VOD – Film: „Minari“


Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes (U.S.) angeschaut:

„Minari“ (dt. Filmtitel: „Minari: Wo wir Wurzeln schlagen“, dt. Kinostart: 8.4.21)  116 min  drama 

dir. Lee Isaac Chung  cast: Steven Yeun, Yeri Han, Alan Kim, Noel Kate Cho, Yuh-Jung Youn, Will Patton, Scott Haze, Darryl Cox

In den 1980er Jahren. Der Koreaner Jacob Yi (Steven Yeun) ist seinerzeit mit seiner Frau Monica Yi (Yeri Han) in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Die Kinder Anne (Noel Kate Cho) und ihr jüngerer Bruder David (Alan Kim) sind in den U.S.A. geboren. Jacobs großer Traum ist es, ein eigenes Stück Land zu besitzen und zu bewirtschaften. Jetzt sind sie gerade von Kalifornien nach Arkansas gezogen und haben ein Stück Land gekauft. Um den Kredit zurückzuzahlen, arbeiten sie noch in einem landwirtschaftlichem Betrieb. Sie wohnen weit weg vom Schuss, Jacob beginnt mit der Hilfe von Paul (Will Patton), Gemüse anzubauen. Monica hatte sich ihr Leben eigentlich anders vorgestellt. Um die Familie zu unterstützen, kommt Monicas Mutter Soon-ja (Yuh-Jung Youn) aus Korea … 

C+ (Wertung von A bis F) „Minari“ erzählt über eine Familie mit koreanischen Migrationshintergrund im ländlichen Arkansas der 1980er Jahren. Die Geschichte ist für den amerikanischen Drehbuchautor, Produzenten und Filmemacher Lee Isaac Chung eine sehr persönliche, angelehnt an seine Kindheit. Dies ist sein vierter Spielfilm („Munyurangabo“). 

Jeder große Film schafft es den Zuschauer in eine andere Welt zu führen, auch wenn diese noch so klein ist. Hier ist es der Mikrokosmos der Familie Yi. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie das Leben in dieser Zeit für diese Familie war. Und doch fehlt mir etwas, damit „Minari“ ein „großer“ Film ist. Mich hat er beispielsweise gar nicht – null – berührt. Vielleicht hätte es mir geholfen, wenn der Film einen Sympathieträger gehabt hätte und die die Geschichte aus ihrer/seiner Sicht erzählt worden wäre. Mir waren die Ehefrau und Mutter und die, vielleicht 10-jährige Tochter noch am ehesten nahe, aber es ist nicht deren Story, sondern die der kompletten Familie. 

Wie das Leben der Familie aussieht, scheint einzig und allein der Vater zu bestimmen. Ohne Rücksicht auf Verluste versucht er hier, seinen amerikanischen Traum zu leben. Seine Frau wollte nicht von Kalifornien ins Nirgendwo ziehen, schon gar nicht mit einem herzkranken Kind und mindestens eine Stunde vom nächsten Ort bzw. Krankenhaus entfernt. Sein amerikanischer Traum ist also ein egoistischer, aber auch ein ungewöhnlicher. Irgendwo in der amerikanischen Einöde Land zu kaufen, um darauf Gemüse anzubauen und noch dazu koreanisches. Aber gut scheint sich ja so zugetragen haben, der Film basiert auf Erinnerungen des Regisseurs (hier als 7-jährige David). Für mich war das aber nichts, bei dem ich emotional andocken konnte. 

Auch hat mich gestört, dass während sich die Amerikaner den koreanischen Neuankömmlingen hier als interessiert und zugewandt zeigen, sich die koreanische Familie untereinander abfällig über die Amerikaner (sie sind dumm und fett) unterhalten. Na da wäre was los gewesen, wenn sich die weißen Amis gegenüber den Koreaner so stereotyp geäußert hätten. Auch spielt ganz klischeehaft natürlich ein duschgeknallter religiöser Amerikaner eine Rolle. Alles in allem führt das nicht dazu, dass mir die Familie ans Herz wachsen konnte. Und dann kommt noch die Oma, man ging die mir auf die Nerven. Dafür kann die Schauspielerin natürlich wahrscheinlich nichts. Selbst die Performance fand ich aber auch nicht besonders ewähnenswert. Schauspielerisch am besten hat mir tatsächlich Will Patton gefallen und die hübschen Yeri Han und Noel Kate Cho als Monica und Tochter Anne. 

„Minari“ ist natürlich ein Film für die große Leinwand, viel lieber hätte ich ihn im Kino gesehen. Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass mir die Kameraarbeit und die Filmmusik (von Emile Mosseri/ The Last Black Man in San Francisco) außergewöhnlich gut gefallen haben. 

Minari ist eine koreanische Pflanze, die scheinbar sehr robust ist und überall gedeiht.  Sie ist essbar, eine Art Wasserfenchel. Hier dient Minari natürlich auch als Metapher, der Filmtitel ist daher sehr gelungen.  

„Minari“ ist – auch wenn er mehrheitlich in koreanischer Sprache erzählt wird – ein amerikanischer Film. Ein amerikanischer Regisseur erzählt hier von seiner Kindheit mit koreanischen Eltern in den Vereinigten Staaten der 1980er Jahre. Der Film spielt ausschließlich in den U.S.A. und wurde von zwei amerikanischen Unternehmen (A24/Plan B Entertainment) produziert. „Minari“ kann nicht – wie beispielsweise Parasite im letzten Jahr – für einen Oscar als Best International Feature Film nominiert werden, von Südkorea wurde der Film „The Man Standing Next“ eingereicht, der hat es aber nicht auf die sogenannte Shortlist der Academy geschafft. 

„Minari“ ist aber für einige andere Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a.: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Steven Yeun), Beste Hauptdarstellerin (Yeri Han), Bester Nebendarsteller (Alan  Kim), Beste Nebendarstellerin (Yuh-Jung Youn), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien Update: „Minari“ wurde für 6 Oscars nominiert (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Steven Yeun), Beste Nebendarstellerin (Yuh-Jung Youn), Bestes Originaldrehbuch und Beste Filmmusik) Update: „Minari“ hat einen Oscar (Beste Nebendarstellerin, Yuh-Jung Youn) gewonnen.

„Minari“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2020 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat der Film den U.S. Dramatic Grand Jury Prize und den Publikumspreis gewonnen. Der A24-Film ist am 12.02.21 in den amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 26.02.21 ist der Film dann auch auf einigen amerikanischen VOD-Plattformen zu sehen. Ich habe mir den Film als Leihvideo (PVOD für 19,99 USD) bei iTunes (U.S.) angeschaut. In Deutschland soll der Film unter dem Filmtitel „Minari: Wo wir Wurzeln schlagen“ voraussichtlich am 8.4.21 ins Kino kommen. 

Trailer zu sehen:

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