NYC – Film: "Whiplash"


Ich war am 28.09.14 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Whiplash“ (dt. Kinostart: 19.02.15) 106 min drama
dir. Damien Chazelle cast: Miles Teller, J.K. Simmons, Melissa Benoist, Paul Reiser

Andrew Neyman (Miles Teller) ist ein leidenschaftlicher Schlagzeuger. Er besucht in New York die beste Musikschule des Landes. Andrew ist sehr ehrgeizig und möchte einer der besten Drummer werden. Der berüchtigte Musiklehrer Terence Fletcher (J.K. Simmons) wird auf den jungen Schlagzeuger aufmerksam. Gern würde Andrew in seiner Schul-Jazzband aufgenommen werden, nur hat Andrew überhaupt das Talent, um den hohen Ansprüchen des Maestros gerecht werden?

A (Wertung von A bis F) Der 29-jährige Regisseur hat zunächst das Drehbuch zu dem Spielfilm geschrieben und um Geldgeber zu finden, hat er eine Szene des späteren Spielfilms als Kurzfilm inszeniert und diesen, ebenfalls unter dem Filmtitel „Whiplash“, auf dem Sundance Film Festival 2013 vorgestellt. Der Kurzfilm hat auf diesem Festival den Short Film Jury Award U.S. Fiction gewonnen. Damit waren die Finanziers für einen abendfüllenden Film schnell gefunden. Mit „Whiplash“ gibt Regisseur Damien Chazelle sein Spielfilmdebüt. Er erzählt eine Geschichte aus seinem eigenen Leben. Er selbst war vor einiger Zeit Absolvent einer renommierte Musikschule, war Schlagzeuger und einem J.K. Simmons Charakter in dem Film ähnelnden Mentor ausgesetzt.

Was für eine Achterbahn an Film. Wenn man die Inhaltsangaben zu dem Film liest, denkt man, ja okay habe ich schon einige Male gesehen. Fakt ist, dass man es so definitiv noch nie gesehen hat. Der Film ist so mitreißend und so nervenaufreibend.

Damit mich ein Film so fesselt wie „Whiplash“, bedarf es sehr wahrscheinlich zwei überzeugender Charaktere. Miles Teller (The Spectacular Now) gibt hier alles, Schweiß, Tränen und sogar Blut – er ist ganz in dieser Figur. Es ist eine überragende Performance und für mich eindeutig eine Oscar-Performance. Der Regisseur wollte ihn unbedingt für diese Rolle. Damien Chazelle hatte Miles Teller zuvor in seinem Spielfilmdebüt Rabbit Hole gesehen. Zu Beginn der Dreharbeiten hat Miles Teller bereits seit 10 Jahren Schlagzeug gespielt, was der Performance hier zweifelsfrei zugute kam. Dennoch hatte er, wie er im anschließenden Q & A sagte, die Hosen voll, weil alle Anderen im Film richtige, professionelle Musiker sind. Selbst J. K. Simmons hat einen musikalischen Background. Mich erinnert Miles Teller, und das habe ich bereits schon mal erwähnt, an den jungen John Cusack.

J.K. Simmons ist in Bestform (sowohl physisch als auch schauspielerisch). Wie er hier den charismatischen Musiklehrer/Dirigenten und zugleich cholerischen und sadistischen Perfektionisten gibt, verfolgt einen noch lange nach dem der Film vorbei ist. Man fühlt regelrecht mit den Musikern, die unter ihm leiden müssen. Die eine oder andere Szene war schon als Zuschauer unerträglich. Dennoch zieht er einen in den Bann. Man will von dem Besten lernen, angetrieben werden, um besser zu werden und das hat vielleicht einfach seinen Preis. Fletchers Methoden gleichen jedoch psychischen und physischen Missbrauch. J. K. Simmons (TV-Serien „The Closer“, „Law & Order“ und „Thank You for Smoking“, Juno, „Burn After Reading“, Up in the Air ) hat in meiner Erinnerung bislang nur gute, bzw. sympathische Charaktere gespielt und der Wandel in diesem Film wird zu seiner ersten Oscar-Nominierung führen. In meiner ersten ersten Oscar-Prognose für 2015 vom 22.09.14 habe ich J. K. Simmons – nach einigem Überlegen – an die zweite Stelle, direkt nach dem zweimaligen Oscar-Nominierten Edward Norton (für „Birdman“) gesetzt. Mittlerweile habe ich auch Robert Duvall in The Judge gesehen und der gibt für mich auch unbedingt eine Oscar-Performance. Ich glaube aber dennoch, dass es sich zwischen J. K. Simmons und Edward Norton entscheiden wird. Derzeit gilt J. K. Simmons gemeinhin sogar als Favorit auf den Oscar-Gewinn. In „Whiplash“ spielt J. K. Simmons (neben Miles Teller) in meinen Augen auch eine Hauptrolle. Alle anderen Charaktere im Film sind nebensächlich und werden auch so vom Drehbuch behandelt. Mich hat es nicht weiter gestört, weil beide Protagonisten so faszninierend waren.

Auf dem New York Film Festival gab es einen frenetischen Applaus zum Ende des Films und als der junge Filmemacher Damien Chazelle und die Schauspieler J.K. Simmons und Miles Teller zum anschließenden Q & A auf die Bühne gebeten wurden, gab es sogar Standing Ovations. Ich habe mir sagen lassen, dass dies bei einem nicht so leicht begeisterungsfähigen New Yorker Publikum eine Rarität ist. Ganz aktuell habe ich gelesen, dass „Whiplash“ kürzlich auf dem London Film Festival als einziger Film auch stehende Ovationen erhalten hat. Dies soll auch dort eine Seltenheit sein.

Es ist ganz simple, auch wenn ich noch nicht so viele Oscar-Filme im Jahr 2014 gesehen ist „Whiplash“ ist für mich jetzt schon definitiv einer der besten Filme dieses Jahres. „Whiplash“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2014 und der Film für den derzeit mein Herz schlägt.

„Whiplash“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Miles Teller), Bester Nebendarsteller (J.K. Simmons), Bestes Originaldrehbuch, Bester Song. Ich drücke fest die Daumen, dass „Whiplash“ nach „Boyhood“ der zweite Indie-Film ist, der im nächsten Jahr für den Oscar als bester Film nominiert wird. Update: Bei der 87. Oscarverleihung am 22.02.15 wurde „Whiplash“ mit drei Oscars (Bester Nebendarsteller, Bester Schnitt und Bester Tonschnitt) ausgezeichnet.

Der Spielfilm „Whiplash“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2014 gezeigt. Dort hat er den U.S. Grand Jury Prize: Dramatic gewonnen. Außerdem wurde er dort mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Der Film wurde am 10.10.14 in sechs amerikanischen Kinos gestartet. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2014 gesehen. Gerne hätte ich noch Bilder eingestellt, nur leider war der Akku meiner Kamera leer und aus unerfindlichen Gründen hat auch mein iPhone vorübergehend den Geist aufgegeben.

Trailer zu sehen:

2 Gedanken zu “NYC – Film: "Whiplash"

  1. Hui, das klingt begeistert.
    Mit Musikfilmen/-bios tue ich mich meist schwer, aber ich denke das ist was für meine bessere Hälfte und wahrscheinlich gucke ich dann sowieso mit. Vielleicht gibt es ja eine PV oder Preview… 🙂

    Liken

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