Hoboken – Film: „Mank“


Ich war am 13.11.20 in Hoboken und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Mank“  (in D. ab dem 4.12.20 auf Netflix zu sehen) 131 min drama, biopic 

dir. David Fincher  cast: Gary Oldman, Amanda Seyfried, Arliss Howard, Charles Dance, Lily Collins, Tom Pelphrey, Sam Troughton, Jamie McShane, Tom Burke

Herman J. Mankiewicz (Gary Oldman) hat von Orson Welles (Tom Burke) den Auftrag erhalten, das Drehbuch zu seinem neuen Film zu schreiben. Dafür hat er sich auf die North Verde Ranch zurückgezogen. Der stark alkoholkranke Mankiewicz ist durch einen Beinbruch ans Bett gefesselt, er hat in dieser Zeit Unterstützung von einer deutsche Krankenschwester (Monika Gossmann) und seiner Sekretärin Rita Alexander (Lily Collins)…

A- (Wertung von A bis F) „Mank“ ist eine Art Biopic über Herman J. Mankiewicz, der sein Geld als Journalist und Theaterkritiker verdiente bis er nach Hollywood ging, um dort als Drehbuchautor zu arbeiten. Herman J. Mankiewicz, genannt Mank, schrieb das Drehbuch zu „Citizen Kane“ (zumindest hat er den Löwenanteil geschrieben) und stritt mit dem Filmemacher und offiziellen Co-Autoren Orson Welles, um das Recht als Drehbuchautor genannt zu werden. Orson Welles galt seinerzeit als Wunderkind, mit „Citizen Kane“ gab der damals 25-Jährige sein Regiedebüt. Er hatte völlig freie Hand bei seinem ersten Film, war Produzent, Regisseur, Co-Drehbuchautor und Hauptdarsteller. „Citizen Kane“ wurde für neun Oscars nominiert, bei den Oscars im Jahr 1942 hat der Film aber nur einen Oscar gewonnen. Herman J. Mankiewicz und Orson Welles wurden gemeinsam für dieses Werk mit dem Oscar für das Beste Originaldrehbuch ausgezeichnet. „Mank“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers David Fincher („The Game“, „Fight Club“, The Social Network, The Girl with the Dragon Tattoo, Gone Girl, 1.  und 2. Staffel der Netflix-Serie „Mindhunter, 2. Staffel“. Das Drehbuch zu „Mank“ stammt von David Finchers, bereits im Jahr 2003 verstorbenen Vater, Jack Fincher.

Bevor ich etwas zu „Mank“ schreibe, möchte ich kurz auf den Film „Citizen Kane“ eingehen. Ich habe ihn mir bereits einige Male angeschaut und bin immer wieder von seiner (nicht nur seinerzeit) innovative Machart, seinem bis heute einflussreichen Filmstil, den Kameraeinstellungen und -fahrten und der Erzähltechnik beeindruckt, es ist aber keiner meiner Lieblingsfilme. In dem Film geht es um Macht, Medien und Politik. Der Film zeigt den Aufstieg und Fall einer komplexen (fiktiven) Persönlichkeit: Charles Foster Kane. Vor allem diente der Zeitungsverleger William Randolph Hearst dieser Figur als Vorlage. „Citizen Kane“ ist ein vielschichtiges Porträt über diesen Mann, ohne dass wir am Ende genau wissen, wer dieser Mann wirklich war. Kane bekam durch das Geld seiner Mutter eine teure Ausbildung finanziert und erbte irgendwann so viel Geld, dass er sich ein Zeitungsimperium aufbauen konnte. Kane hatte anfangs Ideale, manipulierte mit seinen Sensationsblättern aber immer mehr die Meinung seiner Leser. Als er sich um das Gouverneursamt bewarb, verunglimpfte er seinen politischen Gegner. Der hatte jedoch von Kanes außerehelicher Affäre erfahren und erpresste Kane, seine Kandidatur zurückzuziehen. Charles Foster Kane hielt sich jedoch für unbesiegbar und trat zur Wahl an. Als die Wähler von Kanes moralischem Fehltritt erfuhren, hat die Mehrheit aber nicht für ihn gestimmt, er hatte die Wahl verloren. Natürlich war es in Kanes Augen Wahlbetrug. Seine politische Karriere konnte er für immer begraben. Am Ende seines Lebens lebte Charles Foster Kane einsam und zurückgezogen in seinem Palast und realisierte, dass Geld und Macht allein auch nicht glücklich macht. Das ist meine kurze Zusammenfassung, man könnte inhaltlich natürlich noch auf weit mehr eingehen. Wenn man „Citizen Kane“ im Jahr 2020 sieht, lassen sich unweigerlich Parallelen zu Donald Trump ziehen. Es ist unglaublich, wie zeitlos und zugleich aktuell dieser Film nach fast 80 Jahren noch ist. Daher wundert es nicht, dass „Citizen Kane“ bis heute als einer der besten amerikanischen Filme gilt.

„Mank“ ist – wie der Film aus dem Jahr 1941 – in Schwarz-Weiß gedreht, es ist ein Film über den Drehbuchautor von „Citizen Kane“, Herman J. Mankiewicz. Der Schreibprozess zu „Citizen Kane“ bildet dabei die Basis, den Ausgangspunkt zu „Mank“. Von hier aus blicken wir immer wieder zurück auf Herman J. Mankiewicz´ Leben in Hollywood, zurück in die Jahre von 1930 bis 1940. 

Orson Welles hatte den hochgeschätzten Drehbuchautoren Herman J. Mankiewicz damals beauftragt, das Skript zu seinem ersten Spielfilm innerhalb von ursprünglich 90 Tagen zu schreiben, nach 60 Tagen wollte Welles aber bereits den ersten Entwurf lesen. Der Autor zog sich im Jahr 1940 auf die North Verde Ranch zurück, der stark alkoholkranke Mank hatte sich bei einem Autounfall das Bein gebrochen und war an das Bett gefesselt. Eine Krankenpflegerin und eine Schreibkraft standen ihm zur Seite. 

„Mank“ verkauft sich wahrscheinlich nicht von selbst, es ist kein selbst erklärender Film. Vielleicht ist es auch kein Film, den man sofort ins Herz schließt – stilistisch sicher. Selten habe ich einen Film gesehen, der so fantastisch aussieht. Allein die Inszenierung ist ein Kunstwerk. Manchmal konnte ich meinen Augen kaum trauen, wollte den Film anhalten, zurückspulen und noch mal in den Genuss kommen, mir die eine oder andere Szene, die mit so viel Details angereichert ist, genauer anschauen. Inhaltlich wissen aber wahrscheinlich nur die den Film zu schätzen, die „Citizen Kane“ kennen, ausreichend über amerikanische Filmgeschichte und über das Leben von Herman J. Mankiewicz und seine Beziehung zu Film- und Mediengrößen wie Louis B. Mayer, Marion Davies, Joseph L. Mankiewicz, Orson Wells und William Randolph Hearst wissen. Dahingehend hatte ich meine Hausarbeiten gemacht. (Leider hatte ich aber eine andere Wissenslücke: ich wusste nichts über den seinerzeit beispiellos schmutzigen Gouverneurswahlkampf in Kalifornien im Jahr 1934, da musste ich mich jetzt erst reinlesen).

Schon Wochen bevor ich mir „Mank“ angeschaut habe, habe ich meine Recherche gestartet, habe sämtliche Artikel über Herman J. Mankiewicz und insbesondere auch über seine Beziehung und seine Streitigkeiten mit Orson Welles und William Randolph Hearst gelesen, habe mir Podcast  über die Zeit in Hollywood angehört, auch habe ich mir „Citizen Kane“ nach einigen Jahren mal wieder angeschaut. Genauer gesagt, ich habe den Film innerhalb von wenigen Wochen 3 x Mal gesehen, bei der zweiten Sichtung mit dem Audiokommentar des amerikanischen Filmemachers Peter Bogdanovich („The Last Picture Show“, „Paper Moon“). Kann ich nur jedem empfehlen. Peter Bogdanovich und Orson Welles haben sich über die Jahre immer wieder getroffen. Im Jahr 1992 wurde sogar ein Buch („This is Orson Welles“) über die vielen gemeinsamen Gespräche der beiden Filmemacher veröffentlicht. Meine dritte Sichtung von „Citizen Kane“ fand erst statt, nachdem ich „Mank“ gesehen habe, dieses Mal mit dem Audiokommentar des legendären amerikanischen Filmkritikers Roger Ebert. 

„Mank“ ist ganz offensichtlich eine Hommage an „Citizen Kane“ und beide Filme sollte man mehrmals gesehen haben. Ich bin in der glücklichen Lage, „Mank“ das erste Mal auf einer riesigen Leinwand gesehen zu haben. Eigentlich gehört der Film genau auf diese, aber wir leben in anderen (Corona-) Zeiten und leider werden die meisten nicht die Möglichkeit haben, ihn im Kino zu sehen. Ich hoffe inständig, dass Finchers Inszenierung auch auf einem kleineren Bildschirm wirkt und man sich Zeit für den Film nimmt und ihm auch die nötige Aufmerksamkeit schenkt. 

Ich liebe die Überschriften (die durch das Tippen in eine Schreibmaschine angekündigten Szenenbeschreibungen/Drehbuchanweisungen) in dem Film. Drei Sequenzen hatte ich mir notiert, weil ich sie besonders klasse fand: 1. als Louis B. Mayer seine Regeln darlegt, 2. die Szene im Nachtclub und 3. die Dinner-Party auf dem Anwesen von William Randolph Hearst. Die Filmmusik (von Trent Reznor, Atticus Ross) ist großartig, manchmal unaufdringlich, dann doch wieder im Vordergrund, aber immer perfekt in die Zeit passend. Die Kamera, das Szenenbild, das Kostümdesign, die Regie schreien natürlich nach Oscars, Schauspielerisch war ich von Gary Oldman beeindruckt (nichts neues), aber sogar von Amanda Seyfried (das ist neu), die hätte ich nicht erkannt, hätte ich nicht gewusst, dass sie hier mitspielt. Aber alle Schauspieler sind perfekt besetzt, hervorheben möchte ich vielleicht noch Charles Dance (als William Randolph Hearst), Arliss Howard (als Louis B. Mayer) und Lily Collins (als Manks Schreibkraft). 

„Mank“ wird sicherlich in meiner Top Ten Liste für Filme aus dem Jahr 2020 landen, ich kann es kaum abwarten, ihn ein zweites Mal, dann auf Netflix, zu sehen. Update: „Mank“ ist einer meiner Top Ten-Filme aus dem (Corona-) Jahr 2020.

„Mank“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Gary Oldman), Beste Nebendarstellerin (Amanda Seyfried, Lily Collins), Bester Nebendarsteller (Arliss Howard, Charles Dance, Tom Pelphrey, Tom Burke), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien

„Mank“ ist am 13.11.20 in einigen ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Der Film wird ab dem 4.12.20 auf Netflix zu sehen sein. Die Kinos in New York sind Corona-bedingt immer noch geschlossen. Ich habe auch diesen Film im benachbarten New Jersey, genauer in Hoboken, gesehen. Das Bow Tie Cinema hat nicht jeden Tag geöffnet, derzeit nur von Donnerstag bis Sonntag. Offiziell besteht zwar Maskenpflicht, ich hatte allerdings den Eindruck, dass die Einhaltung nicht kontrolliert wird. In diesem Kino gibt es freie Sitzplatzauswahl, so sehr ich sie in normalen Zeiten schätze, finde ich sie in Corona-Zeiten etwas bedenklich. Der Kinosaal für „Mank“ hatte eine riesige Leinwand und war auch sonst sehr groß, in meiner Vorstellung saßen aber gerade mal fünf Zuschauer. Ein maskenloser Kasper saß bereits, als ich das Kino betreten habe. Auch wenn ich mich selbstverständlich ganz weit von ihm weggesetzt habe, den gesamten Film über habe ich mich etwas unwohl gefühlt. 

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Promising Young Woman“

Bewertung des Trailers: A

Kommentar:  Comedy/Thriller mit Carey Mulligan, Alison Brie, Alfred Molina, etc. Ich warte schon ewig auf diesen Sundance-Hit

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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Trailer v. Film: „The Last Vermeer“

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar:  Romanadaption und Film über den Maler und großen Kunstfälscher Han van Meergren. Mit Guy Pearce und Claes Bang

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

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Trailer v. Film: „Wild Mountain Thyme“

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar:  Verfilmung eines Theaterstücks mit Emily Blunt, Jon Hamm, Jamie Norman, Christopher Walken

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

11 Gedanken zu “Hoboken – Film: „Mank“

  1. Ach Menno, Fincher muss man im Kino sehen, wenigstens einmal, da hast Du recht.
    Ja Citizen Kane habe ich auch zweimal gesehen, ist aber lange her. Mann hat ihn natürlich irgendwo in seiner Sammlung :))
    Vielleicht haben wir hier ja Glück und „Mank“ läuft nächstes Jahr in einem Programmkino (man darf ja träumen).

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    • Ich habe „Citizen Kane“ natürlich auch in meiner Sammlung, da war ich jetzt auch froh, wegen der Audiokommentare. Da habe ich ne Menge über die Inszenierung und was sich Welles bei einzelnen Szenen gedacht hat, gelernt. 👍

      Definitiv muss man Fincher im Kino sehen, es wäre besser, wenn Netflix den Film erst im nächsten Jahr streamen lassen würde. So kann ich mir nicht vorstellen, dass Kinobetreiber den Film nach dem Streaming-Start spielen. Finde ich auch Mist, ich würde ihn mir auch definitiv noch mal im Kino anschauen.

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      • Übrigens habe ich den Kommentar-Fehler nun lokalisieren können und mit kleiner (wahrscheinlich unbewusster) Hilfe des Jetpack Supports behoben. Jetpack ist ein Plugin das auch den Reader und die Mobile-App steuert (bei Dir ist das integriert und bei mir als „freies“ WordPress Blog extra) und da hatte ich aus Sicherheitsgründen ein Modul deaktiviert. Nicht, dass ich glaube, dass Dich das interessiert, aber ich wollte das mal ausführen :)))

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      • Yes. 👍Nö interessiert mich natürlich schon, vor allen Dingen freut es mich, dass der Fehler behoben ist und ich nicht Schuld war. 😃

        Meine Auffassungsgabe, wenn man mir was von Technik und IT-Gedöns erklärt, ist allerdings stark eingeschränkt. Ich will einfach nur, dass es funktioniert. 😉 Ich habe jetzt schon Panik vor dem allerneuesten Update beim iPhone und Mac. Ich weiss genau, dass danach alles anders ist, meine geliebte Ordnung weg ist und irgendwas (oder vieles) nicht funktioniert wie vorher… wahrscheinlich werde ich nach den Updates für ein paar Tage in eine tiefe Depression fallen. 😩

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      • Nee, das letzte Mal als ich meinen Mac schnell upgedatet habe (vor ein paar Monaten) war alles furchtbar und ich hatte tagelang schlechte Laune. Wenn ich jetzt von Dir lese, dass es große Veränderungen gibt, werde ich es wahrscheinlich noch mehr auf die lange Bank schieben. 😩😓

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  2. Dann gucke ich mir erst „Citizen Kane“ an bevor ich mir „Mank“ ansehe. Bin gespannt, aber auch noch unsicher wie gut ich den Film finden werde, auch wenn Fincher bei mir schon einen hohen Stand hat und ich ihm vertraue, wenn er sich einer Regie annimmt.

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