Berlin (ale) – Film: „Call Me by Your Name“

Ich war am 15.02.17 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Call Me by Your Name“(dt. Kinostart: 01.03.18) 130 min drama, adaptation
dir. Luca Guadagnino cast: Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg, Amira Casar

 

Sommer 1983 in Norditalien. Der 24-jährige amerikanische Student Oliver (Armie Hammer) verweilt in den Sommerferien auf dem großzügigen Landsitz seines Professors (Michael Stuhlbarg). Die beiden arbeiten, Oliver verbringt aber auch viel Zeit mit dem 17-jährigen Sohn des Professors, Elio (Timothée Chalamet). Die Anziehung der beiden jungen Männer wird im Laufe des Sommers immer intensiver…

 

 

A- (Wertung von A bis F) „Call Me by Your Name“ basiert auf André Acimans gleichnamigen Roman. Es ist der neue Film des italienischen Drehbuchautors und Regisseurs Luca Guadagnino („I Am Love“, A Bigger Splash). Der Film gilt als sehr persönlicher Film des Filmemachers.

Die Beziehung der beiden jungen Männer entwickelt sich langsam und ganz natürlich. Der 17-jährige Elio ist fasziniert von dem gutaussehenden Amerikaner, sein Interesse wächst, am Anfang Spielereien, Flirts, Blicke, Andeutungen, erste Berührungen, Rückzieher, Erwartungen, Enttäuschungen, Sehnsüchte – Luca Guadogino hat es so inszeniert, dass sich der Zuschauer daran erinnert, wieder ganz jung und fürchterlich verliebt zu sein. „Call Me by Your Name“ ist wie ein langer, schöner und unvergesslicher Sommer.

Die Chemie der beiden Hauptdarsteller (Armie Hammer und Timothée Chalamet) stimmt. Ihre Charaktere sind hetero- bzw. bisexuell, das ist aber alles nebensächlich, weil es um die erste große Liebe geht und mit wem man die geniesst, sollte egal sein.

Der Film lief bereits auf dem Sundance Film Festival. Wenn der Film dann später im Jahr in den amerikanischen Kinos startet, kann es sein, dass er in Teilen der Vereinigten Staaten kontrovers diskutiert wird. „Call Me by Your Name“ ist ein sehr europäischer Film und die Gesetzgebung ist bei uns gelockerter. In den meisten Bundesstaaten macht sich ein Älterer generell strafbar, wenn er mit einem 17-jährigen Jungen oder Mädchen (also unter 18 Jahre und damit minderjährig) Sex hat.

Michael Stuhlbarg habe ich das erste Mal in dem Coen Bros.-Film A Serious Man gesehen, seither spielt er vorwiegend Nebenrollen, aber ist immer exzellent. Hier spielt er einen Charakter, der mit seinen Gefühlen lange im Verborgenen bleibt und dann hält er gegen Ende des Films einen hochemotionalen Monolog, womit er wohl viele Zuschauer zum Weinen bringen dürfte. Für mich ist das eine ganz klare Oscar-Szene.

Armie Hammer (The Social Network, Nocturnal Animals, Final Portrait) ist unfassbar gutaussehend und passt in die Zeit der 1980er Jahre, genauso wie Jude Law einfach unverschämt attraktiv in „The Talented Mr. Ripley“ war und perfekt Ende der 1950er Jahre aufgehoben war.

Heute, Anfang März 2017, ist „Call Me by Your Name“ der erste Film des noch jungen Jahres bei dem ich mir vorstellen kann, dass er am Ende des Jahres in einigen Bestenlisten auftauchen und auch bei den Oscars 2018 eine Rolle spielen könnte. Update: Call Me By Your Name hat 4 Oscar-Nominierungen erhalten (Best Picture, Best Actor – Timothee Chalamet, Best Adapted Screenplay, Best Original Song – The Mystery of Love) Update: „Call Me by Your Name“ hat einen Oscar (Bestes adaptiertes Drehbuch) gewonnen.

„Call Me by Your Name“ wurde erstmalig auf dem Sundance Filmfestival 2017 gezeigt. Ich habe ihn auf der Berlinale gesehen. Auf dem 67. Berlin International Film Fest wurde der Film in der Sektion Panorma Special gezeigt. Gezeigt wurde die OmU (wobei nur die französische und italienische Sprache untertitelt war). Dank der Beharrlichkeit des Kino- (oder Berlinale-) personals (Heben sie die Hand, wenn sie neben sich noch einen Platz frei haben, die freien Plätze wurden gezählt, die Zahl nach draußen gegeben und entsprechend kamen auch die letzten glücklichen Zuschauer rein), war die Vorstellung bis auf den letzten Platz ausverkauft. So professionell kenne ich es tatsächlich nur vom Tribeca Film Festival. Bravo Cubix. Noch vor der Premiere in Sundance hat Sony die weltweiten Vertriebsrechte gekauft, Sony Pictures Classics bringt den Film in den U.S.A. ins Kino, sehr wahrscheinlich in der Oscar-Saison. Derzeit ist noch kein deutscher Kinostart bekannt. Update: Der Film startet am 24.11.17 in den amerikanischen Kinos. Ein deutscher Kinostart ist für den 01.03.18 geplant.

Trailer zu sehen:

 

Berlin (ale) – Film: „Final Portrait“

Ich war am 12.02.17 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Final Portrait“ (dt. Kinostart: 03.08.17) 90 min drama, biopic, adaptation
dir. Stanley Tucci cast: Geoffrey Rush, Armie Hammer, Clémence Poésy, Tony Shalhoub, Sylvie Testud

 
Paris im Jahr 1964. James Lord (Armie Hammer) ist ein amerikanischer Schriftsteller und Kunstliebhaber. Er hat den berühmten Schweizer Bildhauer und Maler Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) und seinen Bruder Diego (Tony Shalhoub) kennengelernt und sich mit den beiden angefreundet. Alberto bittet James, für ihn Modell zu sitzen, er will ein Porträt von dem attraktiven Amerikaner zeichnen. Eigentlich soll das Ganze nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, es zieht sich dann aber doch etwas. Dabei bekommt James Lord Einblicke in die eigenwillige Arbeitsweise und das turbulente Privatleben des launenhaften Künstlers…

 
B- (Wertung von A bis F) „Final Portrait“ basiert auf James Lords Biografie „A Giacometti Portrait“. Es ist ein Biopic über den Schweizer Maler und Bildhauer Alberto Giacometti. „Final Portrait“ ist nach „Big Night“, „The Impostors“, „Joe Gould´s Secret“ und „Blind Date“ bereits die fünfte Regiearbeit des amerikanischen Schauspielers, Drehbuchautors, Filmemachers und Produzenten Stanley Tucci.

 
Der Film erzählt ein Kapitel aus dem Leben des berühmten Bildhauers und Malers Alberto Giacometti und des Schriftstellers und Biografen James Lord. Die Geschichte spielt hauptsächlich in dem Atelier des Künstlers Giacometti. Mit vielen Nahaufnahmen hat der Film die Intimität eines Theaterspiels.

Ich beginne langsam, Armie Hammer (The Social Network, „J. Edgar“, The Birth of a Nation) ernst zu nehmen. Ich habe bislang noch keine klare Vorstellung, wohin seine berufliche Reise gehen könnte, aber er sieht fantastisch aus und hat die Leinwandpräsenz eines Filmstars. In Nocturnal Animals hat er noch den dekorativen Ehemann von Amy Adams gespielt, noch einen Tick glaubhafter finde ich ihn jedoch – wie hier – als kultivierten, schwulen Mann.

Ungewöhnlicherweise hat mir auch Tony Shalhoub (bekannt aus der TV-Serie „Monk“) gefallen, den ich hier kaum erkannt habe. Die französische Schauspielerin Clémence Poésy spielt hier die Prostituierte Caroline, mal eine ganz andere Rolle. Im letzten Jahr hatte ich sie erstmalig in dem britischen Thriller und Berlinale-Beitrag The Ones Below gesehen.

 
„Final Portrait“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2017 gezeigt. Auf dem 67. Berlin International Film Festival lief der Film außer Konkurrenz im Wettbewerb. Gezeigt wurde die französisch/englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Der Film hat bislang noch keinen amerikanischen Verleih. In Deutschland kommt der Film am 03.08.17 in die Kinos.

Teaser zu sehen:

 

 

Chicago – Film: „Nocturnal Animals“

Ich war am 22.11.16 und am 24.11.16 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Nocturnal Animals“ (dt. Kinostart: 22.12.16) 116 min thriller, adaptation
dir. Tom Ford cast: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Armie Hammer, Laura Linney, Andrea Riseborough, Michael Sheen

 
Susan Morrow (Amy Adams) ist eine sehr erfolgreiche Galeristin in Los Angeles. Vor 19 Jahren hat sie sich von ihrem ersten Ehemann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal) scheiden lassen. Es war die große Jugendliebe, aber dennoch hatte sie sich seinerzeit entschlossen, dass der attraktive Hutton (Armie Hammer) besser zu ihr passt. Bis heute sind sie verheiratet, leben aber aneinander vorbei. Glücklich ist Susan nicht. Jetzt erhält sie eines Morgens ein Manuskript per Post. Ihr Ex-Mann ist Schriftsteller, sein neues Buch hat er ihr gewidmet und sie soll auch die erste sein, die den Roman liest. Susan beginnt zu lesen, es ist ein spannender, aber auch sehr verstörender Roman…

 

 

A (Wertung von A bis F) „Nocturnal Animals“ basiert auf Austin Wrights Roman „Tony and Susan“. Es ist nach dem brillanten A Single Man erst der zweite Film des amerikanischen Modedesigners und Filmemachers Tom Ford. Tom Ford hat auch Drehbuch zu dem Film geschrieben.

Jedes Jahr hoffe ich auf einen Film, der mich irgendwie umhaut. Dieses Jahr habe ich bereits viele gute und einige sehr gute Filme im Kino sehen dürfen. Mein 83. Film war dann für mich der Volltreffer. „Nocturnal Animals“ ist ein Film ganz nach meinem Geschmack.

Nach Tom Fords erstklassigem Regiedebüt habe ich mich auf seinen Folgefilm wie verrückt gefreut. Vom Style her hatte ich eine gewisse Vorstellung, wie dieser zweite Film beginnt. Im Leben wäre ich nicht auf diese ersten Szenen, diese ersten irritierenden vielleicht zwei Minuten, gekommen.

„Nocturnal Animals“ ist ein stylischer, nuancierter Rachethriller, genauer gesagt sind es zwei Geschichten, bei denen die Grenzen der Handlungsstränge verschwimmen. Stilistisch könnten beide Stories nicht unterschiedlicher inszeniert sein. Auf der einen Seite die elegante, stilvolle und sicher kalte Inszenierung von Amy Adams Gegenwart (und Vergangenheit mit Jake Gyllenhaal) und auf der anderen Seite die schmuddlige, sehr aufwühlende Inszenierung der Texas-Story. Das Ende des Films ist perfekt, offen und doch so klar.

Jeder Szene im Film sieht man an, dass sie von einem (Mode-) Designer komponiert wurde. Vom Stil der Inneneinrichtung von Amy Adams Haus, die Kostüme (übrigens nicht von Tom Fords eigenem Mode-Label) bis zu den Akzenten, die der Modeschöpfer mit der Farbe Rot (ein Telefon, ein Sofa, einen Vorhang, etc.) und der Farbe Grün (Cowboystiefel, Fliesen, ein Auto, ein Kleid, etc.) setzt.

 
Tom Ford muss auch ein Faible für rothaarige Frauen haben, während es in seinem Erstling „A Single Man“ noch Julianne Moore war, sind es hier Amy Adams, Isla Fisher, Ellie Bamber, Laura Linney)

Wenn Michael Shannon auf der Leinwand auftaucht, bin ich ernsthaft außerstande mich auf irgendwas anderes zu konzentrieren. Während ich ihn so anschaute, habe ich mich gefragt, ob ich eigentlich noch irgendeinen anderen Lieblingsschauspieler neben ihn habe – mir ist keiner eingefallen. Das ist natürlich Blödsinn, aber Michael Shannon hat die Gabe, die gesamte Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen. So sehr, dass mir Jake Gyllenhaal beinahe leid tat, nehmen so einem Ausnahmetalent bestehen zu müssen. Wenn man die beiden in einer Szene zusammen sieht, kommt bei Jake Gyllenhaal der Schauspieler durch, während Shannon einfach nur die Figur „ist“. Das ist Schauspielkunst. AMPAS – bitte, geht in die Screenings, guckt diesen Film, nominiert Shannon und gibt ihm den Oscar. Es ist Zeit.

Schauspielerisch hat mir auch Aaron Taylor-Johnson (Nowhere Boy, Savages, seinerzeit noch Aaron Johnson) sehr gut gefallen.

Da ich unplanmäßig sieben Tage in Chicago in gestrandet bin, irgendwann alle neuen Filme, die ich sehen wollte, gesehen habe, hatte ich Zeit, mir Tom Fords Werk ein zweites Mal anschauen zu können.

Tom Ford soll bloss nicht auf die Idee kommen, mich erneut 7 !!! Jahre auf seinen nächsten Film warten zu lassen.

Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass „Nocturnal Animals“ selbstverständlich festgesetzt in meiner TOP TEN für Filme aus dem Jahr 2016 ist. Im Übrigen, der andere Film mit Amy Adams (Arrival) ist nach der zweiten Sichtung auch bereits festgesetzter TOP TEN-Film.

„Nocturnal Animals“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Jake Gyllenhaal), Beste Hauptdarstellerin (Amy Adams), Bester Nebendarsteller (Michael Shannon), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Update: „Nocturnal Animals“ hat eine Oscar-Nominierung erhalten, erfreulicherweise für Michael Shannon als bester Nebendarsteller.

 
„Nocturnal Animals“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2016 gezeigt. Dort hat der Film den Grand Jury Prize gewonnen. „Nocturnal Animals“ ist am 18.11.16 in 37 ausgewählten Kinos in den U.S.A. gestartet. Der Film kommt am 22.12.16 in die deutschen Kinos.

 

 

Trailer zu sehen:

 

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Collateral Beauty„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Drama mit Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Naomie Harris und Kate Winslet – der Film sieht aus wie ein Oscar-Film, warum ist er nicht mehr im Gespräch?
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Cure for Wellness„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Wow – Gore Verbinskis neuer Film, Thriller mit Dane DeHaan
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Allied„
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Robert Zemeckis neuer Film mit Marion Cotillard und Brad Pitt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

Trailer v. Film: „50 Shades Darker„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Fortsetzung zu „50 Shades of Grey“ – war das nötig? Jamie Dornan ist so unsexy.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 
Trailer v. Film: „Passengers„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Morten Tyldums neuer Film, Sci-Fi-Romanze mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Monster Calls„
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: Romanverfilmung mit Sigourney Weaver und Felicity Jones. Liam Neeson verleiht dem Monster seine wunderbare Stimme
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

 
Trailer v. Film: „La La Land“
Bewertung des Trailers: A (neuer Trailer)
Kommentar: Perfekter Trailer von Damien Chazelles neuem Film mit Emma Stone, Ryan Gosling und J. K. Simmons. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Zookeeper´s Wife„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Romanverfilmung mit Jessica Chastain und Daniel Brühl
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

amerikanisches Filmplakat von "Nocturnal Animals"
amerikanisches Filmplakat von „Nocturnal Animals“

L.A. – Film: „The Birth of a Nation“

Ich war am 13.10.16 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„The Birth of a Nation“ (dt. Filmtitel: „The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit, dt. Kinostart: 13.04.17) 118 min drama, biopic
dir. Nate Parker cast: Nate Parker, Armie Hammer, Mark Boone Junior, Jackie Earle Haley, Penelope Ann Miller, Aja Naomi King, Gabrielle Union, Dwight Henry, Tony Espinosa

 
Southhampton County, Virginia. Der Afroamerikaner Nat Turner (Tony Espinosa) ist Anfang des 19. Jahrhunderts auf der Turner-Plantage aufgewachsen. Im Gegensatz zu den anderen Sklavenkindern durfte er im Haus der Turner-Familie leben und lesen hat er auch gelernt. Dabei durfte er aber einzig die Bibel lesen. Als erwachsener Mann (Nate Parker) fährt er mit seinem Sklavenhalter Sam Turner (Armie Hammer) als Wanderprediger durchs County und predigt vor seinen Leidensgenossen. Die anderen Sklavenhalter bezahlen für seine Predigt, weil sie sich dadurch versprechen, dass es keine Aufruhr unter den Sklaven geben wird. Auf seinen Fahrten wird Nat Turner immer mehr die Unmenschlichkeit der Sklaverei bewusst, nach der brutalen Vergewaltigung seiner Frau Cherry (Aja Naomi King) und einer anderen Sklavin (Gabrielle Union) führt er schließlich einen gewaltsamen Aufstand gegen die Sklavenhalter an.

 

 

C- (Wertung von A bis F) „The Birth of a Nation“ basiert auf einer wahren Geschichte. Es ist das Regiedebüt des amerikanischen Schauspielers Nate Parke (Arbitrage). Mit dem gleichnamigen amerikanischen Stummfilm aus dem Jahr 1915 hat dieser Film nichts zutun.

 
Jedes Sklavendrama, das bei den Oscars mitspielen will, wird sich mit dem Meisterwerk 12 Years a Slave vergleichen lassen müssen. Natürlich kann „The Birth of a Nation“ dabei nicht gewinnen. Ich habe mich aber auch gefragt, was mir der Filmemacher und Co-Autor Nate Parker hier für eine Geschichte erzählen will. Nat Turner war ein Sklave, der lesen lernte, die Bibel studierte, als Prediger durchs Land tingelte und vor anderen Sklaven sprach, um die ruhig zu stellen. Bei seinen Fahrten wurde Nat Turner die Unmenschlichkeit der Sklaverei immer mehr bewusst und so führt er nach der Massenvergewaltigung seiner Frau und der Vergewaltigung einer anderen Sklavin, einen Sklavenaufstand an. Dabei haben er und seine Komplizen ihre Sklavenhalter brutal abgeschlachtet. Begründet hat er seine Tat mit Bibelzitaten. Vielleicht sehe ich das etwas eng, aber Nat Turner ist für mich kein Held. Das ist für mich eine eindeutige Rachegeschichte. Nate Parker verkauft es aber irgendwie als Heldengeschichte. In einer Szene hat der Regisseur (und zugleich Hauptdarsteller) sich – also Nat Turner – sogar Jesusähnlich inszeniert…von dem Engel gegen Ende des Films brauche ich erst gar nicht anzufangen.

 

 

Man braucht nicht darüber diskutieren wie menschenverachtend und schlimm das System der Sklaverei war, ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass viele Plantagenbesitzer und Sklavenhalter grundböse und ihre Sklaven unbeschreiblich brutal behandelt haben – aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder einzelne so war. Hier werden aber alle weißen Männer so dargestellt, Schauspieler Jackie Earle Haley treibt das Ganze auf die Spitze, sein Charakter wirkt wie die Karikatur eines Sklavenhalters.

Nate Parker hat acht Jahre an seinem Projekt gearbeitet, dabei herausgekommen ist ein typischer Hollywood-Film über Nat Turners Leben, ohne dass „The Birth of a Nation“ von einem Hollywoodstudio finanziert wurde. Da kein Filmstudio diese Geschichte finanzieren wollte, hat Nate Parker die 8,5 Millionen Dollar Produktionskosten von verschiedenen Investoren (u.a. Sportler und Zahnärzte) aufgetrieben.

Nate Parker spielt hier die Hauptrolle und führt zum anderen auch erstmalig Regie. Als Schauspieler fand ich ihn bislang nicht schlecht, hier hat er meine Geduld aber etwas überstrapaziert. Als Regisseur ist er nicht talentfrei, allerdings nervt es mich, wenn Regisseure mit ihren Regietricks (durch Musik- und Lichteinflüsse, aber auch mit eindeutigen Kameraeinstellungen), den Zuschauer versuchen, zu manipulieren. Steven Spielberg ist ein Meister darin – vielleicht hat Nate Parker einfach zu viele Spielberg-Filme gesehen.

 
Biopics sollten sich grundsätzlich an die wichtigsten Fakten halten und diese auch darstellen. Bei dem, von Nat Turner angeführten Sklavenaufstand wurden 60 Weiße mit Äxten und Beilen niedergemetzelt – darunter waren auch Frauen, Kinder und sogar ein Baby und nicht nur das, durch diesen fehlgeschlagenen Aufstand hat er das Leben von so vielen, an dem Aufstand unschuldigen Sklaven natürlich noch verschlimmert, aus Vergeltung wurden dann rund 100 Sklaven getötet. Das hätte in einem Nat-Turner-Biopic nicht fehlen dürfen. Nate Parker hat dafür die Massenvergewaltigung von Nat Turners Frau und die Vergewaltigung einer anderen Sklavin erfunden, sie dienen seinem „Helden“ Nat Turner als Auslöser für seinen Aufstand. Gerade die ausgedachte Vergewaltigung ist hinsichtlich der Vergangenheit von Co-Produzent, Co-Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Nate Parker, höflich gesagt, sehr schwierig.

Nate Parker hat seinen Film erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2016 gezeigt und dort wurde er frenetisch gefeiert. Es gab stehende Ovationen bevor und nachdem der Film gezeigt wurde. Um die Stimmung in Sundance nachvollziehen zu können, muss man die Umstände sehen. Wenige Tage zuvor wurden die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben und das zweite Jahr in Folge war keine Diversität bei den Nominierungen zu sehen. AMPAS sah sich einem Shitstorm sondergleichen ausgesetzt. (Besser bekannt als #Oscars-So-White). In dieser Aufregung kam ein Film eines Afroamerikaners über die Sklaverei und einen schwarzen Sklaven, der einen Sklavenaufstand anführte, natürlich gerade recht.

In der ganzen Euphorie hat Netflix rekordbrechende 20 Millionen Dollar für den Film geboten,  Nate Parker hat den Film aber dann für 17,5 Millionen Dollar an Fox Searchlight verkauft. Für ihn war damit gesichert, dass „The Birth of a Nation“ eine Oscar-Kampagne erhält. Zwei Jahre zuvor, im Jahr 2014, hat Fox Searchlight erst Steve McQueens „12 Years a Slave“ zu einem Oscar-Gewinn als Bester Film verholfen.

Mittlerweile ist „The Birth of a Nation“ in den amerikanischen Kinos gestartet (und gefloppt). In den U.S.A. wurde öffentlich zum Boykott des Films aufgerufen. Viel zu umstritten ist Nate Parker mittlerweile. In meiner ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2017  hatte ich bereits darüber berichtet, dass er und sein afroamerikanischer Co-Autor von „The Birth of a Nation“ im Jahr 1999 eine weiße Kommilitonin vergewaltigt haben sollen. Es gab Hinweise, dass die Studentin in der vermeintlichen Tatnacht bewusstlos oder zumindest völlig betrunken gewesen sein muss. Letztlich hat sie Nate Parker und Jean Celestine angezeigt, der Fall landete vor Gericht und während Jean Celestine zu sechs Monaten Haft verurteilt wurde, wurde Nate Parker freigesprochen. Celestine ging in Berufung, der Fall wurde letztlich eingestellt – auch weil das Opfer nicht ein weiteres Mal vor Gericht aussagen konnte oder wollte. Diese Vergewaltigungsgeschichte ist nicht unbekannt, seit Jahren gab es einen Eintrag auf Nate Parkers Wikipedia-Seite. Seit Januar gilt „The Birth of a Nation“ nun aber als potenzieller Oscar-Kandidat. Oscar-Kampagnen können ähnlich schmutzig sein wie US-amerikanische Präsidentschaftskampagnen (wobei Donald Trump dieses Jahr die Messlatte unerreichbar hoch gelegt hat). Jedenfalls um den möglichen Konkurrenten während der Oscar-Saison den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat sich Fox Searchlight nun im August bereiterklärt, mit der Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Schuss ging nur leider nach hinten los, Nate Parker stellte sich in einem Interview als Opfer dar und dann kam kurz darauf noch heraus, dass sich das vermeintliche Vergewaltigungsopfer in der Zwischenzeit das Leben genommen hat. Unabhängig wie gut oder schlecht der Film „The Birth of a Nation“ ist, ab dem Moment spätestens waren die Chancen auf einen Oscar-Gewinn  von Nate Parker und seinem Film gelaufen. Kurz bevor sein Film in die amerikanischen Kinos gekommen ist, habe ich Nate Parker live im Frühstücksfernsehen gesehen und fand ihn sehr unsympathisch und arrogant. Wäre ich seine PR-Beraterin, ich hätte ihm nach dem Interview im August davon abgeraten, je wieder ein Interview zu geben. Fakt ist, die Academy-Mitglieder stimmen grundsätzlich nicht für einen Film eines hauptsächlich durch einen Vergewaltigungsskandals bekannten Schauspieler, der sich auch noch so unsympathisch präsentiert. Erschwerend hinzu kommt, dass der Film – auch objektiv betrachtet – nicht besser als Durchschnitt ist.

 

 

„The Birth of a Nation“ war (ist) für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Nate Parker), Bester Nebendarsteller (Armie Hammer), Beste Nebendarstellerin (Aja Naomi King), Bestes Originaldrehbuch Update: „The Birth of a Nation“ wurde bei den Oscar-Nominierungen nicht berücksichtigt.

 

 

„The Birth of a Nation“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2016 gezeigt. Mitten in der Oscars-So-White-Debatte hat der Film dort sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis gewonnen. Am 7.10.16 ist der Film in die amerikanischen Kinos gekommen. „The Birth of a Nation“ kommt am 13.04.17 in die deutschen Kinos.

 
Trailer zu sehen:

 

 

 

 

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Inferno„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Mal wieder eine Dan-Brown-Verfilmung mit Tom Hanks
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Fences„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Denzel Washingtons Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks mit Denzel selbst in der Hauptrolle und Viola Davis. Ganz aktuell hat sich Viola Davis dazu entschlossen, als Beste Nebendarstellerin zu kandidieren. Für diese Theaterrolle hat sie den Tony als Beste Hauptdarstellerin gewonnen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Moonlight„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Barry Jenkins wunderbarer Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem NYFF54 gesehen

 
Trailer v. Film: „Get Out„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Thriller mit Catherine Keener
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Live by Night„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Ben Afflecks neuer Film als Regisseur und Hauptdarsteller. Eine Dennis-Lehane-Verfilmung mit Elle Fanning, Brendan Gleeson, Chris Cooper und Sienna Miller
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Rogue One: A Star Wars Story„
Bewertung des Trailers: C+ (neuer Trailer)
Kommentar: Ein Film aus dem Star-Wars-Universum mit Felicity Jones, Ben Mendelsohn, Forest Whitaker und Mads Mikkelsen. Den Sinn verstehe ich nicht, außer dass man bei Lucasfilm und Disney alle Möglichkeiten ausschöpft, richtig viel Geld mit dem Namen „Star Wars“ zu machen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Jackie„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Biopic über Jacqueline Kennedy mit Natalie Portman in der Hauptrolle. Ganz klar sehe ich hier eine Oscar-Nominierung, obwohl ich kein Freund der Portman bin.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Hidden Figures„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Biopic über afroamerikanische Frauen, die für die NASA gearbeitet haben. Bei Octavia Spencer bin ich generell draußen. Mal gucken, wie weit der Film hinsichtlich der Oscars kommt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: abwarten

 

amerikanischer Aufsteller von "The Birth of a Nation"
amerikanischer Aufsteller von „The Birth of a Nation“

 

Boston – Film: "J. Edgar"

Ich war am 26.11.11 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„J. Edgar“ (dt. Kinostart: 19.01.12) 137 min biographical drama
dir. Clint Eastwood cast: Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Jeffrey Donovan, Judi Dench, Josh Lucas, Lea Thompson, Adam Driver

Im Jahr 1924 wurde J. Edgar Hoover nach seinem Studium als neuer Direktor der amerikanischen Bundespolizei (Bureau of Investigation) ernannt. Er strukturierte die Behörde um und vergrösserte ihren Machtbereich. Im Jahr 1935 wurde die Behörde umbenannt in Federal Bureau of Investigation (F.B.I.) und J. Edgar Hoover war bis zu seinem Tod im Jahr 1972, insgesamt 48 Jahre, als Chef der amerikanischen Bundespolizei tätig. Er hat unter insgesamt acht verschiedenen US-Präsidenten gedient, hat Kommunisten, Bürgerrechtler, Homosexuelle und Ehebrecher gehasst und bekämpft. Überhaupt ist er gegen Jeden, der eine andere politische Überzeugung oder Moralauffassung als er hatte, vorgegangen. Er hat diese Leute (darunter auch US-Präsidenten, Prominente und sogar Martin Luther King) abhören lassen, führte geheime Akten über sie und hat teilweise die Beweise genutzt, um die Personen zu erpressen. Die Mafia hat er hingegen nie so bekämpft, wie er es durch seine Funktion gekonnt hätte. J. Edgar Hoover war einer der mächtigsten Personen der Vereinigten Staaten von Amerika.

In dem Film diktiert J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) einigen jungen Agenten die Geschichte seiner F.B.I.-Tätigkeit. Im Film erfährt man auch, was für einen Stellenwert seine Mutter (Judi Dench) in seinem Leben hatte und dass er Clyde Tolson (Armie Hammer) zu seinem Stellvertreter ernannt hat. Bis zu seinem Tod war Clyde Tolson auch der Lebenspartner von J. Edgar Hoover.

C+ (Wertung von A bis F) Der skrupellose FBI Chef J. Edgar Hoover hat mich schon sehr früh fasziniert. Vor jetzt mehr als zwanzig Jahren habe ich seine Biografie förmlich verschlungen.

Clint Eastwood schafft es mit seinem Film „J. Edgar“ in meinen Augen nicht, dieser so wichtigen historischen Person gerecht zu werden. Biografische Filme müssen auch immer dem Zuschauer, der nicht ausreichend Hintergrundwissen hat, eine Persönlichkeit erklären. Der Film hätte sich noch mehr auf sein Karriere, die Mittel, die er eingesetzt hat, um sie voranzutreiben, seine fiesen Taktiken und letztlich seine Macht konzentrieren müssen. Sicherlich ist auch seine private Beziehung zu seinem Stellvertreter interessant, mir nimmt aber die Liebesgeschichte eine zu dominante Rolle ein. Auch hätte ich gerne erfahren, warum seine Sekretärin (gespielt von Naomi Watts) ihm so ergeben war. Ihre Figur ist unbefriedigend ausgearbeitet. Die Geschichte wird in unzähligen Rückblenden erzählt und springt von der einen Zeit in die nächste und wieder zurück. Ich sehe das Problem des Films im Drehbuch. (geschrieben von Dustin Lance Black, der für Milk einen Oscar gewonnen hat). Clint Eastwoods Regiearbeit ist einmal mehr bemerkenswert, gerade die Nacht- und Außenaufnahmen sind sehr elegant. Die Ausstattung und die Garderobe wirken authentisch.

Leonardo DiCaprio schafft es, dem Zuschauer J. Edgar Hoover menschlich nahezubringen. Immer mal wieder während des Films und natürlich zum Schluss hat mich dieser Mann, der sich so sehr seinen eigenen moralischen Vorstellungen unterwarf und Zeit seines Lebens nie zugeben konnte, homosexuell zu sein, gerührt. Von dem Film nehme ich, was die Person J. Edgar Hoover angeht, eigentlich nur mit, dass er mir leid tut. Das dürfte eigentlich nicht sein. Von Beginn des Films an war ich von Leonardo DiCaprios Performance gefesselt, so sehr, dass ich mich regelrecht zwingen musste, auch auf andere Schauspieler zu achten. Das hat sich erst geändert als Armie Hammer ins Spiel kam. Die Anziehungskraft der Beiden ist spürbar. Leonardo DiCaprio hat nun optisch überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem ehemaligen Direktor des F.B.I. Leo spielt ihn über einen Zeitraum von über fünfzig Jahren. Als er J. Edgar Hoover in jungen Jahren porträtiert, hatte ich noch so meine Schwierigkeiten mit seiner Performance, in seiner Sprache habe ich immer wieder den Filmstar rausgehört und auch von den dunklen Augen war ich zunächst abgelenkt. Dann aber, als er den älteren und alten J. Edgar Hoover spielt (dank auch der perfekten Arbeit der Maskenbilder), verschwindet Leonardo DiCaprio komplett hinter seiner Filmfigur. Sein Aussehen, seine Sprache, seine Gesichtsausdrücke, seine Körperhaltung, sein Gang – das ist nicht mehr ein Schauspieler, hier sieht man J. Edgar Hoover. Damit ist es für mich eine eindeutige Oscar-Performance.

Bei den anderen Performances möchte ich Armie Hammer (The Social Network) herausheben. Er hat mir schauspielerisch sehr gut gefallen, obwohl seine Performance durch eine teils lächerlich wirkende Maske als älterer/alter Mann etwas überschattet wird. Gefallen hat mir auch, klar, Judi Dench als schwulenfeindliche Übermutter von J. Edgar Hoover. Nicht so überzeugt war ich hier von Naomi Watts, aber das lag mehr an in ihrer Filmfigur.

In einer sehr gut besuchten Samstagabend Vorstellung sind während des Films immer mal wieder Zuschauer aufgestanden und gegangen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Extremely Loud and Incredibly Close“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer, leider immer noch dieser U2-Song)
Kommentar: Stephen Daldrys Drama, das den 11. September 2001 thematisiert. Besetzung: Tom Hanks, Sandra Bullock, Max von Sydow und Viola Davis. Gilt als möglicher Oscar-Film, obwohl ihn immer noch keiner gesehen hat…
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „New Year´s Eve“
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: RomCom mit Ashton Kutcher, Hilary Swank, Michelle Pfeiffer, Jon Bon Jovi, Zac Efron, Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Sarah Jessica Parker, Jessica Biel und Katherine Heigl und Til Schweiger (spätestens beim Auftauchen der beiden Letztgenannten im Trailer, war ich raus aus der Geschichte…)
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%, es sei denn er bekommt eine RT-Bewertung von mind. 60%

Trailer v. Film: „Safe House“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Actioner mit Ryan Reynolds und Denzel Washington
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 40%

Trailer v. Film: „The Girl with the Dragon Tattoo“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: David Finchers Remake der gleichnamigen Stieg Larsson-Verfilmung mit Daniel Craig, Rooney Mara, Robin Wright. An Rooney Mara habe ich mich nicht nur mittlerweile gewöhnt und ich bin sehr gespannt auf diese Performance. Oscar-Film oder Oscar-Potential, wird sich (immer noch) zeigen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „War Horse“
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: „War Horse“ gilt immer noch als möglicher Oscar-Film. Für mich immer noch ein „Arbeitsfilm“.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Young Adult“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Jason Reitmans neue Tragikomödie mit einer scheinbar brillanten Charlize Theron. Auch mit dabei Patrick Wilson und Patton Oswalt. Oscar-Potential. Ich glaube, der Film wird mir gefallen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Berlin – Film: "The Social Network"

Ich war am 13.10.10 in Berlin und habe mir im Kino angeschaut:

„The Social Network“ (dt. Kinostart war der 07.10.10) 120 min drama, biopic, adaptation
dir. David Fincher cast: Jesse Eisenberg, Justin Timberlake, Andrew Garfield, Joseph Mazzello, Armie Hammer, Rashida Jones, Rooney Mara, Brenda Song, Max Minghella

Im Jahr 2003. Der 19-jährige Havard-Student Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) wurde gerade von seiner Freundin Erica (Rooney Mara) verlassen. Aus Wut hackt sich das Computergenie in die Datenbank der Universität ein und erstellt ein Portal für männliche Studenten, bei denen sie die Attraktivität ihrer Mitstudentinnen bewerten können. Die Seite führt schnell zum Zusammenbruch des Havard-Netzwerkes. Er wird gerügt, aber seine Seite bleibt ein großer Erfolg. Die Winklevoss-Zwillinge (Amie Hammer) werden auf ihn aufmerksam und bitten ihn, ihre neue Website HARVARD CONNECTION zu programmieren. Mark hat nun eine Idee zu einem sozialen Netzwerk für Havard und andere Elite-Universitäten und bittet seinen besten Freund Eduardo (Andrew Garfield) um finanzielle Unterstützung. Kurz darauf geht er eine Partnerschaft mit Napster-Gründer Sean Parker (Justin Timberlake) ein, der noch viel mehr Potential in FACEBOOK sieht und das Portal für alle Menschen weltweit zugänglich machen will. Mark Zuckerberg wird schließlich von den Winklevoss-Zwillingen und aus einem ganz anderen Grund auch von seinem Freund Eduardo verklagt….

B+ (Wertung von A bis F) Aaron Sorkins Drehbuch zu „The Social Network“ basiert auf Ben Mezrichs Buch „The Accidental Billionaires“.

Schon die Anfangsszene dominiert durch brillante Dialoge und ist eindrucksvoll gespielt und umgesetzt. Diese Szene gibt im Prinzip vor, was man von dem Film zu erwarten hat. Eine meiner Lieblingsszene folgt jedoch direkt dieser Eröffnungsszene. Mit einem äusserst gelungenen Score (der sich durch den ganzen Film zieht) kommt diese Szene komplett ohne Sprache aus und kann das ganze Gefühlsleben von Mark Zuckerberg und das Sortieren seiner Gedanken in diesem Moment so grandios transportieren. „The Social Network“ ist ganz sicher nicht David Finchers bester Film, aber er hat ein hervorragendes und fesselndes Biopic abgeliefert. David Fincher hebt sich, wie mit jedem seiner Filme auch hier, durch seine düster-schöne Bilderwelt ab. Auffällig gut gelöst hat er beispielsweise die Winklevoss-Zwillinge, die von einem einzigen Schauspieler (Amie Hammer) verkörpert werden.

Schauspielerisch ist „The Social Network“ perfekt besetzt. Allen voran ist da natürlich Jesse Eisenberg („The Squid and the Whale“, Adventureland, Zombieland) zu nennen. Jesse Eisenberg überzeugt auf ganzer Linie, auch wenn ich geneigt bin, ihn (grundsätzlich) als selbstverständlich zu sehen. Für diese Rolle ist eine Oscar-Nominierung klar denkbar. Mit Andrew Garfield habe ich zuletzt schon in Never Let Me Go gewisse Startschwierigkeiten gehabt, auch hier hat er mich nicht durchgängig überzeugt, aber er ist in manchen Szenen so unbeschreiblich gut, dass ich ihm dennoch großes Potential zuschreibe. Als Peter Parker im nächsten „Spider-Man“ kann ich ihn mir dennoch nicht vorstellen. Justin Timberlake kann mit einer – mich sprachlos machenden – Leichtigkeit hier einige Szenen eindeutig für sich beanspruchen.

Es gab ein paar wenige Szenen, die mich aus dem Film geworfen haben und auch sonst bin ich jetzt zwei Tage später nicht hundertprozentig von „The Social Network“ überzeugt, daher kann ich ihm natürlich nicht die volle Punktzahl geben. Dennoch, von allen großen Blockbuster-Hoffnungen in diesem Jahr (Shutter Island, Alice in Wonderland, Inception, The Town, Wall Street – Money Never Sleeps) ist „The Social Network“ der Film, der mir am besten gefallen hat und der am ehesten unter den Academy Awards besten zehn Filmen für 2011 gehört. Definitiv sehe ich eine Oscar-Nominierung für Aaron Sorkin und sein wunderbares Drehbuch, vielleicht auch eine für David Fincher als bester Regisseur.

Aaron Sorkin zeichnet und Jesse Eisenberg portätiert Mark Zuckerberg als blitzgescheiten, äusserst redegewandten und schlagfertigen, sehr schnell sprechenden Besserwisser und Snob, der klar und zugleich abwesend ist, voller Neid, extrem ehrgeizig was den Erfolg seiner Idee angeht, aber halt nicht gänzlich unsympathisch. Nach dem was ich in der letzten Zeit alles über Mark Zuckerberg gelesen habe, ist das eine äusserst schmeichelnde Darstellung. Ich kann nun sowieso nicht nachvollziehen wie man auf die Idee kommen kann, sein Privatleben bei FACEBOOK auszubreiten, nun empfinde ich es aber sogar als grob fahrlässig, private Informationen, Daten und Fotos einem Soziopathen zu überlassen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Twelve“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: ganz besonders ging mir die grauenhafte Synchro gegen den Strich, warum auch muss ich mir einen synchronisierten Trailer in einen OV-Kino anschauen?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 50%

Trailer v. Film: „Paranormal Activity 2″
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: Solche Filme funktionieren logischerweise nie mit Teil 2 (mit Horror denke ich an Blair Witch 2)
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer von Film:“Tron Legacy“
Bewertung des Trailers: C (neuer Trailer)
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 80 %

Trailer v. Film: „The Switch“ bzw. „Umständlich verliebt“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: (ganz neuer Trailer und leider wieder synchronisiert, RomCom mit Jennifer Aniston, Jason Bateman, Patrick Wilson, Jeff Goldblum, Juliette Lewis
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 30%

Trailer v. Film: „Wall Street: Money Never Sleeps“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: So und hier war ich am meisten überrascht. Es wurde einer der Original-U.S.-Trailer genommen, auch in der Original-Sprache gelassen und mit unglaublich schrecklicher Musik unterlegt, sonst The Rolling Stones „Sympathy for the Devil“, der zu dem Trailer wunderbar passt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Life As We Know It“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Der Trailer, der auch in Singapur gezeigt wurde, Trailer wurde in der Original-Sprache gelassen
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Easy A“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Trailer in der Original-Sprache, Film mit Emma Stone, Patricia Clarkson
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 30%

Das ganze Vorhang auf-Werbung-Trailer-Werbung-Vorhang zu-warten, warten-Vorhang auf-Film fängt endlich an-Spektakel beanspruchte diesmal unglaubliche 32 Minuten.