Netflix – Film: „Da 5 Bloods“


Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Da 5 Bloods“ (in D. seit dem 12.06.20 auf Netflix abrufbar)  155 min  drama, war, action

dir. Spike Lee  cast: Delroy Lindo, Jonathan Majors, Clarke Peters, Norm Lewis, Isiah Whitlock Jr., Chadwick Boseman, Mélanie Thierry, Paul Walter Hauser, Jasper Pääkönen, Jean Reno, Johnny Tri Nguyen, Veronica Ngo

 

Jahrzehnte nach ihrem Einsatz im Vietnamkrieg treffen sich die vier „Bloods“, die ehemaligen afroamerikanischen Kriegsveteranen Paul (Delroy Lindo), Eddie (Norm Lewis), Otis (Clarke Peters) und Melvin (Isiah Whitlock Jr.) wieder in Vietnam. Sie wollen die sterblichen Überreste von Norman (Chadwick Boseman), dem fünften und Anführer, ihrer damaligen Einheit bergen. Bei der Mission begleitet David (Jonathan Majors) seinen, an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung leidenden, Vater Paul und den Rest der Truppe. Und dann ist da noch ein vergrabener Goldschatz…

 

B- (Wertung von A bis F) „Da 5 Bloods“ ist der neue Film des afroamerikanischen Filmemachers und Oscar-Gewinners Spike Lee („Do the Right Thing“, „Malcolm X“, „25th Hour“, Chi-Raq, BlacKkKlansman).

„Da 5 Bloods“ wird sicherlich – mit dem unerträglichen Mord an George Floyd und den daraus resultierenden Protesten in den Vereinigten Staaten und weltweit – zum nahezu perfekten Zeitpunkt veröffentlicht. Die Botschaft(en) in Spike Lees neuestem Werk fand ich eindringlicher und bleibender als den Film selbst. 

So richtig weiß man ja manchmal nicht, was Spike Lee eigentlich für eine Geschichte erzählen will bzw.  welchem Genre seine Filme überhaupt zuzuordnen ist. „Da 5 Bloods“ ist ein (Anti-)Kriegsfilm, Drama über Kriegsveteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Vater/Sohn-Drama, ein recht blutiger Abenteuer- und Actionfilm, einen kleinen Liebesfilm-Anteil gibt es auch, zwischendurch mutet der Film auch mal wie eine Reportage an, ständig streut er nebenbei Informationen und historisches Archivmaterial über afroamerikanische Bürgerrechtler oder Helden ein und Donald Trump (oder wie Spike Lee ihn nennt „Agent Orange“) durfte natürlich auch nicht fehlen. Kurzum „Da 5 Bloods“ wirkt ganz schön überfrachtet und in den ersten ca. 57 Minuten recht unaufgeräumt.

Mit seinem ersten Netflix-Film setzt Spike Lee ein klares politisches Statement, wie sinnlos und unmoralisch der Vietnam-Krieg war, wie wenig sich die amerikanische Regierung um die traumatisierten Rückkehrer gekümmert hat, dass gerade afroamerikanische Soldaten als Kanonenfutter herhalten mussten, aber in amerikanischen Mainstream-Filmen oder TV-Serien nie als Helden gefeiert wurden. Er zeigt auch den Zusammenhang vom Vietnamkrieg und Rassismus auf.

Die instrumentale Filmmusik (Terence Blanchard) empfand ich als zu dick aufgetragen. Manchmal passt der Score nicht mal zu den Szenen. Das ist mir bereits im ersten Akt, in der Szene, in der die kämpfenden GIs in der Rückblende gezeigt wurden, aufgefallen. Für die Rückblenden verändert Spike hier das Bildschirm/Leinwand-Format, lässt aber die alten Kriegsveteranen Paul, Eddie Otis und Melvin neben ihrem jungen, und später im Krieg gefallenen, Anführer Norman in den Szenen spielen. Das wirkt zunächst irritierend, man kann es jedoch auch so interpretieren, dass die Grausamkeit des Krieges die Männer bis heute nicht losgelassen hat.

Erkennbar ist Spike Lees neuester Film auch eine Hommage an die Filme „Apocalypse Now“ und „The Treasure of the Sierra Madre“, an die Band „The Temptations“ (allein die Namen der Protagonisten entsprechen denen der Bandmitglieder) und auch an Marvin Gaye.   

Schauspielerisch ist dieser Film durch die Bank hervorragend besetzt. Wenn jemand aus diesem Ensemble besonders positiv hervorsticht, ist es Delroy Lindo. Spike Lee nutzt in seinem Film die unterschiedlichsten Stilmittel, als Delroy Lindos „Paul“ die vierte Wand durchbricht und zu seinem Monolog ansetzt, musste ich schon schlucken. Eine Oscar-Nominierung (ob als beste Neben- oder Hauptdarsteller sei dahingestellt) würde ich befürworten. Ein Wiedersehen gibt es hier auch mit Paul Walter Hauser und Jasper Pääkönen aus „BlacKkKlansman“.

„Da 5 Bloods“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller (Delroy Lindo), Beste Nebendarsteller (Clarke Peters, Jonathan Majors) und einige technische Kategorien

Der Netflix-Film „Da 5 Bloods“ sollte erstmalig auf dem Cannes Filmfestival 2020 (außerhalb des Wettbewerbs) gezeigt werden. Durch die Corona-Krise wurde dieses Filmfestival ersatzlos gestrichen. Angedacht war, den Film im Mai oder Juni 2020 ins Kino zu bringen. Corona-bedingt waren jedoch die  Kinos geschlossen, entsprechend wurde der Film direkt auf Netflix zugänglich gemacht. Seit dem 12.06.20 ist er auf diesem Streamingportal – auch in Deutschland – abrufbar. Es ist aber davon auszugehen, dass Netflix „Da 5 Bloods“ mindestens in einem ihrer jüngst gekauften Kinos in Los Angeles und New York dieses Jahr (bzw. bis zum 28.02.21) noch mal auf der großen Leinwand präsentieren wird. 

Trailer zu sehen:

 

2 Gedanken zu “Netflix – Film: „Da 5 Bloods“

  1. Ich war von dem arg enttäuscht, da fehlte mir eine klare Linie. Das, was Spike Lee sagen will ist richtig und wichtig. Der Film, in dem er es verpackt, passt aber nicht dazu. In der ersten Hälfte etwas ziellos und in der zweiten dann zu sehr auf Action fixiert.

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