being John Malkovich“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“) überlassen sollen. Mir erschien „Inception“ auch etwas endlos.

Mit Leonardo DiCaprios Schauspiel habe ich seit seinem letztem Film („Shutter Island“) minimale Probleme. Auf diesem hohen Niveau ist es zwar nur ein Luxusproblem, aber es gelang mir auch in diesem Film nicht, mich komplett davon zu befreien. Ansonsten lässt die Besetzungsliste ja kaum Wünsche übrig. Herausragend waren für mich Marion Cotillard („La Vie En Rose“, Public Enemies, Nine) und Tom Hardy (RocknRolla, Bronson).

Update nach dem zweiten Kinobesuch:

B (Wertung von A bis F) Beim zweiten Mal (diesmal nicht in der imposanten IMAX-Fassung) bin ich wesentlich kritischer und weniger euphorisch an den Film rangegangen, wusste worauf ich achten wollte und konnte mich sogar darauf konzentrieren, Tom Berenger (lange nicht gesehen und irgendwie hatte ich ihn ganz anders in Erinnerung) zu erkennen.

Trotz der teils Gänsehaut erzeugenden Optik finde ich, dass „Inception“ weitläufig überbewertet wird. Christopher Nolan hat in meinen Augen etwas zu viel und zu lang konstruiert. Dennoch hat „Inception“ für einen Mainstream-Film aussergewöhnlich viel Hirn, leider fehlt dem Film die Seele. Soll heißen, ich konnte für keinen Charakter richtig Interesse entwickeln und entsprechend hat mich deren Schicksal relativ kalt gelassen. ABER: Die letzte (ungefähre, ich habe nicht auf die Uhr geschaut) Stunde von „Inception“ hat mich beim ersten Mal schon begeistert und beim zweiten Mal schlichtweg nocheinmal umgehauen und daher bleibe ich nach einiger Überlegung doch bei meiner ursprünglichen „B“-Bewertung.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer von Film:“Legend of the Guardians“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Dieser Eulen-Animationsfilm hat es durch die vielen Trailer tatsächlich geschafft, mein Interesse zu wecken. Visuell (besonders in 3D und IMAX) ist der Trailer schon aussergewöhnlich.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 60 %

Trailer von Film:“Tron Legacy“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Sci-Fi-Fortsetzung mit Jeff Bridges. Cool, stylish und vor allen Dingen in 3-D ein Muss, Trailer lange nicht mehr gesehen…
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100 %

vorgeschaltete Trailer zum zweiten Kinobesuch:

Trailer v. Film: „Wall Street: Money Never Sleeps“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Oliver Stones Fortsetzung des oscarprämierten Films. „Wall Street“ mit Michael Douglas, Shia LaBeouf, Frank Langella, Carey Mulligan, Susan Sarandon und Josh Brolin. Trailer habe ich ewig nicht mehr im Kino gesehen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Social Network“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Ich halte überhaupt nichts von Sozialen Netzwerken wie Facebook, daher bin ich auf David Finchers neuen Film gespannt wie ein Flitzebogen…Hoffentlich ist der Film so gut, wie der Trailer vermuten lässt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100 % !!!

Trailer v. Film: „Charlie St. Cloud“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Ein Film mit Zac Efron…pfff…
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Due Date“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Action-Klamotte mit Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Town“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Ich habe mir ja schon mehrmals geschworen, nie (NIE) wieder einen Film mit Ben Affleck zu sehen…mmmh, jetzt spielt aber in diesem Action/Drama auch Jeremy Renner mit.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Berlin – Film: "Shutter Island"

Ich war am 01.03.10 in meiner Heimatstadt im Kino und habe mir angeschaut:

„Shutter Island“ (dt. Kinostart war der 25.02.10) 138 min thriller, adaptation
dir. Martin Scorsese cast: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Michelle Williams, Max von Sydow, Emily Mortimer, Jackie Earle Haley, Patricia Clarkson

Im Jahr 1954 trifft der U.S. Marshal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) auf seinen neuen Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo). Sie sind auf den Weg nach Shutter Island. Auf der abgelegenen Insel befindet sich ein Hospital für psychisch kranke Straftäter. Dort soll auf mysteriöse Weise eine Patientin und Kindermörderin verschwunden sein. Bei der Aufklärung des Falles kommt es schnell zu Ungereimtheiten…

B- (Wertung von A bis F) Der Film „Shutter Island“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane.

Auch wenn man das Buch nicht gelesen hat, wenn man sich den bzw. die Filmtrailer angeschaut hat, weiß man schon ziemlich genau wohin die Reise in Martin Scorseses neuesten Film geht. Falls man auch keine Trailer von dem Film gesehen hat (was ich im Übrigen dringend empfehle), weiß man spätestens nach ca. dreißig Minuten über einiges Bescheid. Zunächst hat mir das Ganze aber nicht die Spannung verdorben, ich habe mich auf die durchaus künstlerisch gestalteten Rückblenden bzw. die Albträumen konzentriert und auf die wunderbaren Schauspieler. Leider ist „Shutter Island“ aber dann mit einigen Szenen völlig unnötig in die Länge gezogen worden.

Als der Film „Shutter Island“ anfing war das Erste was mir und wahrscheinlich jedem auffiel, der schwer zu überhörende Score. Dankenswerterweise zieht der sich aber in dieser Aufdringlichkeit nicht durch den kompletten Film.

Als äusserst gelungen sehe ich mit einer winzigen Ausnahme die Besetzung. Emily Mortimer („Match Point“, Transsiberian) und Patricia Clarkson („Pieces of April“, „Good Night, and Good Luck“) sind idealbesetzt und großartig. Sogar Mark Ruffalo („My Life Without Me“, Zodiac, The Brothers Bloom„The Brothers Bloom“) konnte mich hier mal zu hundert Prozent überzeugen. Jackie Earle Haley („Little Children“, „Watchmen“) hat mir hier gezeigt, dass er reif ist für eine zweite Oscar-Nominierung und ich hoffe, dass er bald wieder in Filmen mitspielt, die auch von der Academy wahrgenommen werden. Ich bin seit Beginn seiner Karriere ein großer Fan von Leonordo DiCaprios Schauspiel. Ob in noch sehr jungen Jahren in „What´s Eating Gilbert Grape“ oder „The Basketball Diaries“, später in „The Beach“ und schließlich als Erwachsener mit seiner Performance in „The Aviator“, „Blood Diamond“ und „Revolutionary Road, überzeugt hat er mich immer. In „Shutter Island“ hat er, meiner Meinung nach, in manchen Szenen etwas zu dick aufgetragen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer von Film: „Precious“
Bewertung des Trailers: ?
Kommentar: …und ich dachte, ich müsste mir nie wieder den Trailer angucken…
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: unzählig
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 0 %

Trailer von Film: „The Bounty Hunter“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Action-RomCom mit Jennifer Aniston und Gerard Butler
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 20 %

Trailer von Film: „The Men Who Stare at Goats“
Kommentar: Film bereits gesehen und mit C+ bewertet

Sehr löblich, dass alle Trailer im Original gezeigt wurden!

Ich war schon länger nicht in Deutschland im Kino. Ich weiß, dass ich mich glücklich schätzen kann, in der Lage zu sein, häufig in den U.S.A. ins Kino gehen zu können. Zwei Dinge, die ich im Gegensatz zu einem „amerikanischen“ Kinobesuch in Deutschland nicht mag: Schon an der Kasse muß man sich für Sitzplätze entscheiden, sprich kein FREE SEATING. Darüberhinaus wird, wenn um 16.15 der Film anfangen soll, erst einmal ellenlang Werbung gezeigt, bis dann ein paar Trailer ausgestrahlt werden, dann noch mal Werbung und dann geht der Vorhang wieder zu…8| Dann kam ein Eisverkäufer rein (das es die noch gibt…) Ich meine, man zahlt 8 Euro (oder manchmal vielleicht sogar mehr) und man muß sich in dieser Intensität Werbung anschauen… :??: Werbung, Trailer, Werbung, Vorhang, Eisverkäufer haben dann ziemlich genau 20 Minuten (Gut, ich kann mich erinnern, dass vor Jahren die Werbung noch maßloser war, also schon eine positive Veränderung) in Anspruch genommen. In den U.S.A. läuft es zwar mittlerweile auch nicht mehr ganz ohne Werbung, aber das bevor der Film regulär anfangen soll. Wenn um 16.15 ausgewiesen ist, dass der Film beginnt, sieht man vielleicht noch einen Coca Cola-Spot, Eigenwerbung für das jeweilige Kino und dann die Trailer. Schließlich kommt dann durch Verizon (oder einem anderen Handy-Anbieter) die Aufforderung, jetzt doch bitte alle Gespräche und andere Geräusche zu unterlassen, nicht während des Films zu telefonieren oder smsen, das Handy auf lautlaus zu stellen, weil jetzt der Film anfängt. Vorhänge gibt es nicht.

Seattle – "Revolutionary Road"

Ich war am 06.01.09 in Seattle und habe mir im Kino angeschaut:

„Revolutionary Road“ (dt. Titel „Zeiten des Aufruhrs“, dt. Kinostart 15.01.09) 119 min drama, adaptation
dir. Sam Mendes cast: Kate Winslet, Leonardo DiCaprio, Kathy Bates, Michael Shannon, Dylan Baker, Kathryn Hahn, David Harbour

Als sich April (Kate Winslet) und Frank (Leonardo DiCaprio) kennenlernen, sind beide voller Träume und Sehnsüchte. Sie heiraten allerdings sehr früh, bekommen zwei Kinder und ziehen in die Vorstadt. Mittlerweile führen sie genau das spiessige Leben, das sie nie führen wollten. Obwohl sie sich nicht mehr viel zu sagen haben, streiten sie unaufhörlich. An Franks 30. Geburtstag macht April den Vorschlag, nach Paris zu gehen und neu anzufangen. Für eine gewisse Zeit leben sie wieder für ihre Träume…

A- (Wertung von A bis F) Der Film „Revolutionary Road“ wurde von dem Kultroman von Richard Yates adaptiert. Die vierte Regiearbeit von Sam Mendes ist zugleich die zweite über eine Vorstadt-Ehe. Wo Mendes bei seinem Regiedebut „American Beauty“ noch die satirische Form wählte, zeigt er in „Revolutionary Road“ die ausserst deprimierende. Er inszeniert, mit Hilfe des – auch von den Coen-Brüdern hochgeschätzten – Kameramannes, Roger Deakins, sowohl die 50er Jahre, als auch die Ausweglosigkeit authentisch. Mich haben die erbitterten, lauten Streitereien allerdings sehr an „Who´s Afraid of Virginia Woolf“ erinnert, den ich als Heranwachsende sah und überhaupt nicht mochte. Schauspielerisch ist an „Revolutionary Road“ überhaupt nichts zu bemängeln. Sogar die Nebenrollen sind perfekt besetzt. Kathryn Hahn und David Harbour als Nachbarn, die immer wunderbare Kathy Bates als oberflächliche Immobilienmaklerin und der nicht nur hier so überzeugende Michael Shannon als Geisteskranker. Der Film funktioniert aber hauptsächlich durch die Chemie und Qualität der beiden Hauptdarsteller, Kate Winslet und Leonardo DiCaprio. Kate Winslet hat am 11.01.09 einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin bekommen. Update: „Revolutionary Road“ hat drei Oscar-Nominierungen erhalten (Bester Nebendarsteller Michael Shannon, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign)

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Boston – "Body of Lies"

Ich war am 17.10.08 in Boston und habe mir im Kino angeschaut:

„Body of Lies“ (dt. Titel „Der Mann, der niemals lebte“, dt. Kinostart 20.11.08) 128 min action, thriller adaptation
dir. Ridley Scott cast: Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong, Vince Colosimo, Alon Abutbul, Oscar Isaac, Michael Stuhlbarg

Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) arbeitet als Top-Undercover-Agent für die CIA im Nahen Osten. Sein derzeitiger Auftrag, den Terroristenführer Al-Saleem (Alon Abutbul) aufzuspüren, führt ihn nach Jordanien. Dabei steht er im direkten Handykontakt mit seinem Vorgesetzten Ed Hoffman (Russell Crowe) in Washington und sucht die Unterstützung des jordanischen Geheimdienstchefs Hani Salaam (Mark Strong)…

C (Wertung von A bis F) Mittelmässiger Spionage-Action-Thriller, der zwar gute Ansätze hat, mich aber im Ganzen nicht überzeugen konnte. Wie man es von Ridley Scott („Blade Runner“, „Thelma & Louise“, „Gladiator“) gewohnt ist, hat der Film eine schöne Bildsprache, leider liefert die Romanvorlage von David Ignatius aber eine unbefriedigende Story. „Body of Lies“ hat durchaus einige Spannungselemente, es war mir allerdings – mit Ausnahme der gelungenen letzten halben Stunde – nicht möglich gewesen, in den Film richtig einzutauchen. Bei Ridley Scotts mittlerweile vierter Zusammenarbeit mit Russell Crowe (in seinem nächsten Projekt zieht er ihm sogar grüne Strumpfhosen an ;D … als Robin Hood) war es für mich aber hauptsächlich interessant, die beiden, von mir sehr respektierten Schauspielgrössen auf der Leinwand zusammen sehen zu können. Wenn ich die beiden hier direkt vergleiche, muss ich sagen, dass Russell mir etwas zu sehr geschauspielert hat und Leo seine Rolle eher gelebt hat und dadurch überzeugender war. Zu meiner grossen Überraschung hat aber der von mir bislang noch nicht wahrgenommenen britische Schauspieler Mark Strong („Syriana“, Stardust) alle beiden Über-Talente etwas blass wirken lassen. Mark Strong hat bei mir mit seiner natürlichen Eleganz und Präsenz schauspielerisch am meisten punkten können. Leoonardo DiCaprios braune Kontaktlinsen waren schon etwas gewöhnungsbedürftig, an seinen verlotterten Bart konnte ich mich bis zum Schluss nicht gewöhnen…

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„passabel“