Chicago – Film: „Novitiate“


Ich war am 23.11.17 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Novitiate“ 123 min drama
dir. Margaret Betts cast: Margaret Qualley, Dianna Agron, Melissa Leo, Julianne Nicholson, Morgan Saylor, Denis O´Hare

 

In den 1960er Jahren. Cathleen (Margaret Qualley) ist nicht religiös aufgewachsen, sie hat aber eine katholische Schule besucht. Im Alter von 17 Jahren entscheidet sie sich – sehr zum Entsetzen ihrer Mutter (Julianne Nicholson) – ins Kloster zu gehen. In der Klosterausbildung (dem Noviziat) von anderthalb Jahren soll herausgefunden werden, ob die jungen Nonnenschülerinnen überhaupt geeignet sind, ihr Leben in der Ordensgemeinschaft zu verbringen. Die strenge Ordensmutter Marie St. Clair (Melissa Leo) hat derweil ganz andere Sorgen, es erreicht sie die Information über das Zweite Vatikanum, die katholische Kirche will sich verändern…

 

B- (Wertung von A bis F) „Novitiate“ ist der erste abendfüllende Spielfilm, bei dem die amerikanische Filmemacherin Margaret Betts („The Carrier“) Regie führte.

Ich mag Filme, die mir eine Welt zeigen, von der ich so gut wie gar nichts weiß. Diese Filme haben immer einen Lerneffekt und im besten Fall habe ich am Ende des Films ein besseres Verständnis für das Leben in dieser Welt. „Novitiate“ ist nicht sonderlich erfolgreich dabei, mir klarzumachen, warum sich diese jungen Mädchen entschließen, ins Kloster zu gehen und dort ein Leben lang bleiben wollen. Ich finde es höchst absurd, Gott heiraten und im Kloster leben zu wollen und hätte gerne irgendwo nachvollziehbare Beweggründe dieser Mädchen erfahren. Der Film konzentriert sich jedoch auf den Alltag der heranwachsenden Nonnenschülerinnen unter dem strengen Regime der Mutter Oberin Marie St. Clair (gespielt von Melissa Leo). Das Leben im Kloster ist für die jungen Frauen nicht einfach, einige werden aussortiert, ich habe aber die ganze Zeit darauf gewartet, dass die Klosterschülerinnen selbst zur Besinnung kommen. Reinversetzen konnte ich mich einzig in Julianne Nicholsons Charakter, die hilflos dabei zusehen muss, wie sich ihre Tochter ins Extreme flüchtet.

Der Film wirkt sehr langgezogen. Ich mochte auch die Hauptdarstellerin Margaret Qualley (übrigens die Tochter von der amerikanischen Schauspielerin Andie MacDowell) nicht sonderlich.

Die Oscar-Gewinnerin Melissa Leo spielt hier die Leiterin der Ordensgemeinschaft, die die Reformen der katholischen Kirche ablehnt. Melissa Leo (The Fighter, Prisoners) hat einfach diese angsteinflössende Präsenz und spielt hier erwartungsgemäß exzellent.

„Novitiate“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Margaret Qualley), Beste Nebendarstellerin (Melissa Leo), Bestes Originaldrehbuch

„Novitiate“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2017 gezeigt. Dort wurde die Filmemacherin für den Special Jury Award for Breakthrough Director  ausgezeichnet. Der Film ist am 27.10.17 in drei amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er dort landesweit in 163 Kinos. Für Deutschland ist bislang noch kein Kinostart geplant.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Shape of Water„
Bewertung des Trailers: A- (Redband-Trailer)
Kommentar: Guillermo del Toros neuer Film mit Sally Hawkins und Michael Shannon
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

Trailer v. Film: „I, Tonya„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Margot Robbie als Tonya Harding – unglaublich wie furchtbar sie aussehen kann. Und ja klar, allein vom Trailer schon mind. eine Oscar-Nominierung für Allison Janney
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Downsizing„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Alexander Paynes neuer Film soll problematisch sein, vom Trailer her sieht er aber wirklich gut aus
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Darkest Hour„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Joe Wrights neuer Film. And the Oscar goes to … Gary Oldman oder doch nicht?
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

Trailer v. Film: „Call Me by Your Name„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Luca Guadagninos neuer Film, Oscar-Kandidat
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue:  habe ich bereits auf der Berlinale gesehen

Trailer v. Film: „The Leisure Seeker„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Drama mit Donald Sutherland und Helen Mirren
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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7 Gedanken zu “Chicago – Film: „Novitiate“

  1. Ach, wusste ich gar nicht, dass Margaret Qualley MacDowells Tochter ist. Sie wirkt manchmal etwas einfältig, aber jetzt wo ich es weiß sehe ich die Ähnlichkeit. Kenne sie nur aus „The Nice Guys“ und „Death Note“.
    Tja warum wird man Nonne oder Diakonisse? Als nicht oder wenig religiöser Mensch ist das Erklärung hin oder her immer schwer zu verstehen. In den Sechzigern spielte da mit Sicherheit auch die Loslösung von den Eltern eine Rolle. Für viele der einzige Weg „auf eigenen Beinen “ zu stehen.
    Aber wenn ich daran denke, dass heute noch einige Orden alle drei Stunden beten, auch nachts, dann grenzt das schon an Selbstzerstörung. Gesund bleibt man so nicht 🙂

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    • Ja genau bei „Nice Guys“ muss ich sie auch gesehen haben, da ist sie mir aber nicht (negativ) aufgefallen.

      Im Kloster ist es letztlich ja noch restriktiver als im vielleicht strengen Elternhaus, das ist denke ich nicht eine Erklärung. Spätestens wenn sie das nach einiger Zeit gemerkt hätten, wären sie doch aus dem Kloster abgehauen. Ich glaube eher, dass die Eltern ihre (vielleicht ungehorsamen) Töchter ins Kloster geschickt haben.

      Ernsthaft? Alle drei Stunden (und auch nachts) beten. Das mit dem Schweigen und der Ruhe in den Klöstern finde ich am Besten. 🙂

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      • Ach, ich denke, wenn man von seinen Eltern nicht gut behandelt , vielleicht missbraucht wurde oder zwangsverheiratet werden sollte, war das Kloster die erste Wahl. So mit abhauen war selbst in den Sechzigern schwer, denn wohin und wovon leben? Eben mal eine Singlewohnung nehmen war nicht und Arbeit zu bekommen – na ja.
        Natürlich geht es heute nicht mehr so extrem. Also man hat zwar seine Regeln, lebt aber nicht mehr ganz so knastig, es sein denn, man sucht sich so einen extremen Orden selbst aus. Da gibt es große Unterschiede.

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      • Na die erste Wahl war doch sicherlich irgendeinen Typen (mit dem man auch nicht glücklich wird) vom Fleck weg zu heiraten. Diese Kloster-Geschichte geht nicht in mein Hirn, vor allen Dingen, wenn man so schlecht behandelt wird. Aber gut, das Selbstbewusstsein der Mädchen und Frauen war in den 1960er auch nicht so groß, wie heutzutage. Bestimmt schrecklich in so einer Zeit gelebt zu haben.

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      • Auf jeden Fall, nicht unbedingt erstrebenswert. Ja gut mit einem Typen durchzubrennen, den man nicht leiden kann wäre für mich das Selbe in grün, denn damals konnte der Mann bestimmen, was man zu tun und zu lassen hat, also was unsere deutsche Gesetzgebung angeht. Kein Arbeiten ohne seine Einwilligung, ihm gefügig sein…für manche ist da das Kloster besser.

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      • Kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen. Stimmt, meine Mutter musste in den 1970er Jahren auch noch meinen Vater fragen, ob sie arbeiten darf. Unglaublich, manche Kulturen leben heute noch so und noch krasser, was Frauenrechte angeht. Das hat sich ja damals nur durch die Frauenbewegung (langsam) geändert. So etwas ändert sich immer nur von innen heraus, denke ich.

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