San Francisco – Film: „Marriage Story“


Ich war am 20.11.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Marriage Story“ (in D. seit dem 21.11.19 im Kino, ab dem 6.12.19 dann auf Netflix zu sehen)  136 min  drama, comedy

dir. Noah Baumbach cast: Adam Driver, Scarlett Johansson, Laura Dern, Alan Alda, Ray Liotta, Merritt Wever, Mickey Summer, Azhy Robertson, Julie Hagerty, Martha Kelly 

 

Der New Yorker Theaterregisseur Charlie (Adam Driver) und seine Ehefrau, die Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson), haben beschlossen, sich zu trennen. Nicole hat kürzlich eine Rolle in einem Pilotfilm für eine TV-Serie angenommen und will mit dem gemeinsamen achtjährigen Sohn Henry (Azhy Robertson) zurück zu ihrer Mutter (Julie Hagerty) und Schwester (Merrit Wever) nach Los Angeles ziehen… 

 

B (Wertung von A bis F) „Marriage Story“ ist der neue Film des New Yorker Drehbuchautors und Filmemachers Noah Baumbach (Margot at the Wedding, Frances Ha, While We´re Young, De Palma, The Meyerowitz Stories ). Noah Baumbach hat sich für sein Drehbuch von den Scheidungen befreundeter Paare, aber auch von seiner eigenen Scheidung mit der Schauspielerin Jennifer Jason Leigh inspirieren lassen. 

„Marriage Story“ ist ein Film über den schwierigen Prozess einer Scheidung. Charlie und Nicole sind zwei Kreative, die eine sehr enge Bindung haben. Seinetwegen ist sie damals von Los Angeles nach New York gezogen, sie, die Schauspielerin hat ihren Mann, den Theaterregisseur, immer unterstützt und ihre eigene Filmkarriere dabei schleifen lassen. Jetzt ist ihre Beziehung gescheitert, sie will mit dem gemeinsamen Sohn zurück nach Los Angeles ziehen. Der Film ist sicherlich auch eine Aufarbeitung der gemeinsamen Zeit von Nicole und Charlie mehr aber, wie man jetzt mit der Situation umgeht, dass beide ein gemeinsames Kind und einen unterschiedlichen Lebensmittelpunkt (New York und Los Angeles) haben. 

Bei seiner Erzählung verzichtet Noah Baumbach beinahe gänzlich auf Rückblenden. Gleich zu Beginn hören wir, die von dem Therapeuten initiierten Auflistungen, was Nicole und Charlie aneinander schätzen und lieben und entsprechend sind wir als Zuschauer im Bilde, was das für eine große Liebe war. Jetzt haben sie sich aber auseinandergelebt, die Trennung ist beschlossen und eigentlich sollte es eine harmonische werden. Es geht aber um das Sorge- und Besuchsrecht des achtjährigen Sohnes und schon bald stehen Anwälte am Start. Noah Baumbach versucht mit seiner Liebes- und Trennungsgeschichte, keine Partei zu ergreifen. Er erzählt seine Geschichte aus beiden Perspektiven, wobei die Sichtweise von Charlie sicherlich etwas überwiegt. Auch wenn es sich vielleicht ungewöhnlich anhört, ich habe mich dabei erwischt, mehr auf Charlies Seite zu stehen. Er war sicherlich nicht der perfekte Ehemann, im Scheidungsprozess nehme ich ihn aber als liebevollen Vater wahr, der sich bemüht, die Scheidung friedlich über die Bühne zu bringen –   nicht einfach, wenn Anwälte im Spiel sind.

„Marriage Story“ ist ein intensives Drama, das aber auch die Absurdität, die eine Scheidung mit sich bringen kann, darlegt. Sein auf 35mm-Film gedrehtes Drama lebt durch sein exzellentes Drehbuch und seine, durch die Bank authentischen Performances. Ich hätte mir gewünscht, die Geschichte etwas mehr als Film arrangiert zu sehen. Den kargen Regiestil (wenn man überhaupt davon sprechen kann, wenn eine, bzw. mehrere Kameras einfach aufgestellt wurden – so wirkte es auf mich jedenfalls) fand ich etwas dürftig. 

Adam Driver liefert für mich hier drei Oscar-Szenen (Teppichmesser-Sequenz, seine Interpretation des Songs „Being Alive“ und wenn er gegen Ende des Films mit seinem Sohn gemeinsam „etwas“, kein Spoiler an der Stelle, vorliest), aber auch Scarlett Johansson (der diese Kurzhaar-Frisur nicht gerade schmeichelt), Laura Dern, Ray Liotta, Alan Alda (auch wenn mich seine zitternde Hand etwas ablenkte) sind zu Recht für Oscar-Nominierungen im Gespräch. Als Bereicherung für den Film sehe ich aber auch die Schauspieler Julie Hagerty, Merritt Wever und besonders Martha Kelly als Evaluatorin. 

In meiner ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2020 hatte ich mich für „Marriage Story“ als Oscar-Gewinner-Film entschieden. Das sehe ich, nachdem ich den Film gesehen habe, etwas anders. Davon abgesehen, gibt es seit gestern (23.11.19) auch mit Sam Mendes´Film „1917“ einen neuen Top-Oscar-Anwärter. „Marriage Story“ wird aber sicher für die meisten Kategorien, für die er im Gespräch ist, nominiert. Gewinnen könnte er meines Erachtens jedoch nur für Beste Nebendarstellerin (Laura Dern), Bestes Originaldrehbuch und vielleicht Bester Hauptdarsteller (Adam Driver).

„Marriage Story“ ist dieses Jahr einer der vier Netflix-Filmen (The Irishman, „The Two Popes“, „Dolomite is my Name“), der immer noch im Rennen für wichtige Oscar-Nominierungen steht. Der Film ist im Gespräch für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Adam Driver), Beste Hauptdarstellerin (Scarlett Johansson), Bester Nebendarsteller (Alan Alda, Ray Liotta), Beste Nebendarstellerin (Laura Dern), Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt  Update: „Marriage Story“ wurde für 6 Oscars nominiert (Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Scarlett Johansson), Bester Hauptdarsteller (Adam Driver), Beste Nebendarstellerin (Laura Dern), Bestes Originaldrehbuch und Beste Filmmusik) Update: „Marriage Story“ hat einen Oscar (Beste Nebendarstellerin, Laura Dern) gewonnen. 

„Marriage Story“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2019 gezeigt. Der Film wurde am 6.11.19 in fünf Kinos in den Vereinigten Staaten gestartet, die darauffolgende Woche war der Film dann in 16 amerikanischen Kinos landesweit zu sehen. Seit dem 21.11.19 ist der Film auch in ausgewählten Kinos in Deutschland zu sehen. Ab dem 6.12.19 ist „Marriage Story“ dann weltweit auf Netflix abrufbar. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Waves„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Trey Edward Shults neuer Film, Oscar-Film, soweit ich gehört habe. Dem Trailer nach ist er dem Oscar-Gewinner-Film „Moonlight“ nicht unähnlich.

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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Trailer v. Film: „63 Up„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Dokumentation 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „The Song of Names„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Romanadaption mit Tim Roth und Clive Owen

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Atlantics„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: senegalesisches Drama „Atlantique“, dass in Cannes den Großen Preis der Jury gewonnen hat. Netflix-Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht  

 

Das Clay Theatre in Frisco zeigt den Netflix-Film "Marriage Story"
Das Clay Theatre in Frisco zeigt den Netflix- Film „Marriage Story“

10 Gedanken zu “San Francisco – Film: „Marriage Story“

  1. Kinozeiten waren Samstag 15:45 und Sonntag 11:30, hab ich nicht geschafft, so muss ich ihn auf Netflix sehen, aber bei dem scheint das nicht so schlimm zu sein. Bei Adam Driver sehe ich zwei Probleme, wenn es um den Oscargewinn geht, erstens er ist vor allem Kritikerliebling und zweitens er ist eigentlich zu jung, abgesehen davon dass Phoenix überfällig ist.

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    • Das Netflix-Geschäftsmodell (bezogen auf die Kinoauswertung) gefällt mir gar nicht. Ich würde Netflix vorschlagen, ihre Filme exklusiv für Netflix-Abonnenten (und gegen Bezahlung) für eine Zeit von mindestens zwei Monaten regulär ins Kino zu bringen. Wer den Film sehen will, muss Abonnent werden. Nach 2 Monaten können sie den Film ja dann auf Netflix rausbringen. So wären Kinobesitzer, Netflix-Abonnenten und vielleicht sogar Netflix (durch das eingespielte Geld an der Kinokasse und ein paar mehr Abonnenten) gleichermassen glücklich. Leider ist Netflix aber nicht wirklich an der Kinoauswertung interessiert. Mit ihrem derzeitigen Modell macht kaum ein Kinobesitzer mit (ich musste mein Kino auch suchen und, sie baten auch nur wenige Vorstellungen an, dafür war meine Vorstellung aber relativ gut besucht).

      Klar Adam Driver ist recht sehr jung, Adrien Brody war damals aber noch jünger und hatte, nicht wie Driver, bereits eine Oscar-Nominierung in der Tasche. Ich würde mir auch mehr wünschen, dass Phoenix ihn gewinnt. Seit vorgestern steht scheinbar wohl auch noch George McKay am Start, der wäre für einen Oscar-Gewinn sogar noch jünger als Brody.

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      • Mir gefällt das auch nicht, finde deinen Vorschlag aber auch nicht so gelungen. Ich finde, Netflix sollte die Filme für eine kurze Zeit ins Kino bringen (für Abonnenten eventuell vergünstigt) und dann ein verkürztes Embargo (zB 3 Monate) einhalten. Sollten sie dazu nicht bereit sein, machen sie eine Art Fernsehfilme und haben bei den Oscars nichts zu suchen.

        Adrien Brody hat aber auch einen komischen Karriereverlauf, nach seinem Oscar war der irgendwie abgeschrieben. Grundsätzlich gönne ich es Phoenix sehry aber ich fand ihn schon besser als in „Joker“, aber der Film hat mich sowieso nicht überzeugt. George McKay spielt die Hauptrolle in „1917“ oder wo kommt der auf einmal her?

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      • „ein verkürztes Embargo (zB 3 Monate) einhalten“ Was meinst Du damit? Klingt insgesamt meinem Vorschlag nicht unähnlich.

        Neben ein paar anderen Bedingungen kann sich jeder Film, der eine Woche in Los Angeles County in einem kommerziellen Kino gezeigt wird, für die Oscars qualifizieren.

        Ich mag Adrien Brody sehr gerne, mochte ihn in „The Brothers Bloom“ und auch in den Wes Anderson Filmen.

        „1917“ ist scheinbar eingeschlagen wie eine Bombe.

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      • Normalerweise herrscht ja eine Sperre, bis ein Film nach Kinostart als VoD und physische Disk erscheint. In der Regel Vier-Fünf Monate. Einen verkürzten Zeitraum sollten auch Amazon und Netflix ihren Kinofilmen zugestehen.

        Ich weiß, dass die grundsätzliche Bedingung ist, finde aber Filme ohne exklusiven Kinostart sollten nicht beim Oscar teilnehmen dürfen.

        Bei Sam Mendes als Regisseur und Roger Deakins als Kameramann hab ich das fast schon erwartet, vor allem da der wohl ein One-Shot sein soll. Aber ja die ersten Reaktionen sind überwältigend gut.

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      • Du meinst das Auswertungsfenster für das Kino. Bei uns in Deutschland gibt es gesetzlichen Sperrfristen für die Auswertung auf VOD, DVD und eine längere für das Fernsehen. Ich kann mich erinnern, dass wir für das TV, vor gar nicht so langer Zeit, eine von 3 Jahren hatten, mittlerweile dürfen die Filme sogar nach 12 Monaten (in Ausnahmefällen sogar 6 Monaten) regulär im TV ausgestrahlt werden. DVD und VOD-Auswertung nach 6 bzw. In Ausnahmefällen 5 Monaten. Das wurde damals geändert, weil viele die Filme illegal herunterluden. Netflix, Amazon, Sky (in den USA noch andere Anbieter) haben die ganze Kinokultur revolutioniert. In den USA gibt es – soweit ich weiß – keine gesetzliche Regelung. Es gibt nur Vereinbarungen, die die großen Studios mit den Kinoketten schließen. Da gibt es üblicherweise ein 72-tägiges Auswertungsfenster für das Kino, das aber auch nicht bei den Independent-Produktionen gilt, die teilweise ihre Filme zeitgleich auf VOD herausbringen. Mit Netflix versuchen die Kinoketten schon länger, einen Deal zu machen, was aber bislang gescheitert ist. Die Kinoketten wollen 60 Tage, Netflix bietet nicht mehr als 45 Tage an. Da die sich bislang nicht einigen konnten, macht Netflix was es will (denen ist die Kino-Auswertung auch scheinbar egal), die Kinoketten spielen nicht ihre Filme und die Netflix-Filme werden nur in ein paar ausgewählten Kinos gezeigt.

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      • Danke für die Info. Netflix und co haben sicherlich das illegale Streaming eingedämmt, aber die Aufsplittung des Marktes wird das wohl wieder populärer machen.
        Netflix steht dadurch aber auch unter Druck mehr Kontent exklusiv zu liefern und auch Prestigeprojekte zu haben, sonst würden die auch kein Interesse an den Oscars haben.

        Hast du schon „Knives Out“ gesehen? Im westlichen Nachbarland läuft der schon auf Englisch und da wollte ich Wissen, wie hoch das Sprachniveau des Films ist.

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      • „Knives Out“ gucke ich sicherlich morgen. Auf jeden Fall solltest Du ihn Dir auf Englisch angucken (wie jeden anderen Film oder Serie auch). Auch wenn Du nicht jedes Wort verstehst, egal, Hauptsache Du verstehst den Sinn und bekommst ein Gehör dafür. Irgendwann kannst Du Dir nichts anderes mehr vorstellen, ernsthaft. Ich habe auch immer mehr Probleme mit (vor allen Dingen negativen) „Filmkritiken“, bei denen ich weiß, dass der/die Autor/in den oder die Filme nicht im Original gesehen hat.

        Also rein ins Kino. :))

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