NYC – Film: „Ford v Ferrari“

Ich war am 02.10.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Ford v Ferrari“  (dt. Filmtitel: „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“, dt. Kinostart: 14.11.19) 152 min  drama, biopic 

dir. James Mangold  cast: Matt Damon, Christian Bale, Jon Bernthal, Tracy Letts, Josh Lucas, Noah Jupe 

 

Zu Beginn der 1960er Jahre will der amerikanische Automobilhersteller Ford Motor Company seinen Ruf verbessern und sich einen eigenen Namen im Autorennsport machen. Nachdem Ferrari das Übernahmeangebot seines US-Konkurrenten abgelehnt hat, plant der Chef des Ford-Konzerns, Henry Ford II (Tracy Letts), mit Hilfe des ambitionierten Managers Lee lacocca (Jon Bernthal) und dem ehemaligen Rennfahrer und Sportwagen-Konstrukteur Carroll Shelby (Matt Damon) nun einen eigenen Rennwagen zu entwickeln. Um bei dem legendären Auto-Rennen in Le Mans anzutreten und die Italiener zu schlagen, brauchen sie aber auch einen exzellenten Fahrer. Der hitzköpfige Brite Ken Miles (Christian Bale) ist ein leidenschaftlicher Fahrer und scheint wagemutig genug, nur entspricht der nicht dem Image, dass sich die Chefetage von Ford vorstellt…

 

B- (Wertung von A bis F) „Ford v Ferrari“ basiert auf wahren Begebenheiten und wurde von A.J. Baimes Biografie „Go Like Hell: Ford, Ferrari, and Their Battle for Speed and Glory at Le Mans“ inspiriert. Es ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers James Mangold („Girl, Interrupted“, „Identity“, „Walk the Line“, Knight and Day, Logan). 

„Ford v. Ferrari“ ist ein Film über Leidenschaft und über eine Freundschaft, vor allen Dingen ist es aber eine typische amerikanische Heldengeschichte. Autos des amerikanischen Automobilherstellers Ford galten Ende der 1950er/Anfang 1960er als biedere Familienkutschen. Henry Ford II wollte das Image ändern und an Autorennen teilnehmen. Am liebsten hätte er den strauchelnden italienischen Autohersteller Ferrari aufgekauft und mit deren Autos Rennen gewonnen, aber nachdem die Übernahme scheiterte, musste Ford einen eigenen Rennwagen bauen, um eines Tages gegen die Italiener bei dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans anzutreten. Das ist der grobe Umriss der Geschichte, Konflikte entstehen dadurch, dass die von Matt Damon und Christian Bale porträtierten ungleichen Männer Carroll Shelby und Ken Miles zunächst eine Basis finden und sich später gegen die Schlipsträgern der Ford Company durchsetzten mussten. 

In Deutschland bekam „Ford v Ferrari“ den Filmtitel „Le Mans 66“, das ist insofern irritierend, da das eigentliche Autorennen erst spät im Film in Szene gesetzt wird. „Ford v Ferrari“ ist dann doch der passendere Titel, da die Motivation der Amerikaner genau daher rührt, ein so schnelles Rennauto wie das der Italiener zu bauen, um diese dann bei dem legendären Autorennen schlagen zu können. Es ist also mehr ein Drama über diesen Prozess mit samt den andauernden Auseinandersetzungen der Charaktere, die den Film interessant machen. Für herausragende und bleibende Szenen sorgt, wie üblich, Tracy Letts, hier als Henry Ford II. 

„Ford v Ferrari“ ist es ein handwerklich gut gemachter Film, etwas zu lang, aber durchaus unterhaltsam mit einigen witzigen Szenen, Ron Howards Rennsportfilm Rush hat mir jedoch besser gefallen. 

