San Francisco – Film: „The Farewell“


Ich war am 02.08.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Farewell“(dt. Kinostart: 19.12.19)   98 min  comedy, drama

dir. Lulu Wang  cast: Awkwafina, Tzi Ma, Diana Lin, Zhao Shuzhen, Lu Hong 

 

Bei Nai Nai (Zhao Shuzhen) ist Lungenkrebs diagnostiziert worden, sie hat nur noch wenige Monate zu leben. Es ist ein chinesischer Brauch, den Betroffenen nichts über ihre todbringende Krankheit zu sagen. Nun steht eine Hochzeit in der Familie an und Haiyan (Tzi Ma) reist mit seiner Frau Jean (Diana Lin) aus den Vereinigten Staaten nach China, um sich von seiner Mutter, dem Familienoberhaupt, zu verabschieden. Die Tochter Billie (Awkwafina) reist nach, um ihre geliebte Oma nochmal zu sehen. Sie lebt seit ihrem sechsten Lebensjahr in den U.S.A. und ist von einigen chinesischen Bräuchen irritiert… 

 

C+ (Wertung von A bis F) „The Farewell“ ist nach „Posthumous“ erst der zweite Film der chinesisch-amerikanischen Filmemacherin Lulu Wang. Sie hat auch das Drehbuch zu dem Film geschrieben. Der Film erzählt die persönliche Geschichte der Filmemacherin, die Schauspielerin Awkwafina spielt eine Version von Lulu Wang. „The Farewell“ beginnt mit den Worten „Based on an Actutal Lie“. 

Diese Tragikomödie ist für eine Oscar-Nominierung als bester Film im Gespräch und ich frage mich ernsthaft, warum. Der Film ist nicht schlecht, zeigt, wie es zu kulturellen Unterschieden innerhalb einer chinesischen Familie kommen kann, wenn einige Familienmitglieder schon länger nicht mehr in ihrem Heimatland leben. Vor fünfundzwanzig Jahren sind Billies Eltern nach New York ausgewandert, um sich und ihrer Tochter ein besseres Leben ermöglichen. Billie hält zwar regelmäßigen telefonischen Kontakt zu ihrer geliebten Oma, wurde aber in den Staaten sozialisiert. Jetzt fliegt sie nach China, da ihre geliebte Oma im Sterben liegt. Der darf – so ist es der chinesische Brauch – aber keinesfalls erzählt werden, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Damit sich alle Verwandten von ihrem Familienoberhaupt „verabschieden“ können, wird eine Hochzeit eines Familienmitglieds vorgeschoben. Billie kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum sie ihre Oma anlügen soll und hat es schwer, ihre Gefühle zurückzuhalten. Sie fremdelt auch mit einigen anderen kulturellen Besonderheiten und Traditionen. 

Billie ist hier sicher die Identifikationsfigur für den Zuschauer. Mir fehlte aber etwas der Blick hinter ihre Fassade und auch etwas von ihrem Leben in den Vereinigten Staaten. Das wird in den Anfangsminuten des Films angerissen, aber kurz darauf ist man bereits in China. Der Film ist darauf angelegt, dass man mit der Familie fühlt. Nur: Wie soll ich als „Westliche“ mit einer in sich geschlossenen Einheit (die diese chinesischen Familie darstellt) mit all ihren kulturellen Eigenheiten mitfühlen, wenn selbige den Neuzugang der Familie, die japanische Verlobte/Frau von Billies Cousin nicht wirklich in ihre Reihen aufgenommen wird, sondern sich sogar über sie lustig gemacht wird?

Schauspielerisch macht sich Awkwafina („Ocean´s 8“, „Crazy Rich Asians“) in dieser Rolle sehr gut, eine Oscar-Performance sehe ich hier aber nicht. Mir hat Diane Lin, die Billies Mutter spielt, fast noch besser gefallen. Billies Tante (Little Nai Nai/ Lu Hong) spielt sich hier selbst, sie ist Lulu Wangs Tante im realen Leben. 

„The Farewell“ hat ein paar semi-witzige und traurige Momente, richtig berühren konnte mich diese Tragikomödie jedoch nicht. Wie nach einem Festlandchina-Layover hatte ich mit diesem Film keine schlechte Zeit, aber war dann auch wirklich froh, wieder nach Hause zu können.  

„The Farewell“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. für Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Awkwafina), Bestes Originaldrehbuch 

„The Farewell“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der Film war in der Zwischenzeit auf einigen Filmfestival der Publikumsliebling. Dieser A24-Film ist am 12.07.19 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er in 704 Kinos landesweit. Ich habe ihn der überwiegend chinesischen Originalfassung mit englischen Untertiteln gesehen. Für Deutschland ist bislang noch kein Kinostart bekannt. Update: Der Film soll am 19.12.19 in die deutschen Kinos kommen. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Luce„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Drama mit Naomi Watts, Octavia Spencer und Tim Roth

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Blinded by the Light„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: britische Tragikomödie

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Cold Case Hammarskjöld„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Dokumentation

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Where´d You Go, Bernadette„

Bewertung des Trailers: B+ (wieder neuer Trailer) 

Kommentar: Romanverfilmung und Richard Linklaters neuer Film mit Cate Blanchett in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Downton Abbey„

Bewertung des Trailers: B- 

Kommentar: Ich habe die Serie nie gesehen, jetzt also der Film dazu. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

15 Gedanken zu “San Francisco – Film: „The Farewell“

  1. Da ich nicht weiß, ob ich was zu dem schreiben werde, hab den heute in der OmU gesehen und stimme in vielem dir zu. Ich mochte kleine Details wie der Anfang oder den Dachwitz, die Handlung fand ich aber fahrig, hätte den gerne schärfer gehabt und ich hätte gerne mehr über die Protagonistin erfahren. Solider Film, hab aber dieses Jahr viele viele bessere gesehen. Kann mir nur durch Diversitätsgründe seinen Status als Kritikerliebling und Oscarkandidat begründen.

    Gefällt 1 Person

    • Ich kann mich – ehrlich gesagt – kaum noch an den Film erinnern. Konsumiert und vergessen. Er hat keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Man hätte ihn sicher „schärfer“ erzählen können und ja, ich kann mir auch nur erklären, dass er aufgrund der Diversität zum Kritiker-Liebling wurde. Ich hoffe, er wird bei den Oscars keine Rolle mehr spielen. Bei den SAG-Nominierungen ist dankenswerterweise auch keiner der Schauspieler oder gar der Film aufgetaucht.

      Gefällt 1 Person

      • War so ein Arbeitsfilm in Hinblick auf die Oscars, er ist immer noch im Rennen, auch wenn nicht mehr so präsent wie am Anfang der Saison, da musste ich ihn gucken. Ich frag mich wie sie die Szene im Krankenhaus synchronisieren wollen. Bei Culture Clash Filmen muss ich immer an „East is East“ denken, total unterschätzt, eine messerscharfe Komödie über eine Pakistanifamilie in England. Da ist der hier lammfrom. Ich werde mich auch nicht besonders lang an den erinnern.

        Gefällt 1 Person

      • Dieses Jahr gab es für mich wenige Arbeitsfilme, ist echt ein richtig gutes Filmjahr. Ein paar Filme muss ich zwar noch schauen, aber insgesamt gibt es wenig rumzumosern.

        Bei Synchronisationen geht so viel verloren, abgesehen von den Performances (was ist ein Schauspieler, wenn man ihm seine Stimme und Sprache wegnimmt?), geht oftmals der Dialog- und Sprachwitz und manchmal sogar für den Plot wichtige Szenen verloren. Bestes Beispiel „Knives Out“, wie ich von meiner Freundin erfuhr, konnten sie eine bestimmte wichtige Szene NATÜRLICH nicht übersetzen. Ich könnte mich über Synchros fürchterlich aufregen.

        East is East kenne ich glaube ich nicht.

        Gefällt 1 Person

      • Der war für mich einer, „Hustlers“ genauso, wobei der deutlich schwankender in seiner Qualität war. Geb dir aber bisher Recht und mit „Knives Out“, „1917“, „Little Women“, „A Beautiful Day in The Neighborhood“ und „Bombshell“ stehen noch ein paar Filme aus, auf die ich mich richtig freue.

        „Knives Out“ läuft hier auch im Arthauskino, die werden den sicher auch im Original mit Untertitel zeigen. Erscheint mir bei dem besonders sinnvoll.
        „East is East“ hab ich mal im Englischunterricht geguckt, hab mich weggelacht. Der ist witzig ohne aber die Schärfe aus dem Culture Clash rauszunehmen.

        Gefällt 1 Person

      • Ja, der war im Filmdeal für 6,90€, da hab ich ihn mir gerade noch angesehen. Zwischenzeitlich fand ich den richtig mies und zwischenzeitlich dachte ich, dass daraus ein großer Film hätte werden können. Ich hab aber ne Theorie für den Hype um J.Lo, die anderen Damen spielen zumindest am Anfang so schlecht, dass sie wahnsinnig gut wirkt.

        Wenn es kein außergewöhnlich kompliziertes Englisch ist, werde ich es hoffentlich direkt bemerken, aber gerade „Knives Out“ muss einer der Filme sein, die man am besten mit so wenig Vorkenntnis wie möglich anschaut.

        Gefällt 1 Person

      • Ah, okay, wenigstens hast Du nicht zu viel Geld ausgegeben. Unabhängig von den anderen Schauspielerinnen, gibt J.Lo nun aber keine Oscar-würdige Performance, vor allen Dingen im Vergleich zu Laura Dern, Kathy Bates, Annette Bening, Margot Robbie, meinetwegen sogar Nicole Kidman und bestimmt einer der Ladies von Little Women

        Ist kein außergewöhnlich kompliziertes Englisch, eher etwas, was man schlichtweg nicht übersetzen kann. Die Szene geht dann einfach unter.

        Gefällt 1 Person

      • Laura Dern liefert die wahrscheinlich beste Leistung ihrer Karriere, eine Leistung die ich ihr nicht zugetraut hätte, Anette Bening hätte für American Beauty schon nen Oscar bekommen müssen, eine Nominierung kann man schon irgendwie rechtfertigen, ein Oscar wäre ein Witz.

        Gefällt 1 Person

      • Laura Dern hat schon einige sehr gute Leistungen geliefert.

        Eine Oscar-Nominierung sehe ich alles andere als gerechtfertigt. Und Oscar-Nominierung heißt auch, dass sie den Oscar auch gewinnen könnte. Mit einer Nominierung würde sie vermutlich zunächst an dritter Stelle stehen, mit ner soliden Kampagne könnte sie aber Robbie und Dern locker noch einholen.

        Gefällt 1 Person

      • Wir wissen beide, dass Oscar-Nominierungen auch von anderen Faktoren abhängen als der reinen Schauspielleistung. Ne Nominierung ist weniger ärgerlich als so manche Nominierung der letzten Jahre. Sicher stehen von der reinen Leistung genug Damen vor ihr.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.