NYC – Film: „The Assistant“

Ich war am 15.02.20 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Assistant“  87 min drama

dir. Kitty Green   cast: Julia Garner, Matthew MacFadyen, Makenzie Leigh, Noah Robbins, Dagmara Dominczyk 

 

Jane (Julia Garner) hat ihren Uni-Abschluss in der Tasche und träumt davon, eines Tages als Filmproduzentin zu arbeiten. In der Filmbranche hat sie sogar schon einen Fuß in der Tür. Seit ein paar Wochen arbeitet sie als Assistentin eines mächtigen Filmmoguls. Nun macht sie Beobachtungen, vermutet, dass ihr Chef Frauen sexuell ausnutzt. Sie weiß nicht so richtig, wie sie mit der Situation umgehen soll…

 

A- (Wertung von A bis) „The Assistant“ ist das Spielfilmdebüt der australischen Drehbuchautorin und Dokumentarfilmerin Kitty Green („Ukraine is Not a Brothel“, „Casting JonBenet“) 

„The Assistant“ ist ein nuanciertes #MeToo-Drama und für mich der Beweis, warum Autorinnen und Regisseurinnen sich diesem Thema annehmen sollten. Bevor Kitty Green das Drehbuch zu ihrem Film schrieb, hat sie einige Interviews mit Assistentinnen, die u..a für Harvey Weinstein arbeiteten, geführt. Der Film gewährt einen Einblick, wie das „toxische System Weinstein“ über Jahrzehnte funktioniert hat. Die meisten seiner Angestellten wussten sicherlich, was hinter verschlossenen Büro- oder Hotelzimmertüren vor sich ging, dachten aber, es würde sie nichts angehen, wollten keinesfalls ihren guten Job aufs Spiel setzen und stellten sich ihm entsprechend auch nicht in den Weg. Der Film zeigt aber gleichzeitig auch, dass Frauen in einer männerdominierenden Arbeitswelt anders gesehen und behandelt werden und es mitunter schwerer haben, ernst genommen zu werden. So wird von der weiblichen Assistentin erwartet, dass sie Kaffee kocht, Mittagessen bestellt, aufräumt, etc. während sich die männlichen Kollegen in einer ähnlichen Position, um andere Dinge kümmern. 

Vor der Fliegerei hatte ich tatsächlich einen sehr ähnlichen Job in der Filmbranche. Selbstverständlich nicht in solch einem unangenehmen Arbeitsumfeld und schon gar nicht mit so einem Chef. Das ist aber nicht der Grund, warum ich mich in Jane so gut reinversetzen konnte. Die Regisseurin beschreibt Janes Arbeitsalltag und ihre verfahrene Situation vermutlich für alle Zuschauer verständlich. „The Assistant“ ist ein still beobachtender Film, der ganz fokussiert bei der titelgebenden Assistentin bleibt. Es ist ein Film über systematischen sexuellen Missbrauch, ohne dass man den Täter oder den direkten Missbrauch zu sehen bekommt. 

Wir erleben einen Tag im Leben der Assistentin, die erst fünf Wochen in dem Unternehmen arbeitet. Wir sehen, wie sie morgens – noch vor Sonnenaufgang – als Erste das Büro betritt, die Beleuchtung hochfährt, dann ihre Arbeit verrichtet, sich mit ihren männlichen Kollegen und der eifersüchtigen Frau des Filmproduzenten auseinandersetzen muss. Sie ist noch nicht Teil dieser Gemeinschaft auf Arbeit und wird entsprechend zwangsläufig zur Beobachterin. Langsam kann sie sich einen Reim auf ihre Beobachtungen machen. Selbst ist sie kein Opfer, es gibt mutmaßliche Opfer, aber niemanden, der sich beklagt. Jane wurde nicht mal Zeugin sexueller Übergriffe ihres Chefs und doch spürt sie, dass der Hollywood-Produzent seine Macht wahrscheinlich schon seit Jahren ausnutzt. 

Die äußerst begabte Julia Garner (We Are What We Are, Grandma, TV-Serie „Ozark“) trägt diesen Film allein und man versteht zu jeder Zeit was in ihr vorgeht. 

„The Assistant“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist am 31.01.20 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft der Film in den Vereinigten Staaten in 82 Kinos landesweit. Der Film wird auf der Berlinale 2020, in der Sektion Panorama gezeigt. Bislang ist noch kein regulärer Kinostart für Deutschland bekannt. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Emma.„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Neu-Verfilmung des Jane Austen Romans mit Anya Taylor-Joy und Bill Nighy 

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: gucke ich die Tage


Trailer v. Film: „Greed„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Michael Winterbottoms neuer Film mit Steve Coogan und Isla Fisher 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich glaube schon


Trailer v. Film: „The Burnt Orange Heresy„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: italienisch/amerikanisches/r Drama/Thriller mit Claes Bang, Elizabeth Debicki und Donald Sutherland. Auch spielt Mick Jagger mit, den ich schon lange nicht mehr in einem Film gesehen habe.  

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich glaube schon 


Trailer v. Film: „Never Rarely Sometimes Always„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Sundance-Film, den ich mir auf der Berlinale anschaue

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „The Roads Not Taken„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Sally Potters neuer Film mit Javier Bardem und Elle Fanning. Auch diesen Film gucke ich auf der Berlinale

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%