Hamburg – Film: „Close“


Ich war am 05.10.22 in Hamburg und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Close“ (dt. Kinostart: 02.02.23) 105 min  drama 

dir. Lukas Dhont  cast: Eden Dambrine, Gustav de Waele, Émilie Dequenne, Léa Drucker, Kevin Janssens 

Die 13-jährigen Jungen Léo (Eden Dambrine) und Rémi (Gustav de Waele) verbringen nahezu jede freie Minute miteinander. Sie haben einen ganz unbeschwerten Umgang miteinander und sind glücklich, den anderen zum besten Freund zu haben. Da sie auch ständig in der Schule zusammenhängen, werden sie irgendwann von ihren Mitschülern gefragt, ob sie ein Paar sind. Léo kommt ins Grübeln und distanziert sich langsam von Rémi. Das Unheil nimmt seinen Lauf….

A (Wertung von A bis F) „Close“ ist nach „Girl“ erst der zweite Film des belgischen Filmemachers Lukas Dhont. Das Drehbuch zu diesem Film hat er zusammen mit Angelo Tijssens geschrieben. 

Meist kann man gut an der Reaktion des (Filmfestival-)Publikums während der Vorstellung ablesen, wie ein Film ankommt. Mucksmäuschenstill war es während meiner ausverkauften Vorstellung, sogar den gesamten Abspann über. Dann kam der große Applaus. „Close“ ist ein wunderbarer Film, aber auch einer, der einen trifft, als ob man gerade etwas Lebensentscheidendes erfahren hat und das irgendwie versuchen muss, zu verarbeiten. Es ist nuanciertes Drama über Freundschaft, Verlust, Einsamkeit, Trauer und den kurzen Abschnitt vom Kind- zum Teenagersein. 

Léo und Rémi wirken am Anfang so unbeschwert und glücklich, dass man selbst als Zuschauer Glücksgefühle bekommt. Sie spielen, radeln, lachen, pennen in einem Bett – alles mit einer Selbstverständlichkeit mit der es nur Kinder tun. Dann schlägt das Leben zu. In der Schule werden sie gefragt, ob sie ein Paar sind. Ganz selbstbewusst antwortet Léo, dass sie nur Kumpels sind, aber irgendwie verändert die Sicht der Anderen auf sie plötzlich alles. Léo ist verunsichert, will nicht, dass andere denken, sie wären vielleicht ein schwules Paar. Also hängt er fortan immer öfter mit den anderen Jungs ab und beginnt mit einem neuen Hobby, dem Eishockey spielen. Rémi fällt es hingegen nicht so leicht, auf seine Mitschüler zuzugehen und leidet darunter, kaum noch Zeit mit Léo zu verbringen. Filmemacher Lukas Dhont erzählt eine Geschichte aus dem Leben, eine über Freundschaft, warum und wie sich von einem auf den anderen Moment alles ändern kann. Der Film ist einer über gebrochene Herzen, einigen Szenen empfand ich so nah und intim, dass ich mich gefragt habe, ob das überhaupt für meine Augen bestimmt ist. Ich habe einige Tränen vergossen…natürlich. 

Eden Dambrine (der den Léo spielt) wurde, so hat es der der Filmemacher Lukas Dhont nach dem Film erzählt, von ihm persönlich auf einer Zugfahrt entdeckt. Wenn man den Jungen hier im Film sieht, weiß man sofort, was er in dem Jungen gesehen hat. Er hat ein sehr ausdrucksstarkes Gesicht, riesige und schöne Augen und das gewisse Etwas. Man kann einfach nicht die Augen von ihm lassen. Dazu kommt, dass er offensichtlich mit einem schauspielerisches Talent gesegnet ist. Wie er hier das Gefühlschaos seines Charakters Léo zeigt, ein erwachsener, ausgebildeter Schauspieler hätte es nicht besser machen können. Den Namen Eden Dambrine sollte man sich merken, mal sehen wie er sich optisch entwickelt (Haley Joel Osment schwebt mir leider immer noch als Negativbeispiel vor), wenn ich nur seine Performance in „Close“ betrachte, hat er das Potenzial zum Hollywoodstar. Der andere Junge, Gustav de Waele (er spielt Rémi) hat auch etwas Besonderes. Er ist ein ganz anderer, eher kreativer und auch etwas undurchsichtiger Typ.

Ich konnte nur ein uneingeschränktes „A“ als Bewertung geben, weil mich der Film sehr berührt hat und mir nichts aufgefallen ist, was man auch nur annähernd hätte anders machen können. „Close“ könnte in meiner Liste der Top Ten-Filme des Jahres 2022 landen. Update: „Close“ ist zusammen mit Tár und Guillermo del Toro´s Pinocchio auf Platz 1 meiner Top Ten-Liste aus dem Jahr 2022 gelandet.

„Close“ ist Belgiens offizieller Beitrag für die Oscars 2023. 

„Close“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Eden Dambrine), Bester Nebendarsteller (Gustav de Waele), Bestes Originaldrehbuch, Bester Internationaler Film Update: „Close“ wurde für einen Oscar (Bester Internationaler Film) nominiert.

„Close“ wurde erstmalig auf dem Cannes Filmfestival 2022 gezeigt. Auf diesem Filmfestival gewann der Film den Großen Preis der Jury. „Close“ lief und läuft im Jahr 2022 auf sämtlichen Filmfestivals. Regulär kommt der Film am 1.11.22 zuerst in die französischen Kinos. Mit A24 hat der Film zwar bereits einen amerikanischen Verleiher gefunden, ein regulärer Kinostart in den amerikanischen Kinos ist bislang jedoch noch nicht bekannt. In Deutschland soll der Film am 02.02.23 in den Kinos starten. Ich habe den Film auf der Deutschlandpremiere auf dem Filmfest Hamburg 2022 gesehen. Dort lief der Film in der Sektion Kaleidoskop. Gezeigt wurde die französisch/flämische Originalfassung mit dt. UT. Der sympathische junge Regisseur hat sich im Anschluss an den Film einem Q & A gestellt.

Trailer zu sehen: 

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