NYC – Film: „Georgetown“

Ich war am 27.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Georgetown“   99 min  drama, thriller, biopic, adaptation  

dir. Christoph Waltz  cast: Christoph Waltz, Annette Bening, Vanessa Redgrave, Corey Hawkins

 

Der deutsche Hochstapler Ulrich Mott (Christoph Waltz) hat durch die Heirat, der um mehr als 40 Jahre älteren Elsa Brecht (Vanessa Redgrave) den Aufstieg in die bessere Gesellschaft Washingtons geschafft. Eines Tages ist die 91-jährige Dame tot und nicht nur ihre Tochter (Annette Bening) hat den Verdacht, dass Ulrich Mott sie getötet hat…

 

B (Wertung von A bis F) „Georgetown“ beruht auf Franklin Foers New York Times Artikel „The Worst Marriage in Georgetown“. Der Film wurde von Tatsachen inspiriert. Für diesen Film wurden die Namen geändert. Christoph Waltz hat bereits im Jahr 2000 bei dem deutschen Fernsehfilm „Wenn man sich traut“ Regie geführt, „Georgetown“ ist das amerikanische Regiedebüt des deutsch-österreichischen Schauspielers und zweifachen Oscar-Preisträgers Christoph Waltz („Inglourious Basterds, Django Unchained, Big Eyes). Etwas irritierend: im Abspann heißt es „directed by C. Waltz“. 

Zunächst einmal hat sich der Deutschösterreicher für sein amerikanisches Regiedebüt eine geeignete Geschichte ausgesucht, insbesondere wenn er dann auch selbst noch den exzentrischen, deutschen Hochstapler spielt. Diese Rolle ist maßgeschneidert, sie ist aber auch nicht in einem völlig anderen Spektrum angesiedelt, als die, für die er seine zwei Oscars gewonnen hat. 

In sechs Kapiteln wird der Werdegang des spleenigen, deutschen Gernegroß Albrecht Gero Muth im politischen Washington nacherzählt. Der Pulitzer-Preisträger David Auburn („Proof“) mag mit seinem Drehbuch die Geschichte etwas aufgepeppt haben, der New York Times Artikel drängt aber förmlich auf die Verfilmung dieser Story. „Georgetown“ ist ein solider Film, es bringt mich aber generell immer etwas raus, wenn – wie hier – beide deutschstämmigen Ehepartner, nicht mal im Streit in ihrer Muttersprache miteinander reden. Schauspielerisch überzeugt Christoph Waltz, Vanessa Redgrave ist brillant, Annette Bennings Rolle hätte, für meinen Geschmack, größer sein können. 

„Georgetown“ lief erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019. Dort lief der Film in der Sektion Spotlight Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening des Films. Vor dem Film hat die Programmdirektorin des Tribeca Filmfestivals, Cara Cusumano, den Regisseur und Hauptdarsteller Christoph Waltz vorgestellt. Der hat sich dann aber kurz gehalten, eigentlich nur gesagt, dass der Film für sich selbst spricht. Bislang hat dieses Werk weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden. 

Bisher gibt es auch noch keinen Trailer.

Weltpremiere von "Georgtown", Tribeca Film Festival 2019, Christoph Waltz stellt sein Regiedebüt vor
Weltpremiere von „Georgtown“, Tribeca Film Festival 2019, Christoph Waltz stellt sein amerikanisches Regiedebüt vor

Chicago – Film: "Foxcatcher"

Ich war am 27.11.14 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Foxcatcher“ (dt. Kinostart: 05.02.15) 134 min drama, biopic
dir. Bennett Miller cast: Steve Carell, Channing Tatum, Mark Ruffalo, Vanessa Redgrave, Sienna Miller, Guy Boyd, Anthony Michael Hall

Im Jahr 1987. Mark Schultz (Channing Tatum) ist Ringer und 27 Jahre alt. Vor drei Jahren hat er und sein Bruder Dave (Mark Ruffalo) als Ringer olympisches Gold gewonnen. Während Dave mittlerweile als Trainer arbeitet und mit Nancy (Sienna Miller) verheiratet ist und zwei Kinder hat, hat Mark seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Eines Tages wird er von dem Multimillionär John du Pont (Steve Carell) eingeladen. Er macht ihm das Angebot, mit einem Ringerteam auf seinem Anwesen Foxcatcher für die nächsten olympischen Spiele in Seoul zu trainieren. Vielleicht ist das für Mark die Möglichkeit, aus dem Schatten seines älteren Bruders zu treten.