 Wenn ich an Matt Damon denke, weiß ich selbstverständlich, dass er früh (zusammen mit Ben Affleck) einen Drehbuch-Oscar für „Good Will Hunting“ gewann und als Schauspieler für The Martian nominiert wurde. Warum auch immer entfällt mir grundsätzlich, dass er noch zwei weitere Male als Schauspieler („Good Will Hunting“ und Invictus) für den Oscar nominiert wurde. Es liegt jetzt vier Wochen zurück, dass ich „Ford v Ferrari“  gesehen habe. Es ist einer dieser Filme, die ich sah, ganz gut fand, aber von denen ich mittlerweile nicht mehr viel in Erinnerung habe. Das vergnügliche Zusammenspiel von Bale und Damon ist mir jedoch noch recht präsent. Matt Damon ist sicher in mehr Szenen zu sehen, als Christian Bale, aber am Ende des Tages bleibt Bale derjenige, an den man zurückdenkt und der eine Oscar-Performance liefert. Es ist noch kein Jahr her, dass ich Christian Bale als Dick Cheney in der, für mich,  filmischen Katastrophe Vice Im Kino sah. Für diese Rolle hatte er enorm zugenommen und wurde zu Recht für den Oscar nominiert. Nun spielt er mit einer Selbstverständlichkeit, den fast magensüchtig wirkenden, exzentrischen britischen Rennfahrer Ken Miles. Als Zuschauer lässt einen Bale nie daran zweifeln, ob er die richtige Wahl für eine Rolle ist, er ist einfach. Für beide Schauspieler wird eine Oscar-Kampagne als Bester Hauptdarsteller geführt. In dieser Kategorie gibt es aber auch dieses Jahr viel zu viele Bewerber und daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass sowohl Damon als auch Bale für den Oscar nominiert werden. Auch nicht sicher ist eine Oscar-Nominierung für Tracy Letts, auch wenn er es verdient hätte. Schauspielerisch gefiel mir hier wieder der Kinderschauspieler Noah Jupe (Suburbicon, A Quiet Place), obwohl er als Sohn von Christian Bales Charakter – rein optisch – eine Fehlbesetzung ist.  

„Ford v Ferrari“ ist einer dieser Filme, bei denen ich tatsächlich noch nicht einschätzen kann, ob er Chancen auf eine Oscar-Nominierung als Bester Film hat. Vielleicht hängt es davon ab, ob er an der amerikanischen Kinokasse ordentlich Geld einspielt. Für mich ist es auch eher ein konventioneller Popcorn-Film, in einigen technischen Kategorien (Ton, Tonschnitt, Kamera, Szenenbild, Schnitt, etc.) sehe ich den Film aber bei den Oscars vertreten.

„Ford v Ferrari“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Matt Damon, Christian Bale), Bester Nebendarsteller (Tracy Letts, Jon Bernthal) und einige technische Kategorien 

„Ford v Ferrari“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2019 gezeigt. Der Film startet am 15.11.19 in den amerikanischen Kinos. In Deutschland soll der Film unter dem Filmtitel „Le Mans 66“ einen Tag vorher, am 14.11.19, starten. Ich habe den Film in einem SAG/AFTRA/AMPAS-Screening mit einer anschließenden Party (bei der auch Regisseur James Mangold und die Schauspieler Tracy Letts und Jon Bernthal anwesend waren) in New York gesehen. 

Trailer zu sehen:

 

Regisseur James Mangold kündigt seinen Film "Ford v Ferrari" bei dem SAG/AFTRA/AMPAS-Screening in New York an.
Regisseur James Mangold kündigt seinen Film „Ford v Ferrari“ bei dem SAG/AFTRA/AMPAS-Screening in New York an.

Boston – Film: „The Post“

Ich war am 08.01.18 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Post“ (dt. Filmtitel: „Die Verlegerin“, dt. Kinostart: 22.02.18) 115 min drama, biopic
dir. Steven Spielberg cast: Meryl Streep, Tom Hanks, Sarah Paulson, Bob Odenkirk, Tracy Letts, Bradley Whitford, Bruce Greenwood, Matthew Rhys, Alison Brie, Jesse Piemons, Michael Stuhlbarg

 

Nach dem Tod ihres Ehemannes, und ohne groß Erfahrung im Zeitungsgeschäft, musste Katherine Graham (Meryl Streep) die Washington Post übernehmen. Im Jahr 1971 ist sie jetzt bereits seit einigen Jahren die Verlagschefin der Zeitung. Ihr Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) versucht sie eines Tages davon überzeugen, brisante Unterlagen eines hochrangigen Mitglieds des amerikanischen Verteidigungsministeriums zu publizieren. Die sogenannten Pentagon Papers decken einen riesigen Vertuschungsskandal des Weißen Hauses auf. Die geheimen Dokumente belegen, dass vier U.S.-Präsidenten die amerikanische Öffentlichkeit hinsichtlich des Vietnamkrieges bewusst getäuscht haben. Das Konkurrenzblatt, die New York Times, begann bereits, Auszüge des Materials zu drucken, woraufhin der amtierende U.S.-Präsident Nixon eine Einstweiligen Verfügung gegen weitere Veröffentlichungen bewirkte. Sollte die Post jetzt die Pentagon Papers publizieren, könnte es das Ende der Zeitung bedeuten…

 

B- (Wertung von A bis F) „The Post“ basiert auf wahren Begebenheiten. Die Veröffentlichung der Pentagon Papers zählt neben der Watergate-Affäre zu den größten Politskandalen der Vereinigten Staaten. Dies ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Steven Spielberg („Jaws“, „Jurassic Park“, „Schindler´s List“, Lincoln). Nach „Saving Private Ryan“, „Catch Me If You Can“, „The Terminal“ und Bridge of Spies arbeitet der Regisseur bereits das fünfte Mal mit dem Schauspieler Tom Hanks zusammen.

„The Post“ ist ein passabler Film, noch mehr ist es für mich aber Steven Spielbergs etwas verzweifelter Versuch einen wirklich relevanten Film über den Journalismus und noch wichtiger die Pressefreiheit zu inszenieren. Ungefähr zwei Drittel des Films geht es eigentlich nur darum, ob die Washington Post die Pentagon Papiere druckt oder nicht. Ich empfand das sehr zäh und auch auf Dauer langweilig. Steven Spielberg liess es sich natürlich auch nicht nehmen, am Ende des Films den Watergate-Skandal anzudeuten. Ein Skandal, der nach der Affäre um die Pentagon Papers aufgedeckt wurde und weltweit sicherlich für mehr Aufsehen gesorgt hat. Die Watergate-Affäre wurde durch die Enthüllungsjournalisten der Washington Post (Bob Woodward und Carl Bernstein) ans Licht gebracht. Zurück zu Spielbergs Film über die Pentagon Papiere: Ich mag immer mindestens etwas an den Filmen des amerikanischen Filmemachers, hier mochte ich besonders die gesamte Sequenz in der Druckerei. Das Beste des Films ist jedoch Meryl Streep. Zu Recht wurde die dreifache Oscar-Preisträgerin für diese Performance für ihren 21. Academy Award nominiert, auch wenn man vielleicht darüber diskutieren könnte, ob das jetzt eine Haupt- oder Nebenrolle ist.

„The Post“ und Paul Thomas Andersons Phantom Thread waren zusammen mit Ridley Scotts Film All the Money in the World die letzten Filme, die – in der Oscar-Saison 2017/2018 gezeigt wurden. Auf dem Papier sah „The Post“ noch am Anfang der Oscar-Saison 2017/2018 so aus, als wäre es ein sicherer Favoriten-Film bei den 90th Academy Awards. Am 23.01.18 wurde der Film jedoch nur für zwei Oscars (Bester Film und Beste Hauptdarstellerin – Meryl Streep) nominiert.

Der großartige Michael Stuhlbarg hat dieses Jahr in drei oscarnominierten Filmen (The Shape of Water  und vor allen Dingen – unvergessen in der einen Szene in Call Me by Your Name) mitgespielt. In „The Post“ spielt er den Chefredakteur der New York Times.

„The Post“ ist am 22.12.17 in neun amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 12.01.18 läuft der Film landesweit in 2819 Kinos in den U.S.A. Unter dem Filmtitel „Die Verlegerin“ soll der Film am 22.02.18 in die deutschen Kinos kommen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

da ich sehr spät aus Molly´s Game kam, habe ich nur noch folgenden Trailer mitbekommen:

Trailer v. Film: „Red Sparrow„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Wow – zumindest vom Trailer her. Spionagethriller mit Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Matthias Schoenaerts
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: „Lady Bird“

Ich war am 12.11.17 in New York und am 24.11.17 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Lady Bird“ (dt. Kinostart: 19.04.18) 94 min drama, comedy
dir. Greta Gerwig cast: Saoirse Ronan, Laurie Metcalf, Tracy Letts, Lucas Hedges, Timothée Chalamet, Beanie Feldstein, Stephen McKinley Henderson

 

Im Jahr 2002. Die 17-jährige Lady Bird (Saoirse Ronan) besucht die katholische Schule in Sacramento. Noch ein Jahr, dann kann sie endlich die piefige Stadt verlassen und an der Ostküste, wo die Intellektuellen und Künstler leben, studieren. Ein teures College können sie sich aber nicht leisten, das macht ihr ihre Mutter (Laurie Metcalf) immer wieder klar. Aber erst mal das letzte Jahr Highschool hinter sich bringen…

 

A- (Wertung von A bis F) „Lady Bird“ ist der erste Film, den die amerikanischen Schauspielerin und Drehbuchautorin Greta Gerwig („Greenberg“, Frances Ha, Mistress America, Maggie´s Plan) allein als Regisseurin stemmt. Zugleich hat sie auch das Drehbuch zu dem Film geschrieben, „Lady Bird“ wurde von ihren eigenen Teenager-Jahre inspiriert.

Die meisten Coming-of-Age-Filme erzählen über einen Jungen, der erwachsen wird. „Lady Bird“ portraitiert nun den prägenden Lebensabschnitt eines Mädchens im Jahr 2002. Die amerikanische Filmemacherin sagt, dass ihr erster Film nicht autobiografisch ist. Wenn man aber eine gewisse Vorstellung hat, wie Greta Gerwig als Teenager war, dann sieht man in jeder Szene, in der Saoirse Ronan Lady Bird spielt, die heranwachsende Greta Gerwig. Ihr Kleidungsstil, den Schmuck, den sie trägt, wie sie sich ihre Nägel lackiert, ihre Haare strähnt, ihr Zimmer gestaltet, dieses Anderssein (wollen), wie sie spricht, in bestimmten Situationen reagiert, selbst die ersten Beziehungen zu Jungs (gespielt von Lucas Hedges und Timothee Chalamet) oder wie sich die zu ihrer besten Freundin (gespielt von Beanie Feldstein) entwickelt…das hat doch Greta Gerwig Anfang der 2000er Jahre alles selbst erlebt, oder? Die Teenager-Zeit ist eine schwierige. Man verändert sich, alles ändert sich, man hat Ziele, aber weiß noch nicht, wie diese konkret aussehen, aus seinem jetzigen Leben will man ausbrechen, man glaubt alle anderen wollen einen nur Steine in den Weg legen, man ist super-selbstbewusst und im nächsten oder gar im gleichen Moment unsicher. Dann die Beziehung zu den Eltern – man hat mindestens ein nerviges Elternteil, das einen einfach nicht versteht – das ist eine Zeit, in der Eltern und Kinder nicht zusammenpassen und sich trennen sollten und zwangsläufig auch werden. „Lady Bird“ erzählt eine Geschichte aus dem Leben, es ist ein fabelhafter Film über das Erwachsenwerden, aber auch einer über das Loslassen seitens der Eltern.

Ich habe selten eine so realistische Mutter-Tochter-Beziehung im Film gesehen wie hier. Von dem Verhältnis von Lady Bird und ihrer Mutter, bekommt man bereits mit der Eröffnungsszene einen guten Eindruck. Lady Bird hat große Pläne, will weit weg von Sacramento und ihre Mutter kommt ihr dann mit dem Realitätsquatsch.

Einer der wichtigsten Dinge für einen Film ist die Besetzung. „Lady Bird“ ist durch die Bank perfekt besetzt. Alleine die Theater- und TV-Schauspielerin Laurie Metcalf („Roseanne“, „The Big Bang Theory“) als Lady Birds Mutter zu besetzen, war ein gelungener Schachzug. Als ihr die Rolle angeboten wurde, hatte die Schauspielerin selbst eine anstrengende 17-jährige Tochter Zuhause, vielleicht hat diese Situation noch irgendwie geholfen, hier so authentisch zu sein. Die Szenen am Flughafen sind ihre Oscar-Bewerbung und vielleicht gesellt sich zu ihrem Tony Award und ihren drei Emmy Awards schon bald ein Oscar. Dann der wunderbare Tracy Letts ist hier ganz anders und wieder toll. Beanie Feldstein (alleine, was für ein cooler Name) spielt hier die beste Freundin von Lady Bird und ist ein Hingucker. Optisch wird einem auffallen, dass sie eine frappierende Ähnlichkeit mit Jonah Hill hat (sie ist seine jüngere Schwester), schauspielerisch ist sie für mich eine Neuentdeckung. Auch wenn Lucas Hedges für Manchester by the Sea eine Oscar-Nominierung erhalten hat, hätte ich nicht gedacht, dass er so schnell, mal in einer ganz anderen Rolle überzeugen kann. In diesem eindrucksvollen Ensemble kann ich nicht alle hervorheben, eine muss aber natürlich noch erwähnt werden: Saoirse Ronan, a.k.a. die junge Greta Gerwig. Zu Recht wird die 23-Jährige hier – aller Wahrscheinlichkeit nach – für ihren dritten Oscar nominiert.

Es gab für mich bislang noch keinen Grund, in Kaliforniens Hauptstadt zu reisen, durch diesen Film, kann ich mir jedoch gut vorstellen, wie es ist, in Sacramento zu leben, insbesondere als 17-Jährige. Letztlich geht es aber um Heimat, die man als Teenager erst richtig zu schätzen weiß und vermisst, wenn man nicht mehr dort lebt.

„Lady Bird“ wird derzeit in den U.S.A. sehr gehypt, es ist der am besten bewertete Film bei Rotten Tomatoes, überhaupt. Zwar haben andere Filme auch „100% RT“ erreicht, aber kein Film hat diese makellose Bewertung bei (derzeit) 186 Kritiken erzielen können. Das heißt natürlich nicht, dass der Film perfekt ist und er für alle ein 10-Punkte-Film ist, nein, man sollte keinen Über-Film erwarten, aber es ist ein richtig guter Film, insbesondere für ein Erstlingswerk.

In der Zwischenzeit habe ich ihn mir bereits ein zweites Mal angeschaut und jetzt ist er festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2017.

Vier Frauen wurden bisher erst für ihre Regiearbeit für den Oscar nominiert: Lina Wertmüller, Jane Campion, Sofia Coppola und Kathryn Bigelow. Kathryn Bigelow war bekanntlich die einzige Oscar-Gewinnerin deren Film (The Hurt Locker) gewonnen hat und die auch für ihre Regiearbeit mit dem Academy Award ausgezeichnet wurde. Greta Gerwig hat mit ihrem Regiedebüt gute Chancen, als Regisseurin für ihren Film nominiert zu werden. Respekt.

In meiner ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen und Oscar-Gewinnern 2018   habe ich „Lady Bird“ bei den Filmen an achter Stelle gelistet. Nach meiner zweiten Sichtung kann ich mir sogar vorstellen, dass er den Oscar als Bester Film gewinnen könnte. A24 hat dieses Jahr den Oscar für Moonlight gewonnen, für das Filmjahr 2017 haben sie – wie es aussieht – zwei ernstzunehmende Kandidaten (The Florida Project und „Lady Bird“). An ihrer Stelle würde ich alles auf „Lady Bird“ setzen.

„Lady Bird“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Saoirse Ronan), Beste Nebendarstellerin (Laurie Metcalf), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Update: Lady Bird hat 5 Oscar-Nominierungen erhalten (Best Picture, Best Director, Best Actress – Satires Ronan, Best Supporting Actress – Laurie Metcalf, Best Original Screenplay). Greta Gerwig ist damit nach Lina Wertmuller, Jane Campion, Sofia Coppola und Kathryn Bigelow erst die fünfte Frau die jemals von AMPAS in der Kategorie Beste Regie nominiert wurde.

„Lady Bird“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2017 gezeigt. Der A24-Film ist am 3.11.17 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft der Film landesweit in 1194 Kinos. Für Deutschland ist ein Kinostart am 19.04.18 geplant.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Shape of Water„
Bewertung des Trailers: A- (neuer/ Redband-Trailer)
Kommentar: Guillermo del Toros neuer (Oscar-)Film mit Sally Hawkins und Michael Shannon
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Man Who Invented Christmas„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: britischer Kostümfilm mit Dan Stevens und Christopher Plummer
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Wonder Wheel„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Woody Allens neuer Film mit Kate Winslet
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Fantastic Woman„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: chilenischer Film, der für die Oscars eingereicht wurde
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „I, Tonya„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Margot Robbie als Tonya Harding – unglaublich wie furchtbar sie aussehen kann. Und ja klar, allein vom Trailer schon mind. eine Oscar-Nominierung für Allison Janney
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Vor meiner zweiten Sichtung in Chicago bin ich etwas spät ins Kino gerauscht, mitbekommen habe ich noch die Trailer folgender Filme:

„Fifty Shades Freed“, „Phantom Thread“ und „The Disaster Artist“

 

Aufsteller von dem Film „Lady Bird“

NYC – Film: „The Lovers“

Ich war am 28.04.17 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„The Lovers“ 94 min comedy, drama 
dir. Azazel Jacobs cast: Tracy Letts, Debra Winger, Melora Walters, Aidan Gillen, Tyler Ross, Jessica Sula

 

 

Mary (Debra Winger) und Michael (Tracy Letts) sind seit vielen Jahren verheiratet, sie haben sich aber schon lange auseinandergelebt. Beide haben heimliche Affären mit anderen Partnern. Eigentlich sind das sogar richtige Beziehungen, die Mary mit dem jungen Schriftsteller Robert (Aiden Gillen) und Michael mit der Ballettlehrerin Lucy (Melora Walters) führen. Vielleicht ist es nun Zeit, einen Schlussstrich unter ihre Ehe zu setzen. Dann passiert aber das Unerwartete, die beiden Eheleute verlieben sich erneut ineinander und haben gar Sex miteinander. Das ist alles sehr befremdlich…

 
B+ (Wertung von A bis F) „The Lovers“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Azazel Jacobs (Terri).

„The Lovers“ ist eine unkonventionelle RomCom. Diese Ehekomödie braucht eine Weile bis sie richtig in Schwung kommt, dann überzeugt sie aber mit zwei herausragenden Hauptdarstellern, Situationskomik und einem unerwarteten Ende.

Tracy Letts Arbeit als Bühnen- und Drehbuchautor (Bug, August: Osage County) und als Schauspieler (The Big Short, Elvis & Nixon, Imperium) verfolge ich schon eine Weile, seit der brillanten Dialogszene, die er sich in der Philip Roth-Verfilmung Indignation mit Logan Lerman geliefert hat, zählt er für mich zu den besten Schauspielern unserer Zeit. In diesem Film ist er einfach nur hinreissend, ja liebenswert. Debra Winger und Tracy Letts geben ein glaubwürdiges, gleichaltriges Ehepaar ab, auch wenn Tracy Letts im wahren Leben tatsächlich zehn Jahre jünger ist als die Schauspielerin.

Die drei Mal für den Oscar nominierte Debra Winger war in den 1980er Jahren mit Filmen wie „An Officer an a Gentleman“ und „Terms of Endearment“ gut im Geschäft, später hat sie sich dann selbst von der Schauspielerei zurückgezogen. Seit einigen Jahren ist sie wieder hin und wieder zu sehen, mir hat sie zuletzt in dem Jonathan Demme-Film Rachel Getting Married richtig gut gefallen. Eine talentierte Schauspielerin wie sie, die konsequent Schönheitsoperationen ablehnt, würde ich gerne öfter sehen.

„The Lovers“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2017 gezeigt. Ich habe den Film am Film for All Friday (an dem alle Kinokarten kostenlos sind) auf diesem Filmfestival gesehen. Der A24-Film startete am 5.5.17 in vier amerikanischen Kinos. Seit heute läuft er in 23 Kinos landesweit. Für Deutschland ist bislang noch kein Kinostart bekannt.

Trailer zu sehen:

Tribeca Film Festival

Das Tribeca Film Festival wurde nach dem 11. September 2001 von u.a. Robert De Niro ins Leben gerufen. Der New Yorker Robert De Niro besitzt in TriBeCa (Triangle below Canal Street) ein Hotel und Restaurants, auch seine Produktionsfirma ist dort ansässig. Durch das Film Festival wollte er nach den Terroranschlägen seinen Beitrag leisten, Manhattan – insbesondere Lower Manhattan, wieder in ein positives Licht zu rücken und für Investitionen, insbesondere im Filmbereich, werben. Im Jahr 2017 feierte das TFF bereits seinen 16. Jahrestag.