Berlin (ale) – Film: „Unsane“


Ich war am 22.02.18 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Unsane“ (dt. Filmtitel: „Unsane: Ausgeliefert“, dt. Kinostart: 29.03.18) 98 min drama, thriller
dir. Steven Soderbergh cast: Claire Foy, Joshua Leonard, Jay Pharoah, Juno Temple, Amy Irving

 

Sawyer Valentini (Claire Foy) hat ihre Heimatstadt Boston verlassen und in einer anderen Stadt ein neues Leben angefangen. Ein Grund für den Umzug war, dass sie über einen längeren Zeitraum von einem Stalker bedrängt wurde. Eines Tages hat sie das Gefühl, ihren Stalker erneut zu sehen. Hat sie sich das vielleicht nur eingebildet? Sawyer ist sich nicht sicher und sucht Hilfe bei einer Psychotherapeutin in einer Klinik. Ehe sie sich versieht, wird sie als selbstmordgefährdet eingestuft, unterzeichnet eine Selbsteinweisung und wird in der Klinik vorerst festgehalten. Aber auch in der geschlossenen Heilanstalt hat sie das Gefühl, ihrem Stalker zu begegnen…

 

A- (Wertung von A bis F) „Unsane“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers, Drehbuchautors und Kameramanns Steven Soderbergh („Sex, Lies, and Videotape“, „Out of Sight“, „Traffic“, Contagion, Behind the Candelabra. Der komplette Film wurde mit iPhone 7-Kameras gedreht. Wie bei vielen seiner Filme, führt Steven Soderbergh hier nicht nur Regie, sondern steht auch (offiziell unter den Pseudonymen Peter Andrews und Mary Ann Bernard – den Namen seiner Eltern) hinter der Kamera und hat den Film selbst geschnitten.

Nachdem Steven Soderbergh nach Side Effects großmaulig verkündete, keine weiteren Spielfilme mehr für das Kino zu inszenieren, ist „Unsane“ nun nach „Logan Lucky“ bereits der zweite Film, den er seither ins Kino bringt. Ich kann das nur befürworten, nur hätte er sich das Dicke-Hose-Gelaber vorher auch sparen können.

Mit.„Unsane“ ist ihm wieder mal ein sehenswerten Kinofilm geglückt. Der Film erfindet das Thriller-Genre nicht neu, ich fand ihn aber bis zum Schluss nahezu unverschämt spannend. Der Film hat einen langsamen Spannungsaufbau. Zu Beginn mehr Drama, erzählt er die Geschichte einer Frau, die sich von einem Stalker verfolgt fühlt und in der Nervenheilanstalt landet. Man fragt sich, wie sie sich bloss in diese Situation gebracht hat und wie sie da wieder rauskommt. Vielleicht ist ihr die Stalker-Geschichte über den Kopf gewachsen? Claire Foy spielt diese Sawyer sehr aufrichtig, als Zuschauer beobachtet man sie, ist immer bei ihr, manchmal vielleicht selbst wie ein Stalker. Die iPhone-Kameras heben vielleicht noch zusätzlich diese teils kammerspielartige, immer beklemmende Atmosphäre hervor. Irgendwann gibt es einen Genre-Wechsel vom Drama zum Thriller mit einem schleichenden Übergang zum Horrorfilm. Bei einer Szene in meiner Vorstellung sind alle Zuschauer des Friedrichstadtpalastes zusammengezuckt.

„Unsane“ wurde jedoch unterschiedlich aufgenommen, eine Dame hat sich beim Verlassen des Theatersaals fürchterlich über den Film aufgeregt. „Der (sie meinte: Soderbergh) hat doch früher ganz andere (sie meinte; bessere) Sachen gemacht“. Wenn man sich Soderberghs Filmografie anschaut, finde ich gerade gut, dass er sich nie auf ein Genre festgelegt hat und immer etwas anderes ausprobiert.

Schauspielerisch hat mir Jay Pharoah (der Nate spielt) sehr gut gefallen. Ein Hollywoodstar, der bereits in vielen Soderbergh-Filmen mitgespielt hat, ist hier in einem Cameo zu sehen.

„Unsane“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2018 gezeigt. Der Film lief auf den 68. Berlin International Film Festival im Wettbewerb (außer Konkurrenz). Der Film startet am 23.03.18 in den amerikanischen Kinos. Für Deutschland ist ein Kinostart am 29.03.18 vorgesehen.

Trailer zu sehen:

 

7 Gedanken zu “Berlin (ale) – Film: „Unsane“

  1. Einer meiner Kollegen war wohl in der gleichen Vorstellung und gestand mir, er hat mitgeschrien :))
    Ein empfindliches Bürschchen das :))
    Na da bin ich sehr gespannt. Wie sieht so ein Handyfilm optisch aus? Grobkörniger? Wie Handkamera oder mit stabilerem Bild?
    Auf einem der letzten Fantasy Filmfeste lief ja ein Film, der umgekehrt nur fürs Handy gedreht wurde (???), aber umgekehrt erinnere ich an keinen Film.

    Gefällt 1 Person

    • :)) Na ich habe auch einen Mordsschreck bekommen. Du zuckst wahrscheinlich nur müde mit den Augen. 🙂

      Na vor zwei Jahren habe ich bereits Sean Bakers auf mehreren iPhone (5) gedrehten Film „Tangerine“ gesehen. Soderberghs Film erfindet also auch das nicht neu. Die Kameras sind ja mittlerweile sehr gut (überhaupt ist es eine gute Apple-Werbung), wenn man es nicht wüsste, würde man vielleicht einfach nur denken, das dies ein low budget Indie ist. Er benutzt wohl auch Stative, weil ich mich nicht erinnern kann, dass die Bilder groß verwackelt waren. Für die Story ist es aber gut, weil sie einem eine Intimität vermitteln.

      Einen Film auf dem Handy zu sehen, finde ich absurd. Aber ich weiß, dass viele Leute heutzutage Filme und sogar Serien über ihr Smartphone konsumieren. Auf so eine Idee würde ich nicht mal kommen. 🙂

      Gefällt 1 Person

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