VOD – Film: „The Nest“


Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes (U.S.) angeschaut:

„The Nest“ (dt. Filmtitel: „The Nest – Alles zu haben ist nie genug“, dt. Kinostart: 23.12.20)  108 min  drama 

dir. Sean Durkin  cast: Jude Law, Carrie Coon, Oona Roche, Michael Culkin, Charlie Shotwell, Adeel Akhtar

Rory (Jude Law) und Allison (Carrie Coon) leben mit ihren beiden Kindern, dem 10-jährigen Benjamin (Charlie Shotwell) und der Teenager-Tochter Sam (Oona Roche) in den Vereinigten Staaten. Sonderlich ist die Familie nicht begeistert, als Rory ihnen mitteilt, dass sie in seine Heimat nach England ziehen. Rory arbeitet am Finanzmarkt und hat ein lukratives Angebot von seinem ehemaligen Arbeitgeber (Michael Culkin) erhalten. Er hat daraufhin gleich ein riesiges Anwesen gemietet, die Kinder gehen auf die besten Schulen. Alles ist perfekt, aber scheinbar nur oberflächlich betrachtet…  

B+ (Wertung von A bis F) „The Nest“ ist nach Martha Marcy May Marlene erst der zweite Film des kanadischen Filmemachers Sean Durkin. Er hat auch das Drehbuch zu seinem Film geschrieben. 

Bei dem Film wusste ich vorher nicht, worum es geht – einzig, dass er gut sein soll, mit Carrie Coon und Jude Law in den Hauptrollen besetzt und für Oscar-Nominierungen im Gespräch ist. Ich kann nicht unbedingt behaupten, dass ich nach 45 Minuten mehr wusste, zumindest wusste ich nicht, in welche Richtung das Ganze führt. Ziemlich schnell ist klar, was oder wer das Problem ist, aber dann ist da dieses leicht unheimliche Anwesen, diese Pferde-Geschichte – halten die am Ende nur als Metaphern her? Bei diesem Film, wie auch bei Sean Durkins Spielfilmdebüt, hatte ich vermutet, es handelt sich um einen Thriller. „The Nest“ ist (auch) kein Thriller, er ist strukturiert wie einer, aber es ist ein Charakter- , Ehe- und Familiendrama, jedenfalls meinem Empfinden nach. Die letzte halbe Stunde fand ich unfassbar gut, ganz anders als ich erwartet habe, aber am Ende passte alles.

„The Nest“ spielt während der U.S.-Präsidentschaft von Ronald Reagan, also irgendwann in den 1980er Jahren. Viele Geschichten können einfach besser erzählt werden, wenn an Handys, Computer, Uber usw. nicht mal zu denken war. 

Elizabeth Olsen hatte ihren Durchbruch in Durkins Film „Martha Marcy May Marlene“, Carrie Coon gab ihr Spielfilmdebüt in David Finchers Gone Girl und wurde sicherlich den meisten mit der TV-Serie The Leftovers bekannt. Von ihrem Talent her müsste Carrie Coon zu diesem Zeitpunkt eigentlich in der ersten Hollywood-Liga mitspielen, ihr richtiger Durchbruch lässt aber scheinbar noch etwas auf sich warten. In „The Nest“ kann sie schon mal unter Beweis stellen, dass sie auch Hauptrollen in Kinofilmen spielen kann. Optisch ist sie sehr wandelbar, in einigen Szenen hat sie mich sogar an Cate Blanchett erinnert.

Das allererste Mal ist mir Jude Law in „Gattaca“ aufgefallen, das muss irgendwann im Jahr 1997 oder 1998 gewesen sein. Auch nach all den hervorragenden Performances, die er über die letzten zwanzig Jahre gegeben hat, neige ich immer noch dazu, ihn zu unterschätzen. Er ist trotz seines Mega-Aussehens und seines Charismas auch ein verdammt guter Schauspieler. Hier zeigt er gleich mal eine große Bandbreite seines Könnens. Zunächst spielt er mit „Rory“ einen dieser Typen, der – egal was passiert – immer wieder die Seite hervorkramen kann, bei der man sich daran erinnert, warum man sich in ihn verliebt hat. Das ist aber auch einer dieser Typen, bei man sich über sich selbst ärgert, weil man bestimmte Sachen nicht viel früher erkannt hat, sie waren doch so offensichtlich. Er kann einen einfach mit seinem Charme um den Finger wickeln. Dann ist aber auch noch die andere Seite, die man erst bemerkt, wenn man genau hinschaut, sich länger mit diesem Typen beschäftigt. Rory erzählt in einem Moment strahlend und voller Euphorie, in der nächsten Sekunde ist seine Mine versteinert. Seine Performance in diesem Film ist sehr nuanciert und beeindruckend (insbesondere in beiden Dinner-Szenen und im Gespräch mit seiner Mutter).

„The Nest“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Jude Law), Beste Hauptdarstellerin (Carrie Coon), Bestes Originaldrehbuch

„The Nest“ wurde erstmalig auf dem Sundance Filmfestival 2020 gezeigt. Der Film ist am 18.09.20 in einigen ausgewählten amerikanischen Kinos gezeigt worden. Seit dem 17.11.20 ist der Film auf VOD, z.B. bei iTunes (U.S.) zu sehen. In Deutschland ist derzeit geplant, den Film am 23.12.20 ins Kino zu bringen. 

Trailer zu sehen:

5 Gedanken zu “VOD – Film: „The Nest“

  1. Na das hört sich jetzt aber mal extrem interessant an. Irgendwie habe ich den Vorgängerfilm nie geschafft zu sehen, müsste ich auch mal nachholen.
    Ja Jude Law…Gattaca, stimmt, da ist er mir auch das erste Mal aufgefallen. Gefühlt wird er immer unterschätzt, aber er ist wirklich gut, im richtigen Film. Er kann richtig gut diesen völlig undurchschaubaren Typ spielen.
    Muss ich sehen!

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    • Der hat wirklich eine unglaubliche Ausstrahlung, hat man damals schon in dieser eher kleinen (und körperlich recht eingeschränkten) Rolle gesehen. Ich habe ihn kürzlich auch in dem Mehrteiler „The Third Day“ (dürfte bei Sky laufen) gesehen, den selbst fand ich im Ganzen nicht so doll, aber ich habe mir schon überlegt, ob ich ihm nochmal eine Chance geben soll. Die ersten drei Episoden sahen – von der Inszenierung her – klasse aus und man, sah Jude Law mal wieder umwerfend aus. 😃

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  2. Kannte bisher nur das Plakat und gute Bewertungen, jetzt hab ich noch mehr Lust auf den Film. Bei Carrie Coon hab ich das Gefühl, dass ihre Wandelbarkeit ihr ein wenig im Weg steht. Ich fand sie aber immer gut, wenn ich sie gesehen habe. Bei Jude Law geht es mir aber ganz ähnlich, der ist schon sehr gut meistens, aber bei mir nie so präsent.

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