A (Wertung von A bis F) „Foxcatcher“ basiert auf einer wahren Geschichte.

Nach „Capote“ und Moneyball ist „Foxcatcher“ erst der dritte Spielfilm von Bennett Miller. Auch dieser Film handelt über eine, bzw. in diesem Fall über zwei außergewöhnliche amerikanische Persönlichkeiten.

„Foxcatcher“ ist ein sehr düsterer und grandioser Film. Es gibt wenig Filme, die mich so fesselten wie dieser. Den ganzen Film über war ich fürchterlich angespannt. Bennett Miller hat hier eine Atmosphäre geschaffen, dass ich die ganze Zeit dachte, gleich passiert etwas ganz Schlimmes. Letztendlich steuert die Geschichte auch auf einen Mord hin, aber es sind mehr die Charaktere und das psychische Drama, die meine Angespanntheit auslösten. Der Film liefert auch keine Erklärung für den Mord. So einfach macht es einen der Film nicht. „Foxcatcher“ ist ein sehr komplexer Film, so komplex wie seine Charaktere. Es ist kein Film über eine Kriminalgeschichte, es ist eher ein ruhig erzähltes, intensives und hochspannendes Beziehungsdrama und eine Charakterstudie. Eine Charakterstudie, bei der man am Ende des Films, aber auch nicht wirklich mehr über das Innerste der Charaktere weiß als vorher. Ganz seltsam und sehr schwer zu beschreiben und ich kann auch nachvollziehen wenn einem in dem Film zu wenig los ist oder man mit „Foxcatcher“ nicht so viel anfangen kann. Der Film ist definitiv kein Film für ein Mainstream-Publikum.

Als Zuschauer ist man auf die beiden Hauptcharaktere (gespielt von Steve Carell und Channing Tatum) angewiesen. Mich haben die Beiden von Anfang an in den Bann gezogen. Zwei introvertierte, unsichere und unglückliche Männer, die noch nicht wirklich einen Platz im Leben gefunden haben. Die Herkunft der beiden Männer könnte nicht unterschiedlicher sein. Der eine kommt aus einer Familie alten Geldadels und der andere kann sich gerade so finanziell über Wasser halten. Vermutlich verbindet beide eine unglückliche Kindheit. Großartig hier übrigens Vanessa Redgrave als John du Ponts Mutter. Die wenigen Szenen mit ihr sagen so viel über ihre Beziehung aus.

John du Pont stammt aus einer der reichsten Familien der U.S.A. Selten war Reichtum in einem Film so sicht- und greifbar und wirkte zugleich so bedrohlich wie in „Foxcatcher“. John ist es gewohnt, zu kontrollieren, zu dominieren und seine Macht auszuspielen. Wer nicht nach seinen Regeln spielt, muss die Konsequenzen tragen. Der Film zeigt vieles unterschwellig, er ist viel zu smart, um Entscheidendes direkt zu zeigen oder auszusprechen. Über Gefühle wird nie gesprochen, dennoch ist vieles an Reaktionen oder Situationen ablesbar.

Steve Carell (Dan in Real Life, Dinner for Schmucks, Seeking a Friend for the End of the World, The Way, Way Back) ist hier kaum wiederzukennen. Nicht nur seine künstliche Nase und das ganze Make-up, sein Körperbau, seine Körperhaltung und seine seltsame Stimme und monotone Sprache – wenn man nicht weiß, dass der bislang mehr auf komödiantische Rollen festgelegte Schauspieler hier mitspielt, wird man ihn nicht wirklich erkennen. Als ich mir „Foxcatcher“ angeschaut habe, wusste ich nicht, wie der echte John du Pont aussah. Nach eigenen Angaben hat Steve Carell John du Pont studiert. Mittlerweile habe ich auch Videomaterial gesehen und muss sagen, dass er ihn ganz gut getroffen hat. Steve Carell spielt hier einen unangenehmen, nicht durchschaubaren Menschen. Es gibt kleine Momente im Film, in denen man ahnt, was in ihm vorgeht, die gibt es genauso bei Mark Schultz. Ich bin kein Freund von Channing Tatum (21 Jump Street, Magic Mike, 22 Jump Street), in meinen Augen ist er sehr begrenzt, in dem was er glaubhaft spielen kann. Hier ist er perfekt. Mark Schultz ist ein Muskelpaket, nicht ganz helle – eine verlorene Seele, dem man anmerkt, wie es in ihm brodelt. Er ist nicht fähig, sich auszudrücken, man kann sich aber einiges denken, das meiste bleibt aber sein Geheimnis. Gerne hätte ich in der einen oder anderen Szene gewusst, was in John du Ponts oder Marks Schultz´Köpfen vorgeht. Vielleicht machte es den Film noch besser, dass ich es nicht genau wusste.

