VOD – Film: „Promising Young Woman“


Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes (U.S.) angeschaut: 

„Promising Young Woman“  (in D. möglicherweise ab dem 20.05.21 im Kino) 114 min  drama, comedy 

dir. Emerald Fennell  cast: Carey Mulligan, Bo Burnham, Alison Brie, Clancy Brown, Jennifer Coolidge, Laverne Cox, Connie Britton, Adam Brody, Max Greenfield, Christopher Mintz-Plasse, Alfred Molina, Molly Shannon 

Cassie (Carey Mulligan) ist fast 30 Jahre alt und wohnt noch bei ihren Eltern (Jennifer Coolidge und Clancy Brown). Etwas in ihrer Vergangenheit hat sie nachhaltig traumatisiert. Seither bekommt sie ihr Leben nicht mehr auf die Reihe. Jedes Wochenende stürzt sie sich ins Nachtleben und gibt vor, alkoholisiert zu sein. Es gibt immer einen „netten“ Typen, der sich dann um diese scheinbar hilflose junge Frau kümmert. Sie lässt sich von den Typen abschleppen, nur um ihnen dann eine Lektion zu erteilen. Dann trifft sie aber tagsüber auf Ryan (Bo Burnham)…

A- (Wertung von A bis F) „Promising Young Woman“ ist der erste Spielfilm, bei dem die englischen Schauspielerin (sie hat u.a. Camilla in der TV-Serie „The Crown“ gespielt), Autorin und Produzentin (u.a. 2. Staffel der TV-Serie „Killing Eve“) Emerald Fennell Regie führt. Für diesen Film hat sie auch das Drehbuch geschrieben und hat sogar einen Cameo-Auftritt (als junge Frau, die gewöhnungsbedürftige Schmink-Tipps im Internet gibt). Produziert wurde dieser Film u.a. von Margot Robbies Produktionsfirma. 

Es gibt wahrscheinlich kaum eine Frau, die nicht schon Erfahrungen mit sexueller Belästigung (in welcher Form auch immer) gesammelt hat. Sprüche und Anmache auf der einen Seite, aber auch sexuelle Übergriffigkeit oder gar Gewalt durch (vorwiegend junge) Männer. Natürlich ist nicht jeder junge Mann ein Täter. In diesem Film geht es aber um die vielen, vielen Täter und Mittäter. Es geht um die Männer, die vorgeben, sich um eine Frau kümmern zu wollen, dann aber die Notlage einer Frau ausnutzen. Es geht aber auch um die Männer (und Frauen), die einer Frau nicht zu Hilfe gekommen sind oder um die, denen sich eine missbrauchte Frau anvertraut hat, die ihr dann aber keinen Glauben geschenkt haben oder das Opfer gar versucht haben, in ein schlechtes Licht zu rücken. Was auch immer mit einer Frau passiert ist, es kann natürlich nie die Schuld des Mannes sein. Männer halten in jedem Fall zusammen. Sollte es dann doch zu einer Anzeige oder Anklage kommen, beginnt das systematische Suchen nach der (Mit-) Schuld beim Opfer, um den/die Täter zu entlasten. 

Cassie und ihre Freundin Nina kannten sich von kleinauf. Die besten Freunde waren später auf einer medizinischen Hochschule. Nina wurde von einem Kommilitonen mehrfach vergewaltigt, seine Freunde haben dabei zugeschaut. Als Nina den Vorfall gemeldet hat, wurde ihr nicht geglaubt. Nina hat die Vergewaltigung und die Nachwirkungen nie überwunden und sich das Leben genommen. Seither ist Cassies Leben aus den Fugen geraten, sie hat ihr Studium geschmissen, lebt mit 30 Jahren immer noch bei ihren Eltern, arbeitet in einem Café und ist psychisch schwer angeschlagen. Sie ist traumatisiert und steckt in ihrer eigenen Rache-Welt gefangen. An den Wochenenden stürzt sie sich ins Nachtleben und erteilt den vielen „netten Männern“ eine Lektion. Sie schlägt sie mit den Waffen, aber auch der Raffinesse einer Frau. Sie hat aber auch noch eine Rechnung mit den Beteiligten in Ninas Geschichte offen. 

„Promising Young Woman“ ist eine eigenwillige Charakterstudie. Man begibt sich als Zuschauer mit Cassie auf eine emotionale Reise. Es ist eine Achterbahn der Gefühle, zumindest für Frauen, die sich irgendwie in Cassies Lage reinversetzen können. Es ist ein Film, mit dem (heterosexuelle) Männer wahrscheinlich nicht so viel anfangen können. Vielleicht fühlen sich die Männer auf den Schlips getreten oder über einen Kamm geschert. Möglicherweise hinterfragen sie sich aber oder ihre Freunde/Bekannten oder Situationen, die sie in ihrer Vergangenheit im Nachtleben, auf Parties oder sonstwo beobachtet haben. Bestenfalls regt dieser Film also auch Männer zum Nachdenken an. Er könnte ähnliche Diskussionen auslösen, wie seinerzeit „The Accused“ mit Jodie Foster. 

„Promising Young Woman“ ist aber keine schwere Kost, nimmt sogar einen Abstecher ins RomCom-Genre und wird generell mit (trockenem, schwarzem) Humor aufgelockert. Emerald Fennell nimmt sich Zeit für ihre Erzählung, das sollte man vielleicht wissen. Die Inszenierung ist aber bis zum Schluss, mit Drehbuch und den Dialogen, der Musik (sowohl von der Auswahl der Musikstücke, als auch von den Songtexten her), der stylischen Ausstattung, den Kostümen und der Besetzung perfekt durchdacht. Auch, dass Ninas Fall sieben Jahre zurückliegt, also noch bevor die #MeToo-Bewegung startete, in der Hoffnung, dass sich seither gesellschaftlich etwas geändert hat. Der Film profitiert definitiv von einer mehrmaligen Sichtung. 

Carey Mulligan (An Education, Never Let Me Go, Shame, Wildlife) gibt hier eine facettenreiche (Oscar-) Performance, ich mochte besonders ihre Sprache, bei der jedes Wort sitzt.  Sehr gut gefallen hat mir auch Bo Burnham (bislang war er mir nur als Drehbuchautor und Regisseur von Eighth Grade bekannt).

„Promising Young Woman“ ist einer meiner Top Ten-Filme aus dem (Corona-) Jahr 2020

In dieser Oscar-Saison gibt es vier Filme mit „Woman“ im Filmtitel, „I´m Your Woman“, „Promising Young Woman“, „Pieces of a Woman“ und „Wonder Woman 1984“, die die eine oder andere Rolle spielen könnten. Finde ich irritierend. 

„Promising Young Woman“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Carey Mulligan), Bester Nebendarsteller (Bo Burnham, Chris Lowell), Beste Nebendarstellerin (Alison Brie), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien Update: „Promising Young Woman“ wurde für 5 Oscars nominiert (Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Carey Mulligan), Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt) Update: „Promising Young Woman“ hat einen Oscar (Bestes Originaldrehbuch) gewonnen. 

„Promising Young Woman“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2020 gezeigt. Der Film ist am 25.12.20 in einigen amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 15.01.21 ist der Film als PVOD auf verschiedenen Plattformen zu leihen. Für Deutschland ist ein Kinostart am 18.02.21 (Update: 29.04.21, weiteres Update: 20.05.21) geplant, falls die Kinos dann wieder aufmachen dürfen. Erst heute (22.1.21) wurde bekannt gegeben, dass der James Bond Film „No Time To Die“ ein weiteres Mal, nun auf den 8. Oktober 2021, verschoben wird. Ich habe den Film als PVOD für 19,99 USD auf iTunes (U.S.) gesehen. Der erste Film für mich für eine $19,99 Leihgebühr. Auch wenn es recht teuer ist, kann man den Film – wie bei normalen VOD – innerhalb von 48 Stunden so oft gucken, wie man möchte. Gerne hätte ich den Film natürlich im Kino gesehen, dort hätte ich mir den Film wahrscheinlich auch 2 x angeschaut, entsprechend ist PVOD gar nicht so teuer.

Trailer zu sehen:

2 Gedanken zu “VOD – Film: „Promising Young Woman“

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