L.A. – Film: „Leave No Trace“


Ich war am 03.08.18 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Leave No Trace“ (dt. Kinostart: 13.09.18)  108 min   drama, adaptation

dir. Debra Granik  cast: Ben Foster, Thomasin McKenzie, Jeff Kober, Dale Dickey

 

Der Kriegsvetereran Will (Ben Foster) hat eine posttraumatische Belastungsstörung und als er in der Gesellschaft nicht mehr klar kam, hat er irgendwann beschlossen, in der Wildnis zu leben. Seine kleine Tochter nahm er seinerzeit mit. Die beiden richteten sich ihre Bleibe in dem Nationalpark nahe Portland ein. Will erzieht seine Tochter liebevoll. Als Tom (Thomasin McKenzie) dreizehn Jahre alt ist, entdeckt ein Jogger das Mädchen, ruft die Polizei und die nimmt die beiden fest. Das Amt versucht Vater und Tochter wieder in die Gesellschaft zu integrieren…

 

A- (Wertung von A bis F) „Leave No Trace“ basiert auf Peter Rocks Buch „My Abandonment“. Auch wenn es sich hierbei um eine fiktionale Erzählung handelt, diente dem Buchautor ein Vater mit seiner Tochter, die tatsächlich in einem Park bei Portland lebten, als Inspiration. Es ist der neue Film der amerikanischen Autorin und Filmemacherin Debra Granik (Winter´s Bone). 

Wenn man sich diesen Film anschaut, fragt man sich unweigerlich, warum man seit Graniks letztem brillanten Spielfim aus dem Jahr 2010 keinen weiteren der talentierten Regisseurin gesehen hat. Die Frage kann man sich natürlich selbst beantworten, denn es handelt sich um eine Frau, die Regie führt. Das erinnert an das Schicksal von Lynne Ramsay, die auch mehrere Jahre brauchte um den Nachfolgefilm zu ihrem We Need to Talk About Kevin zu finanzieren, dann aber vor einigen Monaten mit You Were Never Really Here erneut einen exzellenten Film ablieferte.  

Wie bereits Debra Graniks Film „Winter´s Bone“ führt einen „Leave No Trace“ auch an den Rand der (amerikanischen) Gesellschaft). Viel erfährt man nicht über die beiden Charaktere, man lernt sie einfach irgendwann kennen. Wahrscheinlich leben sie zu dem Zeitpunkt bereits schon seit vielen Jahren in den Wäldern bei Portland, illegal, weil auf öffentlichem Grund. Vater und Tochter verbindet eine sehr enge Beziehung. Eines Tages kommt man ihnen auf die Spur und die Ämter stellen ihr gesamtes Leben auf den Kopf. Während sich die 13-Jährige noch leichter in die Gesellschaft integrieren lässt, kommt Ben mit der neuen Situation weit weniger klar. 

Es sind unterschiedliche Gründe, warum sich manche Menschen nicht der Gesellschaft anpassen wollen oder auch können. Sie entscheiden sich dann für ein alternative Gestaltung ihres Lebens. Als Kind eines Aussiedlers ist dieser Lebensweg zunächst nicht frei gewählt. „Leave No Trace“ ist ein berührendes Charakter- und Sozialdrama, aber auch ist es ein Film über das Überleben und das Leben an sich. Die Filmemacherin gibt dem Zuschauer nicht viele Fakten an die Hand, der Film lebt auch nicht von seinen Dialogen und doch durchblickt man am Ende die Gefühlswelt beider Protagonisten, als wäre man ihnen im realen Leben begegnet und hätte viele Gespräche mit ihnen geführt. Ein toller Film. 

Debra Granik ist die Filmemacherin, die Jennifer Lawrence entdeckt hat und der Welt mit ihrem Film „Winter´s Bone“ vorgestellt hat. Es ist davon auszugehen, dass sie schon bald als die Regisseurin gilt, die die neuseeländische Schauspielerin Thomasin McKenzie für den amerikanischen Markt entdeckt hat. Das Mädchen hat das gewisse Etwas, ihr Ausdruck ist eine Mischung aus kindlich und erwachsen, mit ihrem scheuen Blick hat sie mich das eine oder andere Mal an die Schauspielerin Rooney Mara erinnert. 

„Leave No Trace“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. 

„Leave No Trace“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Ben Foster), Beste Hauptdarstellerin (Thomasin McKenzie), Bestes adaptiertes Drehbuch 

„Leave No Trace“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2018 gezeigt. Der Film ist am 29.06.18 in neun amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er landesweit in 361 Kinos in den U.S.A. Für Deutschland ist bislang noch kein Kinostart bekannt. Update: Ein deutscher Kinostart ist für den 13.09.18 geplant. 

Trailer zu sehen:

 

 

 

vorgeschaltete Trailer:

 

Trailer v. Film: „We The Animals„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Drama und Romanadaption

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Blaze„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Ethan Hawkes neue Regiearbeit. Film über einen Countrysänger. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht


Trailer v. Film: „Puzzle„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Remake eines argentinischen Films mit Kelly Macdonald

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht


Trailer v. Film: „BlacKkKlansman„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Spike Lees neuer Film mit Adam Driver und Denzels Sohn 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

4 Gedanken zu “L.A. – Film: „Leave No Trace“

  1. Ich hoffe mal, dass dieser Film im Gespräch bleibt, bei den aktuellen Nachrichten aus Hollywood.. Außerdem sehe ich den Foster gerne, spätestens seitdem er Lance Armstrong gemimt hat. Zweiter exzellent klingender zweiter Film einer talentierten Regisseurin, den ersten hab ich leider schon verpasst…

    Gefällt 1 Person

    • Ich liebe Ben Foster, spätestens seitdem ich ihn in „The Messenger“ gesehen habe. Er ist Sean Penn sehr ähnlich, wirkt fast wie sein kleiner Bruder, die beiden haben sogar eine ähnliche Sprache. Den Lance-Armstrong-Film habe ich bislang noch nicht gesehen. In diesem Film spielt er mal einen ganz introvertierten Mann. Wie Joaquin Phoenix in dem Film der anderen großartigen Regisseurin und doch versteht man beide Männer am Ende. „You Were Never Really Here“ kannst Du ja nachholen, aber ich weiß nicht, ob der für Dich was ist. 🙂

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