Wie Bennett Miller bestimmte Szenen inszeniert, ist besonders. In wichtigen (Dialog-) Szenen verzichtet er ganz auf unterlegte Musik und das sorgt für eine beklemmend intime Kammerspiel-Atmosphäre. Das Reduzierte macht die Szenen nur noch intensiver. Überhaupt fand ich die Musikauswahl sehr gelungen. Mit David Bowies Song „Fame“ wusste ich, dass „Foxcatcher“ in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2014 landet. Lange nachdem ich das Kino verlassen habe, hat mich der Film noch beschäftigt.

Ich empfehle dringend, diesen Film in der Originalfassung zu sehen, weil ich der Meinung bin, dass Sprache hier einen wichtigen Teil zur Atmosphäre beiträgt.

„Foxcatcher“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Steve Carell, Channing Tatum), Bester Nebendarsteller (Mark Ruffalo), Beste Nebendarstellerin (Vanessa Redgrave) Bestes Originaldrehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt, Bestes Make-up und beste Frisuren, Bester Tonschnitt, Beste Filmmusik

„Foxcatcher“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2014 gezeigt und Bennett Miller wurde dort als Bester Regisseur ausgezeichnet.

„Foxcatcher“ ist am 14.11.14 in 6 Kinos in den U.S.A. gestartet, eine Woche später war der Film dann national in 24 Kinos zu sehen und dann wurde der Film wöchentlich immer mehr Zuschauern zugänglich gemacht. Eine Strategie, die ich bereits bei „Birdman“ als gelungen empfand.

Trailer zu sehen:

Trailer zu sehen:

Trailer v. Film: „A Most Violent Year“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: J.C. Chandors neuer Film. Oscar-Film mit Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „McFarland USA“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: wieder so ein Sportsfilm mit Kevin Costner
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „American Sniper“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Clint Eastwoods neuer Film, Biopic/Action mit Bradley Cooper. Trailer ist großartig. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Blackhat“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Michael Manns neuer Film mit Chris Hemsworth und Viola Davis. Bei Michael Mann bin ich grundsätzlich dabei
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Chappie“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Neil Blomkamps neuer Film sieht aus wie ein Sci-Fi-Film für Teenager. Erschwerend dazu kommt, dass Dev Patel und Hugh Jackman mitspielen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Wild“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Drama mit Reese Witherspoon. Film sieht so aus wie Sean Penns „Into the Wild“ nur leider mit Reese in der Hauptrolle. Oscar-Film, mal gucken
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Mr. Turner“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Mike Leighs neuer Film über den Maler William Turner. Biopic und Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: "Lee Daniels´The Butler"

Ich war am 18.08.13 in New York und habe mir im Kino angeschaut:

„Lee Daniels´The Butler“ (dt. Titel: „Der Butler“, dt. Kinostart: 10.10.13) 132 min drama
dir. Lee Daniels cast: Forest Whitaker, David Oyelowo, Oprah Winfrey, Vanessa Redgrave, Cuba Gooding, Jr., Lenny Kravitz, Terrence Howard, Robin Williams, John Cusack, James Marsden, Alan Rickman, Jane Fonda, Liev Schreiber, Mariah Carey

Cecil Gaines (Forest Whitaker) kommt aus ganz einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Baumwollpflücker und wurde vor seinen Augen von dem weißen Plantagenbesitzers (Alex Pettyfer) erschossen. Seit dem Vorfall hat seine Mutter (Mariah Carey) starke psychische Probleme und so ist er bereits mit sehr jungen Jahren von Zuhause abgehauen. Er arbeitete in einigen Häusern und Hotels als Hausdiener bis er im Jahr 1957 durch seine zurückhaltende Art aufgefallen ist, und vom Weißen Haus abgeworben wurde. Geheiratet hat er Gloria (Oprah Winfrey), die beiden haben zwei Söhne. Der ältere Sohn Louis (David Oyelowo) bereitet dem Vater zunehmend Probleme. Während Cecil als Butler im Weißen Haus dient, wird sein Sohn Louis in schwarzen Bürgerrechtsbewegungen aktiv. Jeder macht auf seine Art Erfahrung mit Diskriminierung und Rassismus…

