San Diego – Film: „Everything Everywhere All at Once“


Ich war am 18.04.22 in San Diego und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Everything Everywhere All at Once“ (dt. Kinostart: 28.04.22) 132 min  sci-fi, fantasy, action, drama, comedy

dir. Daniel „Dan“ Kwan, Daniel Scheinert a.k.a. Daniels  cast: Michelle Yeoh, Ke Huy Quan, Stephanie Hsu, James Hong, Jamie Lee Curtis, Jenny Slate, Daniel Scheinert

Die chinesisch-amerikanische Waschsalon-Besitzerin Evelyn (Michelle Yeoh) muss zur Steuerprüfung bei der Sachbearbeiterin der Finanzbehörde (Jamie Lee Curtis) vorstellig werden. Außerdem sucht ihr Ehemann Waymond (Ke Huy Quad) ständig ihre Aufmerksamkeit, will er sich wirklich scheiden lassen? Ihre gemeinsame Tochter Joy (Stephanie Heu) ist lesbisch, hat eine erste richtige Freundin (Taille Medel) und möchte, dass ihre Mutter sie auch als solche wahrnimmt. Dann ist auch noch Evelyns Vater (James Hong) aus China zu Besuch und eine Feier steht an. Ziemlich viel auf einmal – und dann erzählt ihr eine Version ihres Ehemannes plötzlich Ungeheuerliches…

B (Wertung von A bis F) „Everything Everywhere All at Once“ ist nach Swiss Army Man der zweite Spielfilm des amerikanischen Regie-Duos Daniels (Daniel „Dan“ Kwan und Daniel Scheinert). Die Daniels haben auch das Drehbuch zu ihrem Film geschrieben. 

Von dem was ich vor dem Kinobesuch über „Everything Everywhere All at Once“ gehört/gelesen  hatte (und der Film liegt, Stand 28.4.22, immer noch bei einer 97% Rotten Tomatoes-Bewertung), wollte ich den Film lieben. Das gelang mir auch…über weite Strecken. Everything ist einer der kreativsten Filme, die ich je gesehen habe. In diesem Multiversum-Film ist unheimlich viel los, der Film ist – der Natur der Sache geschuldet – natürlich komplex, er ist surreal und absurd, chaotisch und kopfschmerzerzeugend, witzig, philosophisch, in Teilen einfach großartig, mir war er aber am Ende zu actionlastig und auch um einiges zu lang.

Aber von vorne: zunächst gefiel mir die Welt, in die einen die Daniels führen. Es ist die Welt einer chinesisch-amerikanischen Familie in den Vereinigten Staaten. Mutter Evelyn hat gerade den Kopf voll, sie kümmert sich um alles rundum den Waschsalon/Reinigungs-Laden der Familie, eine Feier steht auch an, Evelyns Teenager-Tochter Joy ist lesbisch und möchte, dass Mama ihre erste Freundin als solche anerkennt, aber damit hat Evelyn ihre Probleme. Auch Evelyns Ehemann Waymond fühlt sich nicht gesehen, vielleicht erwecken Scheidungspapiere die Aufmerksamkeit seiner Frau. Evelyns Vater ist aus China zu Besuch, der hatte sich eigentlich ein ganz anderes Leben für seine Tochter vorgestellt und dann steht da schließlich noch der Termin bei der Finanzbehörde an. Evelyns muss für ihren Laden Papiere für eine Steuerprüfung abgeben, aber so etwas wie eine gut geführte Buchhaltung gibt es nicht, also schlägt Evelyn, ihr Ehemann Waymond und Evelyns Vater Gong Gong schließlich mit ihrer chaotischen Zettelwirtschaft bei der Finanzbeamtin auf. Als ob das alles nicht bereits überfordernd genug wäre, erzählt eine Version von Evelyns Ehemann plötzlich was von existierenden Paralleluniversen – und damit beginnt das Abenteuer der in drei Kapitel (1. Everything, 2. Everywhere und 3. All at Once) unterteilten Geschichte. 

Wer schon mal chinesisch geführte Läden in den Vereinigten Staaten betreten hat, wird sich hier in der Wohnung der Familie direkt daran zurückerinnern. In jeder erdenklichen Ecke, an jedem noch so kleinem Platz liegt Krempel, meist bis an die Decke hoch gestapelt. Die Charaktere im Film sind allesamt aufrichtig und liebenswert gezeichnet, Amerikaner mit chinesischem oder asiatischen Migrationshintergrund können sich sicherlich in diesem Werk wiederfinden.  

Ich kann nicht behaupten, dass ich alles in dem Film verstanden habe, der Film profitiert definitiv von einer Kino-, aber noch mehr von einer Mehrfachsichtung. Die Idee eines Multiversums, bei der jede wichtige Entscheidung im Leben in ein neues Universum führt, ist brillant – eine Art „Was wäre, wenn…“ mit der Möglichkeit auf die Versionen und auch auf die Gefühle, Fähigkeiten und Erinnerungen von einem zurückgreifen zu können. Im Leben hilft es meist eine emotionale Bindung zu anderen Menschen aufzubauen. Akzeptanz, Respekt und natürlich Liebe sind wichtige Faktoren. Jeder Zuschauer wird aber vielleicht etwas anderes aus dem Film „mitnehmen“.  „Everything Everywhere All at Once“ ist also ein Familiendrama, das in eine aufwendigen Sci-Fi/Fantasie-Actionkomödie verpackt ist. Ich empfehle ihn Zuschauern, die gerne Filme abseits des Mainstreams schauen. Ich werde mir den Film definitiv noch ein weiteres Mal anschauen. Bei der nächsten Sichtung dieses herausfordernden Films werde ich ihn aber nicht erst abends angucken, vor allen Dingen nicht, wenn ich den gesamten Tag unterwegs war und mir die 9-stündige  Zeitverschiebung im Nacken sitzt. Meine Kollegin und ich hatten irgendwann das Gefühl, dass der Film gar nicht enden will und am Ende war es – zumindest an dem Tag – doch etwas zu viel, vor allen Dingen zu viel Action. 

Michelle Yeoh („Crouching Tiger, Hidden Dragon“) kann in diesem Film zeigen, was alles in ihr steckt, auch Jamie Lee Curtis und Stephanie Hsu (sie spielt Evelyns Tochter) sind klasse, in meinen Augen stiehlt aber Ke Huy Quan allen die Show. Der ehemalige Kinderstar („Indiana Jones and the Temple of Doom“, „The Goonies“) hat irgendwann keine Rollenangebote in Hollywood mehr bekommen und dann beispielsweise als Stunt-Choreograph gearbeitet. Jetzt ist er aber wieder als Schauspieler da, sein Talent und Charisma ist nicht zu übersehen und ich möchte definitiv mehr von ihm sehen. 

„Everything Everywhere All at Once“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Michelle Yeoh), Bester Nebendarsteller (Ke Huy Quad), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. 

„Everything All at Once“ wurde erstmalig auf dem South by Southwest Filmfestival 2022 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat der Film den Adobe Editing Award gewonnen. Der A24-Film ist am 25.03.22 in 10 amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 8.4.22 läuft der Film landesweit in 2,200 Kinos in den Vereinigten Staaten. In Deutschland soll der Film heute, am 28.04.22, ins Kino kommen. Der Film ist teilweise in Mandarin, Kantonesisch mit englischen (bzw. in Deutschland deutschen) Untertiteln. 

Trailer zu sehen: 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Ambulance“ 

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Michael Bay-Film – gucke ich grundsätzlich nicht. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

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Trailer v. Film: „Fantastic Beasts: Secrets of Dumbledore“ 

Bewertung des Trailers: C+ (neuer Trailer)  

Kommentar: Irgendeine Verfilmung aus der J.K.Rowling-Gelddruck-Abteilung 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

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Trailer v. Film: „The Bob´s Burgers Movie“ 

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Animationsfilm 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

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Trailer v. Film: „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ 

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Marvels Multiversum-Film – ob der bei den Kritikern und Publikum so gut ankommt, wie „Everything Everywhere All at Once“? 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 

8 Gedanken zu “San Diego – Film: „Everything Everywhere All at Once“

  1. Für mich einer der Mustsee-Filme 2022. Leider muss ich wohl eine halbe Odyssee auf mich nehmen, weil der Film hier direkt in meiner Stadt nicht in einem der beiden Kinos gezeigt wird und ich leider keinen Führerschein habe. Schlimmstensfalls muss ich den auf DVD/BluRay oder im Stream nachholen.

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