Hamburg – Film: „Holy Spider“


Ich war am 06.10.22 in Hamburg und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Holy Spider“ (dt. Kinostart: 12.01.23)  115 min  drama, thriller  

dir. Ali Abbasi  cast: Zar Amir Ebrahimi, Mehdi Bajestani, Arash Ashtiani, Sara Fazilat, Forouzan Jamshidnejad 

Frauen werden im Iran bei jeder Gelegenheit erniedrigt. Frauen, die illegal als Prostituierte arbeiten (müssen) werden verachtet, geschlagen und gedemütigt. Nun geschehen seit dem Jahr 2000 eine Reihe von Morden an Prostituierten in der Heiligen Stadt Maschhad. Die Journalistin Rahimi (Zar Amir Ebrahimi) kommt in die Stadt, um an dem Fall zu recherchieren. Es macht den Anschein, als ob die Polizei kein großes Interesse daran hat, den Serienmörder zu fassen… 

B+ (Wertung) „Holy Spider“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert und ist der neue Film des iranisch-dänischen Filmemachers Ali Abbasi (Border). 

Zwei Mal war ich in meinem Leben im Iran (und ein Mal in Saudi Arabien) und ich hatte als Frau nirgendwo mehr Angst als in diesen beiden Ländern. Ich weiß noch, wie wir als Crew (in Saudi Arabien) unsere Reisepässe am Flughafen abgeben mussten. Zurückbekommen haben wir die Pässe erst, als wir nach zwei Nächten wieder am Flughafen waren und ausgereist sind.  Dazwischen habe ich kaum ein Auge zubekommen, habe mir ausgemalt, wie es wäre, wenn mir meine Crew abhanden kommt  (weil ich vielleicht krank werde und vor Ort bleiben muss). Eine Frau hat dort keine Rechte, sie kann ohne Zustimmung eines Mannes nicht mal das Land verlassen (zumindest war es vor ein paar Jahren noch so). Ali Abbasi hat seinen Film zwar, wie man in dem Abspann lesen konnte, in Jordanien gedreht, aber atmosphärisch so inszeniert, dass ich sofort wieder Beklemmungen bekommen habe. Allein der Gedanke, der Willkür dieser kranken religiösen Männer in einem islamistischen Regime ausgesetzt zu sein, ist kaum zu ertragen. 

Dieser Serienmörder-Fall liegt zwar schon 20 Jahre zurück, der Film könnte aber – im Hinblick auf die mutigen Proteste für Selbstbestimmung und ein freies Leben, die seit Wochen im Iran stattfinden – nicht aktueller sein. Hier hat ein Serienmörder Prostituierte getötet, weil er die Gesellschaft von der, wie er sagte, „Sünde“ befreien wollte. Normale Frauen haben im Iran schon kaum Rechte und werden unterdrückt, nun kann man sich vage vorstellen, wie konservativ eingestellte muslimische Männer mit Sexarbeiterinnen umgehen. Nicht nur in streng-religiösen Gesellschaften übrigens, dazu habe ich vor einiger Zeit auch eine Reportage im TV gesehen. Jedenfalls gab es diesen Serienmörder Saeed Hanaei tatsächlich und er hat bei den konservativen Männern (aber schockierenderweise auch bei manchen Frauen) viel Zuspruch für seine Taten gefunden. Ich hatte zuvor von dem Fall nichts gehört und empfand den Film bis zum Schluss spannend und mit der letzten Einstellung – was unsere Zukunft angeht – Angst einjagend. 

Als Zuschauer begleiten wir dabei die Prostituierten, die Journalistin, aber auch den Serienmörder, den man auch als liebevollen Familienvater sieht. 

In dem an den Film anschließenden Q & A hat die Schauspielerin Zar Amir Ebrahimi erzählt wie sie eigentlich als Castingdirektorin für den Film arbeitete und nachdem die Schauspielerin, die die Hauptrolle (die Journalistin) spielen sollte, zehn Tage vor Drehbeginn abgesagt hat, sie dann schlussendlich eingesprungen ist. Auf dem roten Teppich sorgte der Regisseur mit seinem Mullah-Outfit, den Vampir-Zähnen und seinem Gehabe für Aufsehen. Bewusst. Am Ende des Q & A ergriff er (dieses Mal in westlicher Kleidung) noch mal das Wort, sprach die momentane Situation mit den seit Wochen andauernden Protesten gegen das menschenverachtende Regime im Iran an. Er bat uns, die Proteste in Deutschland sichtbar zu halten.  

„Holy Spider“ ist Dänemarks offizieller Beitrag für die Oscars 2023.

„Holy Spider“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Mehdi Bajestani), Beste Hauptdarstellerin (Zar Amir Ebrahimi), Bestes Originaldrehbuch, Bester Internationaler Film 

„Holy Spider“ wurde erstmalig auf dem Cannes Filmfestival 2022 gezeigt. Auf diesem Filmfestival wurde Zar Amir Ebrahimi als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Der Film lief und läuft auf sämtlichen Filmfestivals im Jahr 2022. Mit Utopia hat „Holy Spider“ einen amerikanischen Verleiher gefunden. Für Deutschland ist ein Kinostart für den 12.01.23 geplant. Ich habe den Film auf dem Filmfest in Hamburg 2022 gesehen. Es war die Deutschlandpremiere, im Anschluss an den Film gab es ein Q & A mit Ali Abbisi (Regisseur), Zar Amir Ebrahimi (Schauspielerin, sie spielt die Journalistin), Sara Fazilat (eine in Teheran geborene deutsche Schauspielerin, die hier in einer Nebenrolle als Prostituierte überzeugt) und schließlich Mehdi Bajestani (der hier den Serienmörder spielt) Gezeigt wurde die farsi OF mit deutschen UT.

Trailer zu sehen:

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4 Gedanken zu “Hamburg – Film: „Holy Spider“

    • Absolut. Na manche Frauen haben keine andere Wahl, als sich zu prostituieren. Sie haben aber fürchterlich Angst, von der Sittenpolizei erwischt zu werden. Und dann werden sie von den Freiern auch noch wie der letzte Dreck behandelt. Wirklich furchtbar. und schließlich kommt noch dieser fanatische Mörder ins Spiel.

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