C+ (Wertung von A bis F) Der Film „Lee Daniels´The Butler“ wurde von Will Haygoods Washington Post Artikel „A Butler Well Served by This Election“ angeregt. Der von Forest Whitaker dargestellte Filmcharakter Cecil Gaines wurde von Eugene Allen inspiriert. Eugene Allen war Afroamerikaner und 34 Jahre lang für das Weiße Haus tätig. Er hat unter acht amerikanischen Präsidenten gedient und hauptsächlich als Butler gearbeitet.

Ich hätte mir gewünscht, einen Film tatsächlich über das Leben dieses Butler zu sehen. Das alleine hätte ein richtig guter Film, vielleicht sogar ein gelungenes Biopic, werden können. Hollywood hat dem aber natürlich nicht getraut, erfindet eine Familiengeschichte und einen (weiteren) Sohn des eigentlichen Butlers und lässt dem Zuschauer durch diese Figur eine Geschichtsstunde zum Thema U.S.-amerikanische Bürgerrechtsbewegung zukommen. Mir kam es so vor, als ob in diesen Film thematisch alles reingestopft wurde, was den Machern zu Rassismus und Unterdrückung der Afroamerikaner und den U.S.-amerikanische Bürgerrechtsbewegungen einfiel.

„Lee Daniels´The Butler“ ist für mich kein runder Film, mehr die Aneinanderreihung vieler Ereignisse. Der Film versucht mehr zu sein als er ist. So wird einem auf der einen Seite das beinahe komplette Leben des Butlers Cecil Gaines gezeigt und parallel verfolgt man den Werdegang seines ältesten Sohnes. Der zunächst rebellische Sohn, der dann später als Aktivist in sämtlichen Bürgerrechtsbewegungen war und der bei allen wesentlichen Eckpunkten der Unterdrückung und des Widerstands der Schwarzen live dabei war. Praktisch wie Forrest Gump, der einen seinerzeit augenzwinkernd durch die amerikanische Zeitgeschichte führte – nur nimmt sich Lee Daniels Film wesentlich ernster dabei.

Ein weiteres Problem habe ich mit dem superprominent besetzten Ensemble. Der Film hat noch nicht richtig angefangen, da hat mich bereits Mariah Carey wieder aus dem Film gebracht. Sie spielt die Mutter von Cecil Gaines (also später Forrest Whitaker). Unglückliches Casting. Ebenso bei den ganzen Schauspielern, die die U.S. Präsidenten spielen. Ich war mehr damit beschäftigt, für mich zu beurteilen, wie glaubwürdig ich die jeweiligen Schauspieler als Präsidenten der Vereinigten Staaten fand, als weiter der Handlung zu folgen. Schlussfolgernd ist das meine Bewertung: Robin Williams als Dwight. D. Eisenhower – D+, James Marsden als J.F.K – B-, Liev Schreiber als Lyndon B. Johnson – von D+ hat er sich später auf ein C+ gerettet, John Cusack als Richard Nixon, zunächst als Vizepräsident unter Eisenhower C+, dann als Präsident B, Alan Rickman als Ronald Reagan – B, nicht unerwähnt lassen möchte ich Jane Fonda als First Lady Nancy Reagan B+. (Die Präsidenten Gerald Ford und Jimmy Carter wurden im Film nicht von Schauspielern verkörpert)

Auch prominent, aber überraschend gut besetzt und schauspielerisch überzeugend empfand ich Lenny Kravitz und Cuba Gooding, Jr. Die beiden spielen die befreundeten Butler von Cecil Gaines. Sie waren ebenfalls im Weißen Haus tätig.

Forest Whitaker gibt hier eine wundervolle Performance, die es nicht verdient hat, in so einem mittelmässigen Film zu landen. Das Einzige was mich wirklich an dem Film gefesselt hat, war er. Das ist eine würdevolle Performance, die dafür da ist, einen Academy Award zu gewinnen. Forest Whitaker hat bereits einen Oscar gewonnen, damals für seine Rolle als Idi Amin in „The Last King of Scotland“. In Lee Daniels Film ist er der zurückhaltende, liebenswürdige Cecil Gaines, der einen während des Films öfter zu Tränen rührt. Forest Whitaker hat eine ganz besondere Aura. Ich glaube, das ist ein ganz feiner Mensch.

Die berühmt-berüchtige Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey hat man hier in billige bzw. billig aussehende Klamotten gezwängt, ihr irgendwelche Perücken übergestülpt und dicke Schminke verpasst – das macht aus ihr aber noch lange keine andere Person. Das Zusammenziehen der Augenbrauen und das auswendige Aufsagen von vorgegebenen Sätzen macht aus ihr auch keine gute Schauspielerin. Aber sie hat sich natürlich fürchterlich ins Zeug gelegt. Ihrer fiktiven Figur wurde dafür auch einiges vorgeben, sie hat ein Alkoholproblem, betrügt ihren Mann, flucht wie ein Rohrspatz usw. – Platz für großen Emotionen. Anders besetzt hätte die Figur vielleicht auch funktionieren können. Oprah schrammt aber immer kurz an einer Karikatur vorbei. Forest Whitaker ist es gelungen, Cecil Gaines über einen Zeitraum von 40 Jahren zu portraitieren. Oprah habe ich die junge Frau nicht abgenommen und sie altert auch nicht glaubwürdig – eigentlich sieht sie immer gleich aus, sie bleibt immer Oprah – nur anders gekleidet und geschminkt. Sollte Oprah für diese Rolle tatsächlich für den Oscar nominiert werden, dann einzig und allein weil sie Oprah Winfrey ist.

„Lee Daniels´The Butler“ ist derzeit für eine Oscar-Nominierung für folgende Kategorien im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller (Forest Whitaker), Bester Nebendarsteller (David Oyelowo) Beste Nebendarstellerin (Oprah Winfrey), Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up

Es sind dieses Jahr drei Filme mit einer afroamerikanische Thematik, denen gute Chancen, für einen Oscar-Nominierung im Jahr 2014 eingeräumt werden. Der kleine Indie-Film Fruitvale Station ist im Vergleich zu „Lee Daniels´The Butler“ der eindeutig bessere Film. Qualität setzt sich bei den Academy Awards bekannterweise aber nicht immer durch.

„Lee Daniels´The Butler“ relativ konkurrenzlos im August in den amerikanischen Kino zu starten, ist einmal mehr eine smarte Oscar-Strategie der Weinsteins. Das ganze Projekt „The Butler“ ist mir persönlich aber viel zu berechnend. Eine All-Star-Cast mit einer Geschichte um einen afroamerikanischen Hausdiener, der für das Weiße Haus arbeitet und seinen Sohn, der für sämtliche schwarze Bürgerrechtsbewegungen aktiv ist. Ein Mainstream-Film, der überwiegend schwarze, aber durchaus auch weiße Zuschauer anspricht. Ein Film, der einem mit der Gefühlskeule auf den Kopf haut, dem Zuschauer klare Vorgaben macht, wer gut und wer böse ist und wann er zu lachen und wann zu weinen hat. Sicher hat die Story bzw. Forest Whitakers Charakter Cecil Gaines auch mich gerührt. Mir ist das alles nur zu durchschaubar. Der Filmstart, ziemlich genau 50 Jahre nach dem Marsch auf Washington, bei dem Martin Luther King seine legendäre „I Have a Dream“-Rede hielt, war sicher auch kein Zufall. Und dann gibt es noch Überstar Oprah Winfrey, die eine Rolle in dem Film hat und passend zum Kinostart mit einer Rassismus-Story in den Schlagzeilen landet. Wenn das Ganze nicht clever ausgetüftelt ist, dann weiß ich nicht. An der Kinokasse ist der Plan bereits aufgegangen, ganz locker hat “ Lee Daniels´The Butler“ schon nach zwei Wochen seine Produktionskosten eingespielt. Eine Oscar-Nominierung für den Film kann man (derzeit) als sehr wahrscheinlich ansehen.

Jetzt fehlt nur noch die Oscar-Kampagne für Oprah, der erfolgreichsten (afroamerikanischen) Frau überhaupt. Na bravo.

Wenn „Lee Daniels´The Butler“ tatsächlich im Januar 2014 für einige Oscars nominiert wird, war das eine raffinierte Oscar-Strategie und ich muss einmal mehr den Hut vor Harvey Weinstein ziehen. Wie gesagt, mit Ryan Cooglers „Fruitvale Station“, „Lee Daniels´The Butler“ und Steve McQueens „12 Years a Slave“ gibt es drei potenzielle Oscar-Kandidaten von schwarzen Filmemachern. Man kann davon ausgehen, dass sich nicht alle drei Filme bei den Oscar-Nominierungen am Ende durchsetzen. Wenn man den ersten Stimmen aus Colorado glauben kann, ist Steve McQueens „12 Years a Slave“ ein kleines Meisterwerk. Auch wenn ich diesen Film noch nicht gesehen habe, so hoffe ich jetzt schon, dass „12 Years a Slave“ der Oscar-Film ist, den es zu schlagen gilt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bei meiner sehr gut besuchten Vorstellung von „Lee Daniels´The Butler“ gab es 1x Szenenapplaus (bei Cecile Gaines wiederkehrende Anfrage nach einer Lohnerhöhung), meine Mitzuschauer sind emotional mitgegangen, es wurde herzhaft gelacht, aber auch hemmungslos geweint. Zum Schluss gab es großen Applaus.

Aufgrund eines Rechtsstreits mit der Warner Bros., musste die Weinstein Co. den ursprüngliche Filmtitel „The Butler“ in „Lee Daniels´The Butler“ umbenennen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „August: Osage County“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks. Mit Meryl Streep, Julia Roberts, Ewan McGregor, Chris Cooper, Benedict Cumberbatch, usw. Ein Film, der auf dem Papier an allen Ecken nach Oscar schreit. Wenn man Meryl Streep im Trailer sieht, sieht man ihre 18. Oscar-Nominierung schon vor Augen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Mandela: Long Walk to Freedom“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Biopic über Nelson Mandela mit Idris Elba in der Hauptrolle. Oscar-Film?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „12 Years a Slave“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Steve McQueens neuer Film. Biopic mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, etc. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Anchorman:The Legend Continues“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Fortsetzung zu der Komödie „Anchorman: The Legend of Ron Burgundy“ Mit Will Ferrell, Christina Applegate und Steve Carell. Ich mochte den ersten Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Captain Philips“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Biopic über den amerikanischen Kapitän Philips, dessen Frachter von somalischen Piraten gekapert wurde. In der Hauptrolle: Tom Hanks
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Prisoners“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Thriller mit Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Paul Dano, Viola Davis, Melissa Leo. Ich hoffe nur, dass der Trailer nicht zu viel verrät. Oscar-Film?
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Best Man Holiday“
Bewertung des Trailers: D+
Kommentar: Komödie, bei der ich wohl eher nicht die Zielgruppe bin.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Saving Mr. Banks“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Biopic über die Autorin von Mary Poppins mit Emma Thompson und Tom Hanks. Oscar-Film?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Los Angeles – Evening

War am 3.7.07 in Los Angeles und habe mir im Kino angeschaut:

„Evening“ ( dt. Titel „Spuren eines Lebens“, dt. Kinostart 10.01.08) 117 min drama
dir. Lajos Koltai cast: Vanessa Redgrave, Claire Danes, Toni Collette, Meryl Streep, Glenn Close, Patrick Wilson, Hugh Dancy, Mamie Gummer

Ann Lord (Vanessa Redgrave) erwähnt auf ihrem Sterbebett ihren beiden Töchtern gegenüber wiederholt den Namen „Harris“, den beide Frauen nicht zuordnen können. An ihren letzten Tagen führt sie selbst die Erinnerung an einen besonderen Tag vor 50 Jahren. An dem Hochzeitstag ihrer besten Freundin (Mamie Gummer) verliebt sich Ann (Claire Danes) in Harris (Patrick Wilson), der nicht nur für sie die grosse Liebe war. Gleichzeitig wird der Tag von einem schrecklichen Ereignis überschattet…

A- (Wertung A bis F) ohne wertend zu klingen ein Frauenfilm, aber ein sehr schöner. Vanessa Redgrave dürfte mit ihrer bewegenden Leistung sicher in das Rennen um den Oscar 2007 einsteigen. Ansonsten grossartiges Ensemble Schauspiel. Die realen Töchter von Meryl Streep (Mamie Gummer) und Vanessa Redgrave (Natasha Richardson) lassen grosses auf zukünftige Schauspielgenerationen hoffen. Meine Neuentdeckung war Hugh Dancy.

Trailer zu sehen: