Berlin – Film: „Climax“


Ich war am 30.10.18 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Climax“ (dt. Kinostart: 06.12.18)  95 min   music, drama, horror 

dir. Gaspar Noé   cast: Sofia Boutella, Romain Guillermic, Souheila Yacoub, Kiddy Smile, Claude Gajan Maull, Giselle Palmer, Taylor Kastle 

 

21 junge Tänzer sind bereit. Ein Tag noch, dann werden sie auf Tournee gehen, erst in Frankreich, dann in den USA. Vor der Abreise haben sie sich versammelt. Sie wollen zusammen tanzen. Sich näher kommen. Reden und feiern. Unablässig pumpt die Musik Beats in den Raum. Sangria fließt in Strömen. Die Stimmung ist bestens. Bis Selva (Sofia Boutella) eine Entdeckung macht: Jemand hat Drogen in die Drinks gemischt. Nach und nach beginnen sie zu wirken. Panik macht sich breit. Der Schuldige wird gesucht, ein kollektiver Horrortrip beginnt… (Text: Presseheft) 

 

B (Wertung von A bis F) „Climax“ ist der neue Film des französisch-argentinischen Filmemachers Gaspar Noé („Enter the Void“, „Love“).

Der Film ist ungewöhnlich strukturiert. Er beginnt mit dem Ende, dann kommt der Abspann (mit dem Zusatz, dass der Film auf wahren Ereignissen beruhte), anschließend die Einführung der Charaktere und eine beispiellos-grandios choreographierte Tanzsequenz (der ich ewig hätte zuschauen können), Partytalk, weitere Einzeltänze, dann der Vorspann und der zweite Teil des Films. Ich bin nicht mit den anderen Werken des Filmemachers vertraut, allein die Erzählstruktur dieses Films fand ich recht originell.

Ansonsten inszeniert Gaspar Noé seinen Film aber auch sehr eindrucksvoll. Während man am Anfang noch den begnadeten Tänzern zuschaut, hat man später durch die langen Kamerafahrten förmlich das Gefühl, selbst ein Partygast zu sein. Die Party ufert dann aber irgendwann aus und man möchte eigentlich gehen. Nun ist aber das Jahr 1996, Handys sind noch nicht so gebräuchlich, man kann also nicht mal ein Taxi rufen und hängt entsprechend in dieser abgelegenen Location fest. Die anderen Gäste wollten scheinbar bleiben. Also ist durchhalten angesagt, man wandert ziellos von einer Person zur anderen, lauscht ihren belanglosen Gesprächen oder guckt was die anderen in den Hinterräumen machen (immer von der dröhnenden Musik aus dem Partyraum begleitet). Zwischendurch und zum Schluss gibt es aber auch einen Perspektivwechsel, bei der man die einzelnen Tänzer bzw. bei dem Horrortrip die Protagonisten nur von oben sieht. 

Als ich das Kino verlassen hatte, fühlte ich mich teilweise an eine meiner exzessiven Party-Nächte von früher erinnert, leicht benommen, erschöpft und erst mal kein Bedürfnis, Alkohol zu trinken. 

Warum soll man nun also eine Party besuchen, die man bald schon wieder verlassen will? Ganz einfach, man will mal wieder etwas anderes erleben. Auf eine Party gehen, ohne dabei den ganzen nächsten Tag durchzuhängen und dennoch kann man Jahre später noch davon erzählen. 

Eine generelle Filmempfehlung kann ich natürlich nicht aussprechen, „Climax“ ist kein Film für ein Mainstream-Publikum, eher für Filmliebhaber.

Der Filmemacher wollte mit diesem Film seine Träume und Albträume gleichermassen repräsentieren. 

„Climax“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2018 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat der Filmemacher den Art Cinema Award gewonnen. In den U.S.A. hat der Film mit A24 bereits einen Verleiher gefunden, ein Kinostart ist bislang vage mit dem Jahr 2019 angegeben. Update: Der Film ist am 1.3.19 in den amerikanischen Kinos gestartet. In Deutschland startet der Film Morgen (06.12.18). Ich habe den Film in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die französische (und teils englische) Originalfassung mit deutschen Untertiteln. 

Trailer zu sehen:

 

4 Gedanken zu “Berlin – Film: „Climax“

  1. Huch, eine Inhaltsangabe aus dem Presseheft? :)) Zeitdruck was? 🙂
    Ja man will irgendwann gehen, kann aber nicht, weil man womöglich sonst was verpasst.
    Der Anfang ist so genial, ich hätte vom Stuhl springen mögen. Selten eine so mitreißende Choreografie gesehen und ich wusste auch nicht, dass Sofia Boutelle Tänzerin ist.
    Irgendwann werde ich ihn mir noch Mal antun 🙂

    Gefällt 1 Person

    • „Huch, eine Inhaltsangabe aus dem Presseheft? :)) Zeitdruck was?“
      Zeitmangel trifft es eher. 🙂 Aber es ist auch nicht so einfach, das Gesehene in adäquate Worte zu fassen.

      Ja, die Boutella ist ja vordergründig Tänzerin, hat ja in vielen Musikvideos (u.a. Madonnas „Hung Up“ und „Sorry“) mitgetanzt. So lange kenne ich sie auch noch nicht als Schauspielerin, richtig aufgefallen ist sie mir wohl erst bei „Atomic Blonde“ und „Hotel Artemis“. Mal gucken, wie ihre Karriere weitergeht. Interessant finde ich sie.

      Ich bin mir nicht so sicher, ob ich mir den Film nochmal anschaue, vielleicht in Auszügen. Vermutlich wirkt er aber nur im Kino richtig.

      Gefällt 1 Person

      • Meinte ich ja, Zeitmangel :))
        Wusste ich nicht, außer an Madonna in Pink kann ich mich in „Hung up“ an keine andere Tänzerin erinnern :)) Na, in Kingsman war sie ja die mit den Kufen, da war sie schon ziemlich cool 🙂 Sie sieht einfach auch interessant aus.
        Ja, ich überlege, ob ich ihn mir nochmals im Kino ansehe. Zu Hause macht der keinen Sinn.

        Gefällt 1 Person

      • Na Madonna ist ja auch der Star und steht im Vordergrund. Bei dem Video von „Sorry“ kann man sie aber ganz gut sehen. Ich finde es ja immer faszinierend, jetzt bekannte und/oder geliebte Schauspieler in älteren Filmen zu sehen. Vor einer Weile erst habe ich Amy Adams, ganz niedlich mit Zahnspange, in Catch Me if You Can gesehen.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.