Hamburg – Film: „Hope Gap“


Ich war am 29.09.20 in Hamburg und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Hope Gap“ (dt. Filmtitel: „Wer wir sind und wer wir waren“, dt. Kinostart: 10.12.20)  100 min  drama, adaptation 

dir. William Nicholson  cast: Annette Bening, Bill Nighy, Josh O´Connor, Aiysha Hart

Als Jamie (Josh O´Connor) über das Wochenende seine Eltern besucht, kommt es zum Streit seiner Eltern. Am nächsten Morgen erfährt er von seinem Vater (Bill Nighy), dass er eine Freundin hat und die Mutter (Annette Bening) nach über 29 Jahren Ehe verlassen will.  Für seine Mutter bricht eine Welt zusammen und auch Jamie weiß nicht wirklich, wie er mit der Situation umgehen soll…

B+ Wertung von A bis F) Für „Hope Gap“ basiert auf William Nicholson eigenem Bühnenstück „The Retreat from Moscow“. Es ist nach „Firelight“ erst der zweite Spielfilm Film bei, dem der britische Romanautor, Dramatiker, Drehbuchautor („Shadowlands“, „Gladiator“, Breathe) und Filmemacher Regie führt. „Hope Gap“ ist ein sehr persönlicher Film für den Regisseur, der hier die Trennung seiner Eltern aufarbeitet. 

„Hope Gap“ ist ein komplexes Ehe- und Familiendrama, das die Trennung der Eltern auch mal aus der Perspektive des erwachsenen (Einzel-) Kindes erzählt. Natürlich gerät das Leben eines Erwachsenen auch irgendwie aus den Fugen, wenn sich die Eltern trennen. Man möchte seine Eltern nicht leiden sehen, will keine Partei ergreifen und steht damit zwischen den Fronten. Hier ist es der Vater, der nach 29 Jahren Ehe aus selbiger ausbrechen möchte. Vielleicht haben Edward und Grace (Annette Bening und Bill Nighy als überzeugende Paarung) aber sowieso nie wirklich zusammengepasst. Wieviele langjährige Beziehungen und Ehen gibt es, bei denen die Partner nur nebeneinander her leben und der eine oder andere eigentlich schon lange nach einem Ausweg sucht, die Beziehung oder Ehe zu beenden? Meist ist ein neuer Partner im Spiel, so auch hier. William Nicholson hat hier eine ungewöhnliche, aber durchaus berührende Herangehensweise die Trennung eines Ehepaares darzustellen. Es gibt sicher Filme, die aus Sicht der erwachsenen Kinder das Scheitern der Ehe der Eltern beleuchten. Ich kann mich aber gerade nicht an sie erinnern, bei der Sichtung kam mir die Idee erfrischend neu vor. 

Annette Bening als plötzlich verlassene und tief verletzte, aber auch anstrengende und zynische Frau gibt eine facettenreiche Performance.

„Hope Gap“ war/ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Annette Bening), Bestes adaptiertes Drehbuch

„Hope Gap“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2019 gezeigt. Noch bevor die Kinos aufgrund der Corona-Pandemie weltweit geschlossen wurden, ist der Film am 06.03.20 in einigen ausgewählten Kinos in den Vereinigten Staaten gestartet. Der Film soll unter dem Filmtitel „Wer wir sind und wer wir waren“ voraussichtlich am 10.12.20 in den deutschen Kinos starten. Ich habe den Film auf dem Filmfest Hamburg 2020 gesehen. Gezeigt wurde der Film in der Sektion Kaleidoskop und in der Originalfassung mit dt. Untertiteln. 

Trailer zu sehen:

Film "Hope Gap" auf dem Filmfest Hamburg 2020
Film „Hope Gap“ auf dem Filmfest Hamburg 2020

11 Gedanken zu “Hamburg – Film: „Hope Gap“

  1. Puh, schwere Kost. Gut, wenn sich Paare auseinandergelebt haben ist das die eine Sache und schon noch nachvollziehbar. Schwer ist es, wenn sich eine Partei einfach nach Neuem umsieht und der Partner vor dem Nichts steht. Als Erwachsener die Trennung seiner Eltern zu erleben ist vielleicht noch schwerer als als Kind. Oder vielleicht auf andere Art schwer. Ich denke, man hat dann schon sein gefestigtes Weltbild und das zerbricht ja auch mit der Trennung der Eltern. Schwierig.

    Ich mag ja Benning und Nighy.

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    • Definitiv schwere Kost. Hier ist es so, dass er sich nicht mal nach einer neuen Frau umgeschaut hat, er war zwar unglücklich, hat aber sein Leben so hingenommen und dann trat die neue Frau in sein Leben. Für seine Ehefrau kam die Trennung wirklich aus dem Nichts. Das ist schon hart, auf der anderen Seite sieht man auch wie fürchterlich anstrengend sie ist und da kann man ihn sehr wohl verstehen.

      Dazu kann ich selbst keine Erfahrungswerte beisteuern, ich hätte es aber als (Einzel-)Kind unerträglich gefunden, wenn sich meine Eltern getrennt hätten. Schon allein, weil man ja logischerweise nur bei einem Elternteil leben kann. Da wäre meine kleine Welt zusammengebrochen, mit Mitte/Ende 20 hätte ich es sicherlich besser ausgehalten, aber tatsächlich – wie der Film so schön zeigt – auch schwierig.

      Gefällt 1 Person

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