NYC – Film: „White Boy Rick“


Ich war am 28.09.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„White Boy Rick“ (dt. Kinostart: 07.03.19)   111 min  crime, drama, biopic

dir. Yann Demange   cast: Matthew McConaughey, Richie Merritt, Bel Powley, Jennifer Jason Leigh, Brian Tyree Henry, Rory Cochrane, Eddie Marsan, Bruce Dern, Piper Laurie

 

Im Jahr 1984 ist Detroit bereits ziemlich heruntergekommen. Jeder, der die Möglichkeit hat, verlässt die Stadt. Richard Wershe Sr. (Matthew McConaughey) will nach seiner Haftentlassung  ein normales Leben führen und träumt davon, eine Videothek zu eröffnen. Sein 14-jähriger Sohn Rick, genannt White Boy Rick (Richie Merritt) hängt viel mit den Afroamerikanern rum und beginnt bereits in jungen Jahren, Waffengeschäfte mit Gangmitgliedern zu machen. Die FBI-Agenten Byrd (Rory Cochrane) und Snyder (Jennifer Jason Leigh) werben den jungen Rick eines Tages als Informant an…

 

C- (Wertung von A bis F) „White Boy Rick“ basiert auf wahren Begebenheiten. Erzählt wird die Geschichte des 14-jährigen Richard Wershe Jr., der in den 1980er Jahren als FBI-Informant arbeitete. Es ist der zweite Kinofilm des französischen Filmemachers Yann Demange („´71“).

In erster Linie war ich enttäuscht von diesem Film, vielleicht weil ich mir zuvor die Dokumentation „White Boy“ angeschaut hatte und wusste, dass die Lebensgeschichte von Richard Wershe Jr.  genug Potenzial für ein faszinierendes Biopic bietet.

Hier hat man sich stattdessen dazu entschlossen, dem Zuschauer eine belanglose Geschichte vorzusetzen. Mit Matthew McConaugheys Figur haben wir hier einen ehemaligen Gefängnisinsassen und alleinerziehenden Vater, der in einer üblen Gegend von Detroit versucht, seine Tochter Bel Powley) und seinen Sohn (Richie Merritt) großzuziehen. Der 14-jährige weiße Rick hing schon immer viel mit Schwarzen rum, was ihm auch den Spitznamen White Boy Rick einbrachte. Bald macht der Teenager Geschäfte mit Gangstern, kommt früh an viel Geld, verlässt die Schule, das FBI rekrutiert ihn, er kooperiert mit der Bundesbehörde und bespitzelt örtliche Drogenkartelle, aber landet dennoch im Alter von 17 Jahren für den Besitz und Handel von Drogen im Gefängnis. Auch diesen Part hätte man fesselnd gestalten können, hier wirkt aber beinahe jede Szene inszeniert und die Dialoge fühlen sich oftmals „aufgesagt“ an. Der Minderjährige White Boy Rick war sicherlich kein Heiliger, war auch später in Drogengeschäfte verwickelt, aber der eigentliche  Skandal seiner Geschichte ist, dass er mit nur 17 Jahren für ein Drogendelikt zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Warum er zu dieser unverhältnismäßig hohen Strafe verurteilt wurde und – wie ich durch die Doku erfahren habe – warum beispielsweise alle anderen verurteilten Drogenhändler und sogar auch ein Auftragsmörder, der zugegeben hat, mindestens dreißig Menschen getötet zu haben, vor Rick aus dem Gefängnis entlassen wurden, über diesen Hintergrund hätte ich gerne mehr erfahren und in Spielfilmform gesehen. Die Doku ist dahingehend auch nicht befriedigend. Hat es doch hier eindeutig den Anschein, als würde irgendetwas vertuscht werden. Die Stadt Detroit wurde seinerzeit von kriminellen Strukturen und Korruption seitens der Polizei und der Politiker beherrscht. Richard Wershe Jr. war sicher auch ein Opfer der erbitterten Drogenpolitik des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Der hatte den Kampf gegen Drogen seinerzeit verbissen geführt und ist mit gnadenloser Härte gegen Drogenbesitzer und -händler vorgegangen. Drogendelikte wurden härter bestraft als Gewalttaten. 

White Boy Rick wurde im Jahr 2017 nach 29 Jahren aus dem Gefängnis in Michigan entlassen. (jedoch direkt in ein Gefängnis in Florida überführt, in dem er derzeit eine Strafe für eine anderen Tat verbüsst).

Vielleicht wird eines Tages ein besser Film über diesen Jungen gedreht, „White Boy Rick“ ist sehr langatmig und zäh. 

Schauspielerisch hat mir Bruce Dern (als Opa des jungen Rick) am besten gefallen, aber auch Jennifer Jason Leigh und Matthew McConaughey geben eine solide Performance. Bel Powley, die ich noch in The Diary of a Teenage Girl passend besetzt fand, hat hier meine Geduld arg strapaziert. Richie Merritt, der hier den Titelcharakter spielt, hatte keinerlei Schauspielerfahrung. Der Junge wurde in einer Highschool entdeckt, was die Casting Agenten in ihm sahen, ist mir schleierhaft. Wahrscheinlich war das der Anfang und zugleich das Ende der Schauspielkarriere von Richie Merritt. 

„White Boy Rick“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Matthew McConaughey), Bester Nebendarsteller (Bruce Dern), Bestes Originaldrehbuch

„White Boy Rick“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2018 gezeigt. Der Film ist am 14.09.18 landesweit in 2,504 amerikanischen Kinos gestartet. Für Deutschland ist ein Kinostart am 07.03.19 geplant. 

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „A Star is Born„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: ziemlich sicherer Oscar-Kandidat von und mit Bradley Cooper

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen


Trailer v. Film: „Hunter Killer„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Actioner mit Gerard Butler und Gary Oldman

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: nein


Trailer v. Film: „What They Had„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Drama mit Hilary Swank, Blythe Danner, Robert Forster, Michael Shannon….okay wird geguckt

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Overlord„

Bewertung des Trailers: ?

Kommentar: Horrorfilm. Der Trailer geht von ganz schlimm zu eigentlich ganz cool

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal sehen


Trailer v. Film: „Bad Times at the El Royale„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Film mit Jeff Bridges, Jon Hamm, Dakota Johnson. Der Trailer war wirklich cool, der Film hat für mich leider einige Schwächen, s. mein Beitrag

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen


Trailer v. Film: „First Man„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Damien Chazelles neuer Film, eigentlich sicherer Oscar-Kandidat, wackelt gerade aber etwas

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen


Trailer v. Film: „The Girl in the Spider´s Web„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Neuer Thriller der Lisbeth Salander-Reihe, dieses Mal mit Claire Foy in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bin noch nicht überzeugt


Trailer v. Film: „The Front Runner„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Jason Reitmans neuer Film, Biopic über den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart. Hugh Jackman in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

4 Gedanken zu “NYC – Film: „White Boy Rick“

  1. Ich habe dunkel einen Trailer im Kopf, den ich im Kino gesehen habe und dachte: wft? :))
    Ja schade, dass weder Film, noch Doku hier wirklich die interessanten Details der Geschichte aufgreifen. Vielleicht wollte man seinerzeit ein Exempel statuieren, weil es ja immer heißt die Farbigen würde unverhältnismäßig bestraft und nun hatte man die Gelegenheit einen hellhäutigen Kriminellen (wohlweislich aus armen Verhältnissen) abzuurteilen. Wer weiß.
    Im Augenblick sehe ich McConaughey nicht mehr so gerne, aber Jason-Leigh. Hm. Und dann die Bel… ich mochte sie ja in Wildling.

    „Overlord„ wird so episch! :))) Nazi-Zpmbie-Mutanten…mir kommen jetzt schon die Freudentränen.

    „The Front Runner„ – ein Film mit Hugh Jackman und Du gehst rein?!

    Gefällt 1 Person

    • Ich glaube tatsächlich eher, dass White Boy Rick zu viel über die korrupten Polizisten und Politiker (selbst den Bürgermeister von Detroit) wusste. Für mich nicht nachzuvollziehen, dass hier ein Kind zu einer lebenslangen Haft verurteilt wurde und tatsächlich auch fast 30 Jahre im Knast saß. Und das nicht mal für Vergewaltigung, schwere Körperverletzung, Totschlag oder gar Mord.

      Ja ich finde McConaughey mittlerweile auch schwierig, bin immer schon fast froh, wenn er mich mit seinem typischen McConaughey-sein nicht stört. 🙂

      Oh stimmt „Wildling“ wollte ich mir eigentlich auch noch runterladen. Ich muss aber erst mal einen anderen VOD-Film verarbeiten und außerdem über „Mandy“ hinwegkommen. Den fand ich leider unerträglich, so schlimm, dass ich ihn nach 30 Minuten ausmachen musste. Ich kann aber auch die Hauptdarstellerin nicht leiden (obwohl ich sie kürzlich in „Nancy“ mal ganz gut fand). Hier ist sie ja in jeder Szene – zumindest in den ersten 30 Minuten. Zugegebenermassen musste ich „Mandy“ gucken, da die Laufzeit ablief und ich war für den Film nicht wirklich in Stimmung. Ich kann mir aber vorstellen, dass der Film im Kino besser rüberkommt und ärgere mich etwas, dass ich ihn mir damals nicht in New York angeschaut habe.

      :)) Ja, Hugh Jackman ist natürlich generell auch ein Problem, aber das Thema des Films interessiert mich.

      Gefällt 1 Person

  2. Gut, da kenne ich die Story zu wenig, aber die USA geht mit Minderjährigen Straftätern ja auch nicht zimperlich um.

    Och Mandy ja :)) Das ist kein Film für jede Stimmung, aber fürs Kino. Ganz viele fanden den wirklich schlimm und wenn man Andrea Riseborough nicht mag, kann man hier nur auf einen schnellen Tod hoffen (der dauert aber tatsächlich etwas). Ich bin auch kein großer Riseborough Fan (sie hat so etwas transparentes ätherisches, was ich nicht mag), aber innerhalb des Gesamtkunstwerkes konnte ich sie verschmerzen.

    Gefällt 1 Person

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