NYC – Film: „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“


Ich war am 11.11.17 in New York und am 24.11.17 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (dt. Kinostart: 25.01.18) 115 min drama, comedy
dir. Martin McDonagh cast: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, John Hawkes, Peter Dinklage, Abbie Cornish, Caleb Landry Jones, Lucas Hedges, Zeljko Ivanek

 

Mildred Hayes (Frances McDormand) ist alleinerziehend und lebt mit ihrem Sohn Robbie (Lucas Hedges) in dem Örtchen Ebbing in Missouri. Vor sieben Monaten ist ihre Tochter Angela brutal vergewaltigt und ermordet worden. In ihren Augen hat die lokale Polizeibehörde mit Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) nicht genug getan, um den Täter ausfindig zu machen. Kurzerhand bucht Mildred für ein Jahr drei großformatige Werbeflächen außerhalb der Gemeinde und klagt in großen Lettern Sheriff Willoughby und sein Team an…

 

A- (Wertung von A bis F) „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist der neue Film des britisch-irischen Dramatikers und Regisseurs Martin McDonagh. Dies ist nach In Bruges und Seven Psychopaths erst der dritte Spielfilm, bei dem er das Drehbuch schrieb und Regie führte.

Wenn man die grandiosen Trailer von „Three Billboards“ sieht, könnte man meinen, dass es sich hier um eine schwarze Komödie handelt. Als ich den Film das erste Mal sah, war ich leicht irritiert, welche Wege die Handlung nimmt. In der Zwischenzeit habe ich den Film ein zweites Mal gesehen. Mit der zweiten Sichtung wusste ich, was mich erwartet, „Three Billboards“ ist eindeutig ein Charakterdrama über zwei komplexe und so unterschiedliche Persönlichkeiten (gespielt von Frances McDormand und Sam Rockwell) ist. Der Humor ist natürlich auch da, er resultiert aus der Situationskomik und den wirklich überragenden, schimpfwortreichen Dialogen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Mildred Hayes, eine für die meisten Bewohner von Ebbing zu smarte, sarkastische und sehr zornige Mutter, die es nicht fassen kann, dass der Mörder ihrer Tochter nach sieben Monaten immer noch nicht gefasst wurde und offensichtlich nicht groß weiter ermittelt wird. Die Geschichte ist dabei weniger an der Suche nach dem Mörder interessiert, eher, mit wem Mildred Hayes alles konfrontiert wird und sich auseinandersetzen muss. Einer der Typen ist dabei der Polizist Jason Dixon (gespielt von Sam Rockwell). Diese Figur ist anschaulich beschrieben, man versteht, was ihn geprägt hat, was ihn umtreibt und kann dann auch sein weiteres Handeln nachvollziehen. Sam Rockwell erweckt diesen Dixon zum Leben. Dixon hätte leicht eine Karikatur sein können, aber Sam Rockwell findet den richtigen Ton und macht ihn zu einer realen Person, die in so einem Kaff im Mittleren Westen der U.S.A. leben könnte. Bei jedem Auftritt Dixons schlug mein Herz bis zum Anschlag. Sam Rockwell (Moon, Conviction, The Way, Way Back) ist unbeschreiblich gut und war nie besser (und das will was heißen). Wenn er für „Three Billboards“ nicht den Oscar gewinnt, verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich liebe, liebe, liebe jede einzelne Szene mit ihm…insbesondere bei meiner zweiten Sichtung des Films.

Hier geben aber auch Woody Harrelson, John Hawkes, Lucas Hedges, Caleb Landry Jones, Peter Dinklage und selbstverständlich Frances McDormand exzellente Performances. Das gepaart mit den brillanten Dialogen macht den Film zu einem einzigartigen Film. Ich kann aber auch verstehen, wenn man Probleme mit dem Film hat, er ist auch nicht leicht einzuordnen und aller Wahrscheinlichkeit kann man sich in keinem der Charaktere wiederfinden. Die Wut und Frustration von Mildred Hayes passt aber in die heutige Zeit, in der man – wenn man mit offenen Augen durch die Welt schreitet – so viele Missstände in der Gesellschaft, bei der Polizei, der Justiz und natürlich in der Politik sieht.

Als Martin McDonagh das Drehbuch zu dem Film schrieb, hatte er Frances McDormand für die Hauptrolle im Sinn. Als ihr die Rolle angeboten wurde hatte die amerikanische Schauspielerin jedoch länger gezögert. Sie fand sich zu alt für die Rolle und war der Meinung, dass eine Frau, die in so einer Kleinstadt in Missouri lebt, viel früher Kinder bekommen hätte. Letztendlich hat ihr Ehemann und Top-Regisseur Joel Coen sie aber überzeugen können. Danke dafür! Mildred Hayes ist eine dieser Figuren, die man sich mit einer anderen Schauspielerin nicht vorstellen kann. Frances McDormand ist eine der besten Schauspielerinnen heutzutage, Ihre Performance in dem Mehrteiler Olive Kitteridge und jetzt in „Three Billboards“ zählen, in meinen Augen, zu ihren besten. Frances McDormand hält nicht viel von Awards-Kampagnen und sehr wahrscheinlich wird man sie nicht häufig bei den ganzen Rote-Teppich-Events sehen, da werden ihr Saoirse Ronan, Margot Robbie und andere sicherlich mit einer Charme-Offensive den Rang ablaufen. Am Ende sollte aber Leistung zählen und so hoffe ich darauf, dass sie am Ende nach über zwanzig Jahren mit ihrem zweitem Oscar (den ersten hat sie für ihre Performance in „Fargo“ gewonnen) ausgezeichnet wird.

In regulären amerikanischen Vorstellungen gibt es äußert selten Applaus am Ende eines Films. Als ich „Three Billboards“ das erste Mal in New York gesehen habe, gab es jedoch in meiner sehr gut besuchten Vorstellung am Eröffnungswochenende großen Applaus. (Als ich den Film zum zweiten Mal in Chicago gesehen hat jedoch keiner applaudiert).

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2017.

Jetzt zu den Oscars, Kategorie Bester Film. Als ich meine erste Prognose zu den Oscar-Nominierungen bzw. Oscar-Gewinnern 2018 Ende September veröffentlicht habe, gab es faktisch noch keinen Favoriten in dieser Kategorie. Ich habe die Vermutung geäußert, dass „Three Billboards“ den Oscar als Bester Film gewinnen könnte. Jetzt zwei Monate später ist, in dieser beispiellosen Oscar-Saison, immer noch kein Favorit in Sicht. Viele Oscar-Experten gehen, nach wie vor, davon aus, dass Dunkirk gewinnen wird. Ich bin mir jedoch mittlerweile ziemlich sicher, dass ein Film mit einer weiblichen Hauptrolle den Oscar im nächsten Jahr gewinnen wird. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, ich werde in meiner nächsten Oscar-Prognose näher dazu Stellung nehmen. In dieser Oscar-Saison gibt es erfreulicherweise eine beachtliche Auswahl von Filmen mit starken Frauen/Mädchen in der Hauptrolle: „Three Billboards“, Lady Bird, „“The Shape of Water“ und „The Post“, aber auch „I, Tonya“, The Florida Project, Battle of the Sexes, Molly´s Game“ und nicht zu vergessen: mother!.(gut, Letztgenannter hat natürlich keinerlei Chancen auf einen Oscar-Gewinn)

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Frances McDormand), Bester Nebendarsteller (Sam Rockwell, Woody Harrelson), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Update: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri hat 7 Oscar-Nominierungen erhalten (Best Picture, Best Actress – Frances McDormand, Best Supporting Actor – Sam Rockwell und Woody Harrelson, Best Original Screenplay, Best Film Editing, Best Score) Update: „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ hat zwei Oscars (Beste Hauptdarstellerin, Frances McDormand und Bester Nebendarsteller Sam Rockwell)
gewonnen.

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2017 gezeigt. Auf dem Toronto International Film Festival hat der Film den Publikumspreis gewonnen. Am 10.11.17 ist der Film in vier amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er landesweit in 614 Kinos in den U.S.A. Für Deutschland ist ein Kinostart am 25.01.18 geplant.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Isle of Dogs„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Wes Andersons neuer Stop-motion-Animationsfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Post„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Da ist er nun endlich der Trailer zum lang erwarteten neuen Spielberg-Film mit Meryl Streep und Tom Hanks. Wichtiger Film über ein wichtiges Thema (Pentagon-Papers). Film steht bis auf weiteres noch unter Embargo. Soviel ist aber durchgedrungen, man kann mit einigen Oscar-Nominierungen rechnen
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Fifty Shades Freed„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: als erkennbar war, für welchen Film hier Werbung gemacht wird, brach in meiner New Yorker Vorstellung schallendes Gelächter aus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „12 Strong„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Kriegsfilm mit Michael Shannon und anderen
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Downsizing„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Alexander Paynes neuer Film soll problematisch sein, vom Trailer her sieht er aber wirklich gut aus
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Commuter„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Action-Thriller mit Liam Neeson (ich dachte, er wollte solche Filme nicht mehr machen, er sieht hier schlecht aus) und Vera Farmiga
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wahrscheinlich schon

Trailer v. Film: „Phantom Thread„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Paul Thomas Andersons neuer Film, der nun offiziell diesen Titel trägt, (vorerst) letzte Performance von Daniel-Day Lewis. Auch dieser Film wurde die Tage das erste Mal gezeigt, steht aber auch noch unter Embargo
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Vor meiner Vorstellung in Chicago habe ich Trailer von „12 Strong“, „The Disaster Artist“, „The Commuter“, „Fifty Shades Freed (keiner hat in Chicago bei diesem Trailer gelacht), „The Shape of Water“

und

Trailer v. Film: „I, Tonya„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Margot Robbie als Tonya Harding – unglaublich, wie furchtbar diese bildhübsche Frau aussehen kann. Und ja klar, allein vom Trailer schon mind. eine Oscar-Nominierung für Allison Janney und wahrscheinlich eine für Margot Robbie
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Super Troopers 2„
Bewertung des Teasers: B
Kommentar: Actionkomödie und Fortsetzung
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 

Aussteller von „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

 

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2 Gedanken zu “NYC – Film: „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“

  1. Ich bin extrem gespannt auf den Film. Also mehr Drama, gut, damit kann ich in diesem Fall leben, denn McDormand wie Rockwell sind perfekt in solchen Rollen. Ich liebe die beiden.
    Eine Auszeichnung für Rockwell fände ich schon gut. Er hat zwar einige Gurken am Start, aber im Gros ist er einfach ganz großartig. Harrelson natürlich auch. Schwierig, wird spannend. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Hattest sicherlich auch nach dem Trailer gedacht, es wäre mehr eine schwarze Komödie, fängt auch so an, geht aber dann sehr düstere Wege und auch lässt Frances McDormand ihren Frust freien Lauf. Ich hatte bereits bei meiner 1. Sichtung ein „A-„ vergeben, aber wenn man den Film vordergründig als Komödie sieht, kommt die Dramatik in einigen der Szenen schon wie ein Schlag ins Gesicht. Leider wird der Film aber als schwarze Komödie verkauft. Wenn man den Film aber gleich als Charakterdrama sieht, passt es besser und zu lachen gibt es dennoch genug, vor allen Dingen der Situationskomik und der Sprache wegen (im Original gucken).

      Sam Rockwell liefert seit Jahren konstant gute bis sehr gute Arbeit ab, hier hat er einen herausfordernden, etwas unterbelichteten Charakter zu spielen und ist perfekt. Woody Harrelson hat auch ein verdammt gutes Jahr und ist hier auch toll und sogar so etwas wie der Sympathieträger des Films. Beide könnten für den Film nominiert werden, ich setze aber auf Rockwell, der am Ende wahrscheinlich gegen Willem Dafoe (vielleicht auch Michael Stuhlbarg) um den Oscar kämpft.

      Gefällt 1 Person

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