NYC – Film: „Disobedience“


Ich war am 27.04.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Disobedience“   114 min   drama, adaptation

dir. Sebastian Lelio   cast: Rachel Weisz, Rachel McAdams, Allesandro Nivola

 

Nachdem sie von dem Tod ihres Rabbi-Vaters erfahren hat, fliegt die freigeistige Fotografin Ronit (Rachel Weisz) umgehend von New York in ihre alte Heimat, die orthodoxe jüdische Gemeinde in London. Dort wird sie nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Sie triff auf ihre Jugendfreunde Esti (Rachel McAdams) und Dovid (Alessandro Nivola), die überraschenderweise mittlerweile miteinander verheiratet sind. Bald holt Ronit schon ihre Vergangenheit ein. Es gab nämlich einen triftigen Grund, warum sie die Gemeinde seinerzeit verlassen hat… 

 

A- (Wertung von A bis F) „Disobedience“ basiert auf Naomi Aldermans gleichnamigen Roman. Es ist der neue Film des chilenischen Filmemachers Sebastián Lelio („Gloria“). Für seinen Film „A Fantastic Woman“ hat er dieses Jahr den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewonnen. Dies ist sein erster englischsprachiger Film.

„Disobedience“ ist ein starker Film. Erzählt wird eine ergreifende Geschichte in einem streng-religiösen Umfeld im heutigen London. Mich hat der Film auch ein paar Tage später nicht losgelassen, daher wäre es nicht abwegig, wenn dieser Film in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2018 landet. 

Die beiden Rachels (Weisz und McAdams) sind optisch und schauspielerisch sehr unterschiedlich und irgendwie klang es auf dem Papier seltsam, sie in einem Film zu sehen. Die Charakterisierung  dieser beiden Frauenfiguren erfordert jedoch genau diese Unterschiedlichkeit und entsprechend passt die Besetzung perfekt. Rachel Weisz´Charakter Ronit ist hier die Figur mit der sich das Publikum wahrscheinlich am ehesten identifizieren kann. Sie ist freigeistig, hat einen guten Humor und eine spitze Zunge. Ronit ist zwar in diese ultra-orthodoxe Welt hineingeboren, wurde dann aber verbannt und führte seither ein glückliches Leben in New York. Nach ihrer Rückkehr erscheint ihr diese, so eigene, fremde Welt mit all ihren Vorschriften, Traditionen und Ritualen in vielen Situationen absurd. Dabei ist der Film nicht wertend, er präsentiert diese Welt mit großem Realitätsanspruch und zeigt, wie schwer es ist, eine eigene Identität in dieser Gemeinschaft zu entwickeln. Generell wäre den Menschen und der Welt sicherlich geholfen, wenn über den Glauben und das religiöse Regelwerk nie vergessen würde, den gesunden Menschenverstand einzusetzen. 

Rachel Weisz ist eine hochtalentierte Schauspielerin mit einer großen Präsenz und dem Charisma eines Filmstars. Rachel McAdams´Schauspieltalent hat bei mir bisher noch kein bleibenden Eindruck hinterlassen, ich registriere aber, dass sie sich verbessert. Vor ein paar Jahren hat sie sogar für Spotlight ihre erste Oscar-Nominierung erhalten. Mit diesem Film beweist sie Mut, tritt gänzlich ungeschminkt auf und gibt damit die wahrscheinlich beste Performance ihrer Karriere. 

„Disobedience“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. 

Auch wenn „Disobedience“ mit Ende April ein ungünstiges Startdatum hat, ist der Film für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Rachel Weisz, Rachel McAdams), Bester Nebendarsteller (Alessandro Nivola), Bestes adaptiertes Drehbuch

„Disobedience“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2017 gezeigt. Der Film ist am 27.04.18 mit großem Erfolg in fünf amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er landesweit in 101 Kinos. Bislang ist noch kein deutscher Kinostart bekannt. Ich habe den Film in einem meiner Lieblingskinos (Angelika Film Center) in einem Screening mit anschließenden Q & A mit der Autorin der Romanvorlage, Naomi Alderman, sowie der schwangere Schauspieler Rachel Weisz und ihrem Co-Star Alessandro Nivola gesehen. Die drei Beteiligten haben Rachel McAdams entschuldigt, sie konnte nicht erscheinen, da sie erst kürzlich ihr erstes Kind bekommen hat. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Tully„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Jason Reitmans neuer Film mit Charlize Theron, Mackenzie Davis und Mark Duplass

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Lu Over the Wall„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Ich bin kein Fan von diesen japanischen Cartoons 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0% 


Trailer v. Film: „Three Identical Strangers„

Bewertung des Trailers: A

Kommentar: Dokumentation, die in Sundance einen Preis gewann

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Beast„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Thriller

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „The Gospel According to André„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Dokumentation über Mode-Ikone André Leon Tally

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „On Chesil Beach„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Romanverfilmung mit Saoirse Ronan und Emily Watson

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Leave No Trace„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Debra Graniks neuer Film mit Ben Foster 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Die Schauspieler Rachel Weisz und Alessandro Nivola im, an den Film „Disobedience“ anschließenden Q & A im Angelika Film Center

 

Amerikanischer Aufsteller von Film „Disobedience“

 

2 Gedanken zu “NYC – Film: „Disobedience“

  1. Nicht uninteressant. Orthodox religiöses Leben werde ich aber wohl nie nachvollziehen können. Da gibt es in vielerlei Hinsicht keinen Platz für den normalen Menschenverstand, auch wenn von den Leuten selbst das Gegenteil behauptet wird, darum leben diese Gemeinschaften auch so isoliert. Intoleranz, insbesondere gleichgeschlechtlicher Liebe oder womöglich Transsexualismus ist einfach in der Religion verankert oder in dem, was die Menschen im Laufe der Jahrhundert daraus gemacht haben.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.