Oscar-Gewinner 2020, meine Wette

Zeit, meine kleine, persönliche Oscar-Wette zu veröffentlichen. 

Die Oscar-Saison 2019/2020 ist so unfassbar kurz, dass einige Academy-Mitglieder zugegeben haben, nicht alle nominierten Filme gesehen zu haben. Das könnte dem einen oder anderen Film helfen. Im nächsten Jahr haben sie wieder drei Wochen länger Zeit, die Verleihung findet dann – wie üblich – Ende Februar statt. 

Die Oscar-Verleihung beginnt Sonntag, den 09.02.20 um 17.00 Uhr (lokale Zeit in Los Angeles) und geplant ist es, dass sie nicht länger als 3 Stunden andauert. 

Auch für mich war die Oscar-Saison zu kurz, dieses Jahr habe ich es beispielsweise nicht geschafft, mir die Kurzfilme anzuschauen.

Vor ein paar Tagen mit meiner finalen Analyse zu dem Oscar-Gewinnerfilm 2020 war ich noch zwischen „Parasite“ und „Jojo Rabbit“ hin- und hergerissen. Irgendwo bin ich es immer noch, wobei ich seit meiner November-Prognose eigentlich zu „Parasite“ tendiere. „1917“ hat (ähnlich wie „La La Land“) die meisten Preise innerhalb der Filmindustrie gewonnen und wird von den meisten Oscar-Experten auch als Gewinner-Film gesehen. Der Preis des Besten Films des Jahres bei den Academy Awards wird aber anders als die anderen 23 Kategorien bestimmt wird und daher gibt es seit ein paar Jahren immer wieder Überraschungen am Ende der Oscar-Verleihung. 

So oder so wird Oscar-Geschichte geschrieben. Wenn „1917“ den Best Picture-Oscar gewinnt, dann ist das erst der 12. Film in der Oscar-Geschichte, der ohne eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt gewinnt. (davor „Birdman“, „Ordinary People“, „Annie Hall“, „The Godfather Part II“, „A Man for All Seasons“, „Tom Jones“, „Marty“, „Hamlet“, „The Life of Emile Zola“ und „It Happened One Night“ – und der Film mit dem Sonderstatus: „Grand Hotel“) Mit Ausnahme von „Grand Hotel“ hatten diese zehn Filme aber immer eine Oscar-Nominierung in mind. einer Schauspiel-Kategorie erhalten (meist sogar einen Schauspiel-Oscar gewonnen). Der Oscar-Gewinnerfilm von 1932 „Grand Hotel“ hat in allen Statistiken einen Sonderstatus. Der Film hatte einzig eine Oscar-Nominierung für den Besten Film und die Kategorie auch noch für sich entscheiden können. Jedenfalls wäre „1917“ der erste Film seit dem Jahr 1932, der den Oscar als Bester Film gewinnt, ohne in den Kategorien Schauspiel und Schnitt nominiert worden zu sein. 

Wenn „Parasite“ gewinnt, wäre es der erste nicht-englischsprachige Film, der den Oscar als bester Film gewinnt. Wenn „Once Upon a Time in Hollywood“ oder „Jojo Rabbit“ gewinnt, dann ohne größere Preise innerhalb der Filmindustrie zuvor gewonnen zu haben.

Es wird spannend, insbesondere, wenn während des Abends die Oscars für die besten Drehbücher überreicht werden. Wenn „Parasite“ hier gewinnt (oder noch früher am Abend bei der Kategorie Bestes Szenenbild/Production Design), wird wahrscheinlich „Parasite“ auch den Besten Film gewinnen. Wenn das Beste Originaldrehbuch an Tarantino geht, ist es noch offen, „Once Upon a Time in Hollywood“ könnte dann sogar den Oscar für den Besten Film gewinnen. Sollte „1917“ das Beste Originaldrehbuch gewinnen, wovon eigentlich nicht auszugehen ist, gewinnt „1917“ Beste Regie und Bester Film. Sollte hier „Knives Out“ gewinnen, wäre das verdient, aber völlig überraschend und bringt einen hinsichtlich des Ausgangs des wichtigsten Preises des Abends gar nicht weiter. Wenn „Jojo Rabbit“ das beste adaptierte Drehbuch gewinnt, besteht die Möglichkeit, dass er auch Bester Film gewinnt.

Der Oscar für den Besten Internationalen Film (wie er seit diesem Jahr richtig heißt) geht immer an das Land. Wenn „Parasite“ gewinnt, ist das der Oscar für Südkorea. Bong Joon Ho wird ihn sehr wahrscheinlich entgegennehmen, aber es ist nicht „sein“ Oscar. Wird Bong Joon Ho, der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent von „Parasite“ ist, einen „eigenen“ Oscar am Abend gewinnen? Meinem Gefühl und meiner persönlichen Wette nach ja. 

„Parasite“ gewinnt, nach meiner Rechnung, 4 Oscars (inkl. Bester Film und Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt und natürlich Bester Internationaler Film). „1917“ gewinnt auch vier Oscars (inkl. Beste Regie und natürlich Roger Deakins), hier habe ich mich tatsächlich in letzter Minute, um meine Logik aufrecht erhalten zu können, in den Sound-Kategorien umentschieden, eigentlich hatte ich „Ford v Ferrari“ in beiden Sound-Kategorien, aber zwei Oscars waren mir für „1917“ zu wenig. „Once Upon a Time in Hollywood“ und „Joker“ gewinnen 2 Oscars. „Jojo Rabbit“, „Little Women“, „Marriage Story“ gewinnen jeweils 1 Oscar. Die Oscarnominierten Filme „The Irishman“ und „Ford v Ferrari“ gehen, nach meiner Rechnung, leer aus. Damit fühle ich mich ganz schlecht und hoffe insbesondere bei „The Irishman“ dass Thelma Schoonmaker gewinnt.  

Seit ungefähr zehn Jahren wette ich mit meinem Kumpel, dieses Jahr haben wir nur zwei unterschiedliche Kategorien. Das gab es, vermutlich, noch nie.

 

Oscar-Gewinner 2020 – meine Wette:

Best Picture: Parasite (Kwai Sin Ae and Bong Joon Ho, Producers) 

Best Director: Sam Mendes (1917)

Best Actor: Joaquin Phoenix (Joker)

Best Actress: Renée Zellweger (Judy)

Best Supporting Actor: Brad Pitt (Once Upon at Time in Hollywood) 

Best Supporting Actress: Laura Dern (Marriage Story)

Best Writing (Original Screenplay): Parasite (Screenplay by Bong Joon Ho und Han Jin Won; Story by Bong Joon Ho)

Best Writing (Adapted Screenplay): Jojo Rabbit (Written by Taika Waititi) 

Best Animated Feature: Klaus mein Kumpel: Toy Story 4

Best Production Design: Barbara Ling (Once Upon a Time in Hollywood) 

Best Cinematography: Roger Deakins (1917) 

Best Costume Design: Jacqueline Durran (Little Women)

Best Film Editing: Yang Jinmo (Parasite) mein Kumpel: Ford v Ferrari

Best Makeup and Hairstyling: Kazu Hiro, Anne Morgan and Vivian Baker (Bombshell) 

Best Sound Mixing: Mark Taylor and Stuart Wilson (1917) 

Best Sound Editing: Oliver Tarney and Rachael Tate (1917) 

Best Visual Effects: Dan DeLeeuw, Russell Earl, Matt Aitken and Dan Sudick (Avengers: Endgame)

Best Music (Original Score): Hildur Guonadóttir (Joker)

Best Music (Original Song): “I´m Gonna Love Me Again“ (Rocketman) – Music by Elton John, Lyric by Bernie Taupin 

Best International Feature Film: Südkorea (Parasite)

Best Documentary Feature: „American Factory“ (Steven Bognar, Julia Reichert, Jeff Reichert)  

Best Short Film (Live Action): „The Neighbors´Window (Marshall Curry) 

Best Short Film (Animated): „Hair Love“ (Matthew A. Cherry and Karen Rupert Toliver)

Best Documentary (Short Subject): „Learning to Skateboard in a Warzone (If You’re a Girl) Carol Dysinger and Elena Andreicheva 

 

Sehr amüsant auch dieses Jahr die Honest Trailers der neun nominierten Filme:

 

 

Die Nominierungen für die Goldene Himbeere, den Anti-Oscar, werden normalerweise immer vor den Oscar-Nominierungen bekannt gegeben. Aber denen war die Oscar-Saison auch zu kurz, daher haben sie erst heute ihre Nominierungen für die Goldene Himbeere 2020 bekannt gegeben. 

Folgende Filme und Schauspieler dürfen sich Chancen auf den Razzie ausrechnen:

Worst Picture:

Cats

The Fanatic 

The Haunting of Sharon Tate

A Medea Family Funeral 

Rambo: Last Blood

Worst Director:

Fred Durst (The Fanatic)

James Franco (Zeroville) 

Adrian Grunberg (Rambo: Last Blood) 

Tom Hooper (Cats) 

Neil Marshall (Hellboy) 

Worst Actress:

Hilary Duff (The Haunting of Sharon Tate) 

Anne Hathaway (The Hustle, Serenity)

Francesca Hayward (Cats) 

Tyler Perry (A Medea Family Funeral)

Rebel Wilson (The Hustle)

Worst Actor:

James Franco (Zeroville) 

David Harbour (Hellboy) 

Matthew McConaughey (Serenity)

Sylvester Stallone (Rambo: Last Blood) 

John Travolta (The Fanatic, Trading Point)

Worst Supporting Actress:

Jessica Chastain (Dark Phoenix) 

Cassi Davis (A Madea Family Funeral)

Judi Dench (Cats) 

Fenessa Pineda (Rambo: Last Blood) 

Rebel Wilson (Cats) 

Worst Supporting Actor:

James Corden (Cats)

Tyler Perry (A Madea Family Funeral as „Joe“)

Tyler Perry (A Madea Family Funeral as „Uncle Heathrow“)

Seth Rogen (Zeroville) 

Bruce Willis (Glass) 

„Serenity“, den einzigen Film, den ich gesehen habe, hätte eigentlich als Worst Picture nominiert werden müssen. Da war aber scheinbar die Konkurrenz zu groß. Meine Stimme haben die Performances von Matthew McConaughey und Anne Hathaway. Ansonsten ein Stück weit vorhersehbar, besonders mit „Cats“ und ein paar der üblichen Verdächtigen: Tyler Perry, John Travolta, Sylvester Stallone.