Berlin – Film: „Rocketman“


Ich war am 01.06.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Rocketman“ (dt. Kinostart war der 30.05.19)  121 min  musical, fantasy, biopic 

dir. Dexter Fletcher  cast: Taron Egerton, Jamie Bell, Richard Madden, Bryce Dallas Howard, Tate Donovan, Charlie Rowe 

 

Im Alter von ungefähr vierzig Jahren begibt sich Superstar Elton John (Taron Egerton) in eine Selbsthilfegruppe. Er berichtet von seinen zahlreichen Süchten und blickt dabei zurück auf sein Leben…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Rocketman“ ist ein Musical und Biopic über den englischen Musiker Elton John. Regie führt der englische Schauspieler und Filmemacher („Eddie the Eagle“) Dexter Fletcher. Nachdem der Regisseur Bryan Singer während der Dreharbeiten von „Bohemian Rhapsody“ gefeuert wurde, ist Dexter Fletcher für die letzten beiden Drehwochen für ihn eingesprungen. Aufgrund der Richtlinien der US-amerikanischen Regiegewerkschaft wurde jedoch Bryan Singer als offizieller Regisseur in den Credits des Films genannt. 

Gut, dass Bohemian Rhapsody ein weichgespülter, spießiger Familienfilm über die Rockband Queen und ihren Leadsänger Freddie Mercury ist, ist nicht Dexter Fletchers Schuld. Mit „Rocketman“ hat er einen Film für Erwachsene inszeniert, der dem porträtierten Ausnahmemusiker gerecht wird. Elton John liess ihm als ausführender Produzent dabei alle Freiheiten. 

Generell bin ich kein Musical-Fan, das biografische Werk über Elton John ist aber vordergründig genau das.

Meine leichte Anspannung löste sich aber bereits mit den ersten Tönen und Bildern von „Rocketman“. In der Anfangssequenz sieht man Elton John in einem glitzernd-schrillen orangefarbenen Outfit, wie er in die Entzugsklinik schreitet und in der Selbsthilfegruppe darüber erzählt, dass er Alkoholiker, drogen-, sex- und kaufsüchtig und noch dazu essgestört ist. Die Selbsthilfegruppe bildet die Rahmenhandlung des Films. Unter Einbindung seiner Songs (großartig die „Your Song“-Sequenz) erfahren wir – in einer Mixtur aus Realität und Fantasie – von Eltons Kindheit, seinen Anfängen, seinem Durchbruch und Erfolg als Musiker. Dabei immer auf der Suche nach Liebe, die er augenscheinlich weder von seiner Mutter noch von seinem Vater erhalten hat. Eine besondere Bindung hat er zu dem Songwriter Bernie Taupin (ein fantastischer Jamie Bell), mit dem Elton John über Jahrzehnte zusammenarbeitete. Bernie ist dann scheinbar auch der Mann, in den sich Elton das erste Mal richtig verliebt hat, die „Tiny Dancer“-Sequenz lässt daran kaum zweifeln. Kurz darauf platzt aber ein anderer Mann in Eltons Leben: John Reid (mit seltsamer Perücke, aber sonst sehr James Bond-mäßig: Richard Madden). Natürlich der falsche Mann, die unglückliche Liebe zu seinem Manager (und auch zeitweise dem Manager von Queen) stürzt Elton John immer mehr in den Kreislauf von Alkohol, Drogen, usw. Das wiederum führt dann zwangsläufig zum Absturz und einer eindrucksvollen „Rocketman“-Sequenz. Ich liebe die „Goodbye Yellow Brick Road“-Sequenz, die dann wieder zum Anfang des Films führt. Im Gesamten betrachtet ist der Film ein kreatives Künstlerporträt und dabei rund und stimmig. 

Hier haben wir nun die Oscar-Performance eines Schauspielers, der eine Musiklegende verkörpert. Taron Egerton ist Elton John, zwischendurch habe ich immer wieder vergessen, dass es doch gar nicht der junge Elton John selbst ist, den ich hier auf der Leinwand sehe. Taron Egerton singt hier selbst und das beeindruckend. Der Schauspieler trägt den Film und schafft es, dem Zuschauer das Wesen von Elton John nahe zu bringen und dabei zu berühren. Wenn Rami Malek diesen Film sieht, dürfte es ihm unangenehm sein, dass er für seine, mehr auf die Optik angelegte Darstellung von Freddie Mercury den Oscar gewann. 

„Rocketman“ ist gerade erst in den Kinos angelaufen, ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass er so erfolgreich Kasse macht wie „BoRap“, dafür hat die Band Queen und ihre Songs einfach eine viel breit gefächerte Fangemeinde. Schade. 

Zum Schluss werden Originalfotos eingeblendet und man sieht im direkten Vergleich, wie sehr sich die Schauspieler, Kostüm- und Maskenbildner Mühe gegeben haben, den Originalen möglichst nahe zu kommen.  

„Rocketman“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Taron Egerton), Bester Nebendarsteller (Jamie Bell, Richard Madden), Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up und beste Frisuren Update: „Rocketman“ hat eine Oscar-Nominerung (Bester Song) erhalten. Update: „Rocketman“ hat einen Oscars für den Besten Song gewonnen.

„Rocketman“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2019 gezeigt. In Großbritannien ist der Film am 22.05.19 gestartet, in den Vereinigten Staaten am 31.05.19 in 3,610  Kinos. Der Film läuft seit dem 30.05.19 in den deutschen Kinos. Ich habe den Film in der OV gesehen. 

Teaser zu sehen:

 

 

Elton John & Taron Egerton singen gemeinsam „Tiny Dancer“ auf Elton Johns Oscar-Party 2019:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „O Beautiful Night„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: deutscher Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Dead Don´t Die„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der OV)

Kommentar: Der neue Jim Jarmusch Film mit Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton, u.a.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Yesterday„

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in der OV)

Kommentar: Der neue Danny Boyle Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

6 Gedanken zu “Berlin – Film: „Rocketman“

  1. Da sind wir ja wirklich sehr nah beieinander, ich würde sagen, ich fand den wohl noch einen kleinen Tick besser, weil ich sowohl Biopics als auch Musicals sehr mag. Taron Egerton muss für die Filmpreise nominiert werden, alles andere wäre eine Unverschämtheit. Wir dürfen froh sein, dass Elten John einen solchen Film über sich zugelassen und sogar mitgetragen hat. Tolles Ding. Hab heute aber auch festgestellt, dass der niemals den Erfolg von Rocketman erreichen kann. Meine beste Freundin und ihr Bruder (sie 19, er 16) fanden beide Bohemian Rhapsody gut und werden den hier wohl erst im Stream sehen, weil sie über Elton John nicht so viel wissen und die Musik nicht so mögen, wie die von Queen.

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    • Ich bin mir sicher, dass Freddie Mercury, wenn er noch leben würde, den Kreativen heutzutage auch weit mehr Freiheiten gelassen hätte. Was habe ich letztens so passend gehört: „Bohemian Rhapsody“ ist das Biopic, das zeigt, dass Freddie AIDS allein davon bekommen hat, dass er einem anderen Mann hinterhergeschaut hat. :)) Eigentlich wollte ich mich wirklich nicht mehr über den Film aufregen, mit „Rocketman“ kommt aber alles wieder hoch. 🙂

      Was Oscar-Chancen angeht, es gab jetzt das erste Academy-Screening. Der Film und Taron Egerton sind auch sehr gut angekommen. Ein Filmstart Ende Mai ist aber tendenziell immer ungünstig. Na mal abwarten, wie erfolgreich, der an der (amerikanischen) Kinokasse wird.

      Ja Queen hat weit mehr Fans, alleine die ganzen Sportfans. Die heutige Generation wächst quasi mit den alten Songs auf, die Musik von Elton John wird wahrscheinlich gar nicht so oft irgendwo gespielt und gilt als nicht so cool, insbesondere bei Heterosexuellen.

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      • Ich mochte den Film ja auch nicht, alleine Queensongs im DolbyAtmosKino Sound zu hören, macht den Film ja nicht gut, aber etwas erträglicher. Ich glaube aber auch, dass viele Menschen gar nicht so weit hinter das Phänomen Freddie Mercury steigen wollten.

        Die Oscar Saison ist ja noch weit entfernt und bis auf Tarantino und den neuen Malick ist ja noch kaum was zu sehen, außer das was auf dem Sundence lief, aber da hab ich keinen Überblick.
        Queen hat auch bessere Musik gemacht, auch wenn Elton John einer der Hochkaräter ist, aber Queen liebt jeder. Die Band und insbesondere Freddie sind ein Phänomen und der Film hat dazu geführt, dass die Leute mehr dieser großartigen Musik hören, weswegen ich halbwegs meinen Frieden mit ihm geschlossen habe. Elton John gilt halt als der schmalzige Balladensänger, obwohl er auch Rock und Discomusik gemacht hat.

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      • „Ich glaube aber auch, dass viele Menschen gar nicht so weit hinter das Phänomen Freddie Mercury steigen wollten“. Genau, sie wollten nur die Queen-Musik abfeiern. Ich finde nicht zwingend, dass Queen bessere Musik als Elton John gemacht hat. Bei ihm steht aber die schrille Persönlichkeit im Vordergrund, mit der damals und heute weniger Menschen (insbesondere heterosexuelle Männer) etwas anfangen können.

        Naja, hinsichtlich der Oscars ist am Horizont schon einiges zu sehen. Bei den Filmen, die bereits auf Filmfestivals oder auch im (amerikanischen) Kino gezeigt wurden, hängt es – wie immer – von den Kampagnen ab. Ansonsten ist aber noch viel Zeit und ich hoffe, dass „Endgame“ dann nicht für den BP-Oscar nominiert wird (ich sehe mich nämlich außerstande, diesen Film anzuschauen). :))

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      • Nicht falsch verstehen, Elton John ist für mich A-Liga der Pop und Rockmusik, aber Queen ist halt Queen. Ich glaube aber auch, dass gerade in seiner Generation und der seiner Eltern seine Persönlichkeit ihm potenzielle Fans geraubt hat.
        Endgame als BP Nominee????
        Bitte nicht, dann können sie direkt Hobbs & Shaw nominieren, der wird wahrscheinlich sogar besser sein, aber beim Oscar haben die Filme außerhalb der Techs nix zu suchen. Dann lieber Terence Malick, dessen neuer Film soll ja der beste seit The Tree of Life von ihm sein.

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