L.A. – Film: „Dunkirk – 70mm“


Ich war am 24.07.17 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Dunkirk – 70mm“ (dt. Kinostart war der 27.07.17) 107 min  drama, war
dir. Christopher Nolan cast: Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Harry Styles, Jack Lowden, Aneurin Barnard, James D´Arcy, Kenneth Branagh, Cilian Murphy, Mark Rylance, Tom Hardy voice: Michael Caine

 

 

Im Jahr 1940 haben die Nazis die nordfranzösischen Hafenstadt Dunkirk umzingelt. Rund 400.000 dort stationierte britische und französische Soldaten sind eingeschlossen. Sie warten auf Rettung. Große Schiffe können die Küste nicht ansteuern, dafür ist das Wasser zu flach. Schließlich eilen aber kleine, private Boote heran, um die Soldaten zu evakuieren.

 

 

B (Wertung von A bis F) „Dunkirk“ basiert auf historischen Fakten. Es ist der neue Film des britischen Drehbuchautors und Filmemachers Christopher Nolan („Memento“, The Dark Knight, Inception).

Christopher Nolan ist einzig an Geschichten über Männer interessiert, diese erzählt er meist raffiniert und setzt sie oft visuell spektakulär oder wenigstens Aufmerksamkeit erregend um. Emotionen auf die Leinwand zu bringen, ist nicht so sein Ding. Mit Interstellar hat er es probiert und ist kläglich gescheitert. Hier setzt er nun erstmalig eine Zweite-Weltkriegsgeschichte um und dabei gehts ihm nicht um den Charakteraufbau, um Einzelschicksale, sondern um die groß angelegte Evakuierungsaktion als Ganzes.

„Dunkirk“ weiß zu beeindrucken – visuell ist auch Nolans neuer Film zweifelsfrei ein Meisterwerk. Beinahe zwei Wochen später habe ich diese Bilder, diese Farben immer noch direkt vor Augen. Die Erzählweise ist sicherlich ungewöhnlich, vielleicht sogar auch einmalig. Die Rettungsaktion wird immer abwechselnd aus drei Perspektiven (Land, Wasser, Luft) gezeigt. Die Ereignisse finden über einen Zeitraum von einer Woche (Land), einem Tag (Wasser) und einer Stunde (Luft) statt. Ungewöhnlich ist, dass in diesem Kriegsfilm der Feind (in diesem Fall die Nazis) nie direkt zu sehen ist, es sterben viele Soldaten, man sieht aber im gesamten Film kaum Blut (so weit ich mich erinnern kann, nur in einer einzigen Szene). Stattdessen zeigt der Film durch seine Erzählstruktur und den ohrenbetäubenden Sound das Chaos des Krieges. Die Kamera blendet von einer zur anderen Perspektive, bei den Parallelmontagen hat man hat kaum Zeit, sich den Charakteren emotional zu nähern. Ständig wird zu den anderen Blickwinkeln geschnitten. Dazu der viel zu dominante Score von Hans Zimmer. Der deutsche Filmkomponist („Rain Man“, „The Lion King“, „Gladiator“, „The Dark Knight-Trilogie“) hat oft bewiesen, dass er durch seine Filmmusik das Filmerlebnis noch verstärken kann. Hier spielt sich der Score aber zu sehr in den Vordergrund. Ich hätte es vorgezogen, manchmal nur den Geräuschen und den wenigen Dialogen zu lauschen.

Die Besetzung mit vielen jungen, dunkelhaarigen Männern ist etwas unglücklich, ich konnte sie jedenfalls nicht auseinanderhalten. Sie werden auch nicht beim Namen genannt oder haben gar eine Hintergrundgeschichte. Daher war die einzige Geschichte, die mich annähernd bewegt hat, die auf dem Schiff mit dem britischen Charakterschauspieler und Oscar-Preisträger Mark Rylance (Bridge of Spies)

Schauspielerisch sind eigentlich nur Kenneth Branagh und Mark Rylance (logisch) bemerkenswert. Nun sieht man Tom Hardy auf der Besetzungsliste und denkt sich vielleicht und was ist mit Hardy? Nach „Inception“ und The Dark Knight Rises hat Christopher Nolan ihn hier bereits das dritte Mal besetzt. Man kann also davon ausgehen, dass er ihn mag – oder wenigstens seine Augen und seine Stimme. Nämlich ebenso wie im Batman-Spektakel sieht man von Tom Hardys ausdrucksvollem Gesicht nicht viel, da er nahezu in dem gesamten Film eine Maske aufhat. Für mich ist das – wieder mal – eine völlige Verschwendung, den Ausnahmeschauspieler hätte man auch durch einen anderen Schauspieler ersetzen können.

Christopher Nolan liebt das Kino, Neben Quentin Tarantino, Paul Thomas Anderson und ein paar wenige andere Regisseure dreht er seine Filme ausschließlich noch auf Film. Seine Filme gelten als Events und die breitformatigen Bilder sollten – zumindest wenn man sie das erste Mal sieht – auf der größtmöglichen Leinwand mit der bestmöglichen Sound-Anlage erlebt werden. „Dunkirk“ hat er in IMAX-Film und Super Panavision 65mm-Film gedreht. In den (amerikanischen) Kinos wird der Film im IMAX, IMAX/70mm, 70mm und in 35mm gezeigt.

Christopher Nolan selbst hat drei Oscar-Nominierungen erhalten, zwei für das Original-Drehbuch („Memento“, „Inception“) und eine als Produzent für seinen Film „Inception“. Als Regisseur wurde er von AMPAS noch nie nominiert. Das könnte sich nun mit „Dunkirk“ ändern.

„Dunkirk“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Nebendarsteller (Mark Rylance), Beste Kamera (Hoyte Van Hoytema) und einige andere technische Kategorien. Update: Dunkirk hat 8 Oscar-Nominierungen erhalten (Best Picture, Best Director, Best Cinematography, Best Film Editing, Best Production Design, Best Score, Best Sound Editing, Best Sound Mixing) Update: „Dunkirk“ hat drei Oscars (Bester Schnitt, Bester Ton und Bester Tonschnitt) gewonnen.

„Dunkirk“ ist am 21.7.17 in 3.720 Kinos in den U.S.A. gestartet. Davon wurde er in 125 amerikanischen Theatern in der 70-mm-Film-Fassung gezeigt. Ich habe ihn in dieser Fassung gesehen. Mittlerweile ist der Film landesweit in 4.014 Kinos zu sehen. In Deutschland ist der Film am 27.07.17 gestartet, eine 70-mm-Vorführung gibt es in Berlin (Zoo Palast), Hamburg (Savoy), Hannover (Astor Grand Cinema), Karlsruhe (Schauburg Cinerama) und in Essen (Lichtburg).

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Blade Runner 2049„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Fortsetzung zu dem Film aus dem Jahr 1982. Denis Villeneuves führt Regie und Roger Deakins ist der DP, der Film sieht fantastisch aus. Es spielen Ryan Gosling, Jared Leto und Harrison Ford mit
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Justice League„
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: Wer braucht denn so ein Mist? Superhelden-Zeugs und dann noch mit Ben Affleck
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 

Vor meiner 70mm-Vorführung in der 10-Uhr-morgens-Vorstellung haben sie tatsächlich nur zwei Trailer gezeigt.

 

 

 

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10 Gedanken zu “L.A. – Film: „Dunkirk – 70mm“

    • Mich haben weder „Inception“ noch „Interstellar“ emotional ansprechen können, jedenfalls nicht von der Dramaturgie oder dem Charakteraufbau selbst. Letzteren fand ich schlimm, in meinen Augen Nolans schlechtester Film.

      Echt – Du guckst keine reinen Kriegsfilme? Der hier ist aber beinahe gänzlich unblutig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der auf dem kleinen Bildschirm wirkt. Seine Filme muss man im Kino sehen. 🙂

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      • Naja, ist ja nicht schlimm 😉 . Interstellar wollte ich erst nicht im Kino sehen und war danach sehr froh, es doch getan zu haben.Mich hat der sehr gepackt. Sieht halt jeder – im wahrsten Sinne -anders.

        Nö, tue ich nicht. Ich finde wir können froh sein, so etwas nicht mitmachen zu müssen. Auch habe ich nicht wirklich Bildungsbedarf was Schlachtformationen oder Angriffsstrategien angeht… Unterhaltungswert finde ich in so etwas nur, wenn es noch um andere Dinge, Menschen geht. Naja, also ins Kino zieht es mich deshalb überhaupt nicht.

        Gefällt 1 Person

  1. Naja musst Du ja auch nicht.

    Deshalb hat mich „Dunkirk“ auch nicht emotional erreichen können, hier geht es nicht um Einzelschicksale, um Menschen über die ich etwas erfahren habe. Für mich ist der Film hauptsächlich von der Optik und dem Sound ein Knaller. 🙂

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