Montréal – Film: „Midsommar“


Ich war am 19.07.19 in Montréal und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Midsommar“ (dt. Kinostart: 26.09.19)  140 min.  drama, horror

dir. Ari Aster cast: Florence Pugh, Jack Reynor, William Jackson Harper, Will Poulter, Vilhelm Blomgren

 

Dani (Florence Pugh) muss eine Familientragödie verarbeiten, ihr langjähriger Freund Christian (Jack Reynor) ist ihr dabei keine große Hilfe. Eigentlich wollte der sich auch schon länger von ihr trennen. Jetzt erfährt Dani, dass er bereits vor einiger Zeit eine Reise mit seinen Freunden Josh (William Jackson Harper) und Mark (Will Poulter) gebucht hat. Ihr Freund Pelle (Vilhelm Blomgren) hatte sie in sein Heimatdorf nach Schweden eingeladen. Dort wird in diesem Jahr ein ganz besonderes Fest gefeiert. Kurzerhand fährt Dani nun mit. Schon bald müssen die Amerikaner aber feststellen, dass die Mitglieder dieser Kommune höchst befremdliche Rituale pflegen….

 

A (Wertung von A bis F) „Midsommar“ ist nach Hereditary der zweite Spielfilm, bei dem der  Autorenfilmer Ari Aster Regie führt. 

Ich liebe diesen Film. Es ist nicht so sehr, was für eine Geschichte präsentiert wird, sondern wie sie erzählt wird. Wenn man sich darauf einlassen kann und will, lädt Ari Aster einen ein, einige Zeit in einer obskuren Sekte zu verbringen, ohne dass man selbst einen Schaden davonträgt oder gar sein Leben verliert. Ich bin immer noch verblüfft, wie er es vollbracht  hat, diese Atmosphäre zu kreieren. Ich hatte tatsächlich das Gefühl hat, mit den anderen Neuankömmlingen (den vier Amerikanern und zwei Engländern) zeitgleich in dieser seltsamen Kommune anzukommen. Der Film führt einen durch seinen langsamen und ruhigen Aufbau in diese, so andere Welt.

Alles an dieser Idylle mit ihren scheinbar glücklichen, weißbekleideten schwedischen Menschen in ihrem Dorf mit den schlichten Häusern, die im Inneren detailreich verzierte Wände haben, den Tisch-Ritualen, etc. habe ich aufgesaugt als wäre ich vor Ort und mir würde die schwedische Sonne ins Gesicht brutzeln. Irgendwann kippt natürlich die Stimmung, eines der bizarren religiösen Rituale schockiert bis ins Mark. Dann ist man als Zuschauer aber bereits bei den Charakteren, das Schicksal der Einzelnen nimmt seinen Lauf und als aufmerksamer Zuschauer ahnt man, was kommt. Das Ende – im Gegensatz zu Asters Vorgängerfilm „Hereditary“ – fügt sich dann auch homogen in die Szenerie. 

Gestalterisch ist dieser Film ein Meisterwerk. „Midsommar“ ist das Werk eines visionären Künstlers, von denen es in der neuen Generation von Filmemachern nur ganz wenige gibt. Es wird der Vergleich zu Stanley Kubricks Inszenierungen gezogen und das kommt nicht von ungefähr. Im Gegensatz zu dem legendären Filmemacher schreibt Ari Aster aber auch die Geschichten zu seinen Filme selbst. Für den 33-jährige New Yorker war sein Erstlingswerk (Spielfilm) „Hereditary“ ein Familiendrama, im Gerüst eines Horrorfilms.  Auch mit seinem neuen Film bedient sich der Filmemacher der Stilmittel des Horrorfilms, aber eigentlich ist es ein tief verstörendes Melodrama, das auf brillante Weise die Verarbeitung von Schmerz und Trauer zeigt. Anders ausgedrückt, die Zuschauer, die einen reinen Horrorfilm sehen wollen, können mit diesem Film sicher nicht viel anfangen. Dafür passiert in diesem fast 2 1/2 Stunden-Film einfach zu wenig und die eigentliche Spannung und der Grusel kommen hier hauptsächlich durch die transportierte Atmosphäre und Stimmung. Der Zuschauer, der ein reines (Beziehungs- oder Trennungs-) Drama erwartet, wird aber mit diesem Film auch nicht glücklich. Dafür sind einige Szenen zu krass und blutig. „Midsommar“ ist daher am besten als ein gelungenes Zusammenspiel aus Drama und Horrorfilm zu beschreiben. Hervorheben möchte ich jetzt nur noch, dass mir gefallen ist, wie der Filmemacher das Atmen und das Schreien hier arrangiert und teilweise in die Handlung einbettet hat. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, Sequenzen, in denen bewusstseinserweiternde Drogen konsumiert werden, jemals so realistisch und nachhaltig beeindruckend inszeniert gesehen zu haben.

Vor Beginn der Dreharbeiten hatte Ari Aster ein komplett ausgearbeitetes Konzept für seinen Film im Kopf und hat das dann später mit den besten gestalterischen Möglichkeiten umgesetzt. Aus technischer Sicht (Regie, Schnitt, Kamera, Filmmusik, Sound-, Production- und Kostümdesign) ist der Film Perfektion. 

Man sollte diesen Film unverfälscht sehen. Eine synchronisierte Fassung des Films sollte nicht in Betracht gezogen werden. Er eignet sich außerdem perfekt für das Kino. Ich werde versuchen, den Film ein weiteres Mal im Kino sehen. Ari Aster hat bereits eine extended version für die DVD-Auswertung angekündigt. 

„Midsommar“ wird die Zuschauerschaft spalten, für mich ist der Film bereits jetzt festgesetzt als einer meiner Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2019. 

„Midsommar“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Florence Pugh) 

„Midsommar“ ist ein A24-Film, der am 3.7.19 in 2,707 amerikanischen Kinos gestartet ist. Ich habe den Film in Kanada gesehen. Der Film startet am 26.09.19 in Deutschland. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer: 

Trailer v. Film: „Once Upon a Time in Hollywood„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Quentin Tarantinos neunter Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Ad Astra„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: James Grays neuer Film. Sci-Fi mit Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 80%


Trailer v. Film: „It Chapter Two„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Fortsetzung zu dem Horrorfilm aus dem Jahr 2017. Habe weder Original noch Remake gesehen.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Death & Life of John F. Donovan„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Xavier Dolans neuer Film mit Susan Sarandon, Kit Harrington, Natalie Portman, Jacob Tremblay. Ich bin kein Freund von Xavier Dolan und auch nicht von seinen Filmen. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „My Spy

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Actionkomödie

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

13 Gedanken zu “Montréal – Film: „Midsommar“

  1. Der Film wird ja extrem hoch angepriesen, ich hab aber Hereditary damals leider nicht gesehen, obwohl ich glaube, dass ich den mögen werde. Den hier guck ich im Kino, ganz sicher.
    Du magst Xavier Dolans Filme nicht? Ich finde die von der Thematik interessant, hab aber noch keinen gesehen.

    Gefällt 1 Person

      • Bei mir sind nur euphorische Stimmen angekommen, aber so ein Film spaltet natürlich die Gemüter.

        Ich habe Dolan letztes in Boy Erased gesehen und da war er so unauffällig, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er Filme als Schauspieler tragen kann und da er in einigen seiner Filme die Hauptrolle spielt, kann ich dich schon verstehen. Werde mir aber sicher mal den ein oder anderen ansehen.

        Gefällt 1 Person

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