Berlin (ale) – Film: „Grâce à Dieu“

Ich war am 9.2.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Grâce à Dieu“ (englische Filmtitel: „By the Grace of God“, dt. Filmtitel: „Gelobt sei Gott“)  137 min   drama

dir. Francois Ozon  cast: Melvil Poupaud, Denis Ménochet, Swann Arlaud, Éric Caravaca, Francois Marthouret, Aurelia Petit 

Der 40-jährige Banker Alexandre Guérin (Melvil Poupaud) lebt mit seiner Frau (Aurelia Petit) und seinen fünf Kindern in Lyon. Kürzlich hat er erfahren, dass der Priester, der ihn als Kind sexuell mißbraucht hat, immer noch mit Kindern arbeitet. Der streng gläubige Alexandre sucht die Aussprache mit dem jetzigen Kardinal Philippe Barbarin (Francois Marthouret) und stellt sogar den Priester (Bernard Verley), der ihn sexuell mißbrauchte zur Rede. Der leugnet seine Taten nicht, stellt sich aber auch selbst als Opfer dar. Irgendwann finden sich mehrere Opfer dieses Priesters zusammen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Grâce à Dieu“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es geht um den Skandal des französischen Priesters Bernard Preynat, der mutmaßlich viele Jungen sexuell mißbraucht hat. Derzeit stehen mehrere hochrangige katholische Geistliche (darunter auch der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin) in Frankreich vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, von den Vorgängen des Missbrauchs durch diesen Priester gewusst, sie aber nicht zur Anzeige gebracht zu haben. Ein Urteil wird am 7.3.19 erwartet. Dem Priester Preynat steht ein separater Prozess bevor. „By the Grace of God“ ist der neue Film des französischen Autors und Filmemachers Francois Ozon („8 Women“, „Swimming Pool“, Frantz) 

„Grâce à Dieu“ erinnert etwas an den Oscar-Gewinnerfilm Spotlight, bei dem es auch um den sexuellen Missbrauch katholischer Priester geht. Der hervorragende amerikanische Film basiert auf einer wahren Geschichte. Da deckten investigative Journalisten auf, dass über 80 pädophile Priester im Raum Boston Kinder missbraucht hatten und die katholische Kirche versuchte, den Missbrauch unter den Teppich zu kehren. In diesem französischen Film wird nun eine weitere wahre Geschichte erzählt. Hier ist es ein französischer Priester, der in mehr als 70 Fällen mutmaßlich Kinder missbraucht hat. Hier sind es aber drei frühere Opfer des Priesters (Alexandre, Francois und Emmanuel), durch die wir als Zuschauer sehen, wie sich sich der Missbrauch in der Kindheit auf ihr Leben auswirkt und wie schwer es für sie ist, „gehört“ zu werden. Einige der Opfer von Priester Preynat gründeten den Verein „La parole libérée“, suchten nach weiteren Leidensgenossen, erweckten irgendwann mediales Interesse und erwirkten schließlich, dass einige hochrangige katholische Geistliche von Lyon vor Gericht landeten. 

Der deutsche Filmtitel ist etwas unglücklich gewählt, eigentlich müsste er „Gott sei Dank“ heißen, so sagte der Kardinal Barbarin, der nun vor Gericht steht, irgendwann in einer Pressekonferenz, in der es um die Missbrauchsvorwürfe gegen Priester Bernard Preynat ging, „Gott sei Dank, seien die meisten Taten bereits verjährt“. 

Aufgrund dieser Affäre wurde in Frankreich die Verjährungsfrist bei Kindesmissbrauch von 20 auf 30 Jahren, mit Beginn der Volljährigkeit, hochgesetzt. 

Schauspielerisch fand ich insbesondere die drei Männer, die Alexandre, Francois und Emmanuel spielen (Melvil Poupaud, Denis Ménochet und Swann Arlaud) glaubwürdig. Swann Arlaud gab eine besonders starke Performance. 

„Grâce à Dieu“wurde erstmalig Anfang Dezember 2018 in Frankreich gezeigt. Auf der Berlinale lief der Film als Internationale Premiere im Wettbewerb. Auf diesem Filmfestival wurde der Film mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen. Gezeigt wurde die französische Originalfassung mit englischen und deutschen Untertiteln. Bislang hat der Film weder einen amerikanischen, noch einen deutschen  Verleih gefunden. In Frankreich startet der Film heute (20.02.19) regulär in den Kinos, auch wenn der Anwalt des Priesters Bernard Preynat versucht hatte, den Kinostart zu verhindern. 

Trailer zu sehen: