San Francisco – Film: „Bohemian Rhapsody“


Ich war am 14.11.18 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Bohemian Rhapsody“ (dt. Kinostart: 31.10.18)  135 min  drama, biopic

dir. Bryan Singer   cast: Rami Malek, Lucy Boynton, Gwilym Lee, Ben Hardy, Joseph Mazzello, Aidan Gillen, Tom Hollander, Mike Myers

 

Im Jahr 1970. Gerade als der Sänger Tim Staffell (Jack Roth) die Band Smile verlassen hat, bietet sich der Songwriter und Sänger Freddie (Rami Malek) an. Mit einer kurzen Acapella-Einlage überzeugt er die verbliebenen Bandmitglieder Bryan May (Gwilym Lee) und Roger Taylor (Ben Hardy). Später gründen sie die Band Queen zudem dann auch der Bassist John Deacon (Joseph Mazello) gehörte. 

 

C- (Wertung von A bis F) Über einen Zeitraum von 1970 bis 1985 erzählt „Bohemian Rhapsody“ die Geschichte der britischen Rockband Queen mit einem Schwerpunkt auf Freddie Mercurys Leben. Während der Dreharbeiten soll es Auseinandersetzungen zwischen den Schauspielern, der Crew und ihrem Regisseur Bryan Singer gegeben haben. Nachdem der Filmemacher mehrfach unzuverlässig war und dann im letzten Jahr nach Thanksgiving gar nicht mehr am Filmset erschien, haben die Produzenten (20th Century Fox) den Regisseur gefeuert. Zu diesem Zeitpunkt liefen die Dreharbeiten bereits seit zwei Monaten und der Film war fast fertiggestellt. Der englische Schauspieler („Lock, Stock and Two Smoking Barrels“, „Layer Cake“) und Filmemacher („Eddie the Eagle“) Dexter Fletcher hat Bryan Singer dann für die verbliebenden Drehtage ersetzt. Aufgrund der Regularien der Directors Guild of America darf nur ein Regisseur  (bzw. ein Team wie beispielsweise die Coen Bros.) in den Credits genannt werden. Da Bryan Singer („The Usual Suspects“, „Valkyrie“, X-Men: Days of Future Past) für das Casting, die Pre-Production und einen großen Teil der Produktion verantwortlich ist, wurde er als Regisseur genannt. Interessanterweise führt Dexter Fletcher bei dem Elton-John-Biopic, das nächstes Jahr ins Kino kommt („Rocketman“), Regie. 

„Bohemian Rhapsody“ ist ein familientauglicher Film für Personen, denen die Queen-Songs von den Greatest-Hits-Alben bekannt sind. Der Film wird weder der Band noch ihrem extravaganten Leadsänger Freddie Mercury wirklich gerecht. In einer Aneinanderreihung von Montagen wird Freddie Mercurys Geschichte oberflächlich und ungenau (bzw. fehlerhaft) illustriert, es wurde aber auch stets darauf geachtet, dass die anderen Bandmitglieder ausreichend im Bild sind und immer in einem positiven Licht erscheinen. Brian May und Roger Taylor haben diesen Film mitproduziert. Für die verbliebenden Bandmitglieder und das Filmstudio war das eine Win-win-Situation, da Brian May und Roger Taylor damit ein Mitspracherecht an der Story hatten und sich das Filmstudio dadurch die Rechte an den Musikstücken sicherte. 

Jetzt, zwei Wochen nach Kinostart hat sich auch herausgestellt, dass der Film zumindest massentauglich ist. Auch kann man davon ausgehen, dass die Verkäufe von der Musik von Queen durch diesen Film rasant ansteigen werden. 

Mir hat der Film leider gar nicht gefallen. Mich haben viele Sachen an dem Film gestört, neben dem strukturellen Aufbau (das Abhaken von Highlights und Hits), sieht die Produktion auch stellenweise minderwertig aus. Vielen (nicht nur Konzert-) Szenen sieht man an, dass sie im Filmstudio aufgenommen wurden. Auch fand ich es schluddrig, dass man ganz offensichtlich vergessen hat, den Queen-Drummer Roger Taylor hier optisch altern zu lassen. Über einen Zeitraum von rund 15 Jahren sieht er aus durchgängig aus wie ein 17-jähriger Teenager. Generell reagiere ich empfindlich, wenn man – wie hier – Homosexualität moralisch bewertet. In „Bohemian Rhapsody“ wird es als etwas reduziert, was zerstörerisch ist und einsam und krank macht. Das fand ich hier besonders fragwürdig, da die sexuelle Orientierung des Regisseurs Bryan Singer bekannt ist. Freddie Mercurys Homosexualität wird kurz angesprochen, aber sein ausschweifendes Leben und generell Sex und Drogenkonsum wird in dem Film nur sehr kurz angedeutet. Waren die restlichen Bandmitglieder tatsächlich alle biedere Familienväter? Rockstars in den 1970er und 1980er Jahren? Auf mich machte es den Eindruck, dass die Glaubwürdigkeit der Biografie der Band und ihres Frontmannes zugunsten eines familienfreundlichen Films geopfert wurde. 

Auch wenn Rami Malek selbst nicht singt, ist er sicherlich das beste, was der Film zu bieten hat. Zu Anfang war ich etwas abgelenkt und in Sorge, dass ihm die Zahnprothese beim Sprechen aus dem Mund fällt. Vielleicht hätte man Rami Malek etwas länger mit dem künstlichen Gebiss üben lassen sollen. Rami Malek wächst aber in die Rolle, spätestens mit dem Schnäuzer hat er mich auch optisch überzeugt, dass er der Richtige für die Rolle ist. Seine Bewegungen und die spektakulären Bühnenauftritte kommen dem des charismatischen Ausnahmetalents schon sehr nah. Beeindruckend, wenn man seine nuancierte Performance als Elliot (aus einer meiner Lieblingsserien Mr. Robot)  kennt und ihn dann hier als schillernden Frontmann von Queen sieht. Rami Malek hat sich mit Queen und Freddie Mercury über einen längeren Zeitraum beschäftigt und jetzt in einem Interview verraten, dass er sich vorstellen könnte, diese Rolle erneut in einer Mini-Serie zu spielen. Eine gute Idee, vielleicht ergäbe das dann auch ein ehrlicheres und erinnerungswertes Porträt mit dem selbst Freddie Mercury glücklich wäre. 

In einer Nebenrolle hat mir hier Tom Hollander, der „Miami“, den Anwalt, bzw. Manager der Band spielt, sehr gut gefallen. 

Zum Schluss des Films sieht man noch Originalaufnahmen von Freddie Mercury und Queen. 

Genau wie A Star is Born wurde auch dieser Musik-Film für die Golden Globes nicht in der Kategorie Comedy/Musical eingereicht. Auch hier halte ich das strategisch für eine blöde Idee. Letztendlich entscheidet aber die HFPA, in welcher Kategorie sie diese beiden Filme für eine Golden Globe-Nominierung sehen. 

„Bohemian Rhapsody“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, darunter Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Rami Malek), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien Update: „Bohemian Rhapsody“ hat 5 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Bester Hauptdarsteller Rami Malek, Bester Ton, Bester Tonschnitt und Bester Schnitt) erhalten. Update: „Bohemian Rhapsody“ hat vier Oscars (Bester Hauptdarsteller – Rami Malek, Bester Schnitt, Bester Ton und Bester Tonschnitt) gewonnen. 

„Bohemian Rhapsody“ ist am 2.11.18 in 4,000 amerikanischen Kinos gestartet. In Deutschland kam der Film bereits am 31.10.18 in die Kinos. 

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Widows„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Steve McQueens neuer Film und möglicher Oscar-Kandidat mit Viola Davis, Elizabeth Debicki, Colin Farrell, Daniel Kaluuya, u.a.

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Green Book„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: möglicher Oscar-Gewinnerfilm mit möglichen Oscar-Gewinnern Viggo Mortensen und Mahershala Ali

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „The Mule„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Clint Eastwoods neuer Film und der Film, der für alle Oscar-Experten dieses Jahr ziemlich überraschend noch in die Oscar-Saison reinrutschte. Möglicher Oscar-Kandidat.

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „The Favourite„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat. Yorgos Lanthimos neuer Film mit Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem NYFF56


Trailer v. Film „Mary Poppins Returns„

Bewertung des Trailers: C+ 

Kommentar: Rob Marshalls neuer Film mit Emily Blunt als Mary Poppins. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht


Trailer v. Film „Holmes & Watson„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Komödie mit Will Ferrell als Sherlock Holmes und John C. Reilly als John Watson

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Second Act„

Bewertung des Trailers: C- 

Kommentar: RomCom mit Jennifer Lopez, die eine ganz schlechten Perücke trägt

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 

4 Gedanken zu “San Francisco – Film: „Bohemian Rhapsody“

  1. Fand ich jetzt überhaupt nicht, dass Freddie Mercurys Homosexualität nur kurz angesprochen wurde. Das war doch das zentrale Thema, auch seine Drogenexzesse. Habe ich wenigstens so empfunden. Natürlich ging es auch darum seine Kreativität zu zeigen und wichtige Songs einzubinden. Wie ich schon sagte, als Queen Kenner stolpert man über Vieles, aber das ist die Masse nicht und ich denke das ist ein vertretbares Andenken an Mercury.
    Also von John Deacon weiß ich, dass er sechs Kinder hat zurückgezogen lebt und auch damals sehr zurückgenommen war. Er hat auch nicht mehr mitgemacht, nachdem Mercury starb. May ist auch ein echt biederer Typ, Taylor nicht, aber auch das wurde gesagt.

    Ja Widows – hatte ich einen Trailer gesehen, sah interessant aus.
    The Favourite kommt glücklicherweise auf den White-Nights. Ich bin gespannt.
    Mary Poppins, schon der Trailer ist Körperverletzung :))

    Gefällt 1 Person

    • Na, man sieht weder wilde Party- und Drogenexzesse (überhaupt werden Drogen nur ganz kurz gezeigt) noch auch nur andeutungsweise Sex zwischen zwei Männern. Einzig mit seiner Frau wird er im Bett gezeigt. Das machte einen sehr verklemmten (bzw. weichgespülten) Eindruck. Es ist halt schade, dass die Produzenten keinen Film für Erwachsene machen wollten. Aber dann wäre der Film wohl auch nicht ein solch kommerzieller Erfolg geworden.

      Cool, wann sind denn die White-Nights? Idealer Festival-Film. 🙂

      Gefällt 1 Person

      • Na Partyszenen waren da und ich fand es kam ganz klar raus, dass er reichlich homosexuelle Kontakte hatte, dafür muss ich ihn nicht mit einem Mann im Bett sehen. Sicher, man hätte es direkter Abbilden können, aber das wäre wie Du sagst ein anderer Film und nicht das, was Taylor und May da vorschwebte :))

        Gefällt 1 Person

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