Netflix – Film: „Sunday´s Illness“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Sunday´s Illness“ (Originaltitel: „La enfermedad del domingo“, in D. seit dem 15.06.18 auf Netflix zu sehen)  113 min   drama, thriller

dir. Ramón Salazar   cast: Susi Sánchez, Bárbara Lennie, Richard Bohringer, David Kammenos, Miguel Ángel Solá

 

Anabel (Susi Sánchez) ist eine ältere Dame der besseren Gesellschaft. Nach einem Empfang in ihrer Villa trifft sie auf eine Frau (Bárbara Lennie), die als Servicekraft engagiert ist. Sie weiß sofort, dass es sich bei dieser Frau um ihre Tochter Chiara handelt. Vor über 30 Jahren ist Anabel aus Chiaras Leben verschwunden, damals war ihre Tochter acht Jahre alt. Jetzt wird sie mit dem ungewöhnlichen Wunsch ihre Tochter konfrontiert, mit ihr zehn Tage allein in einem entlegenen Haus in den Bergen zu verbringen. Was hat die Tochter vor…?  

 

A (Wertung von A bis F) „Sunday´s Illness“ ist der neue Film des spanischen Drehbuchautors und Filmemachers Ramón Salazar („Stones“, „20 Centimetros“). 

Anmerkung: Diesen Film habe ich bereits vor drei Monaten gesehen. Meinen damaligen Beitrag hatte ich aber völlig vergessen, zu veröffentlichen. Da die Möglichkeit besteht, dass dieser Film am Ende des Jahres in meiner Top Ten landen könnte, hole ich es jetzt nach:

Allein wäre ich wahrscheinlich nie auf diesen Film gestossen, dankenswerterweise habe ich aber kürzlich gelesen, dass dieser Film und der Indie-Horror-Film Hereditary, den ich vorletzte Woche sah, in gewisser Weise seelenverwandt sein könnten. Mein Interesse war geweckt. Auch in dem Film des spanischen Autors und Regisseurs geht es um Schuldgefühle und die Wurzeln eines Menschen. „Sunday´s Illness“ ist ein Psychodrama/Thriller. Wie man einer Bewertung entnehmen kann, hat mir dieser Film deutlich besser als „Hereditary“ gefallen. 

Wann weiß man eigentlich, dass man einen Film liebt? Bei meiner ersten Sichtung von No Country For Old Men Ende 2007 in einem Kino in Dallas wusste ich es mit der ersten Einstellung. Bei diesem Film, den ich leider nur auf Netflix gesehen habe, wusste ich es, als Anabel so sonderbar zu tanzen beginnt.  Den The Mamas & The Papas´Song „Dream A Little Dream of Me“ werde ich wohl fortan immer mit diesem Film und Anabels Bewegungen verbinden. Etwas später kommt es zu einer weiteren Tanzszene, die mit einem eigentlich abgedroschenen Song unterlegt ist und doch vielleicht gerade deshalb so großartig ist. Es sind aber auch die Kontraste der Figuren, die einzelnen Schichten des Films und wie der spanische Filmemacher diese ganz selbstbewusst zu inszenieren weiß, die mich fasziniert haben.

Ich habe mir den Film innerhalb von wenigen Tagen zwei Mal angeschaut und habe komischerweise am Ende zwei unterschiedliche Filme gesehen. Beide Filmerlebnisse waren intensiv, während ich bei der ersten Sichtung jedoch, von der Ungewissheit geleitet, eher einen Thriller sah, habe ich bei der zweiten definitiv ein Drama gesehen und zwar eines, das mich tief berührte. Die Tränen konnte ich jedoch bereits beim ersten Mal nicht zurückhalten. Der Film strahlt zugleich Ruhe, Traurigkeit und Exzentrik aus, bei meiner ersten Betrachtung des Films kam die Anspannung dazu, da ich nicht ahnte, wohin mich die Geschichte eigentlich führt. Der Regisseur nimmt sich viel Zeit für seine Erzählung und seine Figuren. Beide Frauen sind eigen und besonders, die Schauspielerinnen sind fabelhaft. Ich liebe die minutenlange Rodelfahrt und hätte diesen Film wahnsinnig gerne im Kino gesehen. 

„Sunday´s Illness“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. 

„Sunday´s Illness“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2018 gezeigt. Der Film ist seit dem 15.06.18 über Netflix abrufbar. Ich habe den Film in der spanisch/ französischen Originalfassung mit englischen Untertiteln gesehen. 

Trailer zu sehen: