Uppsala – Film: „Last Night in Soho“


Ich war am 18.11.21 in Uppsala und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Last Night in Soho“ (in D. seit dem 11.11.21 im Kino) 116 min drama, horror 

dir. Edgar Wright  cast: Thomasin McKenzie, Anya Taylor-Joy, Terence Stamp, Matt Smith, Diana Rigg, Michael Ajao, Sam Claflin, Margaret Nolan  

Eloise (Thomasin McKenzie) ist auf dem Land in Cornwall aufgewachsen. Sie möchte unbedingt Modedesignerin werden. Als die junge Ellie bei dem renommierten College of Fashion angenommen wird, zieht sie nach London. Bei der strengen Vermieterin (Diana Rigg) bekommt sie ein Zimmer. Nachts träumt sich Ellie in das London der 1960er Jahre. Bald werden ihre Träume aber zu Albträumen und sie fühlt sich von Geistern verfolgt. Irgendwas Schreckliches muss passiert sein…

B- (Wertung von A bis F) „Last Night in Soho“ ist der neue Film des englischen Drehbuchautors, Produzenten und Filmemachers Edgar Wright („Shaun of the Dead“, „Hot Fuzz“, „Scott Pilgrim vs. the World“, Baby Driver). Auch für diesen Film hat er das Skript geschrieben, allerdings zusammen mit der schottischen Drehbuchautorin Krysty Wilson-Cairns (1917). Der Film ist Diana (Rigg) gewidmet, es ist der letzte Film der Schauspielerin, die im letzten Jahr verstorben ist. 

Was wäre es für ein richtig guter Film geworden, wenn Edgar Wright hier einfach nur die Geschichte der angehende Modedesignerin Eloise, die ihre Inspiration aus den, von ihr so geliebten Swinging Sixties, zieht, erzählt hätte. Eine Idee davon, wie der Film ausgesehen hätte, bekommt man sogar ein Stück weit. Der Filmemacher wollte aber mehr, bringt sexuelle Übergriffigkeit bzw. den Missbrauch, denen Frauen im Jetzt aber auch im Damals ausgesetzt sind, bzw. waren rein und auch eine Geister-Story wollte er unbedingt unterbringen. Ersteres führt ins Nichts (obwohl eine Frau mit am Drehbuch schrieb) und der letzte Akt scheitert an seiner ehrgeizigen, aber nicht wirklich durchdachten Konstruktion. Wenn man das Geschehen nur aufmerksam genug verfolgt, fällt das Kartenhaus der Logik schnell zusammen. (Alleine der Gestank in dem Haus muss unerträglich sein). Unbefriedigend, eigentlich sogar ärgerlich fand ich außerdem die falschen Fährten, die hier gelegt werden. Vielleicht hätte Humor geholfen, mir hat er in dem Film jedenfalls gefehlt. 

Wrights reine Regiearbeit, das glamouröse Set- und Kostümdesign,  der Soundtrack, Thomasin McKenzie (auch, wenn mich ihre piepsige Kinderstimme irgendwann nervte) und Anya Taylor-Joy haben mich während des Films bei der Stange gehalten, aber schon beim Verlassen des Kinos war das Werk für mich als „vergessenswert“ abgehakt.

Ich bin froh, dass die Handlung, jetzt drei Tage nach dem Kinobesuch, dann doch so schnell in Vergessenheit geriet, wenn ich jetzt an „Last Night in Soho“ denke, poppen vor meinem inneren Auge für einen kurzen Moment optisch schön komponierte Bilder auf und dazu die Vision, dass es doch kein so schlechter Film war. 

„Last Night in Soho“ war/ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Thomasin McKenzie), Bester Nebendarsteller (Terence Stamp, Matt Smith), Beste Nebendarstellerin (Anya Taylor-Joy, Diana Rigg), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. 

„Last Night in Soho“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2021 gezeigt. Ursprünglich sollte der Film sogar am 25.09.20 in die amerikanischen Kinos kommen, wurde dann aber aufgrund der Corona-Pandemie mehrfach verschoben. Der Film ist nun am 29.10.21 in 3,016 amerikanischen Kinos gestartet. In Deutschland wird der Film seit dem 11.11.21 ebenfalls im Kino gezeigt. Ich habe den Film in Schweden in der OmU gesehen.

Kino in Schweden

Ich glaube tatsächlich, dass ich noch nie in Schweden im Kino war. Für mich hat es sich während meiner Tour jetzt aber angeboten. Englischsprachige Filme, abgesehen von Kinderfilmen, werden generell im Original (mit schwedischen Untertiteln) gezeigt. 

Vor meinem Kinobesuch habe ich mich selbstverständlich mit der aktuellen Corona-Lage in Schweden beschäftigt. 

Die Schwedische Regierung hat sich zu Beginn der Pandemie bekanntermassen für eine ganz andere Corona-Strategie entschieden. Den Schweden wurden viele Freiheiten gewährt, Masken waren nicht verpflichtend und sind bis heute nicht. Mittlerweile hört man in den Nachrichten kaum noch was von dem Land. Bei etwas mehr als 10 Millionen Einwohner haben sich seit Beginn der Pandemie rund 1,1 Millionen Einwohner mit Corona angesteckt (gesamt Infektionsrate von 11,64%, in Deutschland 6,1%). Laut Corona-in-Zahlen.de hatte Schweden bis zum 15.11.21 genau 15.082 Todesfälle zu beklagen. Die (vollständige) Impfquote beträgt in Schweden Mitte November 2021 bei 68,55% (in D. 66,94%). Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Schweden am 15.11.21 bei 52,9 (in Deutschland bundesweit bei 302,9) Während man seit 15.11.21 in Berlin nur noch mit 2G ins Kino kommt, ist in Schweden alles gechillt. In der Stadt habe ich keinen Menschen gesehen, der einen Mund-Nasen-Schutz trägt, auch nicht in  Innenräumen. Im Kino gibt es – selbstverständlich (für Schweden) – auch keine Maskenpflicht, auch muss man nicht geimpft, genesen oder getestet sein. Dafür wird auf Abstand (2 Meter) geachtet, überall stehen Desinfektionsspender und auf der Toilette wird man darauf hingewiesen, sich für mindestens 20 Sekunden seine Hände zu waschen. Logischerweise war ich die Einzige, die im gesamten Kino eine (FFP2-) Maske trug. Mit mir waren aber nur 4 Zuschauer im Kinosaal. Dennoch habe ich zugesehen, dass ich weit weg von meinen Mitzuschauern sass. An dem Tag, an dem das RKI erstmalig über 65.000 Neuinfektionen in Deutschland meldete, macht mich das schon nachdenklich, warum Schweden jetzt scheinbar so gut mit der Corona-Pandemie klar kommt.

Trailer zu sehen: 

vorgeschaltete Trailer: 

Trailer v. Film: „Belfast“

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in OmU) 

Kommentar: Neuer Film von Kenneth Branagh, Oscar-Film (leider), Trailer ist besser als der Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem Filmfest in Hamburg gesehen

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Trailer v. Film: „The Matrix Resurrections“

Bewertung des Trailers: B (Trailer in OmU)

Kommentar: vierter Teil der Matrix-Reihe, ich mochte keinen der damaligen sonderlich gerne, dafür aber Keanu Reeves

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiss noch nicht 

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Trailer v. Film: „Scream“

Bewertung des Trailers: C+ (Trailer in OmU) 

Kommentar: Boah, ernsthaft? Das ist so 1990er-Jahre. Jetzt also der fünfte Film der Reihe, wieder mit Neve Campbell, Courtney Cox, David Arquette. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wirklich nicht 

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Trailer v. Film: „The Black Phone“

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in OmU) 

Kommentar: Horrorfilm mit Ethan Hawke. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken 

6 Gedanken zu “Uppsala – Film: „Last Night in Soho“

  1. Schweden hat eine zehnfach geringere Bevölkerungsdichte, das hat sicherlich einen großen Einfluss auf die Infektionszahlen. Auch steht da ja nicht wo die Leute gestorben sind. Nur in den Ballungsräumen? Setzt man das in Relation sieht die Sache bestimmt anders aus. Mir gefällt es hier überhaupt nicht, dass manche Kinos wie die der York-Gruppe bereits wieder die Säle voll machten ohne Abstand. G-Regeln hin oder her Abstand und Lüftung ist in geschlossenen Räumen für mich das A und O. Das hast Du schon richtig gemacht.

    Beim Film hier hätte ich mir mehr Spannung gewünscht und ja oder besser gesagt nein, um den Geruch hatte ich mir sogar mal gar keinen Kopf gemacht, aber jetzt wo Du es erwähnt hast… :))
    Ich hoffe Krysty Wilson-Cairns macht sich mit Waititi für Star Wars besser. Da bin ich gespannt.

    „The Matrix Resurrections“ – den ersten mochte ich die Fortsetzungen nicht, aber die Trailer für diesen sehen wirklich gut aus. Da bin ich dabei.

    „Scream“ – muss ich auch nicht haben. Der Trailer ist öde.

    „The Black Phone“ – sieht doch gar nicht so schlecht aus. Ethan Hawke als Serienkiller, warum nicht? :))

    Gefällt 2 Personen

    • Sicherlich hat Schweden eine viel geringere Bevölkerungsdichte, da sie aber keine großen Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben, hatte Schweden auch in der gesamten Pandemie-Zeit bisher (wir holen ja gerade mit ganzer Kraft auf 😩) eine fast doppelt so hohe Infektionsrate. Die haben es mit ihrer Strategie einfach drauf ankommen lassen. Ich verstehe nur nicht, dass sie jetzt so eine niedrige Inzidenz haben, obwohl sie keine sichtbaren Schutzmaßnahmen haben. Vielleicht ist die nicht-geimpfte Bevölkerung bereits genesen.

      Ich war Freitag auch hier in einem Yorck-Kino, fand gut, dass sie 2G wirklich ordentlich kontrolliert haben (im Gegensatz zu Restaurants in Berlin beispielsweise). Ich setze mich grundsätzlich weit weg von allen anderen und behalte die ganze Zeit die FFP2-Maske auf. Echt? Die machen die Kinos wieder voll. 🙄 Wahrscheinlich nicht mehr lange, dann sind sie bundesweit wieder zu. Im Osten sind sie es ja schon. Eine gute Freundin hat jetzt auch gerade mit einem Impfdurchbruch zu kämpfen, hat sich sehr wahrscheinlich beim Sport angesteckt. Mich hat es nicht gewundert. Die haben zwar 2G, aber enger Raum, darin einige Leute, keine Lüftung, keine Maske und alle atmen angestrengt. Ich mache seit Beginn der Pandemie schon keine Kurse mehr und mein teures Fitnesscenter habe ich mittlerweile auch gekündigt.

      Ach da waren so einige Ungereimtheiten/falsche Fährten, der erste Mord beispielsweise, wie konnte Ellie das falsch deuten? Mutwillige Zuschauer-Täuschung, aber ich wollte mich ja nicht mehr ärgern. 😃

      Da fiel mir gleich „Taking Lives“ ein, da hat Ethan Hawke auch schon mal einen Serienmörder gespielt.

      Gefällt 1 Person

      • Na ich bin in puncto Schweden von den Zahlen und der Rate der gesamten Pandemie ausgegangen und da stehen sie meiner Meinung nach besser da, weil sie weniger Menschen auf mehr Raum haben. Natürlich können hier auch schon mögliche Genesene vorhanden sein, aber das weiß man ja in keinem Land so genau wie da der Stand ist.

        :)) Ich hatte da nicht so genau den Daumen drauf gehalten, weil sie das ja „visioniert“ hatte und immer im entscheidenen Moment aufgeschreckt ist. Eine Möglichkeit ist auch, dass Sandy sie auf die falsche Fährt gesetzt hat, den scheinbar gab es eine Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

        Ach ja stimmt. War der nicht auch mit Angelina Jolie? Seltsamer Film war das. Blödes Ende irgendwie.

        Gefällt 1 Person

  2. Was denn, der ist im Gespräch für das beste Originaldrehbuch? Also nichts gegen den Film, der hat schon seine Stärken, aber das Buch gehört eher nicht dazu 😉 Besonders den #metoo Aspekt haben sie ziemlich in den Sand gesetzt, wenn ich nur daran denke, wer ihr zweimal etwas in ihr Getränk getan hat.

    Zu Schweden: Bei einer Gesamtinfektionsrate von 11% sieht man, wie unrealistisch eine vollständige Durchseuchung ist. Selbst wenn man sich während der ganzen bisherigen knapp zwei Jahre nur einmal anstecken könnte.

    Gefällt 1 Person

    • Na eher „war“ im Gespräch. Den #metoo-Aspekt haben sie absolut in den Sand gesetzt, schließlich ist die Frau ja die Böse. 😂

      Gut, es gibt sicher eine hohe Dunkelziffer bei der Infektionsrate, viele haben wahrscheinlich kaum Symptome. Aber eine Durchseuchung macht vermutlich keinen Sinn, weil es immer wieder neue Varianten geben wird und man sich mehrmals anstecken kann.

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