D. C. – Film: "Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)"


Ich war am 25.10.14 in Washington und am 29.11.14 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“ (dt. Titel: „Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, dt. Kinostart: 29.01.15) 119 min drama, comedy
dir. Alejandro González Inárritu cast: Michael Keaton, Edward Norton, Zach Galifianakis, Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan, Amy Ryan, Andrea Riseborough

Riggan Thomson (Michael Keaton) ist ein in die Jahre gekommener Schauspieler. In den 1980er und 1990er Jahren war eine ganz große Nummer in Hollywood. Durch seine Rolle als Superheld Birdman wurde er zum Superstar. Nachdem er es ablehnte, einen weiteren Teil der Birdman-Reihe zu drehen, ging seine Karriere den Bach runter. Jetzt strebt er mit einem Theaterstück am Broadway ein Comeback an. Riggan hat mit vielen Problemen zu kämpfen, da sind seine Selbstzweifel und Ängste, seine Tochter Sam (Emma Stone), seine Freundin Laura (Andrea Riseborough), eine der Schauspielerinnen (Naomi Watts), seine Ex-Frau (Amy Ryan), die gefürchtete Theaterkritikerin (Lindsay Duncan) und schließlich sein brillanter, aber auch arroganter Co-Star (Edward Norton)..

A- (Wertung von A bis F) „Birdman“ ist ein Arthouse-Film. Der Film ist eine Kritik an der Filmindustrie, der Obsession Hollywoods für Superhelden-Filme, dem Status von Berühmtheiten, egozentrischen Schauspielern, der Liebe und dem Hass mit dem sich Hollywoodstars auseinandersetzen müssen, den Einfluss von Kritikern (insbesondere der Macht der Theaterkritiker) und den Stellenwert von sozialen Medien – es ist aber auch ein Film über Eitelkeiten und Selbstzweifel und Ängste verschiedener Art – „Birdman“ ist ein viel tiefgründigerer Film, als es vielleicht zunächst anmutet. Die Fäden laufen über die Theaterproduktion eines midlifekriselnden Filmstars zusammen. Der 51-jährige Regisseur hat angegeben, dass die Thematik des Films auch autobiografisch ist.

Ich wusste eigentlich schon mit dem ersten Trailer, dass ich diesen Film lieben werde. Die ersten Töne, der Sound und die ersten Bilder des Films machten mir klar, dass mich „Birdman“ nicht enttäuschen wird. Der Film ist etwas für Theater-Liebhaber, vielleicht muss man tatsächlich auch das Theater lieben, um diesen Film richtig wertzuschätzen. Vielleicht aber auch nicht, weil „Birdman“ in jedem Fall eine Bereicherung für die Kinowelt ist.

Nach „Amores Perros“, „21 Grams“, „Babel“ und Biutiful) ist dies erst der fünfte Spielfilm des mexikanischen Filmemachers. Ich mag alle seine Filme. Im Gegensatz zu den Dramen, die er bislang inszenierte, ist „Birdman“ ein sehr humorvolles Drama. Es ist die erste Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Kameramann Emmanuel Lubezki (genannt „Chivo“), der erst dieses Jahr für seine Kameraarbeit in Gravity mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Die beiden mexikanischen Künstler arbeiten aber bereits an ihrem zweiten Werk („The Revenant“), dieses Mal ein Western mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy.

„Birdman“ wirkt als ob er an einem Stück, in einem Take gedreht wurde. Die Kamera stoppt praktisch nie, sie verfolgt meist Riggan Thomson (aber auch manchmal andere Charaktere), hält dann die Kamera auf z.B. eine Unterhaltung, ist in Bewegung und begleitet dann Riggan Thomson (oder halt einen anderen Charakter) weiter. So hat man das Gefühl, dabei zu sein oder im Theater zu sitzen und trotzdem mitzubekommen, was hinter den Kulissen passiert. Damit der Film auf technischer Ebene so aussieht, als wäre er ohne Unterbrechung gefilmt, war eine exakte Choreografie der einzelnen Szenen notwendig. Bevor die Dreharbeiten losgingen, musste viel geprobt werden. Als dann tatsächlich die Filmarbeiten begannen, mussten die Schauspieler nicht nur ihren Text beherrschen und auf ihren Einsatz vorbereitet sein, sondern sie mussten auch genau so stehen, laufen und sich bewegen wie ihnen exakt vorgegeben wurde. Jede Bewegung war präzise durchgeplant. Sie durften nicht zu schnell sprechen, aber auch nicht zu langsam. „Birdman“ ist ein Film, bei dem nichts dem Zufall überlassen werden konnte. Wenn ein Schauspieler ein Texthänger hatte oder falsch gestanden hat, nicht – wie vorgegeben – gelaufen ist oder in die falsche Richtung geguckt hat, hatte das gleich erhebliche Konsequenzen. Durch die sehr langen Takes mussten nicht nur die Szene des Schauspielers, der gerade seine Szene vergeigt hat, wiederholt werden, sondern auch vorangegangene Szenen anderer Schauspieler, die mitunter sehr dialoglastig waren.

In einem Fernsehinterview hat Emma Stone davon erzählt, dass sie einige Szenen in den Sand gesetzt hat. Für sie war es besonders schrecklich, wenn eine Szene bereits 10 Minuten und länger angedauert hat, ihr Einsatz dann kam und sie sich dann versprochen hat oder irgendetwas anderes falsch gemacht hat. So hat sie beispielsweise die eine oder andere perfekte und lange Dialogszene von Michael Keaton und Edward Norton ruiniert und alles musste neu gedreht werden.

Man sollte sich „Birdman“ aber nicht anschauen und nach Filmschnitten suchen. Alejandro González Inárritu hat sich etwas bei dieser außergewöhnlichen Inszenierung gedacht und er hält sich auch sehr bedeckt, was die tatsächliche Anzahl der Schnitte angeht. Fakt ist, dass es ein paar Filmschnitte gibt und sehr wahrscheinlich sogar ein paar mehr als der Laie erkennen kann.

Für Michael Keaton ist dies sicherlich die Rolle seines Lebens. Bei ihm, wie auch bei Edward Norton, war es nicht unerheblich, dass die Schauspieler und ihre Karriere ihrem Rollenprofil sehr ähneln. Was Edward Norton angeht wollte ich es kaum glauben, dass er im wahren Leben ein A… sein soll. Michael Keatons Karriere ist der seines Charakters sehr ähnlich. Es ist großartig zu beobachten, dass er irgendwann während des Films zu dieser Figur Riggan Thomson wird. Ich hätte nie gedacht, dass er ein so guter Schauspieler ist, in meinen Augen gibt er eine Oscar-Performance. Es gilt als sicher, dass er für diese Rolle für den Oscar nominiert wird. Ich sehe es auch gar nicht mehr als ausgeschlossen an, dass er tatsächlich auch den Oscar gewinnt. Michael Keaton wäre dann nach George Clooney und Christian Bale der dritte Batman-Darsteller, der einen Oscar gewinnt.

Ich bin Fan von Edward Norton, seitdem ich ihn in seinem Spielfilmdebüt „Primal Fear“ gesehen habe. Leider habe ich ihn in den letzten Jahren immer weniger gesehen oder wenn, dann nur in kleineren Rollen (Moonrise Kingdom, The Grand Budapest Hotel). „Primal Fear“, „Fight Club“ und „American History X“ waren, in meinen Augen, die besten Performances die er gegeben hat. (Für „Primal Fear“ und „American History X“ hat er eine Oscar-Nominierung erhalten.) In „Birdman“ ist er Mike Shiner und für mich ist das eine eindeutige Oscar-Performance. J.K. Simmons sieht mit seiner Rolle (für Whiplash) im Moment zwar schon als klarer Oscar-Gewinner aus, Edward Norton ist ihm aber dicht auf den Fersen. Wenn sich der Oscar-Gewinner in der Kategorie bester Nebendarsteller zwischen diesen beiden exzellenten Performances entscheiden wird, dann ist MEINE Welt in Ordnung.

Manche Szenen in „Birdman“ fand ich so umwerfend, dass mein Herz ganz schnell zu schlagen begann. In der ersten Szene, in der Michael Keatons Charakter vor Publikum spielt, habe ich realisiert, wie großartig er hier als Schauspieler ist, dann liebe ich die Szenen mit Edward Norton und Emma Stone auf dem Dach des Theaters, aber auch die Szene mit Michael Keaton und der Theaterkritikern (gespielt von Lindsay Duncan), um nur ein paar Szenen zu nennen.

Das gesamte Ensemble ist stimmig. Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan und Zach Galifianakis möchte ich neben Michael Keaton und Edward Norton noch hervorheben. Die Einzige, die zwar ihre Berechtigung im Film hat, die ich aber nicht mochte, war Andrea Riseborough. Für mich hat sie einfach richtig fiese Augen.

A- (Wertung von A bis F) Meine Bewertung nach der zweiten Sichtung bleibt dieselbe. Näheres folgt in Kürze.

„Birdman“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach zahlreiche Oscar-Nominierungen erhalten, z.B. für: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Michael Keaton), Bester Nebendarsteller (Edward Norton), Beste Nebendarstellerin (Emma Stone), Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bestes Szenenbild, Beste Filmmusik Beste visuelle Effekte, Beste Nebendarstellerin (Naomi Watts), Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up und beste Frisuren, Bester Ton, Bester Tonschnitt

„Birdman“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2014 gezeigt.

„Birdman“ ist am 17.10.14 in den U.S.A. mit ganzen vier Kopien gestartet, eine Woche später wurden auf 50 Kopien (verteilt im gesamten Land) aufgestockt. Der Film soll wöchentlich immer mehr Zuschauern zugänglich gemacht werden. Eine clevere Politik des amerikanischen Verleihers (Fox Searchlight Pictures). Meine Vorstellung war bis zum letzten Platz ausverkauft. In jedem Fall werde ich mir „Birdman“ noch einmal anschauen. Update: Bei der 87. Oscarverleihung am 22.02.15 wurde „Birdman“ mit vier Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch und Beste Kamera) ausgezeichnet.

„Birdman“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2014.

Mein Lieblingstrailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Rosewater“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Jon Stewarts Film mit Gael Garcia Bernal in der Hauptrolle. Wahre Geschichte und Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Theory of Everything“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Stephen Hawking Biopic mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Diplomacy“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Volker Schlöndorffs neuer Film, in französischer Sprache
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Foxcatcher“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Biopic-Drama von Bennett Miller mit Steve Carrell, Mark Ruffalo und Channing Tatum. Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Wild“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama mit Reese Witherspoon. Film sieht so aus wie Sean Penns „Into the Wild“ nur leider mit Reese in der Hauptrolle. Oscar-Film, mal gucken
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Big Eyes“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Neuester Tim Burton-Film mit Amy Adams und Christoph Waltz. Habe gehört, dass dies der schlimmste Burton-Film sein soll. Na da muss man erst mal gucken.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 60% RT

2 Gedanken zu “D. C. – Film: "Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)"

  1. Super 🙂
    Ich hatte schon Bammel wie er sein wird und habe nur sehr langsam zu Deiner Bewertung gescrollt :))
    Ach, ich freue mich, aber noch soooo lange, bis er hier läuft!
    Ja für Michael Keaton steht hier schon lange ein Schrein. Mein Liebster ist ja sein größter Fan.
    Norton ist auch großartig und wenn jemand mit so viel Herzblut dabei ist, kann man sich schwer vorstellen, dass er nicht besonders umgänglich ist. Aber sowas gibt es, sind ja alle nur Menschen.

    …Steve Carrell, Mark Ruffalo und Channing Tatum in einem Film und Du guckst ihn? Ich finde Tatum so hässlich ^.^
    und oh oh der neue Burton soll schlecht sein? Da muss ich mal Trailer suchen.
    Ich finde Charlie und die Schokoladenfabrik seinen schlechtesten – bislang.

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  2. Es gibt halt noch ein paar Dinge im Film, die ich noch nicht so richtig zu deuten weiß, bzw. die Interpretationssache sind, aber der Film ist schon toll. 🙂 Eine zweite Sichtung, möglichst im Kino, ist für mich auf jeden Fall erforderlich. Es gibt aber sicherlich auch Leute, die mit „Birdman“ nichts oder nicht so viel anfangen können.

    Ich hasse das auch auf Filme zu warten. Im Moment habe ich so viele Filme, die ich unbedingt sehen will und muss. :no:

    Jaja der Schrein. :)) Nee als Fan wird er Michael Keaton hier lieben. Ich habe ihn ja bisher nicht so als richtigen Schauspieler wahrgenommen. Die Rolle ist aber auch perfekt, da kann er mehr Facetten von sich zeigen. Was Ed Norton angeht, das eine ist halt der Job, den er in genialer Weise ausübt, das andere ist er als Person. Da gibt’s ja einige Schauspieler, die einen eher schlechten Ruf haben und mit denen keiner so gerne arbeitet. Alejandro González Inárritu hat gesagt, dass Ed Norton den besagten Ruf hat und dass sich das dann auch während der Dreharbeiten bestätigt hat. Er hat´s aber lustig gesagt. :))

    Och Steve Carrell und Mark Ruffalo mag ich, außerdem ist das ein sogenannter Oscar-Film. Tatum ist auch nicht mein Fall. Er sieht halt nicht aus, als ob er unbedingt auf Frauen steht, daher nehme ich ihm die meisten Rollen auch nicht ab, eigentlich wie bei Zac Efron. :))

    „Charlie“ mochte ich, aber dafür fand ich „Sleepy Hollow“ und „Alice in Wonderland“ öde, dieses Musical (Sweeney Todd) mochte ich auch nicht wirklich. Davon habe ich hauptsächlich dieses schreckliche Gesinge in Erinnerung. Alle anderen waren für mich eigentlich okay oder besser. 🙂

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