Netflix – Serie: „Unorthodox“


Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„Unorthodox“ (in D. seit dem 26.03.20 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 50 min drama, adaptation

dir. Maria Schrader  cast: Shira Haas, Amit Rahav, Jeff Wilbusch, Dina Doron, Della Mayer

 

Die 19-jährige Esty (Shira Haas) lebt in der jüdisch-orthodoxen Satmar-Gemeinde in Williamsburg in New York City. Vor ein paar Monaten wurde sie mit Yanky (Amit Rahav) verheiratet. Sie ist unglücklich in ihrer Ehe und mit ihrem Leben und flieht eines Tages nach Berlin…

 

B (Wertung von A bis F) Die Miniserie „Unorthodox“ wurde von Deborah Feldmans Autobiographie „Unorthodox: The Scandalous Rejection of My Hasidic Roots“ inspiriert. Die amerikanische Autorin Anna Winger (u.a. „Deutschland 83“, „Deutschland 86“) und die deutsche Filmemacherin Alexa Karolinski (u.a. „Oma & Bella“) haben das Drehbuch geschrieben, bei den Rückblicken haben sie sich an Deborah Feldmans Memoiren gehalten, aber die gesamte Storyline in Berlin wurde umgeschrieben. Die zentrale Sprache dieses Mehrteilers ist Jiddisch. Bei allen vier Teilen führt die deutsche Schauspielerin („Keiner liebt mich“, „Aimée & Jaguar“, TV-Serie „Deutschland 83“), Drehbuchautorin („Meschugge“) und Regisseurin („Liebesleben“, „Vor der Morgenröte“) Maria Schrader Regie. Neben der Autorin, haben die beiden Drehbuchautorinnen, die Filmemacherin und die meisten Künstler vor und hinter der Kamera dieses Projekts jüdische Wurzeln. 

Als ich mir diesen Mehrteiler angeschaut habe, wusste ich nicht, dass es sich hierbei um eine deutsche (und amerikanische Ko-) Produktion handelt. Schnell wurde ich reingezogen in diese New Yorker Parallelwelt. Geschichten, die in der jüdisch-orthodoxen Gemeinde spielen, finde ich generell faszinierend. Viel zu wenig weiß man über die in sich geschlossene, streng gläubige Gemeinde. Aber, ganz ehrlich, was für eine Frauen diskriminierende Kultur und Religion. Anzusehen, wie man innerhalb der Chassidischen Glaubensgemeinschaft mit Frauen umgeht, war kaum zu ertragen. Um so mehr ich in die, von zig Regeln bestimmten Welt eingetaucht bin, um so enger stand ich an Estys Seite, habe ihr innerlich die Daumen gedrückt, dass ihr die Flucht gelingt und sie für immer aus der Gemeinde aussteigt. Überhaupt lebt dieser Vierteiler durch Esty (bzw. durch die Schauspielerin Shira Haas). Was für eine starke, kleine Frau. Ich liebe ihr ausdrucksstarkes Gesicht mit diesen riesigen, dunklen Augen. Mit ihrer Präsenz und ihrem offensichtlichen Talent ist sie für mich bereits jetzt schon ein Star, von ihr werden wir sicherlich noch einiges hören und sehen. Das Drehbuch zu „Unorthodox“ und damit die gesamte Netflix-Produktion kommt leider nicht an die Brillanz ihrer Hauptdarstellerin ran. Man hätte die Geschichte anspruchsvoller erzählen können. Durch die Rückblenden kann man sich zwar ein recht gutes Bild von der ultraorthodoxen Welt und Estys Situation machen, aber die Fortsetzung der Geschichte in Berlin ist weit weniger gelungen. Manches hätte glatt in die deutsche Seifenoper-Landschaft gepasst. Auch gibt es einige Anschlussfehler, die mich immer wieder rausgeworfen haben. Mir hat aber gefallen, dass die tragische Geschichte immer mal wieder mit Situationskomik aufgelockert wird. Das „Wir-haben-keine-Probleme-wir-sind-alle-weltoffen-und-leben-Multikulti“-Berlin wirkte auf mich als Berlinerin auch zu sehr inszeniert.  

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Esther „Esty“ Shapiro ist 19 Jahre alt. Sie wurde in die jüdisch-orthodoxe Welt in dem New Yorker Stadtteil Williamsburg in Brooklyn hineingeboren. Die ursprünglich aus Ungarn stammenden Satmarer Juden sind eine chassidische, ultraorthoxe Gemeinde, die von Holocaust-Überlebenden nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Jiddisch ist bis heute die Sprache dieser Gemeinde. Als Esty drei Jahre alt war, hat Estys Mutter Leah (gespielt von Alex Reid) die Gemeinde verlassen. Sie wurde dann von ihrer geliebten Großmutter „Bubbe“ (gespielt von Dina Doron) und ihrer Tante Malka (gespielt von Ronit Asheri) großgezogen. Sie wurde vor einigen Monaten mit Yanky (gespielt von Amit Rahav) verheiratet. Esty ist unglücklich in ihrer Ehe, auch weil sich ihre Schwiegermutter (gespielt von Delia Mayer) permanent in die Ehe und in sehr private, intime Dinge einmischt. Sie lässt schließlich die ultra-orthodoxe Gemeinde hinter sich und flieht nach Berlin. Gespielt wird Esty von der israelischen Schauspielerin Shira Haas. Seit sie in ihrem Heimatland für einige Schauspielpreise nominiert und ausgezeichnet wurde, ist auch Hollywood auf sie aufmerksam geworden. Sie hat in internationalen Produktionen (u.a. „The Zookeeper’s Wife“, „Mary Magdalene“) mitgespielt und auch eine größere Rolle in der hochgelobten israelischen TV-Serie „Shtisel“.

