NYC – Film: „Dreamland“


Ich war am 29.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Dreamland“  98 min  action, drama, thriller

dir. Miles Joris-Peyrafitte  cast: Margot Robbie, Finn Cole, Travis Fimmel, Kerry Condon, Garrett Hedlund, Darby Camp  voice: Lola Kirke

 

In den 1930er Jahren zieht in Texas ein heftiger Staubsturm auf. Der 17-jährige Eugene Evans (Finn Cole) lebt mit seiner Mutter (Kerry Condon), der jüngeren Stiefschwester (Darby Camp) und seinem Stiefvater (Travis Fimmel) auf einer Farm. Der Sturm vernichtete die Ernte und die Familie steht vor dem Ruin. Derweil fahndet die Polizei nach der jungen Bankräuberin Allison Wells (Margot Robbie). 10,000 Dollar Belohnung sind ausgesetzt. Geld, das Eugenes Familie gut gebrauchen könnte. Eines Tages entdeckt Eugene die hübsche, aber verletzte Bankräuberin in der Scheune der Evans-Familie…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Dreamland“ ist der zweite Film des noch recht jungen, amerikanischen Schauspielers („Gut“, „Valley of the Sasquatsch“), Autors und Filmemachers („As You Are“) Miles Joris-Peyrafitte.

Als Erzählerin (Lola Kirke) führt die Stiefschwester des damals 17-jährigen Eugene durch die Ereignisse, die sich vor rund zwanzig Jahren zugetragen haben. Eugenes größter Wunsch ist es, seinen Vater (der ihn und seine Mutter verlassen hatte, als er erst Fünf war) eines Tages wieder zu treffen. Mexiko ist das Sehnsuchtsland, denn da vermutet er seinen leiblichen Vater. Ansonsten passiert nicht viel in seinem Leben und dann entdeckte der Teenager diese bildhübsche, flüchtige  Bankräuberin. Das Ganze spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise im rauen Texas. Western dieser Art werden heutzutage nur noch selten gedreht, um so schöner sich für 1 1/2 Stunden in so einer Welt wiederzufinden.„Dreamland“ ist ein Mix aus Coming-of-Age und „Bonnie and Clyde“-Story.  Miles Joris-Peyrafittes Inszenierung ist die eines großen Filmemachers: zurückhaltend, aber selbstbewusst und visionär. Finn Cole und Margot Robbie lassen einen vergessen, dass hier Schauspieler am Werk sind, aber auch alle anderen Schauspieler überzeugen.

„Dreamland“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Feature Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das zweite Screening des Films. Der sympathische, junge Filmemacher hat es sich aber nicht nehmen lassen, seinen Film anzukündigen. Sichtlich begeistert war er, dass sein neuer Film im großen Saal seines New Yorker Lieblingskinos (Village East Cinema) gezeigt wurde. Er bat uns sogar, für seine Mama ein Foto von uns, also dem Publikum seines zweiten Films in diesem Kino, knipsen zu dürfen. Putzig. 

Einen Trailer von dem Film gibt es bislang noch nicht, dafür aber ein Foto von dem Regisseur Miles Joris-Peyrafitte:

Tribeca Film Festival 2019, Film „Dreamland“ der Regisseur Miles Joris-Peyrafitte

„Dreamland“ hat bisher weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden. 

 

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4 Gedanken zu “NYC – Film: „Dreamland“

  1. Guten Morgen!

    Du schreibst bei Deinen Beschreibungen des Öfteren, dass Filme bei Erstaufführung noch keinen Verleiher gefunden haben. Ist das der normale Werdegang, oder eher ein Problem für nicht so bekannte „Filmemacher?“

    Ist es für die Geldgeber des Films nicht zu riskant, wenn die kommerzielle Verwertung noch in den Sternen steht?

    Bitte bringe Licht in das Dunkel eines Unwissenden!

    Gefällt 1 Person

    • Guten Morgen,
      naja junge Filmemacher haben oftmals keine Wahl, insbesondere nicht mit ihrem ersten Film. Alles fängt mit der Idee zu einem Film an. Nimm mal beispielsweise Ryan Coogler. Der wollte als Filmstudent eine Geschichte verfilmen, musste dann Leute ins Boot holen, die seine Idee (zu einem Kriminalfall) auch verfilmenswert fanden. Die Produktionsfirma von Forest Whitaker wollte diese Idee unterstützen, Ryan Coogler hatte dann noch das Glück, dass das Sundance Screenwriters Lab ihm bei der Fertigstellung seines Drehbuchs unterstützten (was dann auch bedeutete, dass das Sundance Film Festival sehr wahrscheinlich später auch seinen Film zeigt). Dann brauchte er ein paar, vielleicht namhafte Schauspieler, die mit an Bord kamen und musste zusehen, dass sein Film (meist dann von mehreren Produktionsfirmen) finanziert wird. Dann hat er seinen ersten Film („Fruitvale Station“) gedreht, der wurde auf dem Sundance Film Festival gezeigt und hat dort den großen Preis gewonnen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Film natürlich viele Interessenten, die den Film auch ins Kino bringen und damit Geld verdienen wollen. Einer (in diesem Fall The Weinstein Company) bekam den Zuschlag für die Verleihrechte und dann kam der Film irgendwann ins (amerikanische) Kino. Wenn der Film einen Käufer für die Verleihrechte im deutschsprachigen Raum findet, kommt er auch meist ins deutsche Kino. „Fruitvale Station“ war dann ein Erfolg und der Durchbruch für Ryan Coogler, große Produktionsfirmen sind auf ihn aufmerksam geworden. Er wurde von einer unter Vertrag genommen und hat seinen zweiten Film „Creed“ gedreht. Von einem 900,000 Dollar Budget für „Fruitvale Station“ zu auf einmal rund 35 Millionen Budget für „Creed“. Durch den Erfolg von „Creed“ bekam er dann das Angebot, einen Marvel-Film („Black Panther“) mit einem Budget von 200 Millionen Dollar zu drehen. „Black Panther“ war natürlich ein Mega-Erfolg (inkl. Oscars), jetzt kann er sich – mit nur drei Filmen – natürlich aussuchen, was er als nächstes macht. Er braucht sich jetzt, erst mal, nicht mehr um die Finanzierung seiner Filme, Sorgen zu machen. Das ist der Idealfall für einen Filmemacher, oftmals ist der Weg aber steiniger. Glück spielt natürlich auch eine Rolle.

      Filme (und hier sprechen wir hauptsächlich von Indies, also nicht von Filmen, die von großen Hollywood-Filmstudios produziert wurden), werden in den unterschiedlichsten Stadien gekauft. Es kommt vor, dass Filme nur anhand des Drehbuchs, vielleicht des Regisseurs und Teile der Besetzung gekauft werden (es wurde also nicht mal angefangen, zu drehen). Die sicherlich häufigere Variante, ist die, dass die Indies andere Finanzierungen gefunden haben, abgedreht und auf Filmfestivals (Sundance, South by Southwest, Tribeca, Cannes, den Herbstfestivals) gezeigt werden. Da werden dann die Verleihrechte an dem Film gekauft. Die Verleihrechte sind dann länderabhängig, man kann die weltweiten Rechte erwerben (und die später dann einzeln verkaufen) oder beispielsweise nur die nordamerikanischen oder nur die deutschsprachigen. Man kann auch nur die Kinorechte erwerben oder die komplette Auswertung, die dann etwas teuerer ist, aber die verkauft man ja dann auch weiter ans Fernsehen beispielsweise. Jeder Ausschnitt eines (nicht aktuellen) Kinofilms, der im deutschen TV gezeigt wird, bringt dem deutschen Verleiher Geld.

      Das Filmgeschäft ist natürlich ein Risikogeschäft. Wenn Du einen Film finanzierst, kannst Du nicht vorher wissen (außer vielleicht bei den Marvel-Filmen), ob er auch später an der Kinokasse erfolgreich ist. Bekanntermassen ist es auch keine Garantie, wenn der Film eine Mega-Besetzung hat. Vieles hängt auch von dem Marketing ab, aber auch das ist natürlich keine Garantie. Deshalb setzen große Hollywood-Produktionsstudios auch auf Sequels, Reboots, Remakes, Superhelden-Kram, etc., da ist das finanzielle Risiko nicht so groß. Die, vielleicht guten Indies kommen leider seltener ins (normale) Kino.

      Hoffentlich habe ich etwas Licht ins Dunkel gebracht.

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  2. Weit mehr als das, ich bin geblendet vom hellen Scheine, und taumle von der Schwere des gerade Erlernten!

    Vielen Dank für Deine mehr als ausführliche Erklärung und die damit verbundene Zeit.

    Ich war immer der Meinung, dass bei halbwegs namhaften Produktionen schon vor Beginn des ersten Drehtages alles in trockenen Tüchern ist, sprich ausreichend Geld für die Finanzierung und auch schon der Vertrag mit den Verleihern vorliegt.

    Bei Indiefilmen unbekannter Filmemacher ist das natürlich alles noch komplizierter und mit enormen Risiken behaftet, wer will schon gerne Geld verlieren!

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    • Gerne.

      Genau, keiner will Geld verlieren. Deshalb unterstütze ich auch viele junge Filmemacher. Ich gucke mir sehr gerne Erstlingswerke an. An dem ersten Film eines Filmemachers kann man oftmals schon erkennen, ob der Filmemacher etwas kann und vielleicht sogar der nächste Martin Scorsese ist. Wenn weniger Geld da ist, müssen sie mit Ideen und einer Vision punkten. Generell sind Indies aber auch oft wirklich sehenswert.

      In Deutschland ist es übrigens auch noch anders, viele Filme werden auch von der Filmförderung finanziell unterstützt. Sobald ein deutscher Film filmgefördert ist, muss er beispielsweise auch ins Kino gebracht werden. Daher haben wir so viele deutsche Filme, die eigentlich gar nicht ins Kino gehören und besser im deutschen Fernsehen aufgehoben wären.

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