Netflix – Serie: „Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“


Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“  (dt. Doku-Titel: „Ted Bundy – Selbstporträt eines Serienmörders“, seit dem 24.01.19 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 55 min   documentary

dir. Joe Berlinger  cast: Stephen Michaud, Hugh Aynesworth, Bob Keppel, Ted Bundy

 

Vor dreißig Jahren, am 24.01.1989, wurde der berüchtigte Serienmörder Ted Bundy hingerichtet. Er gestand, mehr als dreißig Frauen getötet zu haben. Wahrscheinlich gehen aber weit mehr Morde auf sein Konto… 

 

B+ (Wertung von A bis F) „Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“ ist eine vierteilige Doku-Serie. Bei diesem Streaming-Format hat der amerikanische Filmemacher Joe Berlinger („Paradise Lost“-Trilogie, „Metallica: Some Kind of Monster“), Regie geführt. Der Regisseur hat Ted Bundy sowohl diese Doku-Serie als auch den Spielfilm „Extremely Wicked, Shocking Evil and Vile“ gewidmet. Dieser wurde jetzt erstmalig auf dem diesjährigen Sundance Filmfestival vorgestellt und soll voraussichtlich noch dieses Jahr in die Kinos kommen. 

Ich liebe True Crime-Formate ob in Podcast-, Doku oder Spielfilmform (The Jinx,  „Making a Murderer“, The Imposter, Foxcatcher, O.J.: Made in America, The People v. O. J. Simpson, The Assassination of Gianni Versace usw…), außerdem mag ich generell Serienmörder-Stories, demzufolge habe ich natürlich direkt auf „Play“ gedrückt, als die vierteilige Doku-Serie über Ted Bundy bei Netflix veröffentlicht wurde. 

Ted Bundy war gut aussehend, charmant, gebildet, redegewandt, hatte ein abgeschlossenes Psychologie-Studium, begann sein Jura-Studium, hat nebenbei Wahlkampf für einen republikanischen Politiker gemacht, hatte Freundinnen mit denen er normale Beziehungen führte – was hat diesen Mann dazu veranlasst, so viele Frauen zu töten? 

Im Jahr 1980 versuchten die beiden Journalisten Stephen Michaud und Hugh Aynesworth der rätselhaften Persönlichkeit von Ted Bundy auf die Spur zu gehen. Zu dem Zeitpunkt der Interviews war er bereits ein verurteilter Serienmörder und saß in der Todeszelle. Er wollte Journalisten seine Geschichte erzählen und irgendwie erreichen, dass sein Fall neu aufgerollt wird. Über einen Zeitraum von sechs Monaten haben die Journalisten mit dem berüchtigten Serienmörder gesprochen, dabei entstanden rund 100 Stunden Interview-Material auf ca. 75-80 Kassetten. 

Dieser Doku-Mehrteiler führt einen in die U.S.A. der 1970er Jahre. Seinerzeit gab es erstmalig das Phänomen der Serienmörder (Charles Manson, Son of Sam, The Hillside Strangler, John Wayne-Gacy, etc.). Im Jahr 1974 verschwanden auf einmal, zunächst im Bundesstaat Washington, viele junge Frauen. Der Ted Bundy-Fall bringt einen zwangsläufig auch zu den Anfängen des Profilings des (neuen) FBIs (hierzu kann ich nur die brillante Neflix-Serie Mindhunter empfehlen). Die Kriminaltechnik und die Technik im Allgemeinen waren logischerweise noch nicht auf dem Stand von Heute. Eine DNA-Analyse gab es noch nicht und die Ermittlungsteams der Polizei  in den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten waren auch noch nicht untereinander vernetzt. Dadurch konnte Ted Bundy über einen längeren Zeitraum in mindestens fünf verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten über 30 Frauen töten. Relativ am Anfang seiner Mordserie galt er sogar mal als Hauptverdächtiger, musste aber wieder freigelassen werden, da es einfach schwer war, ihm Taten nachzuweisen. Ins Visier der Gesetzeshüter kam er (jedes Mal) durch eine simple Verkehrskontrolle. Bundy war einer der ersten Serienmörder, der später, als er in der Todeszelle saß, mit dem FBI zusammenarbeitete und Täterprofile für Serienmörder erstellte. 

Ich finde den deutschen Titel dieser Doku-Reihe etwas irreführend. Ted Bundy war sicherlich ein Narzisst und hätte die Aufmerksamkeit geliebt, die ihm diese Dokumentation entgegenbringt. Es ist aber kein Selbstporträt dieses Serienmörders. Dieser Doku-Mehrteiler geht der Frage nach, was Ted Bundy für eine Persönlichkeit war, zeichnet seinen Lebenslauf (und seine gestandenen Morde) chronologisch nach. Ich fand es verstörend, aber auch wahnsinnig faszinierend, Ted Bundy in den Film- und Audioaufnahmen zu sehen und seine Stimme zu hören. Es kommen aber auch viele andere zu Wort, beispielsweise die beiden Journalisten, die ihn interviewten, viele Weggefährten von Ted Bundy, sowie die damals ermittelnden Polizisten, sein Psychologe, sein Verteidiger, selbst seine Mutter, seine Ex-Freundin Elizabeth Kloepfer und sogar eines seiner Opfer, die ihm entkommen konnte. Die Dokumentation arbeitet viel mit Archivfotos und Original Audio- und Filmaufnahmen, von denen man sich letztendlich selbst ein Bild von diesem berüchtigten Serienmörder machen kann. 

Schockiert hat mich, was Ted Bundy in der amerikanischen Gesellschaft bewirkt hat. Von Frauen, die den vor Gericht stehenden Serienmörder anhimmelten bis hin zu den Amerikanern, die sich vor dem Gefängnis versammelten und seine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl wie ein Volksfest feierten. Sein Prozess in Florida war die erste Gerichtsverhandlung, die live im Fernsehen übertragen wurde. Das hat einen bis dahin nie da gewesenen Medienrummel ausgelöst. 

„Conversations with a Killer: The Ted Bundy Tapes“ ist seit dem 24.01.19 auf Netflix zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

3 Gedanken zu “Netflix – Serie: „Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“

    • Gut, bei „Medical Detectives“ (was ich im Übrigen auch gerne sehe), weiß man zu Beginn nicht wer der Mörder ist. Durch die polizeiliche Ermittlungsarbeit kommt man dann dahinter, was passiert ist und wer der Mörder ist. Hier geht’s von Anfang bis Ende um Ted Bundy und seine Mordserie und dabei fährt man viele Zeitzeugen und Weggefährten auf und lässt auch ihn selbst – wie der Titel verrät – zu Wort kommen. Medical Detectives arbeitet viel mit nachgestellten Szenen, hier sind es mehr die Originalaufnahmen, die es so fesselnd machen. 🙂

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