TV-Serie: „After Life, 1. Staffel“

Ich habe mir folgende Netflix-Serie angeschaut:

 

„After Life, 1. Staffel“ (in D. seit dem 8.3.19 auf Netflix zu sehen)   6 x approx. 30 min  comedy, drama 

dir. Ricky Gervais  cast: Ricky Gervais, Tom Basden, Tony Way, Diane Morgan, Mandeep Dhilon, Ashley Jensen, David Bradley, Kerry Godliman, Penelope Wilton 

 

Seit dem Tod seiner geliebten Frau Lisa (Kerry Godliman) sieht Tony (Ricky Gervais) keinen Sinn mehr im Leben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich das Leben nimmt, aber erst mal muss er sich um seine Hündin Brandy kümmern. Dafür beschließt er, künftig einfach das zutun, wozu er Lust hat und auch nur noch das zu sagen, was ihm gerade einfällt und dabei keine Rücksicht mehr auf seine Mitmenschen zu nehmen. Was hat er schon zu verlieren? 

 

B+ (Wertung von A bis F) „After Life“ ist die neue Serie des englischen Stand-up-Comedian, Schauspielers („Night at the Museum“) Autors, Regisseurs („The Invention of Lying“) und Serienschöpfer („The Office“, „Extras“) Ricky Gervais. Ricky Gervais spielt in dieser Serie auch die Hauptrolle. 

Ich liebe Ricky Gervais. Mit seinem (trockenen, sehr schwarzen) Humor trifft er treffsicher genau mein Humorzentrum. Unvergessen natürlich seine provokanten Auftritte als viermaliger Golden-Globe-Gastgeber. Er ist gesegnet mit einer brillanten Beobachtungsgabe und dem Mut, Dinge (die andere denken) einfach auszusprechen. Das zeigt sich auch in seiner Serienfigur „Tony“. Dass diese Kurzserie nur sechs Episoden (von jeweils nicht mal 30 Minuten) beinhaltet, war mir zuvor nicht bewusst. Ich war – zugegebenermassen – etwas enttäuscht, dass sie so schnell zu Ende war. 

„After Life“ thematisiert Depressionen, aber auf eine sehr unterhaltsame und witzige Art. Der Protagonist Tony ist ein Mann, dessen langjährige große Liebe gestorben ist. Seither sieht er keinen Sinn mehr im Leben, betäubt seinen Schmerz mit Alkohol. Er würde sich wahrscheinlich selbst das Leben nehmen, wenn er sich nicht um seine Hündin und seinen, an Demenz erkrankten Vater kümmern müsste. Schließlich fasst er den Entschluss, künftig nur noch das zu tun, wozu er Lust hat, Höflichkeitsgeplänkel über Bord zu werfen und anderen Menschen immer geradeheraus seine Meinung zu sagen. Als trauernder Witwer wird ihm seine direkte Art sowieso keiner richtig übel nehmen. Das Ganze führt zu alltäglichen Situationen, die einfach unglaublich komisch sind. Begünstigt durch den Fakt, dass Tony als Redakteur einer kostenfreien Tageszeitung arbeitet und ständig mit Menschen konfrontiert wird, die unbedingt in der Zeitung stehen wollen. Es sind aber auch die kleinen Alltagssituationen, bei denen Tony auf seinen Postboten, seinen Therapeuten, seine nervige Bürokollegin usw. trifft, die mich herzhaft lachen ließen. 

Auch wenn ich es nicht bei jedem einzelnen Film oder jeder TV-Serie extra erwähne, bin ich generell der Meinung, dass man Film- und Fernsehprojekte ausschließlich in der Originalsprache (egal welche Sprache) konsumieren sollte. Bei „After Life“ sollte man nicht mal auf die Idee kommen, sich eine synchronisierte Fassung anzuschauen. Tipp: englische Untertitel. Zweiter Tipp: die gesamte Kurzserie zwei Mal schauen, bzw. wenn man gerade schlechte Laune hat, einfach eine Episode gucken.   

Zu einzelnen Episoden:

Episode 2: Ich liebe das Ende dieser Folge (unterstützt von Elton Johns „Rocket Man“)

Episode 4: Das Ende dieser Folge fand ich ungewöhnlich und sehr mutig.

 

Die Charaktere im Einzelnen:

Tony lebt in einer Kleinstadt und arbeitet für das lokale Anzeigenblatt The Tambury Gazette. Herausgeber der Zeitung ist sein Schwager Matt (gespielt von Tom Basden) Kürzlich ist Tonys geliebte Frau Lisa (in Rückblenden gespielt von Kerry Godliman) gestorben. Fünfundzwanzig Jahre waren sie verheiratet. Seit Lisa nicht mehr da, sieht er keinen Sinn mehr im Leben. Er ist depressiv, wenn er seine geliebte Hündin Brandy nicht füttern müsste, hätte er sich wahrscheinlich längst das Leben genommen. Er hat aber auch noch einen Vater (gespielt von David Bradley), der an Alzheimer erkrankt ist und in einem Pflegeheim lebt. Tony sieht nicht mehr länger einen Vorteil daran, anderen Menschen gegenüber rücksichtsvoll und höflich zu sein und hat beschlossen, jetzt immer genau das zu sagen, was er denkt. Gespielt wird Tony von dem britischen Allround-Talent Ricky Gervais. Als Autor, Regisseur, Hauptdarsteller, Serienschöpfer, für sein Stand-Up-Special und sein Golden-Globe-Programm wurde er insgesamt dreiundzwanzig Mal für den Emmy nominiert. Davon hat er drei Emmy-Trophäen (eine als Hauptdarsteller für seine TV-Serie „The Office“, eine als Hauptdarsteller für seine TV-Serie „Extras“ und eine für seine Comedy-Serie „The Office“) erhalten. 

Matt ist Herausgeber der lokalen Zeitung The Tambury Gazette. Einer kostenloses Zeitung, die sich durch Anzeigen finanziert. Matt ist der Schwager von Tony (gespielt von Ricky Gervais) und Bruder der verstorbenen Lisa. Gespielt wird Matt wird von dem englischen Comedian und Schauspieler Tom Basden. 

Anne hat ihren langjährigen Ehemann Stan verloren. Sie lernt Tony (gespielt von Ricky Gervais) auf dem Friedhof kennen. Gespielt wird Anne von der englischen Schauspielerin Penelope Wilton. Sie hat in vielen Spielfilmen (u.a. „Calendar Girls“, „Shaun of the Dead“, „Matchpoint“) mit und hatte auch eine größere Rolle in der britischen Erfolgsserie „Downton Abbey“. 

Ray ist der Vater von Tony (gespielt von Ricky Gervais). Ray ist an Demenz erkrankt und lebt in einem Pflegeheim. Ray wird von dem englischen Schauspieler David Bradley gespielt. Bekannt ist er sicherlich durch die „Harry Potter“-Filme und vielleicht durch die TV-Serie „Game of Thrones“, ich kannte ihn aus der TV-Serie Broadchurch und den Filmen „Hot Fuzz“ und Harry Brown.

„After Life“ steht seit dem 8.3.19 auf Netflix (weltweit) zur Verfügung. Mittlerweile wurde bekanntgegeben, dass es eine zweite Staffel der Serie geben wird. 

Trailer zu sehen: