Berlin – Film: „You Were Never Really Here“

Ich war am 13.03.18 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„You Were Never Really Here“ (dt. Filmtitel: „A Beautiful Day“, dt. Kinostart: 26.04.18)  90 min thriller, drama, adaptation 

dir. Lynne Ramsay  cast: Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov, Alex Manette, John Doman, Judith Roberts, Alessandro Nivola

 

Der Ex-Soldat und Ex-FBI-Agent Joe (Joaquin Phoenix) ist vom Leben gezeichnet. Seine Lebensaufgabe sieht er mittlerweile darin, verschleppte Kinder aus Händen von Sexhändlern zu befreien. Dabei scheut er nicht vor Gewalt zurück. Bei seinem neuen Auftrag soll er die entführte minderjährige Tochter des New Yorker Senators Votto (Alex Manette) retten. Aufgrund der bevorstehenden Wahlen will der Senator die Polizei nicht einschalten. Joe ahnt noch nicht, wie gefährlich dieser neue Auftrag ist…

 

A- (Wertung von A bis F) „You Were Never Really Here“ liegt Jonathan Ames´gleichnamigem, nur 99 Seiten langem Roman zugrunde. Dies ist der erste U.S.-amerikanische Film der schottischen Autorin und Filmemacherin Lynne Ramsay (We Need to Talk About Kevin). 

Der Film ist ein Rachethriller, aber noch mehr ein ruhig erzähltes, nüchternes Porträt eines gebrochenen Mannes. Sein Körper ist mit Narben übersät und wenn ihm wieder alles zu viel wird, er schreckliche Bilder der gesehenen oder erlebten Gewalt ausblenden will, nimmt er Tabletten oder zieht sich eine Plastiktüte über den Kopf, bis er fast erstickt. Joe ist ein Mann mit Problemen, man fragt sich, was ihn überhaupt am Leben hält. Wenn er aber für einen Auftrag ein minderjähriges Entführungsopfer befreien soll, ist er hochkonzentriert und kämpft präzise bis er am Ziel ist. Sein Beweggrund gerade solche Aufträge anzunehmen, ist dabei nicht das Geld, sondern eher seine eigene traumatische Kindheit. Letztlich hat ihn diese Kindheit geprägt, ihn zugleich stark und verletzlich gemacht. Als die Regisseurin Ames´Kurzgeschichte für ihr Drehbuch adaptierte, hatte sie keinen anderen Schauspieler als Joaquin Phoenix für die Hauptrolle im Sinn. Es ist eines dieser Rollen, bei denen das Ausnahmetalent mit seinem Filmcharakter eins wird. Partout unvorstellbar, einen anderen Schauspieler in dieser Rolle zu sehen. 

Weiblichen Regisseuren wird gerne unterstellt, keine krassen, brutalen Filme auf die Beine stellen zu können. Lynne Ramsey dürfte das Gegenteil beweisen. Mit diesem Film ist ihr eine außergewöhnliche Inszenierung gelungen. Wahrscheinlich ist es ihrem weiblichen Einfühlungsvermögen zu verdanken, dass man am Ende des Films glaubt, Joe zu kennen und weiß, wie er tickt. Auch wenn man dann immer noch nicht viel mehr über seine Kindheit und seinen Werdegang weiß als am Anfang des Films. 

Besonders positiv aufgefallen ist mir auch die Filmmusik. Einmal mehr ist es Radioheads´Jonny Greenwoods Werk. 

„You Were Never Really Here“ ist ein exzellenter Film, der am Ende des Jahres tatsächlich in meiner Top Ten landen könnte. Bei mir liegt es jetzt über einen Monat zurück, dass ich den Film gesehen habe. Ich hatte mir für die Bewertung ein „A-„ notiert, kann mich aber nicht mehr daran erinnern, warum ich ihm nicht die volle Punktzahl gegeben habe. Update: „You Were Never Really Here“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. 

„You Were Never Really Here“ wurde erstmalig auf dem Cannes Filmfestival 2017 gezeigt. Es war der letzte Film, der dort in jenem Jahr im Wettbewerb gezeigt wurde. Kurz darauf wurde Lynne Ramsey bereits für das beste Drehbuch ausgezeichnet und außerdem hat Joaquin Phoenix des Preis als bester Hauptdarsteller in Cannes gewonnen. In den U.S.A. ist der Film am 6.4.18 in drei Kinos in New York und Los Angeles gestartet, ab dem 20.04.18 ist er dann landesweit zu sehen. In Deutschland wird der Film unter dem Filmtitel „A Beautiful Day“ am 26.04.18 in die Kinos kommen. Ich habe den Film in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die OmU. 

Trailer zu sehen: