Boston – Film: „Boy Erased“


Ich war am 09.11.18 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Boy Erased“ (dt. Filmtitel: „Der verlorene Sohn“, dt. Kinostart: 21.02.19)   115 min   drama, biopic,  adaptation

dir. Joel Edgerton  cast: Lucas Hedges, Nicole Kidman, Russell Crowe, Joel Edgerton, Joe Alwyn, Xavier Dolan

 

Jared (Lucas Hedges) ist der Sohn eines baptistischen Predigers (Russell Crowe). Als er seinen Eltern gegenüber zugibt, schwul zu sein, bricht für diese eine Welt zusammen. Seine Eltern drängen schließlich darauf, dass er an einem, von der Kirche unterstützten Umerziehungsprogramm für Homosexuelle teilnimmt. Mit seiner Mutter (Nicole Kidman) wohnt er in einem nahegelegenen Motel und begibt sich jeden Tag in das „Love in Action“-Camp einer fundamentalistischen Organisation. Geleitet von dem Pastor und Therapeuten Victor Sykes (Joel Edgerton) soll Jareds Homosexualität „geheilt“ werden… 

 

B+ (Wertung von A bis F) „Boy Erased“ erzählt eine wahre Geschichte. Der Film basiert auf Garrard Conleys Autobiografie „Boy Erased :A Memoir“. Es ist nach The Gift der zweite Film, bei dem der australische Schauspieler (Warrior, Loving, It Comes at Night) Regie geführt hat. Für diesen Film hat er auch das Drehbuch geschrieben. 

Für mich ist dies nach dem Film The Miseducation of Cameron Post dieses Jahr bereits der zweite Film, der die Therapie von Homo- bzw. Transsexualität thematisiert. In dem diesjährigen Sundance-Gewinner-Film wird eine fiktive Geschichte erzählt wird, dieses Familiendrama ist die Verfilmung einer wahren Geschichte. 

„Boy Erased“ hat mir noch etwas besser gefallen, er hat auch eine andere Herangehensweise. Während sich Cameron Post bei Gleichgesinnten eine neue Familie sucht, hat Jared eine sehr gute Beziehung zu seinen strenggläubigen Eltern, will sie nicht enttäuschen und begibt sich – mehr oder weniger – freiwillig in diese gay conversion therapy und findet dann dort seine eigene, definitiv schwule Identität. Hier ist man die ganze Zeit ganz nah an Jareds Seite, sieht was der Junge durchmacht, erlebt es irgendwo auf schmerzhafte Weise mit, was die Sichtung dieses Films zu einem sehr intensiven Erlebnis macht. 

Ich finde es – nach wie vor – unfassbar, was sich diese (fundamentalistischen) Gläubigen herausnehmen. Selbst Toleranz erwarten, aber andere be- und verurteilen und sie von ihrer Homo- oder Transsexualität „heilen“ wollen. Für mich ist schwer nachzuvollziehen, dass es in der heutigen Zeit immer noch in vielen amerikanischen Bundesstaaten keine gesetzliche Mittel gibt, diese Gläubigen in ihre Schranken zu weisen. Selbstverständlich hat mich diese Geschichte, dieses Thema, noch Tage später beschäftigt und verärgert. 

Von allen nuancierten Performances in diesem Film (Lucas Hedges, Nicole Kidman und Joel Edgerton können alle überzeugen) hat mich Russell Crowe am meisten überrascht. Vielleicht, weil ich ihn schon sehr lange nicht mehr so gut gesehen habe. Diesen gottesfürchtigen Vater, der glaubt, das Richtige für seinen Sohn zu tun, habe ich ihm abgenommen. Etwas erschreckend, wie sich Russell Crowe in den letzten Jahren hat gehen lassen, insbesondere im direkten Vergleich zu seiner fast gleichaltrigen Filmpartnerin Nicole Kidman. 

In diesem Film gibt es zwei starke Dialogszenen (in einer sieht man Jared mit seinem Therapeuten und später mit seinem Vater), die nicht nur schauspielerisch brillant sind.

Zum Ende des Films werden Originalfotos von Garred Conley und seinen Eltern gezeigt und man erfährt, dass gay conversion therapy auch heute noch in 36 amerikanischen Bundesstaaten legal ist. 

„Boy Erased“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Lucas Hedges), Bester Nebendarsteller (Russell Crowe, Joel Edgerton), Beste Nebendarstellerin (Nicole Kidman), Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Song („Revelation“)

„Boy Erased“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2018 gezeigt. Der Film ist am 2.11.18 in fünf amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er in 672 amerikanischen Kinos landesweit. Für Deutschland soll der Film unter dem Titel „Der verlorene Sohn“ am 21.02.19 starten. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Favourite„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat. Yorgos Lanthimos neuer Film mit Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem NYFF56 gesehen


Trailer v. Film: „Mary Queen of Scots„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Kostümfilm mit Saoirse Ronan und Margot Robbie

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue:100%


Trailer v. Film: „Welcome to Marwen„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: Neuer Film von Robert Zemeckis mit Steve Carell in der Hauptrolle, taugt bestimmt nichts.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Mule„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Clint Eastwoods neuer Film und der Film, der für alle Oscar-Experten dieses Jahr ziemlich überraschend noch in die Oscar-Saison reinrutschte. Möglicher Oscar-Kandidat.

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Ben is Back„

Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat mit Julia Roberts und Lucas Hedges

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

10 Gedanken zu “Boston – Film: „Boy Erased“

  1. Der Film steht auf meiner Liste sowohl zum schauen als auch unter den Kandidaten die ein oder andere Oscarnominierung, auch wenn ich eine gewisse irrationale Abneigung gegen Russell Crowe habe. Da du sehr positiv über den Film sprichst, bin ich sehr gespannt.

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  2. Ich werde es nie verstehen wie die USA so viel Intoleranz mit so viel Religionsfreiheit konform geht, aber das scheint sich nicht auszuschließen, da die meisten Sekten und Religionsgemeinschaften ja christlich sind und wiederum intolerant. Unter dem Druck der Familie hat man da kaum eine Chance. Nicht auszumalen wie viele Menschenleben da zerstört werden.
    Werde ich im Auge behalten 🙂

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  3. Nun habe ich gestern tatsächlich „Ben is Back„ gesehen und war ganz durcheinander weil Hedges hier ja auch eine Hauptrolle spielt. Er scheint sich auf schwierige gebrochene Typen zu spezialisieren 🙂
    Dieser hier hätte mich aber mehr interessiert. Die Roberts war ganz erträglich…einigermaßen…also es ging gerade so :)))

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    • Witzig, „Ben is Back“ habe ich gestern auch noch gesehen. 🙂 Ja, er hat im Filmjahr 2018 in drei Filmen (Boy Erased, Mid90s und Ben is Back) gespielt. Letzteren hat sein Papa inszeniert. Ich fand ihn in „Ben is Back“ am wenigsten überzeugend. Ich mochte den Film nicht sonderlich, fand den Film zwar spannend, aber die Geschichte irgendwie an den Haaren herbeigezogen und das Ende blöd. Julia Roberts fand ich tatsächlich recht überzeugend, wobei die als Zicke bekannte Roberts sich hier, glaube ich, selbst gespielt hat. :))

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      • Echt, ist sie so eine Zicke?
        Ja gut, die Story war etwas glattgebügelt. Die perfekte Familie, der Sohn, der durch eine falsche Medikamentierung drogenabhängig wurde und die verständnisvolle Übermutter. So ganz wusste ich nicht, wozu man einen solchen Film dreht, aber gut, war umsonst :))

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      • Ja soll sie. Die Szene mit dem dementen Arzt war sie ganz bestimmt sie selbst. Bitch. :)) Ja, man kann den Film ja auch gucken. Das Ende war aber wirklich dämlich, sie hat wohl auch noch nie etwas von einer Herz-Druck-Massage gehört. 🙂

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