Berlin – Film: „The Trial of the Chicago 7“


Ich war am 11.10.20 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Trial of the Chicago 7“ (dt. Kinostart war der 1.10.20, ab dem 16.10.20 ist der Film auf Netflix zu sehen) 129 min   drama, biopic 

dir. Aaron Sorkin  cast: Mark Rylance, Sacha Baron Cohen, Jeremy Strong, Eddie Redmayne, Yahya Abdul-Mateen II, Joseph Gordon-Levitt, Michael Keaton, Frank Langella, John Carroll Lynch, Kelvin Harrison Jr, Ben Shenkman 

Anlässlich des in Chicago stattfindenden Parteitags der Demokratischen Partei im Sommer 1968 haben die sieben Männer Abbie Hoffman (Sacha Baron Cohen), Jerry Rubin (Jeremy Strong), David Dellinger (John Carroll Lynch), Tom Hayden (Eddie Redmayne), Rennie Davis (Alex Sharp), John Froines (Danny Flaherty), Lee Weiner (Noah Robbins) an Protesten gegen den Vietnamkrieg teilgenommen. Ein Jahr später werden die sieben Aktivisten und der afroamerikanische Bürgerrechtler und Black Panther Aktivist Bobby Seale (Yahya Abdul-Matee II) vor Gericht gestellt. Den Angeklagten wird Verschwörung und der Wille zur mutwilligen Anstiftung eines Aufruhrs zur Last gelegt….

B (Wertung von A bis F) „The Trial of the Chicago 7“ basiert auf wahren Begebenheiten. Nach Molly´s Game ist dies erst der zweite Film, bei dem der amerikanische Dramatiker, Drehbuchautor („A Few Good Men“, Charlie Wilson´s War, The Social Network, Moneyball, Steve Jobs) und Oscar-Gewinner Aaron Sorkin Regie führt. 

Mit den Aktivisten Abbie Hoffman, Jerry Rubin, David Dellinger, Tom Hayden, Rennie Davis, John Froines und Lee Weiner und dem afroamerikanischen Bürgerrechtler und Mitbegründer der Black Panther Party, Bobby Seale, waren es eigentlich „Chicago Eight“, die u.a. gegen unerlaubte Demonstrationen, Verschwörung und Volksaufhetzung angeklagt wurden. Bobby Seales Verfahren wurde aber schließlich ausgelagert, daher hat es der Begriff der „Chicago Seven“ in die Geschichtsbücher geschafft. 

Mir war der Prozess der Chicago Seven zuvor nicht bekannt. 

Auch wenn der Film einen historischen Hintergrund hat, wirkt er – wenn man die Ereignisse in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren und Monaten verfolgt hat- erschreckend zeitgemäß. Hier haben wir auf der einen Seite überwiegend friedliche Demonstranten und auf der anderen Seite mit Schlagstöcken bewaffnete Gesetzeshüter und Nationalgardisten, die Tränengas gegen Demonstranten einsetzen. Später kommt es zu einer unerträglichen Szene von Polizeigewalt gegenüber einem Afroamerikaner. Wie ist es um das amerikanische Justizsystem bestellt ist, wenn Anklagen und Gerichtsprozesse politisch motiviert sind, zeigt dieser Film. Die Unruhen und Proteste gegen den Vietnamkrieg fallen noch in die Präsidentschaft Lyndon B. Johnsons, einem Demokraten, die spätere Anklage und der Prozess jedoch in die des Law-and-Order-Präsidenten Richard Nixon, einem Republikaner.  

Die wichtigsten Protagonisten lernen wir gleich zu Beginn in einer schnell geschnittenen Sequenz kennen, besonderes Augenmerk für die nachfolgende Geschichte wird auf die Hippies Abbie Hoffman und Jerry Rubin (gespielt von Sacha Baron Cohen und „Kendall Roy“ bzw. Jeremy Strong), das Mitglied einer linken Studentenbewegung, Tom Hayden, der übrigens im wahren Leben später mal mit Schauspiellegende Jane Fonda verheiratet war (gespielt von Eddie Redmayne), der afroamerikanische Black-Panther-Mitbegründer Bobby Seale (gespielt von Yahya Abdul-Mateen II), der Staatsanwalt und Chefankläger Richard Schultz (gespielt von Joseph Gordon-Levitt), der Verteidiger der „Chicago 7“ Richard Kunstler (gespielt von Mark Rylance) und natürlich der, alles andere als neutral wirkende, Richter Julius Hoffman (gespielt von Frank Langella) gelegt.  

Am Anfang, im ersten Part des Films, sorgt besonders Sacha Baron Cohen für viele Lacher und man reibt sich förmlich die Augen, wie pointiert der britische Schauspieler sich als amerikanischer Hippie hier einbringt. Überraschend gut hat mir auch Eddie Redmayne gefallen. Im Ganzen betrachtet ist es aber Mark Rylance (Bridge of Spies)“, der hier, in meinen Augen, einen Schauspieler nach dem anderen an die Wand spielt. „The Trial of the Chicago 7“ ist insgesamt ein temporeiches erzähltes Gerichtsdrama mit, wie sollte es bei Aaron Sorkin anders sein, teils brillanten Dialogen. Mit diesem Ensemble-Film könnte man bei den kommenden Oscar-Nominierungen mühelos ausschließlich Schauspieler dieses Films in der Kategorie Bester Nebendarsteller nominieren. Update: Alle Schauspieler werden offiziell eine Kampagne in der Kategorie Bester Nebendarsteller führen.

„The Trial of the Chicago 7“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller/Bester Nebendarsteller (Mark Rylance, Sacha Baron Cohen, Eddie Redmayne, Jeremy Strong, Frank Langella, Yahya Abdul-Mateen II, Michael Keaton), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien Update: „The Trial of the Chicago 7“ ist für 6 Oscars nominiert (Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Sacha Baron Cohen), Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt, Beste Kamera und Bester Song)

„The Trial of the Chicago 7“ läuft seit dem 25.9.20 in einigen ausgewählten amerikanischen Kinos. Auch in Deutschland wird der Film seit dem 1.10.20 in einigen wenigen Kinos gezeigt. Ab dem 16.10.20 ist er dann bereits auf Netflix zu sehen. Ich wollte den Film unbedingt im Kino sehen und habe mich gefreut, ein Kino gefunden zu haben, dass die OmU zeigt. Vor diesem Netflix-Film wurden auch nur insgesamt 10 Minuten Werbung (inkl. 3 Trailer) gezeigt. Bei diesem Film ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass es ein neues Netflix-Logo gibt, ohne den so typischen Netflix-Sound. 

Trailer zu sehen: 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Oeconomia„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar:  deutsche Dokumentation 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: im TV sicher 

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Trailer v. Film: „Die Stimme des Regenwaldes„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: schweizerischer Film/Biopic (Originaltitel: Paradise War – The Story of Bruno Manser)

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht 

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Trailer v. Film: „I am Greta„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar:  Dokumentation über Greta Thunberg 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0% 

8 Gedanken zu “Berlin – Film: „The Trial of the Chicago 7“

  1. Du konntest den also im Kino sehen, ich muss noch bis übermorgen auf Netflix warten. Eigentlich müsste das ja ein Film für mich sein und Aaron Sorkins Filme (habe alle außer Charlie Wilsons War gesehen) fand ich immer mindestens gut. Aber bei dem ein oder anderen Namen auf der Besetzungsliste hab ich gedacht uiuiui, ob das gut geht?

    Gefällt 1 Person

    • Ja ich wollte den unbedingt im Kino sehen, hat sich auch gelohnt, große Leinwand und mit einem gut aufgelegten Publikum ist das schon ein anderes Sichterlebnis als auf dem Fernseher oder gar Laptop.

      Tatsächlich hatte ich auch bei dem einen oder anderen (gerade Sacha Baron Cohen, den ich grundsätzlich erstmal als Borat vor Augen habe und Eddie Redmayne, der mir mit seiner Überpräsenz seit der Oscar-Saison 2014/2015 auf die Nerven geht) Bedenken. Beide fand ich aber hervorragend.

      Gefällt 2 Personen

      • Gut, dass du zwei der drei ansprichst, bei denen ich bedenken habe, daneben noch Joseph Gordon-Levitt, der die letzten Jahre nicht mehr wirklich präsent war. Bei Eddie Redmayne bin ich mir nicht einmal sicher, ob der wirklich schauspielen kann, aber das klingt ja positiv

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      • Joseph Gordon-Levitt spielt keine sonderlich große Rolle, wird von den anderen mit Leichtigkeit in die Ecke gedrängt. Aber er stört nicht, ist okay.

        Ich würde nun nicht sagen, dass Redmayne gar nicht spielen kann, mir geht er nur leicht auf die Nerven, seit den Oscars und „The Danish Girl“. Wurde ne Zeitlang etwas viel Gewese um den gemacht.

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  2. Ich beneide dich wirklich, den hätte ich auch so gern im Kino gesehen…leider wurde er bei uns nirgends gezeigt 🙁.
    Naja, muss ich mich halt noch bis morgen gedulden…wie es sich nach deiner Review so liest, dürfte sich das Warten aber zumindest lohnen 😉

    Gefällt 1 Person

    • Das ist schade. Ehrlich gesagt, bin ich auch eher zufällig über ein Kino gestolpert, das den spielt. Ich hatte nicht mal gesucht, weil ich nicht dachte, dass Netflix den in Deutschland überhaupt ins Kino bringt.

      Ist ja nicht mehr lang bis morgen. 😉 Vielleicht hätte ich einen noch besseren Film erwartet, aber der ist schon sehenswert.

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