Yanky Shapiro ist mit Esty (gespielt von Shira Haas) verheiratet. Es gibt Probleme in der Ehe, auch weil Yankys Mutter Miriam (gespielt von Delia Mayer) sich immer wieder einmischt. Eines Tages verschwindet Esty und Yanky und sein Cousin Moishe (gespielt von Jeff Wilbusch) machen sich auf die Suche nach ihr. Yanky ist mir ans Herz gewachsen, ganz liebenswert und putzig ist der, in manchen Szenen sieht er aus wie Elijah Wood. Gespielt wird Yanky von dem israelischen Schauspieler Amit Rahav. Er hat zuvor in einigen israelischen TV-Serien mitgespielt.

Moishe ist der Cousin von Yanky (gespielt von Amit Rahav). Er hat selbst schon einmal die Satmar-Gemeinde verlassen, hat scheinbar auch Schulden und muss etwas wieder gutmachen. Der Rabbiner  schickt ihn daher mit Yanky nach Berlin, um Esty zurück nach Williamsburg zu bringen. Gespielt wird Moishe von dem israelisch-deutschem Schauspieler Jeff Wilbusch. Bei dem Casting zu „Unorthodox“ hat er der Crew mitgeteilt, dass Moishes Story ihn an seine im realen Leben erinnert. Jeff Wilbusch stammt aus einer Satmar-Community und ist Jiddisch-Muttersprachler. Mir kam er bekannt vor, vermutlich von dem Mehrteiler „The Little Drummer Girl“ (über die ich eigentlich damals was schreiben wollte). Er hat aber auch in der deutschen TV-Serie „Bad Banks“ und in einigen anderen TV-Serien mitgespielt. 

„Unorthodox“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series, Best Actress, Limited Series (Shira Haas) Update: „Unorthodox“ wurde für 8 Emmys nominiert (Best Limited Series, Best Actress/Limited Series für Shira Haas, Best Directing/Limited Series für die deutsche Filmemacherin Maria Schrader, Best Writing für „Part 1“ und einige technische Kategorien) Update: „Unorthodox“ hat einen Emmy gewonnen (für Maria Schrader für die Beste Regie eines Mehrteilers)

„Unorthodox“ ist seit dem 26.03.20 auf Netflix zu sehen. Empfehlenswert ist auch das Making Of zu dem Mehrteiler (ebenfalls auf Netflix zu sehen). Hier kommt auch die Vorlagenlieferantin Deborah Feldman zu Wort.

Trailer zu sehen:

 

5 Gedanken zu “Netflix – Serie: „Unorthodox“

  1. Meinem empfinden nach sind alle ultraorthodoxen Religionsgemeinschaften, ob jüdisch, christlich, islamisch angelehnt oder zum Beispiel im Sikhismus extrem frauenfeindlich. Oft heißt es das ist kulturell bedingt, aber im Grunde greift das ineinander, weil strenge Gläubigkeit immer mit einem archaischem Weltbild einhergeht, in dem Frauen eine dem Mann untergeordnete Rolle spielen.
    Aber gut, diese Ausrichtungen gehören innerhalb der Religionen zu den Minderheiten, aber ich kann mir vorstellen wie schwer das ist dort auszubrechen. (In die Vigil hatte der Protagonist auch große Schwierigkeiten, weil im der Rabbi immer hintergegangen ist und ihn nicht in Ruhe ließ).
    Ja, dieses Pseudo-Multikulti-Berlin, dass aus der Sicht der Leute geschildert wird, die sich finanziell den Abstand zu den echten Problemzonen und -menschen der Stadt leisten können, liebe ich auch. In ihren gehobenen Kreisen mag das alles so funktionieren, auf der Straße aber nicht :))
    Ja, spannend, habe vorhin erst, unabhängig hiervon, einen Beitrag zu Maria Schrader und auch dieser Serie gelesen.

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    • Ja, glaube ich auch, dass die meisten strenggläubigen Religionsgemeinschaften frauenfeindlich sind und die Männer daran auch nichts ändern wollen. Warum auch, ist ja so schön bequem. Da müsste es eine Revolution der Frauen innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft geben. Aber gut, in diesem Fall kann es die ja nicht geben, da sie gar nicht wissen (seit kleinauf keinerlei Kontakt zur Außenwelt), dass es anders geht. Da bleibt nur die Flucht.

      Ich wünschte auch, Multikulti würde funktionieren, ich glaube auch, es hat schon mal besser (früher, also damals 😃, in Kreuzberg beispielsweise) funktioniert, heute traue ich mich da kaum noch hin. Ja, klar aus meinem Wellness-Bereich meiner Villa in Dahlem könnte ich mir auch das ideale Berlin zusammenfantasieren, Wunschdenken halt. 😂

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  2. Eigentlich eine gute Story, gute Schauspieler und optisch gut umgesetzt, aber der Berlin-Teil war halt so blauäugig erzählt, dass es die ganze Serie etwas runter zieht. Von Moishee hätte ich gerne noch mehr gesehen, die Figur war interessant mit seiner mysteriösen Vergangenheit. Aus Bad Banks ist mir der Schauspieler aber nicht im Kopf geblieben.

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  3. Sehe ich ähnlich. Der Berlin-Strang war mir irgendwie zu konfus und stellenweise gewollt erzählt. Die Einblicke in die chassidische Gemeinde wiederum waren durchaus erhellend, wenn auch nicht unbedingt positiv…

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