Netflix – Film: „Ma Rainey´s Black Bottom“


Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

„Ma Rainey´s Black Bottom“ (in D. seit dem 18.12.20 auf Netflix verfügbar)  94 min  drama, biopic, adaptation 

dir. George C. Wolfe  cast: Viola Davis, Chadwick Boseman, Colman Domingo, Glynn Turman, Michael Potts, Taylour Paige, Jonny Coyne, Jeremy Shamos, Dusan Brown 

Im Jahr 1927 in Chicago. Die Bluessängerin Gertrude „Ma“ Rainey (Viola Davis) ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Gerade ist sie auf dem Weg zum Aufnahmestudio, ihre Band mit Cutler (Colman Domingo), Toledo (Glynn Turman), Slow Drag (Michael Potts) und dem ehrgeizigen Trompeter Levee (Chadwick Boseman) spielen sich bereits warm.…

B+ (Wertung von A bis F) „Ma Rainey´s Black Bottom“ basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von August Wilson. Es ist kein richtiges Biopic über die Mother of the Blues „Ma Rainey“, man hat aber am Ende ein ziemlich gutes Bild, was für eine imposante und starke Persönlichkeit sie war. Regie führt der renommierte afroamerikanische Theaterregisseur George C. Wolfe.  Dies ist sein fünfter Spielfilm (Nights in Rodanthe). „Ma Rainey´s Black Bottom“ ist Chadwick Boseman gewidmet, der Schauspieler ist im Sommer 2020 verstorben, das war sein letzter Film. 

Eine richtige Geschichte wird hier nicht erzählt, man bekommt jedoch einen ziemlich guten Einblick, wie Weiße die Kreativität und das Talent von afroamerikanischen Musikern ausgenutzt  haben. Es ist ein Nachmittag, an dem die schwarzen Musiker mit ihren weißen Geldgebern zusammentreffen, eine Schallplatte soll aufgenommen werden. Während die Bandmitglieder auf ihre Sängerin, die Blues-Legende Ma Rainey, warten, proben sie im Keller und unterhalten sich. Irgendwann kommt „Ma“, ihr ist klar, dass ihr Manager und der Plattenproduzent nur nett zu ihr sind, bis die Aufnahme im Kasten ist. Es ist ein Film über erlebten Rassismus und die Ausbeutung schwarzer Künstler. Das Ganze wurde von einem Theaterstück adaptiert, für mich fühlte sich die Filmversion aber insgesamt- nach wie vor – eher wie ein Bühnenstück an. Bei meiner zweiten Sichtung gefiel mir der Film noch einen Tick besser, ich habe Ma Raineys und Leevees Charakter noch mehr verstanden, entsprechend habe ich meine anfängliche Bewertung von „B“ in ein „B+“ verändert.

Im Abspann sieht man Original-Fotografien von Ma Rainey und ihrer Band. 

Viola Davis hat für ihre Performance in einer Verfilmung von August Wilsons Bühnenstück (Fences) ihren ersten Oscar gewonnen. Man kann fest davon ausgehen, dass sie für die zweite, von Denzel Washington produzierte, August Wilson-Filmadaption wenigstens eine Oscar-Nominierung erhält. Sie hat weniger Szenen als ihr Co-Star Chadwick Boseman, dominiert aber dennoch jede einzelne Szene. Man erkennt sie kaum wieder. Sie singt allerdings nicht selbst und hat sich die Kilos auch nicht angefuttert. Ihr Talent und ihre Klasse zeigen sich aber dadurch, dass man ihr diese Stimme und diesen Körperumfang, überhaupt diese ganze Persönlichkeit, abnimmt. Ich liebe ihr Make-up, insbesondere wenn es durch das Schwitzen verschmiert. „Ma“ ist gewiss keine Frau, mit der ich mich anlegen würde. Ich sehe sie im Moment als Favorit auf den Oscar-Gewinn als Beste Hauptdarstellerin. Sollte sie in dieser Kategorie gewinnen, wäre sie – nach Halle Berry, vor mittlerweile fast 20 Jahren – erst die zweite schwarze Schauspielerin, die in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin den Oscars gewinnt. 

Chadwick Boseman ist am 28.08.20 im Alter von nur 43 Jahren überraschend verstorben. Es ist tragisch, ihn hier in seiner letzten Rolle zu sehen. Aufgefallen ist er mir das erste Mal in dem, ansonsten eher nicht so guten, Film Get On Up.  Das war im Jahr 2014 und er hat die Soul-Legende James Brown so porträtiert, dass ich geglaubt habe, den Leibhaftigen zu sehen. Auch in diesem Film gibt er eine bravouröse und facettenreiche Performance. Hier ist er eine tief verletzte Seele, ein junger Mann voller Talent und Ehrgeiz, aber auch Wut und Frust. 

Es gilt als sicher, dass Chadwick Boseman dieses Jahr (posthum) für den Oscar nominiert wird. Seit geraumer Zeit wird er sogar als Favorit auf den Oscar-Gewinn gehandelt. Nicht ganz so sicher bin ich mir für welchen Netflix-Film (Da 5 Bloods oder „Ma Rainey´s Black Bottom“) und in welcher Kategorie er nominiert wird. Verdient hätte er eine Oscar-Nominierung (und Oscar-Gewinn) in meinen Augen einzig für „Ma Rainey´s Black Bottom“ und – wenn man es genau nimmt – für die Beste Hauptrolle. Es gibt nur zwei Schauspieler die posthum einen Oscar gewonnen haben (Peter Finch für „Network“ und, na klar, Heath Ledger für (The Dark Knight), beide hatten allerdings bereits eine Oscar-Nominierung zuvor erhalten. Chadwick Boseman wurde bis dato noch nicht für den Oscar nominiert und dann als Bester Hauptdarsteller bei der diesjährigen Konkurrenz zu gewinnen, ist zwar nicht unmöglich, aber sehr schwer. Wenn ich bei Netflix im PR-Team für die Awards-Kampagne arbeiten würde, wäre mein Vorschlag, ihn als Bester Nebendarsteller zu führen. Zum jetzigen Zeitpunkt hätte er den Oscar als Bester Nebendarsteller hundertprozentig in der Tasche.  Kürzlich hat er diesen Preis erst bei dem New Yorker Filmkritiker Verband gewonnen, allerdings für „Da 5 Bloods“. 

„Ma Rainey´s Black Bottom“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Chadwick Boseman), Beste Hauptdarstellerin (Viola Davis), Bester Nebendarsteller (Chadwick Boseman?, Glynn Turman, Colman Domingo), Beste Nebendarstellerin (Taylour Paige), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien Update: „Ma Rainey´s Black Bottom“ wurde für 5 Oscars nominiert (Bester Hauptdarsteller (Chadwick Boseman), Beste Hauptdarstellerin (Viola Davis), Bestes Make-up und beste Frisuren, Bestes Szenenbild und Bestes Kostümdesign) Update: „Ma Rainey´s Black Bottom“ hat zwei Oscars (Bestes Make-up und Beste Frisuren und Bestes Kostümdesign) gewonnen. 

„Ma Rainey´s Black Bottom“ wurde erstmalig am 25.11.20 in einigen ausgewählten amerikanischen Kinos gezeigt. Seit dem 18.12.20 ist der Film weltweit auf Netflix zu sehen.

Trailer zu sehen:

3 Gedanken zu “Netflix – Film: „Ma Rainey´s Black Bottom“

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