Hamburg – Film: „Kajillionaire“


Ich war am 27.09.20 in Hamburg und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Kajillionaire“ (dt. Kinostart: 22.10.20)  115 min  drama, comedy 

dir. Miranda July  cast: Evan Rachel Wood, Gina Rodriguez, Richard Jenkins, Debra Winger

Robert (Richard Jenkins) und Theresa (Debra Winger) schlagen sich schon ihr ganzes Leben mit Betrügereien durch. Ihre mittlerweile erwachsene Tochter Old Dolio (Even Rachel Wood) kennt auch kein anderes Leben, von klein auf wurde sie darauf gedrillt, sich irgendetwas zu ergaunern. Eigentlich hat sie sich immer nach einem normalen Leben gesehnt. Die Familie lebt in einem heruntergekommenen ehemaligen Großraumbüro ohne Fenster und selbst dafür können sie gerade die Miete nicht bezahlen. Dann tritt Melanie (Gina Rodriguez) in das Leben der Familie…

D- (Wertung von A bis F) „Kajillionaire“ ist nach „Me and You and Everyone We Know“ und „The Future“ der dritte Film, bei dem die amerikanische Künstlerin Miranda July Regie führte. Auch das Drehbuch stammt aus ihrer Feder.

Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn die Figuren in einem Film oder einer Serie nahezu ausschließlich unsympathisch sind (das ist bei meiner Lieblingsserie Succession auch nicht anders). Die Charaktere müssen aber glaubhaft und greifbar sein und mich bestenfalls in ihre Welt führen können. Darüberhinaus ist ein komplexes und durchdachtes Drehbuch, das wenig Logiklücken zulässt und dafür mit brillanten und/ oder witzigen Dialogen aufwarten kann, hilfreich. Das Sahnehäubchen sind dann die schauspielerischen Leistungen. „Kajillonaire“ hat von dem Aufgezählten nur die unsympathischen Charaktere.

Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, die Lebensrealität dieser kleinen Familie irgendwo nachvollziehen zu können. Als dann die Tochter noch mehr in den Fokus der Geschichte geriet, musste ich mir dazu aber noch vorstellen, wie sich ihr gesamtes Leben bis jetzt gestaltete. Beides ist mir leider nicht mal annähernd gelungen. 

Eigentlich ist es eine tieftraurige Geschichte über eine junge Frau, die hier erzählt wird. Aufgezogen ist es aber als schräge und witzig sein wollende Fabel. Die Balance findet Miranda July zu keinem Zeitpunkt.

Zusammenfassend haben wir hier also unfassbar unsympathische und dabei nicht mal glaubwürdige Charaktere, keine dolle Handlung, mittelmäßige Dialoge und eher im Negativbereich angesiedelte Performances. Insbesondere Evan Rachel Wood, von der ich eigentlich viel halte, konnte hier mit ihrer tiefer gestellten Stimme und ihrer, wie aus einem schlechten Horrorfilm stammenden Erscheinung und Spielart nicht glänzen. Nachdem ich mich dann auch erstmal auf sie eingeschossen hatte, fielen mir ständig neuen Fragwürdigkeiten ihres Charakters auf.

„Kajillionaire“ war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch. 

„Kajillionaire“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2020 gezeigt. Der Film ist am 25.09.20 in 500 ausgewählten Kinos in den U.S.A. gestartet. Ab dem 16.10.20 soll der Film dann bereits auf VOD herausgebracht werden. Ab dem 22.10.20 wird „Kajillionaire“ dann auch in Deutschland im Kino zu sehen sein. Ich habe den Film auf dem Filmfest Hamburg 2020 gesehen. Gezeigt wurde der Film in der Sektion Transatlantik und in der Originalfassung mit dt. Untertiteln. 

Für mich war es das erste Mal, dass ich das Filmfest Hamburg besucht habe. Bislang hatte ich es noch nie geschafft, in meiner zweitliebsten deutschen Stadt das Filmfest zu besuchen. In den letzten paar Jahren habe ich auch immer das, zur gleichen Zeit stattfindende New York Film Fest besucht. Corona schließt viele Türen, öffnet aber auch scheinbar einige. Die gewohnte Filmfestival-Stimmung konnte sich aber natürlich nicht einstellen. Manche Filmen, die in der Deutschland-Premiere gezeigt wurden, hatten in dem ausverkauften und größten Kinosaal des Festivals gerade mal 321 Besucher (es gab aber auch Deutschland-Premieren mit 20 oder 40 Besucher). Bei „Kajillinaire“ waren es rund 300 Zuschauer in einem Saal, in dem 971 Zuschauer reinpassen. Ich hatte mich erkundigt, mit dem Hygienekonzept dürfen nur 1/3 der Sitze verkauft werden. Das gibt natürlich ein trauriges Bild ab, vor allen Dingen im direkten Vergleich mit der Pre-Corona-Berlinale, die ich noch im Februar 2020 besuchte.  

Trailer zu sehen:

Film "Kajillionaire" auf dem Filmfest Hamburg 2020

6 Gedanken zu “Hamburg – Film: „Kajillionaire“

    • Dabei ist der allgemein so gut bewertet worden. Ich glaube, ich hatte den Trailer vorher auch gar nicht gesehen. Aber gut, wenn man die Charaktere „schlucken“ kann, funktioniert der Film wahrscheinlich auch.

      Filmfestivals sind natürlich generell was Besonderes, auch wenn es sich in der Corona-Zeit nun wirklich nicht so anfühlt.

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      • Bei manchen Filmen fragt man sich ja, wie die im Kritikerspiegel so gut wegkommen.

        Vielleicht bin ich da eine Ausnahme, aber für mich bildet jeder Kinogang etwas besonderes ab, auch wenn ich inzwischen ca 50 Mal im Jahr ins Kino gehe. Von daher würde der Effekt für mich wahrscheinlich immer noch funktionieren.

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      • In den vergangenen Jahren bin ich auch weit mehr als 50 x im Jahr ins Kino gegangen und dennoch ist ein Filmfestival weit mehr, auch weil man unter völlig Fremden, aber Gleichgesinnten über die jeweils gesehenen Filme plaudern kann, Filme gemeinsam lieben oder hassen kann, die Aufregung, einen völlig neuen Film zu sehen, und und und

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