Berlin – Film: „Cold War“

Ich war am 10.01.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Cold War“ (dt. Filmtitel: „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“, dt. Kinostart: 22.11.18)  89 min  drama

dir. Pawel Pawlikowski  cast: Joanna Kulig, Tomasz Kot, Borys Szyc, Agata Kuleza, Jeanne Balibar

 

Vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Polen. Im Auftrag des sozialistisches Regimes soll ein Folklore-Ensemble zusammengestellt werden. Dafür reisen der Komponist Wiktor (Tomasz Kot), die Gesangslehrerin Irena (Agata Kulesza) und der Parteifunktionär Kaczmarek (Borys Szyc) in die Provinz und suchen nach polnischem Liedgut, Volkstänzen und Bewerbern für das Ensemble. Bei einem Gesangswettbewerb verguckt sich Wiktor (Tomasz Kot) in die attraktive Sängerin Zula (Joanna Kulig). Zula wird unter den Bewerbern für das Ensemble ausgewählt. Aus Wiktor und Zula wird ein heimliches Liebespaar, bis sie ihm eines Tages etwas gesteht…

 

A- (Wertung von A bis F) „Cold War“ ist der neue Film des polnischen Filmemacher Pawel Pawlikowski. Für seinen Film „Ida“ hat der den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewonnen. Dieses Liebesdrama zur Zeit des Kalten Krieges wurde von der Beziehung von Pawlikowskis Eltern inspiriert, der Regisseur hat den Film seinen, inzwischen verstorbenen Eltern gewidmet.

Unweigerlich hat mich dieser exzellent fotografierte Schwarz-Weiß-Film in seinen Bann gezogen. Zunächst war es der attraktive Wiktor, dann dieses rebellische Mädchen und schließlich ihre Geschichte. „Cold War“ spielt – wie der Filmtitel vermuten lässt – zur Zeit des Kalten Krieges und erzählt über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren eine ergreifende (Liebes-) Geschichte. Ein Liebespaar aus einem sozialistischen Land, das von einer gemeinsamen und besseren Zukunft im Westen träumt. Sie hat nicht genug Selbstvertrauen in sich und ihre Liebe, das Paar wird getrennt und das ist natürlich noch nicht das Ende der Geschichte. 

Bilder, Szenen, aber auch die Stimmung des Films sind etwas, was ich so schnell nicht vergesse. „Cold War“ ist ein schnörkelloser Film, den ich mir mit Leichtigkeit wieder ins Gedächtnis zurückrufen kann. Mit dem Filmende war ich allerdings nur so mittelzufrieden. 

„Cold War“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018.

„Cold War“ hat im Jahr 2018 fünf European Film Awards gewonnen (Bester europäischer Film, Bester europäischer Regisseur, Beste europäische Schauspielerin, Joanna Kulig, Bester europäischer Drehbuchautor und Bester europäischer Schnitt. Der Film wurde für Polen als Kandidat in der Kategorie bester fremdsprachiger Film für die Oscars eingereicht. Der Film wurde für drei Oscars (Beste Regie, Beste Kamera und Bester nicht-englischsprachiger Film) nominiert.  

„Cold War“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2018 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat Pawel Pawlikowski den Regiepreis gewonnen. Der Film ist am 21.12.18 in drei amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er in 217 Kinos landesweit.  Der Film läuft unter dem Filmtitel: „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“ seit dem 22.11.18 in den deutschen Kinos. Ich habe den Film in Deutschland gesehen. In dem Kino meiner Wahl lief der Film leider nur in der Synchronisation. Teile des Films sind in Französisch und Italienisch mit deutschen Untertiteln. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Capernaum„

Bewertung des Trailers: B- (Trailer in der Synchro) 

Kommentar: libanesischer Film, der als bester nicht-englischsprachiger Film für den Oscar nominiert wurde

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Yuli„

Bewertung des Trailers: C (Trailer in der Synchro) 

Kommentar: Film über den kubanischen Ballet-Star Carlos Acosta

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0% 


Trailer v. Film: „Beautiful Boy„

Bewertung des Trailers: C+ (Trailer in der Synchro) 

osKommentar: Familiendrama

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen


Trailer v. Film: „On the Basis of Sex„

Bewertung des Trailers: B- (Trailer in der Synchro) 

Kommentar: Biopic über RBG mit Felicity Jones in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Netflix – Film: „Outside In“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Outside In“ (in Deutschland auf Netflix zu sehen)   109 min   drama 

dir. Lynn Shelton  cast: Jay Duplass, Edie Falco, Kaitlyn Dever, Ben Schwartz

 

Chris (Jay Duplass) wurde nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Einen großen Anteil an seiner Entlassung hat seine ehemalige High School-Lehrerin Carol (Edie Falco). Über viele Jahre hat sie sich für Chris eingesetzt und auch intensiven Kontakt zu ihm gehalten. Für den 38-jährigen Chris ist sie jetzt die einzige Bezugsperson, nur ist Carol verheiratet und hat mit Hildy (Kaitlin Deve) eine Teenager-Tochter… 

 

A- (Wertung von A bis F) „Outside In“ ist der neue Film der amerikanischen Filmemacherin Lynn Shelton („Touchy Feely“, Your Sister´s Sister).

Seit ich drei Monaten zuvor Sunday´s Illness auf Netflix entdeckte, habe ich immer wieder geschaut, eine ähnliche Indie-Perle zu entdecken. Mit diesem Film habe ich sie gefunden.

„Outside In“ ist ein Drama, das von seinen beiden authentischen Charakteren lebt. Chris ist nach zwanzig Jahren endlich aus dem Gefängnis entlassen worden, saß wohl zu Unrecht, jetzt darf er nicht gegen die Bewährungsauflagen verstossen. Zunächst kommt er bei seinem Bruder unter, er sehnt sich aber nach einem einfachen, normalen Leben in dieser, für ihn veränderten Welt. Einen Job findet er nicht so einfach, entsprechend hat er viel Zeit und sucht den Kontakt zu seiner ehemaligen Lehrerin, einer um einiges älteren Frau, die über die ganzen Jahre auch seine Bezugsperson im Gefängnis war. Der 38-jährige Chris hat etwas so sympathisches und schützenswertes. Als Zuschauer ist man die ganze Zeit bei ihm, hat aber – zumindest trifft es für mich zu – das Gefühl, man begleitet ein Hundebaby, bei dem man ständig Angst hat, dass er nicht auf dumme Ideen kommt bzw. andere Leute könnten ihn vom rechten Weg abbringen. 

Jay Duplass und Edie Falco sind so „echt“, wie ich es mir immer von Schauspielern wünsche. Andere Akteure kann ich mir in diesen beiden Rollen nicht vorstellen. „Outside In“ ist ein Beispiel für exzellentes American Independent Cinema. Es sind oftmals die kleinen Filme, die wirklich überraschen und berühren können. 

„Outside In“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. (Anmerkung: Mein Beitrag zu diesem Film kommt sehr verspätet, genauer gesagt, Monate nachdem ich den Film erstmalig gesehen habe).

„Outside In“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2017 gezeigt. Der Film ist am 30.03.18 in neun amerikanischen Kinos gestartet. Er war in nicht mehr als 16 Kinos landesweit zu sehen. Aktuell läuft er immer noch bei Netflix, auch in Deutschland. 

Trailer zu sehen:

Meine Top Ten Filme aus dem Jahr 2018

In meiner persönlichen Filmliste für das Jahr 2018 tauchen insgesamt 105 aktuelle Filme auf. 23 Filme habe ich davon auf VOD, DVD, Netflix oder in unserem Bordprogramm gesehen, Von diesen 23 Filmen waren allein 10 neue Netflix-Filme (The Cloverfield Paradox,, Strong Island, Mute, Cargo, Sunday´s Illness, Outside In, Private Life, 22 July, Stephanie und Bird Box). Einige davon hätte ich gerne  im Kino gesehen. Dafür konnte ich im Jahr 2018 tatsächlich drei Netflix-Filme im Kino sehen: Annihilation, The Ballad of Buster Scruggs und Roma.

Die verbleibenden 82 Filme habe ich im Kino gesehen. Im Jahr 2018 habe ich es auch zum ersten Mal auf das Münchner Film Fest und damit auf vier Filmfestivals  (Berlinale, Tribeca Film Festival, Münchner Film Fest und das New York Film Festival) geschafft. Außerhalb der Berlinale, dem Münchner Film Fest und vier Pressevorführungen (für Winchester, You Were Never Really Here, Halloween und Climax) war ich im Filmjahr 2018 3 x regulär im deutschen Kino, und zwar für Hereditary, für den Netflix-Film Roma und schließlich für Cold War.  5 x war ich in Hongkong, 1 x in Leeuwarden, 1 x in Kopenhagen und ansonsten nur in Nordamerika im Kino.  Da ich vorwiegend in den U.S.A. ins Kino gehe, versuche ich am Ende des Jahres noch möglich alle sogenannten Prestige- bzw.  Oscar-Filme unterzubringen, bevor ich meine Top-Ten-Liste veröffentliche. Das gelingt mir logischerweise nicht immer. Da die Bestenliste bis spätestens Anfang/Mitte Januar fertig sein sollte, habe ich nur noch folgende potenzielle Oscar-Kandidaten in den ersten Tagen des neuen Jahres gesehen: If Beale Street Could Talk, Ben is Back, Mary Queen of Scots, Cold War und Destroyer

Nicht geschafft habe ich folgende mögliche Top Ten-Kandidaten:  „Capernaum“, „Suspiria“, „Shoplifters“ und „Burning“

Meine Bestenliste besteht nicht zwingend aus aus den, von mir am besten bewerteten Filmen, in meiner Top Ten-Liste will ich einfach versuchen, mein Filmjahr zu repräsentieren. 

In meiner Top Ten für Filme des Jahres 2018 gibt es keinen Platz 1-Film und auch sonst haben die Filme kein Ranking erhalten. Gelistet sind sie in der Reihenfolge, in der ich die Filme gesehen habe. In meiner Bestenliste sind u.a. ein spanischer, ein mexikanischer und ein polnischer Film, Wes Andersons Stop-Motion-Animationsfilm, ein exzentrisches Kostümdrama eines griechischen Ausnahmeregisseurs, zwei ganz besondere Werke weiblicher Regisseure und Spike Lees neuestes Film

Meine Top Ten Filme aus dem Jahr 2018 (in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe):

Isle of Dogs

You Were Never Really Here

Disobedience

Sunday´s Illness

Leave No Trace

BlacKkKlansman

Outside In

The Favourite

Roma

Cold War

 

Folgende Filme hätten es beinahe in meine Top Ten geschafft (ebenfalls in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe): Annihilation, A Quiet Place, American Animals, Border, If Beale Street Could Talk) 

 

Die für mich besten Performances des Jahres 2018:

Jonah Hill (Don´t Worry, He Won´t Get Far on Foot)

Joaquin Phoenix (You Were Never Really Here)

Toni Collette (Hereditary)

Olivia Colman (The Favourite)

Rachel Weisz und Emma Stone (The Favourite)

Glenn Close (The Wife) 

Tim Blake Nelson (The Ballad of Buster Scruggs)

Bradley Cooper (A Star is Born)

Richard E. Grant (Can You Ever Forgive Me?)

