NYC – Film: „The Wife“


Ich war am 29.09.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Wife“  (dt. Filmtitel: „Die Frau des Nobelpreisträgers“, dt. Kinostart: 3.1.19) 100 min   drama, adaptation 

dir. Björn Runge   cast: Glenn Close, Jonathan Pryce, Christian Slater, Max Irons, Elizabeth McGovern, Morgane Polanski, Annie Starke 

 

Im Jahr 1992. Professor Joe Castleman (Jonathan Pryce) ist Schriftsteller und erhält nun den Nobelpreis für Literatur. Seine loyaler Ehefrau Joan (Glenn Close) und ihr gemeinsamer Sohn David (Max Irons) begleiten ihn auf seiner Reise nach Stockholm. Joan hat einen großen Anteil an dem Erfolg ihres Ehemannes. Auf dieser Europareise kommt es zu einige Konflikten…

 

B (Wertung von A bis F) „The Wife“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Meg Wolitzer. Es ist der neue Film des schwedischen Autors und Filmemachers Björn Runge („Happy End“). 

Eine (Ehe-) Frau hat immer einen Anteil an dem Erfolg ihres Mannes. In diesem Film geht es um eine Frau, die über viele Jahrzehnte aufopferungsvoll ihren Mann unterstützte, ihm den Rücken frei hielt, seine Kinder groß zog, dem berühmten Schriftsteller eine große Unterstützung bei der Fertigstellung seiner Romane war und großzügig über seine Seitensprünge hinweggesehen hat. Jetzt sind beide alt, er erhält für sein Schaffen den Nobelpreis für Literatur und sie reisen nach Stockholm, um den Preis entgegenzunehmen. Die anfängliche Freude über die große Auszeichnung verliert sich bei der Ehegattin irgendwann in Frustration. Gründe dafür gibt es genug, mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.  

„The Wife“ erzählt über eine stets verständnisvolle Ehefrau, die sich langsam von der Rolle, die ihr Leben bestimmt hat, loslöst. Es ist auch ein Beziehungsdrama, in jedem Fall hat die Geschichte eine selbstbewusstere Verfilmung verdient. Der Film ist nicht wirklich schlecht, kommt aber auch nie an die Klasse seiner Hauptdarstellerin Glenn Close heran. Gestört haben mich am meisten die unnötigen Rückblenden. Die Charaktere und die Beziehung zueinander hätte man auch ohne die Flashbacks nachvollziehen können. So wird man permanent aus dem, sich anbahnenden Drama rausgerissen. Begeistert hat mich jedoch das nahezu perfekte Ende. 

Glenn Close trägt diesen Film. Ihre subtile Mimik spricht Bände. Mir war es nicht möglich meinen Blick von ihr zu lassen. Es ist keiner dieser mitunter ausschweifenden Oscar-Performances, eher eine leise. Mich hat ihr überragendes Spiel an Charlotte Rampling in 45 Years erinnert. 

Jonathan Pryce ist aber auch hervorragend in seiner Rolle. Außerdem spielen hier einige Töchter und Söhne von Schauspielern bzw. einem Regisseur mit. Annie Starke spielt hier in den Rückblenden die jüngere Joan. Sie ist die Tochter von Glenn Close. Jeremy Irons´Sohn Max Irons spielt hier David, den Sohn von Glenn Closes´ und Jonathan Pryces´ Charakteren und dann spielt auch noch Morgane Polanski, die Tochter von Roman Polanski und Emmanuelle Seigner mit. 

Die 71-jährige Glenn Close hat drei Tonys und drei Emmys gewonnen. Außerdem wurde sie sechs Mal  (für „The World According to Garp“, The Big Chill, „The Natural“, „Fatal Attraction“, „Dangerous Liaisons“ und „Albert Nobbs“) für den Oscar nominiert, derzeit kann man davon ausgehen, dass sie für diesen Film ihre siebente Oscar-Nominierung erhält. Einzig der mittlerweile verstorbene Schauspieler Peter O´Toole hatte mit acht Oscar-Nominierungen und ohne jemals die begehrte Trophäe gewonnen zu haben, mehr als Glenn Close. Peter O´Toole wurde dann irgendwann mit dem Ehrenoscar ausgezeichnet. Glenn Close ist damit der einzige, unter den noch lebenden Schauspielern, mit den meisten Oscar-Nominierungen (ohne einen einzigen Gewinn). Zeit für den Oscar also. Ihre Performance in „The Wife“ ist definitiv Oscarwürdig. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass „The Wife“ als Bester Film nominiert wird. In den meisten Fällen geht der Oscar der besten Hauptdarstellerin mit einer Oscar-Nominierung für den besten Film einher. Ausnahmen bestätigen die Regel, so haben beispielsweise die Schauspielveteranen Julianne Moore (Still Alice), Meryl Streep (The Iron Lady) und auch Cate Blanchett (Blue Jasmine) den Oscar gewonnen, ohne dass ihr Film nominiert war. Das dürfte also auch nicht gegen den Oscar-Gewinn für Glenn Close sprechen. Jetzt hängt es nur noch von der  Kampagne und der Konkurrenz ab. Als härteste Konkurrentinnen sehe ich derzeit Lady Gaga (A Star is Born), die sich in ihrer ersten großen Hauptrolle mehr oder weniger selbst spielt und Olivia Colman. Die englische Schauspielerin hätte sehr wahrscheinlich den Oscar in der Kategorie beste Nebendarstellerin (für ihre Performance in The Favourite) sicher. Das Studio führt für sie jedoch nun offiziell eine Kampagne als beste Hauptdarstellerin. Darüber bin ich momentan etwas unglücklich, kann auch im Moment noch nicht ausmachen, wie erfolgreich dieses Strategie für die, in den U.S.A. nicht sonderlich bekannte Olivia Colman sein wird. Auch noch aktuell im Rennen sind Melissa McCarthy (für „Can You Ever Forgive Me?“) und Yalitza Aparicio in ihrem Debüt als Schauspielerin (für „Roma“). 

„The Wife“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, darunter Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Glenn Close), Bester Nebendarsteller (Jonathan Pryce), Bestes adaptiertes Drehbuch

„The Wife“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2017 gezeigt. Der Film ist ein Jahr später, am 17.08.18, in vier amerikanischen Kinos gestartet. Landesweit lief er in nicht mehr als 541 Kinos. In Deutschland soll der Film unter dem Filmtitel „Die Frau des Nobelpreisträgers“ am 3.1.19 in die Kinos kommen. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Boy Erased„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat mit Nicole Kidman, Russell Crowe und Lucas Hedges 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „A Star is Born„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: ziemlich sicherer Oscar-Kandidat

Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen 


Trailer v. Film: „Trouble“

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Tragikomödie mit Julia Stiles, Bill Pullman, David Morse und Anjelica Huston (wo hat die eigentlich gesteckt?)

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „On Her Shoulders„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Doku

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

 

amerikanischer Aufsteller von „The Wife“

6 Gedanken zu “NYC – Film: „The Wife“

  1. Obwohl ich die Close mag, sieht sie mir mittlerweile doch sehr maskenhaft aus. Schade, hätte sie mit ihrem Talent wirklich nicht nötig.
    Der Film klingt nach dem üblichen Karrieremänner-Ehefrauen-Drama. Und wenn sie Pech hat, nimmt der alte Sack sich nach 40 Jahren eine Jüngere und das wars :)) Aber gut, reichlich Frauen nehmen diese Rolle auch gerne an.

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  2. Ohne den Film gesehen zu haben, ist Close aktuell meine Favoriten auf den Oscar als Beste Hauptdarstellerin. Allein schon deswegen werde ich mir den Film ansehen. Ich wusste gar nicht, dass Jonathan Pryce noch Filme dreht, kenne ihn nur als Bondbösewicht.

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    • Jonathan Pryce habe ich vor gar nicht so langer Zeit in der TV-Serie „Taboo“ gesehen, ich glaube, er hat in letzter Zeit mehr in TV-Projekten mitgewirkt.

      Ich bin derzeit noch unschlüssig, was die Favoriten in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin angeht. Sowohl Colman als auch Close hätten es verdient, zu gewinnen. Close ist halt seit Jahren überfällig, daher ist es an der Zeit, dass sie den Oscar gewinnt.

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