Golden Globe-Gewinner 2018

Die Golden Globe-Verleihung im Jahr 2018 habe ich mal wieder live in den U.S.A. geschaut.

Die „Time´s Up“-Initiative war Thema der 75. Golden Globe-Verleihung (und wahrscheinlich der gesamten Oscar-Saison 2017/2018). Als Zeichen gegen Ungleichbehandlung, Sexismus und Machtmissbrauch trugen (mit ganz wenigen Ausnahmen) alle Schwarz und einen „Time´s Up“-Anstecker. Diese Bewegung hat einen Rechtsfond gegründet, der Frauen unterstützt, die nicht das Geld haben, ihre Peiniger anzuzeigen und zu verklagen. Das betrifft auch nicht nur die Entertainment-Branche, sondern generell den systematischen, sexuellen Missbrauch am Arbeitsplatz.

Bei dem ersten Golden Globe-Award (Film) bin ich beinahe vor Begeisterung aus dem Hotelbett gefallen. Als bester männlicher Nebendarsteller wird seit einigen Wochen Willem Dafoe als Favorit gehandelt, den Golden Globe hat aber – und ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich mich darüber freue – Sam Rockwell (für Three Billboards) gewonnen. Sam Rockwell hat selbst auch wohl nicht wirklich damit gerechnet, dass er ausgezeichnet wird, er war schrecklich aufgeregt. Goldig. Das sollte nicht der einzige Golden Globe für „Three Billboards“ sein. Zunächst ging das Beste Drehbuch an den Autor und Regisseur des Film Martin McDonagh und dann, der vorletzte Preis, ging für mich auch etwas überraschend an Frances McDormand. Warum war das überraschend? Frances McDormand ist nun (wie übrigens auch Gary Oldman, u.a.) niemand der sich auf den Veranstaltungen der rund 90 HFPA-Mitglieder sehen lässt, um die dann davon zu überzeugen, für sie zu stimmen. Ganz sicher nicht, sie ist auch kein Freund der eigentlichen Golden Globe-Verleihung, was man gestern immer mal wieder ihrem (so ausdrucksstarken) Gesicht ansehen konnte. Die HFPA-Mitglieder lassen sich aber nun mal gerne umschmeicheln, daher überraschend. Frances McDormand hat dann eine coole Rede gehalten, weil sie einfach auch unfassbar cool ist. Leider konnte man aufgrund der Zensur im amerikanischen Kabelfernsehen nicht jedes Wort hören. Der letzte Award ging dann an die Kategorie Film (Drama) und damit auch an „Three Billboards“. 4 Golden Globes für „Three Billboards“ (Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin, Frances McDormand und Bester Nebendarsteller, Sam Rockwell) – wenn dies so bei den Oscars weitergeht, hätte ich nichts dagegen.

Der zweite Globe-Award über den ich mich auch richtig gefreut habe (der aber keine große Überraschung war) ging an Elisabeth Moss (für ihre exzellente Performance in „The Handmaid´s Tale). Eine tolle Rede hat sie gehalten. Natürlich ging die Beste Drama-Serie dann auch an „The Handmaid´s Tale – wie sollte es anders sein?

Gary Oldman hat nun eine noch schwierige Beziehung mit der HFPA als Frances McDormand (er hat sie vor ein paar Jahren sogar öffentlich als als „unbedeutend“ kritisiert). Danke HFPA, dass Ihr über Euren Schatten gesprungen seid und die beste Leistung des Jahres ausgezeichnet habt. Wenn Timothee Chalamet gestern Abend gewonnen hätte, wäre es für Gary Oldman eine Idee schwieriger geworden, den Oscar zu gewinnen.

Ich wünschte, sie hätten die 101-jährige Schauspiellegende Kirk Douglas nicht im Rollstuhl auf die Bühne geschoben.

Nicht gerechnet habe ich mit dem GG-Gewinn für Fatih Akins „In the Fade“ (Für mich hatte Diane Krüger das schönste – schwarze – Kleid des Abends an).

Ich werde nie verstehen, warum die Amis Oprah so vergöttern. Sie hat aber eine durchaus bedeutsame Rede gehalten, mir ist sie aber immer etwas too much.

Ich könnte Guillermo del Toro stundenlang zuhören…Wie süß ist der denn? Wenn ein kleiner Junge im Körper eines brillanten mexikanischen Filmemachers voller Leidenschaft über seine Monster erzählt, dann treibt mir das Tränen in die Augen…. Genau so sieht die ideale Bewerbung für die Oscars aus. (Er begann seine GG-Dankesrede mit: „Since childhood, I´ve been faithful to monsters“ und endete mit: „My monsters thank you.“ ) Wenn in den nächsten 2 Monaten nicht etwas Gravierendes passiert, hat Guillermo del Toro damit den Oscar in der Tasche.

Für mich war die Frage des Abends: Geht der Preis Best Comedy/Musical an „Get Out“ oder „Lady Bird“. Lady Bird hat gewonnen.

Wie sieht das Oscar-Rennen jetzt aus? Die Golden Globe-Verleihung war die erste amerikanische, im Fernsehen übertragene Award-Show in dieser Oscar-Saison und lag in einer richtig guten Zeit, da die Academy-Mitglieder nämlich in dieser Woche (vom 5.1.18 bis 12.1.18) ihre Stimme für die Oscar-Nominierungen abgeben. Für die Golden Globe-Gewinner war es die Möglichkeit – und das sage ich, glaube ich, jedes Jahr – ihre Chance auf der Bühne zu nutzen, sich charmant, witzig und eloquent zu zeigen – vielleicht eine Geschichte zu erzählen und dann sind AMPAS-Mitglieder (die auch in großer Zahl im Zuschauerraum waren) auch gewillt, diesen Filmschaffenden, am Ende auch auf ihrer, der Oscar-Bühne, sehen zu wollen. Das Rennen, wer dieses Jahr Bester Film gewinnt, ist vielleicht nicht mehr ganz so offen. Für heute haben wir aber erst mal zwei Favoriten: „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ und „Lady Bird“ und zwar nicht allein durch die Golden Globe-Auszeichnungen, sondern – in meinen Augen – vor allen Dingen durch die Nominierung der Gewerkschaft der Schauspieler. Der Globe-Gewinn war jetzt die Bestätigung, das kann sich aber in der Minute ändern, in der einer dieser beiden Filme keine Nominierung der Gewerkschaft der Regisseure erhält oder beispielsweise „Get Out“ mit irgendwelchen Preisen innerhalb der Filmindustrie ausgezeichnet wird.

Golden Globe Gewinner 2017:
Movies

Best picture, drama: “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
Best picture, comedy or musical: „Lady Bird”
Actress, drama: Frances McDormand, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
Actor, drama: Gary Oldman “Darkest Hour”
Actress, musical or comedy: Saoirse Ronan, “Lady Bird”
Actor, musical or comedy: James Franco, “The Disaster Artist”
Supporting actress: Allison Janney, “I, Tonya”
Supporting actor: Sam Rockwell, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
Director: Guillermo del Toro, “The Shape of Water”
Screenplay: Martin McDonagh “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
Animated film: “Coco”
Foreign language film: “In the Fade”, Germany
Original score: “The Shape of Water”
Original song: „This Is Me, ”The Greatest Showman”

Cecil B. DeMille Award: Oprah Winfrey

Television:
Best series, drama: “The Handmaid´s Tale”
Best series, comedy or musical: “The Marvelous Mrs. Maisel“
Best Television Limited Series or Motion Picture Made for Television: “Big Little Lies”
Best Performance by an Actress in a Limited Series or a Motion Picture Made for Television: Nicole Kidman, “Big Little Lies”
Best Performance by an Actor in a Limited Series or a Motion Picture Made for Television: Ewan McGregor „Fargo”
Actress, drama: Elisabeth Moss, “The Handmaid´s Tale”
Actor, drama: Sterling K. Brown „This Is Us“
Actress, comedy or musical: Rachel Brosnahan ”The Marvelous Mrs. Maisel“
Actor, comedy or musical: Aziz Ansari, “Master of None”
Supporting actress, Series, Limited Series or Motion Picture Made for Television: Laura Dern, “Big Little Lies”
Supporting actor, Series, Limited Series or Motion Picture Made for Television: Alexander Skarsgard „Big Little Lies“

Frances McDormands Dankesrede 2018 (für übrigens ihren ersten Golden Globe)

NYC – Film: „Phantom Thread“

Ich war am 03.01.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Phantom Thread“ (dt. Filmtitel: „Der seidene Faden“, dt. Kinostart: 01.02.18) 130 min drama, thriller
dir. Paul Thomas Anderson cast: Daniel Day-Lewis, Lesley Manville, Vicky Krieps, Brian Gleeson

 

Im London der 1950er Jahre führt Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) zusammen mit seiner Schwester Cyril (Lesley Manville) ein Modehaus. Er ist ein sehr angesehner Modedesigner, der die Damen der Gesellschaft und sogar die Mitglieder der Königshäuser ausstattet. Reynolds ist Junggeselle, Frauen kommen und gehen in seinem Leben, bis eines Tages die Kellnerin Alma (Vicky Krieps) in sein Leben schreitet…

 

 

B+ (Wertung von A bis F) „Phantom Thread“ ist der neue Film des amerikanischen Autors und Filmemachers Paul Thomas Anderson („Boogie Nights“, „Magnolia“, The Master, Inherent Vice). Bei diesem Film hat er nicht nur das Drehbuch geschrieben und Regie geführt, es ist auch sein Spielfilmdebüt als bildgestaltender Kameramann. Nach There Will Be Blood ist dies bereits die zweite Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und dem britischen Schauspieler Daniel Day-Lewis. Im Jahr 2017 galt diese Arbeit als letzte Performance des Schauspieler. Er hat angeben, sich zu Ruhe setzen zu wollen. Daniel Day-Lewis hat sich bereits Ende der 1990er eine Auszeit genommen und als Schuhmacher in Italien gearbeitet.

Die Filme von Paul Thomas Anderson sind immer etwas Besonderes, jeder auf seine Art. „Phantom Thread“ steht für mich in erster Linie für Eleganz, in Form von Filmmusik (von Radioheads Jonny Greenwood), Kamerafahrten, Kostüm- und Setdesign, etc. Von dieser Eleganz habe ich mich wie in Watte gepackt gefühlt. Derweil habe ich mich gefragt, was mir hier eigentlich für eine Geschichte erzählt wird. Was ist es überhaupt für ein Genre? Charakterdrama: sicher, Liebesgeschichte: definitiv, Thriller: durchaus. Es fiel mir leicht mich in Alma reinzuversetzen, sie lernt diesen faszinierenden Mann kennen, fühlt sich von ihm angezogen. Sie wird sein Modell, seine Muse, sie lässt sich schließlich ganz auf diesen Mann ein, der einen in einer Minute charmant um den Finger wickeln und in der nächsten Minute eiskalt und rätselhaft sein kann. Irgendwann habe ich mich dann gefragt, ob dies nun wieder so ein Film über einen exzentrischen Mann ist? Soviel sei verraten: nein, ist es nicht – oder nicht nur. Die Geschichte hält ein paar Wendungen parat.

Den exzellenten Ton muss ich bei diesem Film hervorheben, das betrifft insbesondere die Geräusche am Esstisch.

Der dreimalige Oscar-Gewinner Daniel Day-Lewis kreiert hier – wieder mal – einen eigenen Charakter und das lässt ihn als Schauspieler in einer ganz anderen Klasse als die allermeisten Schauspieler spielen. Spontan fällt mir nur Cate Blanchett ein, die in Blue Jasmine auch diesen Charakter Jasmine geschaffen hat.

Was Vicky Krieps angeht, war ich hin- und hergerissen. Optisch ist sie unscheinbar und bieder, schauspielerisch hat sie mir aber sehr gut gefallen.

„Phantom Thread“, Steven Spielbergs Film The Post und Ridley Scotts Film All the Money in the World waren die letzten Prestige-Filme, die in der Oscar-Saison 2017/2018 gezeigt wurden.

„Phantom Thread“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Daniel Day-Lewis), Beste Hauptdarstellerin (Vicky Krieps), Beste Nebendarstellerin (Lesley Manville), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Update: Phantom Thread hat 6 Oscar-Nominierungen erhalten (Best Picture, Best Director, Best Actor – Daniel Day-Lewis, Best Supporting Actress – Leslie Manville, Best Costume Design, Best Score) Update: „Phantom Thread“ hat einen Oscar (Bestes Kostümdesign) gewonnen.

„Phantom Thread“ ist am 25.12.17 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Ab dem 19.01.18 ist der Film dann landesweit in den U.S.A. zu sehen. Unter dem Filmtitel „Der seidene Faden“ startet der Film am 01.02.18 in den deutschen Kinos.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „7 Days in Entebbe„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Thriller mit Daniel Brühl und Rosamund Pike
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Annihilation„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Alex Garlands neuer Sci-Fi-Film mit Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Tessa Thompson und Oscar Isaac
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Fifty Shades Freed„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: was die für ein Geld für Werbung ausgeben
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Thoroughbreds„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Drama/Thriller mit Anya Taylor-Joy. Einer der letzten Film mit Anton Yelchin.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Isle of Dogs„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Wes Andersons neuer Stop-motion-Animationsfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Winchester„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Horrorfilm mit Helen Mirren und Jason Clarke
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The 15:17 to Paris„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Clint Eastwoods neuer Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken