Charlotte – Film: „All the Money in the World“


Ich war am 28.12.17 in Charlotte und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„All the Money in the World“ (dt. Filmtitel: „Alles Geld der Welt“, dt. Kinostart: 15.02.18) 133 min drama, biopic, adaptation
dir. Ridley Scott cast: Michelle Williams, Christopher Plummer, Mark Wahlberg, Romain Duris, Charlie Plummer, Timothy Hutton, Andrew Buchan

 

Nach der Scheidung von John Paul Getty Jr. (Andrew Buchan) verzichtet Gail (Michelle Williams) auf viel Geld, einzig das alleinige Sorgerecht für ihre vier Kinder wollte sie behalten. Sie zieht ihre Kinder in Rom auf. Am 10. Juli 1973 wird ihr 16-jährige Sohn Paul (Charlie Plummer) entführt. Eine Lösegeldsumme von 17 Millionen Dollar wird für die Freilassung des Jungen gefordert. Gail hat selbst kein Geld, die Entführer gehen aber davon aus, dass ihr ehemaliger Schwiegervater, J. Paul Getty (Christopher Plummer) das Geld für seinen Enkel zahlen wird. Der reichste Mann der Welt weigert sich jedoch, auch nur einen Cent zu zahlen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „All the Money in the World“ wurde von einer wahren Geschichte inspiriert. Der Film basiert auf John Pearsons Buch „Painfully Rich: The Outrageous Fortunes and Misfortunes of the Heirs of J. Paul Getty“. Es ist der neue Film des englischen Filmemachers Ridley Scott („Alien“, „Blade Runner“, „Thelma & Louise“, „Gladiator“, The Martian).

„All the Money in the World“ ist ein gut inszeniertes, spannendes Drama mit Thriller-Elementen. Der Film beruht auf historischen Tatsachen, auch wenn die Story aus dramaturgischen Gründen etwas abgewandelt wurde. Die Geschichte deutet eine äußerst faszinierende und tragische Familiengeschichte an. Der Ablauf und der Hintergrund der Getty-Entführung war mir nicht bekannt, sehr wohl wusste ich aber – wie wahrscheinlich jeder andere auch – von der Sache mit dem Ohr. J. Paul Getty war seinerzeit der reichste Mann der Welt. Mir wird nie begreiflich sein, wie man – insbesondere, wenn man so viel Geld hat – so geizig sein kann. Generell ist es für mich eine der unangenehmsten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann. Was für ein Widerling J. Paul Getty war. Ganz sicher wäre es nicht in seinem Sinne, dass der Eintritt zu der Getty Villa (mit dem traumschönen Garten) und auch das äußerst beeindruckende Getty Center in Los Angeles kostenlos zu besichtigen sind.

John Paul Getty III hat recht bald nach seiner Entführung die Deutsche Gisela Getty, geboren Schmidt (Mitglied der Berliner Kommune 1) geheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn: Balthazar Getty, ein amerikanischer DJ und Schauspieler, vorwiegend bekannt aus den TV-Serien „Charmed“, „Brothers & Sisters“ und „Twin Peaks: The Return“). Ridley Scott hat übrigens mit dem Sohn des Entführten, Balthazar Getty, bereits in „White Squall“ zusammengearbeitet.

„All the Money in the World“ sollte ursprünglich (mit Kevin Spacey in der Rolle des J. Paul Getty) auf dem AFI Fest als Abschlussfilm am 16.11.17 in der Weltpremiere gezeigt werden. Als – Anfang November 2017 – die Missbrauchsvorwürfe gegen Kevin Spacey immer stärker wurden, beschloss Ridley Scott kurzerhand den Schauspieler aus seinem fertigen Film zu entfernen und die rund 20 Spacey-Szenen mit dem englischen Schauspieler Christopher Plummer nachzudrehen. Nun war zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht klar, ob der überhaupt zur Verfügung stand, außerdem brauchte er nicht nur die, mittlerweile 88-jährige Schauspiellegende, sondern auch die anderen Schauspieler (Mark Wahlberg, Michelle Williams, u.a.) und den Rest der Crew. Also wurden viele Telefonate, u.a. mit den Schauspielagenten geführt, alles natürlich im Geheimen, man wollte das Ganze ja nicht an die große Glocke hängen. Christopher Plummer wollte eigentlich in den Florida-Urlaub fliegen als er davon erfuhr, dass Ridley Scott ihn in der Rolle sehen wollte. Der englische Filmemacher flog extra von London nach New York, um sich mit Christopher Plummer zu treffen. Christopher Plummer ist ein großer Bewunderer von Ridley Scott und wollte schon lange mal mit ihm drehen und gab an, er hätte sich sogar auf den Dreh eingelassen, wenn er das Skript gehasst hätte. Plummer sagte schließlich zu und lernte – offensichtlich – in Windeseile seine Texte (und da ich den Film jetzt gesehen habe, kann ich nur sagen, es ist viel Text). Die anderen Schauspieler (Mark Wahlberg und Michelle Williams, u.a.) erfuhren nur, dass ein paar Reshoots in Rom und London erforderlich waren, nicht, dass sie jetzt mit einem anderen Schauspieler als Jean Paul Getty drehen werden. Der Nachdreh fand vom 20.11.17 – 29.11.17 statt. Gleichzeitig wurde das Filmmaterial im Schneideraum bearbeitet. Die noch nicht ganz fertige Version wurde den HFPA-Mitgliedern dann exklusiv am 4.12.17 gezeigt. „All the Money in the World“ wurde dann ein paar Tage später für drei Golden Globes (Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin, Michelle Williams, Bester Nebendarsteller Christopher Plummer) nominiert. An dem ursprünglichen amerikanischen Kinostart am 22.12.17 konnte festgehalten werden. Ein richtig guter Regisseur ist einer, der eine klare Vision hat, wie sein Film auszusehen hat, aber auch einer, der Entscheidungen fällt, wenn es nötig ist. Ridley Scott ist ein verdammt guter Regisseur. Er hat dieses Jahr nicht nur Alien: Covenant gedreht, sondern auch diese Meisterleistung rund um „All the Money in the World“ abgeliefert – und das mit 80 Jahren. Mein höchster Respekt.

Wenn ich ehrlich bin, galt mein Hauptaufmerksamkeit im Film zunächst jeder einzelnen Szene mit Christopher Plummer, gerade am Anfang ist er in quasi jeder Szene zu sehen. Wenn man genau hinguckt, sieht ein paar Fehlerchen im Schnitt, aber im Ganzen ist die Regiearbeit – wie von Ridley Scott zu erwarten – perfekt. Christopher Plummer hat sich für diese bravouröse Blitz-Leistung definitiv eine Oscar-Nominierung verdient, ich finde auch Michelle Williams. Im Moment glaube ich, dass es Christopher Plummer auch reinschafft, für Michelle Williams wird es schwierig, wahrscheinlich ist es zu spät für sie eine Kampagne zu starten, außerdem ist die Konkurrenz zu stark. Mir haben aber auch Andrew Buchan (bekannt aus der britischen TV-Serie Broadchurch) als J. Paul Gettys Sohn bzw. Gails (Ex-)Ehemann und Romain Duris, der hier Cinquanta spielt, gefallen.

In der diesjährigen Oscar-Saison war „All the Money in the World“ (noch nach The Post und Phantom Thread) der letzte mögliche Oscar-Kandidat, der gezeigt wurde.

„All the Money in the World“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Michelle Williams), (Bester Nebendarsteller (Christopher Plummer), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Update: All the Money in the World hat 1 Oscar-Nominierung erhalten (Best Supporting Actor – Christopher Plummer)

„All the Money in the World“ ist am 22.12.17 landesweit in 2074 amerikanischen Kinos gestartet. In Deutschland ist der Film unter dem Filmtitel „Alles Geld der Welt“ ab dem 15.02.18 in den Kinos zu sehen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Sicario 2 Soldado„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Fortsetzung zu Sicario mit (wieder) Benicio del Toro und Josh Brolin
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Post„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Der neue Spielberg-Film mit Meryl Streep und Tom Hanks. Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Film Stars Don´t Die in Liverpool„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: RomDrama mit Annette Bening, Jamie Bell und Vanessa Redgrave
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Annihilation„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Alex Garlands neuer Sci-Fi-Film mit Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Tessa Thompson und Oscar Isaac
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „12 Strong„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Kriegsfilm mit Michael Shannon und anderen
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Fifty Shades Freed„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: das dieser Mist so viel Geld macht…
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Black Panther„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Comic-Verfilmung von Ryan Coogler
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wenn die Kritiken gut sind

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2 Gedanken zu “Charlotte – Film: „All the Money in the World“

  1. Also die Trailer haben mir gefallen, auch wenn mir das Hick Hack um Spacey etwas zu weit gingen.
    Ja der alte Getty – da habe ich mal eine Doku gesehen. Der Mann war so extrem…aber wenigstens mit Stil. Er hatte einfach keinen Sinn für Verschwendung und wenn es ein einfacher Bleianspitzer auch tut, wozu dann einen elektrischen? Er hatte ja auf jedem Abrechnungsposten sein Adlerauge :))
    Ich meine Vivien Westwood lebt auch ohne Heizung und teilt den Wasserverbrauch drastisch ein :)) oh mann :))
    Aber im Ernst – kann ich eher mit leben, als diesen dekadenten Verschwendern, die jede Bodenhaftung verloren haben und deren Bälger denken sie seien Götter und stünden über dem Gesetz.

    Gefällt 1 Person

    • Die Trailer mit Spacey und mit Plummer waren so unterschiedlich. Mittlerweile glaube ich, dass es eine gute Idee war, Christopher Plummer zu besetzen, Ich könnte mir jetzt gar nicht Kevin Spacey in der Rolle vorstellen.

      Getty hatte ja eigens für seine Gäste eine richtige Telefonzelle in sein Schloss einbauen lassen, von dort aus die telefonieren konnten. Geiz ist für mich nur okay, wenn es an sich selbst gerichtet ist und nicht andere beeinträchtigt. Dekadentes Verschwenden von Neureichen und meist nur „Söhnen“, „Töchtern“ und „Ehefrauen“ ist für mich ebenfalls verachtenswert. Aber geizige Menschen sind für mich noch mehr ein rotes Tuch.

      Gefällt 1 Person

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