Carey Mulligan (Wildlife)

Elizabeth Debicki (Widows)

Russell Crowe (Boy Erased)

Mahershala Ali, Viggo Mortensen (Green Book)

Josh Brolin, Benicio del Toro (Sicario: Day of the Soldado) 

Christian Bale, Sam Rockwell, Steve Carell, Amy Adams (Vice) 

Lucas Hedges (insbesondere für Boy Erased, Mid90s) 

Adam Driver (BlackKklansman)

Timothee Chalamet (Beautiful Boy) 

Joanna Kulig und Tomasz Kot (Cold War) 

Michael Shannon (weil er immer toll ist, dieses Jahr habe ich ihn in Waco, State Like Sleep und „The Little Drummer Girl“ gesehen)

 

Meine Neuentdeckungen des Jahres 2017:

Thomasin McKenzie (Leave No Trace)

Helena Howard (Madeline´s Madeline)

Sunny Suljic (Mid90s)

Evan Peters (American Animals, TV-Serie: Pose)

Lewis Pullman (Bad Times at the El Royale) 

Cynthia Erivo (Bad Times at the El Royale/ Widows) 

Richard Madden (TV-Serie: Bodyguard) 

Darren Criss (The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story)

Alex Lawther (The End of the F***ing World) 

Joel Dawson (Mary Poppins Returns) 

 

Ich wähle die Filme, die ich mir anschaue immer gezielt aus, daher sehe ich relativ wenig schlechte Filme. Hin und wieder muss aber ich auch leiden. 

Aus den unterschiedlichsten Gründen haben mir folgende Filme nicht wirklich bis gar nicht gefallen:

Mute

Thoroughbreds

Eighth Grade

Her Smell

Bohemian Rhapsody

Green Book

Vice

Destroyer (mein Beitrag folgt in Kürze)

 

Wirklich gehasst habe ich nur folgenden Film: 

„The Real Estate“ (Ein schwedischer Film, den ich auf der Berlinale 2018 gesehen habe. Ich wollte den Film schnellstmöglich vergessen, daher habe ich nichts über ihn geschrieben. Es ist der einzige Film, der von mir im Filmjahr 2018 ein „F“ bekommen hat) 

 

Einige Filme habe ich jedoch angefangen, haben mich jedoch aus unterschiedlichen Gründen genervt bzw. ich war einfach nicht in der Stimmung für die Filme und habe sie bis heute nicht zu Ende geschaut:

Paddington 2

The Rider

Mandy 

The Death of Stalin 

Support the Girls 

 

Insgesamt gesehen, war das Jahr 2018 ein recht gutes Filmjahr. Auch habe ich noch nie so viele Serien/bzw. Mehrteiler wie im letzten Jahr gesehen. Nicht über jede habe ich etwas geschrieben. Ich versuche demnächst noch ein paar Worte über „The Little Drummer Girl“ zu verlieren. Hier meine 2018er Serien/Mehrteiler mit meiner Bewertung – in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe: 

The End of the F***ing World  (A)

Good Behavior, 2. Staffel (B)

The Fear (B)

Waco (B)

Collateral (B+)

The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story (B+)

Liar (C+)

The Chalet (C+)

Colony, 1. Staffel  (C+)

Colony, 2. Staffel  (C)

Homeland, 7. Staffel  (B-)

Safe (B-)

The Looming Tower (A-)

Barry (B+)

Patrick Melrose (C+)

Pose (B+)

Sharp Objects (C+)

Bodyguard (B)

The Little Drummer Girl (B)

The Kominsky Method (B-) 

 

Folgendes ist aus meiner Top Ten-Liste aus dem Jahr  Filme aus dem Jahr 2017 kopiert. Gelistet hatte ich im Vorfeld, welche Filme mich am meisten für das Filmjahr 2018 interessierten:

 

The Irishman, dir. Martin Scorsese (ins Jahr 2019 verschoben)

Backseat, dir. Adam McKay (in „Vice“ umbenannt) 

Widows, dir. Steve McQueen

The Sisters Brothers, Jacques Audiard

Bohemian Rhapsody, dir. Bryan Singer 

Don´t Worry, He Won´t Get Far on Foot, dir. Gus Van Sant 

Annihilation, Alex Garland 

Where´d You Go, Bernadette, dir. Richard Linklater  (ins Jahr 2019 verschoben) 

Chappaquiddick, dir. John Curran 

Loro, dir. Paolo Sorrentino 

Unsane, dir. Steven Soderbergh

Boy Erased, dir. Joel Edgerton 

mit Ausnahme von „Loro“ habe ich alle Filme, die 2018 herauskamen gesehen. Dieses Jahr hat es keiner dieser Filme in meine Top Ten geschafft. 

 

 

Für das Jahr 2019 interessieren mich bisher am meisten:

The Irishman, dir. Martin Scorsese

Where´d You Go, Bernadette, dir. Richard Linklater  (beide aus meiner Liste des Vorjahres)


Us, dir. Jordan Peele

Once Upon a Time in Hollywood, dir. Quentin Tarantino

The Gemini Man, dir. Ang Lee

Untitled Artificial Intelligence Courtroom Project, dir. Darren Aronofsky

The King, dir. David Michod

A Beautiful Day in the Neighborhood, dir. Marielle Heller 

The Woman in the Window, dir. Joe Wright

Ford v. Ferrari, dir. James Mangold

Jojo Rabbit, dir. Taika Waititi 

Shirley, dir. Josephine Decker 

The Dead Don´t Die, dir. Jim Jarmusch

Berlin – Film: „Roma“

Ich war am 12.12.18 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Roma“ (in D. seit dem 6.12.18 in einigen ausgewählten Kinos zu sehen; seit dem 14.12.18  weltweit auf Netflix abrufbar)  135 min   drama 

dir. Alfonso Cuarón  cast: Yalitza Aparicio, Marina de Tavira, Fernando Grediaga, Jorge Antonio Guerrero, Marco Graf, Daniela Demesa 

 

Mexiko-City im Jahr 1970. Cleo (Yalitza Aparicio) arbeitet als Dienst- und Kindermädchen für die Familie von Sofia (Marina de Tavira) und ihren Mann Antonio (Fernando Grediaga). Hauptsächlich kümmert sie sich um ihre vier Kinder…

 

A- (Wertung von A bis F) „Roma“ ist der achte Spielfilm des mexikanischen Filmemachers Alfonso Cuarón („Y Tu Mamá También“, „Children of Men“, Gravity). Der Film ist autobiografisch geprägt und entspricht Cuaróns Erinnerung an seine Kindheit in den 1970er Jahren in dem titelgebenden Viertel von Mexiko City. 

„Roma“ ist ein Meisterwerk, das seine audio-visuelle Kraft tatsächlich wohl nur im Kino richtig entfalten kann. Der Film erzählt keine Geschichte, es sind eher Situationen und Momentaufnahmen, die einen in den Sog ziehen und am Ende ein ziemlich klares Bild von dem Alltag und dem Leben (nicht nur des Kindermädchens Cleo) in Mexiko City, Anfang der 1970er Jahre ergeben. 

Natürlich ist Cuaróns neuer Film eine Liebeserklärung an sein ehemaliges Kindermädchen (der Film wurde auch Liboria „Libo“ Rodríguez gewidmet) und ist damit ein sehr persönlicher Film. Das wird selbst dem Filmliebhaber deutlich, wenn man in einer Szene in einem Kino einen kurzen Ausschnitt eines 1960er-Jahre-Sci-Fi-Films mit zwei, im Weltraum schwebenden Astronauten sieht. Was in dieser kurzen Szene etwas primitiv daherkommt, mag die Inspiration für sein, vier Jahrzehnte später, geschaffenes Weltraumepos „Gravity“ gewesen sein.

Mich faszinieren generell Dinge, die simple aussehen, aber durchdacht und reich an Details sind. Der Film beginnt und endet mit einem Flugzeug, das man am Himmel sieht. Am Anfang spiegelt sich der Flieger in Cleos Wischwasser wieder, vielleicht kann man das als Konzentrationsappell verstehen, dass man sich ab diesem Moment in eine andere Welt begibt und am Ende des Films symbolisiert ein weiteres Flugzeug, dass man dann wieder in seine eigene entlassen wird. Die Sequenz am Strand zählt für mich zu den schönsten Filmsequenzen im Kino überhaupt. 

„Roma“ ist ein Netflix-Release. Meine Meinung zu diesem Streaming-Portal ist sehr gespalten. Filme wie „Roma“ würden wahrscheinlich ohne Netflix gar nicht existieren. Welcher amerikanische Verleih würde das Risiko eingehen, einen untertitelten, fremdsprachigen, schwarz/weiß-Film mit vorwiegend Laiendarstellern zu finanzieren? Netflix hat offensichtlich so viel Geld, Risiken einzugehen und dabei auch noch den visionären Filmemachern (beispielsweise den Coen Bros., jetzt Alfonso Cuarón oder Martin Scorsese) sämtliche künstlerische Freiheiten einzuräumen. Für die Regisseure sind das ideale Arbeitsbedingungen, „ihren“ Film entstehen zu lassen. Auf der anderen Seite verdienen diese Filme aber auch eine Kinoauswertung. Filme wie „Roma“ sollten für eine gewisse Zeit exklusiv im Kino präsentiert werden. Netflix ist daran nicht interessiert, sie setzen sich über bestehende Regeln hinweg. Sie umgehen die sonst in Deutschland üblichen mindestens vier Monate Sperrfrist (in den U.S.A. eine 90-tägige Frist) vor dem VOD/DVD-Start und stellen auch sonst die Bedingungen. Beispielsweise dürfen Kinobetreiber keine Zuschauer- bzw. Verkaufszahlen veröffentlichen. Das Streaming-Portal bestimmt schon seit längerer Zeit auch das Konsumverhalten der Zuschauer. In den U.S.A. gibt es seit Frühjahr 2018 das Gerücht, dass Netflix eine amerikanische Kinokette kaufen will. Sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. 

Dieses Jahr will Netflix nun mit „Roma“ eine entscheidende Rolle bei den Oscars spielen. Sie haben zwar bereits einen Oscar für eine Dokumentation („Icarus“) gewonnen, aber für eine Nominierung in der Kategorie Bester Film (mit Cary Fukunagas exzellentem Drama  Beasts of No Nation und Dee Rees „Mudbound“) hat es bekanntermassen noch nicht gereicht. Nun haben sie mit „Roma“ einen Prestige-Film von einem zweimaligen Oscar-Gewinner an der Hand und haben nichts dem Zufall überlassen. Netflix hat, ich hatte es in meiner ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2019 bereits erwähnt, die besten PR- und Oscar-Experten der Branche eingestellt, ihr Logo geändert und sind mit ihrem Film „Roma“ nun zu jedem einzelnen Filmfestival in Nordamerika gefahren. Das hat sich insoweit bereits rentiert, dass „Roma“ bei vielen amerikanischen Filmkritiker-Verbänden bereits zum Besten Film des Jahres gewählt wurde. Um sich für die Oscars zu qualifizieren, musste Netflix ihren Film mindestens eine Woche in einem kommerziellen amerikanischen Kino in Los Angeles County zeigen. Auch das hat Netflix erfüllt. 

Nachdem dieses Jahr mit Guillermo Del Toro (The Shape of Water) der letzte der Three Amigos (der drei großen mexikanischen Filmemacher mit Alejandro Gonzalez Inarritu, der zweimalige Regie-Oscar-Gewinner für Birdman und The Revenant und der Regie-Oscar-Gewinner Alfonso Cuarón für Gravity) mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, ist es nun wieder Alfonso Cuarón, der im Rampenlicht der Filmpreisverleihungen steht. 

Alfonso Cuarón könnte für diesen Film allein fünf Oscar-Nominierungen erhalten. Er ist Produzent, Regisseur, Drehbuchautor, ist zusammen mit Adam Gough für den Filmschnitt zuständig und da sein Freund, der dreimalige Oscar-Gewinner, Kameramann Emmanuel „Chivo“ Lubezki dieses Mal aus zeitlichen Gründen nicht zur Verfügung stand, hat Cuarón auch noch selbst die Kamera geführt. 

Derzeit gehe ich fest davon aus, dass „Roma“ in einigen Kategorien für den Oscars nominiert wird. Ich bin auch sicher, dass „Roma“ als bester Film nominiert wird. Das wäre die erste Oscar-Nominierung für einen Netflix-Film in dieser Kategorie. In meiner ersten und zweiten Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2019 hatte ich „Roma“ als Gewinner-Film prognostiziert. Jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, muss ich davon abweichen. Um den Oscar zu gewinnen, muss ein Film die größte Gruppe innerhalb der Academy (die Schauspieler) hinter sich haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schauspieler einen Film mit Laienschauspielern als ihren Lieblingsfilm wählen. Alles zurück auf Anfang also, die Schauspieler wählen sicherlich eher BlacKkKlansman,  A Star is Born, The Favourite, vielleicht „Green Book“ oder  sogar Black Panther als Bester Film des Jahres 2018. (Stand 19.12.18). 

„Roma“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. 

„Roma“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Yalitza Aparicio), Beste Nebendarstellerin (Marina De Tavira), Beste Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Außerdem vertritt der Film Mexiko im Rennen um eine Oscar-Nominierung als bester nicht-englischsprachiger Film. Update: „Roma“ hat 10 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarstellerin Yalitza Aparicio, Beste Nebendarstellerin Marina de Tavira, Bestes Originaldrehbuch, Bester nicht-englischsprachiger Film, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bester Ton und Bester Tonschnitt) erhalten. Update: „Roma“ hat drei Oscars (Bester Regie, Beste Kamera und Bester fremdsprachiger Film) gewonnen.

„Roma“ ist erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2018 gezeigt worden. Dort hat der Film den Hauptpreis, den Goldenen Löwen gewonnen. Nach diesem Filmfestival wurde „Roma“ auf sämtlichen Filmfestivals gezeigt. Drei Wochen vor dem Start auf Netflix, wurde der Film am 21.11.18 in einigen amerikanischen Kinos gestartet. Die größten amerikanischen Kinoketten (Regal und AMC) hatten es abgelehnt, „Roma“ zu spielen, da die 90-Tage-Regel nicht eingehalten wurde. Da die Vorstellungen in den kleineren Kinos jedoch allesamt ausverkauft waren, hat Netflix beschlossen, ihren Plattformstart auf bis zu 600 Kinos in den U.S.A. auszuweiten. Selbst in Deutschland ist der Film seit dem 6.12.18 an einzelnen Tagen in überschaubar ausgewählten Kinos in der spanischen/mixtekischen Originalfassung (entweder in der OV oder mit deutschen oder englischen Untertiteln) zu sehen. Obwohl ich ein Netflix-Abo besitze, wollte ich „Roma“ immer unbedingt im Kino sehen. „Roma“ ist für die große Leinwand geschaffen. Zum einen ist damit gewährleistet, dass man sich ganz und ohne Ablenkung auf diesen schönen Film einlassen kann, zum anderen wird dieser bild- und tongewaltige Film nur dort vollends zur Geltung kommen. Ich habe den Film für 17 Euro (inkl. einem Prosecco-Spritz) in der Astor Film Lounge in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gesehen. Meine Vorstellung war ausverkauft. In Deutschland ist „Roma“ seit dem 14.12.18 auch auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen: 

 

 

vorgeschaltete Trailer: 

Trailer v. Film: „Der Junge muss an die frische Luft„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Caroline Links Verfilmung von Hape Kerkelings Autobiografie. Das Hörbuch kenne ich sehr gut, deutsche Filme gucke ich jedoch eher nicht im Kino 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: irgendwann im TV


Trailer v. Film: „Green Book„

Bewertung des Trailers: C+ (anderer Trailer, auch wurde dieser in der Synchro gezeigt) 

Kommentar: Oscar-Film mit Viggo Mortensen und Mahershala Ali

Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

NYC – Film: „The Favourite“

Ich war am 28.09.18 in New York und am 7.1.19 in Washington habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Favourite“ (dt. Filmtitel: „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“, dt. Kinostart: 24.01.19)  121 min  drama, comedy, satire 

dir. Yorgos Lanthimos  cast: Olivia Colman, Emma Stone, Rachel Weisz, Nicholas Hoult, Joe Alwyn

 

Am englischen Königshof zu Beginn des 18. Jahrhundert. Als Abigail (Emma Stone) den Hof von Königin Anne (Olivia Colman) erreicht, bittet sie dessen engste Vertraute und Beraterin, Sarah Churchill, Herzogin von Marlborough, (Rachel Weisz) um eine Anstellung. Abigail ist zwar die jüngere Cousine von Lady Sarah, nur hatte Abigails Vater seinen guten Namen verspielt und nun hat sie weder Geld noch einen Adelstitel. Sarah lässt Abigail zunächst niedere Tätigkeiten ausüben, aber schon bald buhlen die beiden Palastdamen um die die Gunst der Königin…

 

A- (Wertung von A bis F) „The Favourite“ ist nach The Lobster und The Killing of a Sacred Deer der dritte englischsprachiger Film des griechischen Autors und Filmemachers Yorgos Lanthimos (Dogtooth) .

Die opulente Ausstattung, die aufwändigen Kostüme und die barocke Haarpracht können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies ein Yorgos Lanthimos-Film ist. Zu düster und absurd ist der Humor, teilweise zu grotesk die Szenen, zu bezeichnend lang manche Kamerafahrten, zu exzentrisch bestimmte Kamerawinkel und zu schräg klingt hin und wieder die Musik durch – kurzum der griechische Regisseur weiß, dem Kostümfilm seinen Stempel aufzudrücken. Auch wenn „The Favourite“ sicherlich der massentauglichste Lanthimos-Film bisher ist, werden viele Zuschauer mit diesem Film wenig anzufangen wissen. 

Mich hat der Film sehr amüsiert. Der in acht Kapiteln gegliederte Film ist nicht so sehr ein Historienfilm als mehr ein kunstvolles und bizarres Charakterdrama mit drei komplexen  Frauencharakteren. Die mächtige Queen Anne ist launisch und trotzig, ihr geht es einzig um ihre eigenen Interessen und nicht um die wichtigen Belange, ihrer, sich mit Frankreich im Krieg befindenden Nation – das erinnert schon an das eine oder andere Staatsoberhaupt unserer Zeit. Die engste Vertraute der Monarchin, Herzogin von Marlborough, ist mit den eigentlichen Regierungsgeschäften beschäftigt und bemerkt darüber zu spät, wie die ehrgeizige neue Hofdame Abigail versucht, sich einen festen Platz an der Seite der Monarchin zu sichern. Daraus ergibt sich ein intelligentes und durchweg unterhaltsames Spiel aus Eifersucht, Intrigen und Sex.  

Die englische Schauspielerin Olivia Colman ist mir das erste Mal in dem wunderbaren Film Tyrannosaur aufgefallen. Seither bereichert sie mein Film- und Fernsehleben. Sie hat mich bereits ein Mal in einem Yorgos Lanthimos Film („The Lobster“) begeistert und als Part des gegensätzlichen Ermittlungsduos Miller und Hardy der britischen Krimiserie Broadchurch (1, 2, 3) werde ich sie immer in meinem Herzen tragen.

Nun geht es um die Oscar-Kampagnen und da scheiden sich die Geister, ob Olivia Colman in „The Favourite“ nun eine Haupt- oder eine Nebenrolle spielt. Olivia Colman, Emma Stone und Rachel Weisz geben alle drei eine exzellente Performance, den gesamten Film betrachtend spielt Rachel Weisz hier am ehesten eine Nebenrolle. Die Geschichte von Emma Stones Charakter wird erzählt, aber Olivia Colman hat die Präsenz, die eine Hauptrolle ausmacht. Anthony Hopkins ist dafür ein gutes Beispiel. Wenn ich an den Film „The Silence of the Lambs“ denke, habe ich sofort Dr. Hannibal Lecters Gesicht vor Augen, er hat diesen Film geprägt. Anthony Hopkins hat den Oscar für die Beste Hauptrolle gewonnen, obwohl er nicht länger als 16 Minuten in dem gesamten Film zu sehen war. Olivia Colmans kränkliche und launenhafte Königin Anne hat sich bei mir ähnlich festgesetzt. Mir ist egal, ob sie den Oscar für die beste Hauptrolle oder Nebenrolle erhält, Hauptsache die Oscar-Strategen von Fox Searchlight treffen eine weise Entscheidung hinsichtlich ihrer Kampagne und sie hält den Oscar am 24. Februar 2019 in den Händen.  

„The Favourite“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. 

„The Favourite“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Haupt/bzw. Nebendarsteller (Olivia Colman, Emma Stone, Rachel Weisz), Bester Nebendarsteller (Nicholas Hoult), Bestes Originaldrehbuch und diverse technische Kategorien. Update: „The Favourite“ hat 10 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin Olivia Colman, Beste Nebendarstellerin Emma Stone und Rachel Weisz, Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign und Bester Schnitt) erhalten. Update: „The Favourite“ hat einen Oscar (Beste Hauptdarstellerin – Olivia Colman) gewonnen. 

„The Favourite“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2018 gezeigt. Zwei Preise hat der Film auf diesem Filmfestival gewonnen: den Grand Jury Prize und den Volpi Cup for Best Actress für Olivia Colman. Der Film soll am 23.11.18 in einigen amerikanischen Kinos starten. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2018 gesehen. Auf dem NYFF56 war es der Eröffnungsfilm. In Deutschland soll der Film unter dem Filmtitel „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ am 24.01.19 ins Kino kommen.

Update nach meinem zweiten Kinobesuch:

A- (Wertung von A bis F) Ziemlich genau drei Monate nachdem ich „The Favourite“ das erste Mal auf dem NYFF56 gesehen habe und einen Tag nachdem Olivia Colman den Golden Globe gewonnen hat, habe ich mir den Film ein zweites Mal angeschaut. Mir hat er sogar fast noch einen Tick besser gefallen. Der Film ist exzentrisch und eimalig. Ich liebe ihn für die Party-und die After-Party-Sequenz, die Tanzszenen, die extravaganten, vorwiegend schwarz-weißen Kostüme, den schrägen Humor, Emma Stones Gesichtsausdrücke, die Kameraperspektiven, die Ausstattung und Szenenbilder, die brillanten Dialoge voller moderner Schimpfworte und schließlich die erstklassigen Performances von Olivia Colman, Rachel Weisz, Emma Stone und Nicholas Hoult. Das Washingtoner Publikum hat ihn unterschiedlich aufgenommen, ein paar wenige Mitzuschauer haben sich mit mir sehr amüsiert, andere waren mucksmäuschenstill und wussten den Film scheinbar nicht einzuordnen bzw. waren nicht sonderlich begeistert. 

 

Trailer zu sehen:

 

 

Opening Night auf dem New York Film Festival 2018

 

NYFF56 Eröffnungsfilm „The Favourite“

 

Netflix – Film: „Sunday´s Illness“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Sunday´s Illness“ (Originaltitel: „La enfermedad del domingo“, in D. seit dem 15.06.18 auf Netflix zu sehen)  113 min   drama, thriller

dir. Ramón Salazar   cast: Susi Sánchez, Bárbara Lennie, Richard Bohringer, David Kammenos, Miguel Ángel Solá

 

Anabel (Susi Sánchez) ist eine ältere Dame der besseren Gesellschaft. Nach einem Empfang in ihrer Villa trifft sie auf eine Frau (Bárbara Lennie), die als Servicekraft engagiert ist. Sie weiß sofort, dass es sich bei dieser Frau um ihre Tochter Chiara handelt. Vor über 30 Jahren ist Anabel aus Chiaras Leben verschwunden, damals war ihre Tochter acht Jahre alt. Jetzt wird sie mit dem ungewöhnlichen Wunsch ihre Tochter konfrontiert, mit ihr zehn Tage allein in einem entlegenen Haus in den Bergen zu verbringen. Was hat die Tochter vor…?  

 

A (Wertung von A bis F) „Sunday´s Illness“ ist der neue Film des spanischen Drehbuchautors und Filmemachers Ramón Salazar („Stones“, „20 Centimetros“). 

Anmerkung: Diesen Film habe ich bereits vor drei Monaten gesehen. Meinen damaligen Beitrag hatte ich aber völlig vergessen, zu veröffentlichen. Da die Möglichkeit besteht, dass dieser Film am Ende des Jahres in meiner Top Ten landen könnte, hole ich es jetzt nach:

Allein wäre ich wahrscheinlich nie auf diesen Film gestossen, dankenswerterweise habe ich aber kürzlich gelesen, dass dieser Film und der Indie-Horror-Film Hereditary, den ich vorletzte Woche sah, in gewisser Weise seelenverwandt sein könnten. Mein Interesse war geweckt. Auch in dem Film des spanischen Autors und Regisseurs geht es um Schuldgefühle und die Wurzeln eines Menschen. „Sunday´s Illness“ ist ein Psychodrama/Thriller. Wie man einer Bewertung entnehmen kann, hat mir dieser Film deutlich besser als „Hereditary“ gefallen. 

Wann weiß man eigentlich, dass man einen Film liebt? Bei meiner ersten Sichtung von No Country For Old Men Ende 2007 in einem Kino in Dallas wusste ich es mit der ersten Einstellung. Bei diesem Film, den ich leider nur auf Netflix gesehen habe, wusste ich es, als Anabel so sonderbar zu tanzen beginnt.  Den The Mamas & The Papas´Song „Dream A Little Dream of Me“ werde ich wohl fortan immer mit diesem Film und Anabels Bewegungen verbinden. Etwas später kommt es zu einer weiteren Tanzszene, die mit einem eigentlich abgedroschenen Song unterlegt ist und doch vielleicht gerade deshalb so großartig ist. Es sind aber auch die Kontraste der Figuren, die einzelnen Schichten des Films und wie der spanische Filmemacher diese ganz selbstbewusst zu inszenieren weiß, die mich fasziniert haben.

Ich habe mir den Film innerhalb von wenigen Tagen zwei Mal angeschaut und habe komischerweise am Ende zwei unterschiedliche Filme gesehen. Beide Filmerlebnisse waren intensiv, während ich bei der ersten Sichtung jedoch, von der Ungewissheit geleitet, eher einen Thriller sah, habe ich bei der zweiten definitiv ein Drama gesehen und zwar eines, das mich tief berührte. Die Tränen konnte ich jedoch bereits beim ersten Mal nicht zurückhalten. Der Film strahlt zugleich Ruhe, Traurigkeit und Exzentrik aus, bei meiner ersten Betrachtung des Films kam die Anspannung dazu, da ich nicht ahnte, wohin mich die Geschichte eigentlich führt. Der Regisseur nimmt sich viel Zeit für seine Erzählung und seine Figuren. Beide Frauen sind eigen und besonders, die Schauspielerinnen sind fabelhaft. Ich liebe die minutenlange Rodelfahrt und hätte diesen Film wahnsinnig gerne im Kino gesehen. 

„Sunday´s Illness“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. 

„Sunday´s Illness“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2018 gezeigt. Der Film ist seit dem 15.06.18 über Netflix abrufbar. Ich habe den Film in der spanisch/ französischen Originalfassung mit englischen Untertiteln gesehen. 

Trailer zu sehen:

Denver – Film: „BlacKkKlansman“

Ich war am 12.08.18 in Denver und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„BlacKkKlansman“ (dt. Kinostart: 23.08.18)   134 min  drama, comedy, biopic, adaptation 

dir. Spike Lee  cast: John David Washington, Adam Driver, Ryan Eggold, Topher Grace, Laura Harrier, Paul Walter Hauser, Jasper Pääkonen, Ashlie Atkinson, Corey Hawkins, Michael Buscemi, Alec Baldwin, Harry Belafonte  

 

Ron Stallworth (John David Washington) ist schwarz und hat immer davon geträumt, Polizist zu werden. Im Jahr 1972 bekommt er tatsächlich einen Job bei der Polizei in Colorado Springs, Colorado. Er wird undercover in eine schwarze Bürgerrechtsbewegung eingeschleust, dabei lernt er die Aktivistin Patrice (Laura Harrier) kennen. Eines Tages kommt er auf die Idee, sich Informationen über den Ku-Klux-Klan zu besorgen. Dafür spricht er bei der lokalen Gruppe des Klans auf den Anrufbeantworter und wird umgehend von dem Vorsitzenden des Colorado Springs Chapters, Walter Breachway (Ryan Eggold) zurückgerufen. Von dem wird er auch zu einem Treffen des Klans eingeladen. Als Schwarzer kann er da natürlich nicht hingehen, also gibt sich sein (jüdischer) Kollege Flip Zimmerman (Adam Driver) für ihn aus. Eines der Mitglieder Felix (Jasper Pääkönen) wird aber schon bald misstrauisch…

 

B+ (Wertung von A bis F) „BlacKkKlansman“ basiert auf Ron Stallworths Memoiren „Black Klansman: Race, Hate, and the Undercover Investigation of a Lifetime“). Es erzählt seine Geschichte, wie er als schwarzer Polizist mit der Hilfe seines jüdischen Partners, den Ku-Klux-Klan infiltrierte. Es ist der neue Film des afroamerikanischen Filmemachers Spike Lee („Malcolm X“, „Do the Right Thing“, „25th Hour“„Inside Man“). 

Nach den letzten beiden Spike-Lee-Filme, die ich sah (Oldboy und Chi-Raq), hatte ich Lee als Regisseur quasi abgeschrieben. Mit „BlacKkKlansman“ meldet er sich aber in gewohnter Stärke zurück. Auch wenn mir seine Ku-Klux-Klan/Black Power-Parallelmontage etwas zu lang erschien, er mit der einen oder anderen Szene etwas zu dick aufträgt, ist ihm am Ende ein witziger und schockierender, aber durchweg unterhaltsamer Film geglückt. 

Wenn Spike Lee eine politische Botschaft senden will, dann überlässt er nichts dem Zufall. Er beginnt seinen Film mit einem Ausschnitt aus dem, mit acht Oscars (plus zwei Ehrenoscars) ausgezeichneten Epos „Gone with the Wind“, der heutzutage als einer der rassistischsten Filme Hollywoods gilt, gefolgt von einem fremdenfeindlichen Monolog eines (fiktiven) Dr. Kennebrew Beaureguard (gespielt von dem SNL-Donald-Trump-Imitator Alec Baldwin). Bis Spike Lee einem am Ende in die erschreckende Gegenwart führt, schafft er es zwischendurch immer mal wieder anhand von Floskeln und Sprüchen eine Verbindung zwischen Ku-Klux-Klan und dem aktuell amtierenden US-Präsidenten samt seiner rechtsradikalen Gefolgschaft herzustellen. Den Film aber darauf zu reduzieren wäre falsch, denn es ist ein gelungener Genre-Mix aus Biopic, Drama, Komödie, Thriller, Satire, Blaxploitation und Dokumentation. 

Auch wenn hier die Geschichte des afroamerikanischen Ron Stallworth erzählt wird, macht ein – einmal mehr – exzellenter Adam Driver den Film über weite Strecken zu seinem. 

John David Washington spielt hier die Hauptrolle. Er ist der Sohn des zweimaligen Oscar-Gewinners Denzel Washington. Nachdem John David seine professionelle American-Football-Karriere beendet hat, und immer mal wieder kleinere Rollen in Filmen gespielt hat, ist er nun richtig ins Schauspielfach gewechselt. Mittlerweile hat er auch durch die HBO-Serie „Ballers“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. John David Washington erinnert manchmal im Tonfall an seinen Papa, Ähnlichkeiten im Aussehen habe ich jedoch nicht entdeckt. Ich habe sogar in Corey Hawkins (der hier als Carmichael bzw. Kwame Ture eine längere Rede bei einer Black Power-Veranstaltung hält) etwas mehr Denzel gesehen. Apropos Ähnlichkeit, dem einen oder anderen wird Adam Drivers Partner bei der Polizei bekannt vorkommen, sieht er doch irgendwie aus wie Steve Buscemi. Es ist tatsächlich Steves Bruder Michael. 

„Blackkklansman“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. 

Spike Lee hat bislang keine Oscar-Nominierung in der Kategorie Beste Regie. Ich gehe derzeit davon aus, dass sich das mit diesem Film ändert. 

„BlacKkKlansman“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (John David Washington), Bester Nebendarsteller (Adam Driver, Topher Grace), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Update: „BlacKkKlansman“ hat 6 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller Adam Driver, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Filmmusik und Bester Schnitt) erhalten. Update: „BlacKkKlansman“ hat einen Oscar (Bestes adaptiertes Drehbuch) gewonnen. Das ist der erste „richtige“ Oscar (er hat einen Ehrenoscar) für Spike Lee. 

„BlacKkKlansman“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2018 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat der Film den Grand Prize of the Jury gewonnen. Der Film ist am 10.08.18 in 1,512 amerikanischen Kinos gestartet. Übrigens fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Terroranschlag eines Rechtsradikalen in Charlottesville, Virginia. Bei meiner gut besuchten Vorstellung in Colorado gab es zum Schluss Applaus vom Publikum. Der Film startet am nächsten Donnerstag (23.08.18) in Deutschland. Unbedingt angucken! (möglichst in der OV oder OmU) 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Dumbo„

Bewertung des Teasers: B- 

Kommentar: Tim Burtons live-action-Verfilmung von „Dumbo“, na darauf hat die Welt ja gewartet…

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „Mid90s„

Bewertung des Redband-Trailers: A-

Kommentar: Nach Greta Gerwigs Regiedebüt vom letzten Jahr nun Jonah Hills Film über das Erwachsenwerden 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Kin„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Ich habe das Gefühl, dass solche Kinder-Sci-Fi-CGI-Filme im Moment angesagt sind (s. AXL und Bumblebee) 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht  


Trailer v. Film: „Nobody´s Fool„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Tyler Perrys neuer Film mit Tiffany Haddish – die mir defintiv zu kreischig und anstrengend ist 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Night School„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Film mit Kevin Hart und Tiffany Haddish – man muss auch verzichten können

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „A Star is Born„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: Die vierte Verfilmung, dieses Mal von und mit Bradley Cooper. Lady-Kotz-Gaga spielt die Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: nur wenn er Oscar-mäßig sicher eine Rolle spielt 


Trailer v. Film: „The Little Stranger„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Lenny Abrahamsons neuer Film. Romanverfilmung mit Domhnall Gleeson und Charlotte Rampling

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht