Berlin – Film: „Joy“


Ich war am 18.12.15 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Joy“ (dt. Filmtitel: Joy: Alles ausser gewöhnlich, dt. Kinostart: 31.12.15) 107 min drama, comedy, biopic
dir. David O. Russell cast: Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Isabella Rossellini, Diane Ladd, Virginia Madsen, Bradley Cooper, Edgar Ramirez, Dascha Polanco, Elisabeth Röhm

 
Joy (Jennifer Lawrence) lebt mit ihren beiden Kindern, ihrer Mutter Carrie (Virginia Madsen) und ihrer Oma (Diane Ladd) zusammen. Ihr arbeitsloser Ex-Mann (Edgar Ramirez) wohnt im Keller und plötzlich – nach der Trennung von seiner aktuellen Frau – steht ihr Vater (Robert De Niro) vor ihrer Tür und und möchte auch wieder ins Haus ziehen. Joys Leben ist ziemlich chaotisch. Sie ist handwerklich sehr begabt und eines Tages erfindet sie den Miracle Mop, einen Wischmop, bei dem man sich nicht die Finger schmutzig macht. Mit der finanziellen Unterstützung von Trudy, der neuen Freundin ihres Vaters (Isabella Rossellini) lässt sie einige von diesen revolutionären Wischmops produzieren und versucht diese, an den Mann zu bringen.

 

C+ (Wertung von A bis F) „Joy“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es ist David O. Russells Interpretation von Joy Manganos Erfolgsgeschichte. Im Alter von 34 Jahren hat Joy Mangano den Miracle Mop und später andere Gebrauchsgegenstände erfunden und sich irgendwann ein Geschäftsimperium aufgebaut.

Es ist bekannt, dass David O. Russell Schwierigkeiten hatte, seinen aktuellen Film fertigzustellen. Ich hatte den Eindruck, dass man die Probleme immer noch spürt. Gerade zu Anfang wirkt der Film sehr chaotisch und ungeordnet: Schnitt an Schnitt an Schnitt. Gegenwart, Rückblenden, Gegenwart, reales Leben, Traumsequenzen, Soap Opera. Ich glaube ich habe mich erst entspannen können, als Bradley Coopers Charakter auftaucht. Die Szenen von Jennifer Lawrence und Bradley Cooper mochte ich überraschenderweise am meisten im gesamten Film. Meine Lieblingsszene ist eine viel zu kurze Szene, bei der der Bee Gees Song „To Love Somebody“ gespielt wird.

Letztlich gab es zwei Versionen von dem Film, eine eher heitere und eine eher tragische Variante. Beide wurden einem Testpublikum gezeigt und denen gefiel der Film mit dem höheren Komödien-Anteil besser. „Joy“ wurde dann bei der HFPA als Komödie für die Golden Globes eingereicht (und nominiert). Auch wenn es einige lustige Momente im Film gibt, ist „Joy“ für mich keine Komödie. Er ist eine Tragikomödie mit Thriller und Krimi-Elementen.

Nach Silver Linings Playbook und American Hustle hat David O. Russell erneut Jennifer Lawrence besetzt. Jennifer Lawrence spielt hier die Hauptrolle und – im Gegensatz zu den beiden anderen Filmen – eine „normale“ Frau. Starke Mädchen- und Frauenrollen liegen der Schauspielerin, da gibt es keinen Zweifel. Sie hier aber als Mitte 30-Jährige zu besetzen war äußerst gewagt. Jennifer Lawrence ist mittlerweile 25 Jahre alt, sieht aber aus, als wäre sie gerade Anfang 20 und auch seltsame Haarteile und biedere Klamotten lassen sie nicht reifer aussehen. Nun mag ich sie als Schauspielerin wahnsinnig gerne sehen und so habe ich schon Gefallen daran, ihr bei dem, was auch immer sie gerade macht zuzuschauen.

Begeistert war ich von Virginia Madsen als Joys Mutter, Elizabeth Röhm, die Joys Halbschwester spielt und Edgar Ramirez als Joys Ex-Mann (auch wenn er vom Typ her Bobby Cannavale zu sehr ähnelt). Unfreiwillig komisch hingegen wirkte Isabella Rossellini. Tatsächlich sieht sie aus wie ein Mann in Frauenkleidung. Leider ist ihre Filmfigur nicht als Karikatur angelegt. Wenn sie spricht wirkt es, als wären ihr die Worte in den Mund gelegt und sie nur den Text aufsagt. Grausig. Immer wenn ich den Film gerade wieder etwas mehr mochte, kommt Isabella Rossellini ins Bild und machte alles wieder zunichte.

Alejandro González Iñárritus Film „The Revenant“, David O. Russells „Joy“ und Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ waren die letzten drei möglichen Oscar-Kandidaten, die in der Oscar-Saison 2015/2016 fertiggestellt wurden und dann der amerikanischen Presse gezeigt wurden.

David O. Russell – und das ist bekannt – möchte jetzt nach drei Anläufen (er wurde rekordbrechende 3x hintereinander für seine Filme The Fighter, „Silver Linings Playbook“ und „American Hustle“ in den Kategorien Bester Film und Beste Regie für den Academy Award nominiert) unbedingt den Oscar gewinnen. Als noch keiner den Film kannte wurden „Joy“ sogar sehr gute Chance auf den Oscar-Gewinn ausgerechnet. In meiner September- und November-Prognose zu etwaigen Oscar-Nominierungen hatte ich den Film auch auf Platz 2. Nachdem ich den Film jetzt gesehen habe, halte ich es für ausgeschlossen, dass „Joy“ als Film überhaupt nominiert wird. Vielleicht kann Jennifer Lawrence noch eine Nominierung ergattern.
„Joy“ war  für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Jennifer Lawrence), Beste Nebendarstellerin (Isabella Rossellini, Diane Ladd, Virginia Madsen), Bester Nebendarsteller (Robert De Niro), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien.

Update: „Joy“ hat 1 Oscar-Nominierung (Beste Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence) erhalten.

„Joy“ startet am 25.12.15 in den amerikanischen Kinos. Ich habe den Film in einer Pressevorführung in Berlin gesehen. Gezeigt wurde die OV.

David O. Russells Filme sind generell sehenswert, auch wenn „Joy“ auf ein kleines Formtief des Regisseurs hindeutet.

Der Film „Joy“ ist ab dem 31.12.15 in den deutschen Kinos zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

Der deutsche Trailer zu sehen:

 

 

 

Filmplakat von "Joy" in der New Yorker U-Bahn
Filmplakat von „Joy“ in der New Yorker U-Bahn

 

2 Gedanken zu “Berlin – Film: „Joy“

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