NYC – Film: „Detroit“


Ich war am 07.08.17 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Detroit“ (dt. Kinostart: 23.11.17) 143 min drama
dir. Kathryn Bigelow cast: John Boyega, Will Poulter, Jacob Latimore, Jason Mitchell, Peyton Alex Smith, Anthony Mackie, John Krasinski, Jeremy Strong

 

Juli 1967 in Detroit. Nach einer Polizeirazzia in einer Bar, herrscht zwischen den Afroamerikanern und der Polizei eine stark aufgeheizte Stimmung. Es kommt zu Protesten, die sich durch Vandalismus, Brandstiftungen und Plünderungen äußern. Als vermeintlich Schüsse aus dem Algiers Motel kommen, vermutet die Polizei einen Heckenschützen in dem Gebäude. Sie stürmen das Motel…

 

C- (Wertung von A bis F) „Detroit“ basiert auf einer wahren Geschichte. Nach einer Polizeirazzia kam es im Jahr 1967 in Detroit zu einer der größten Rassenunruhen in den U.S.A. Im Jahr 2017 jähren sich die fünf Tage andauernden Ereignisse, bei denen 43 Menschen zu Tode kamen, zum fünfzigsten Mal. Es ist der neue Film der amerikanischen Filmemacherin und Oscar-Gewinnerin Kathryn Bigelow. Nach The Hurt Locker und Zero Dark Thirty ist dies ihre dritte Zusammenarbeit mit dem New Yorker Journalisten und Oscar-prämierten Drehbuchautor Mark Boal.

„Detroit“ ist ein Film, den ich mögen wollte. Mir waren die Ereignisse, die sich vor 50 Jahren in Detroit zugetragen haben, nicht bekannt. Filme mit einem historischen Hintergrund müssen nicht alles haargenau nacherzählen, ich muss mir als Zuschauer nur ein Bild von der Lage machen können.

Wenn ich eine Art Doku-Drama erwartet habe, ist es mindestens irritierend, wenn Ich „Detroit“ als Horrorfilm in Erinnerung habe. Eine quälend lange Stunde ist der Film tatsächlich, was man als torture porn bezeichnen kann. Unerträgliche psychische und physische Gewalt von rassistischen Polizisten an wehrlosen, schwarzen Männern und zwei weißen Frauen. Angeführt wurde diese Aktion von dem weißen Polizisten Philip Krauss (realistisch portraitiert von Will Poulter). Sein Charakter ist fiktiv, steht aber exemplarisch für die rassistischen und gewaltbereiten Polizisten in den U.S.A. Da man als Zuschauer ziemlich schnell versteht, in welcher ausweglosen Situation sich die jungen Leute in dem Motel befinden und wie die Polizisten ihre Macht ausnutzen, ist es völlig unnötig, die Zuschauer über – wie gesagt – eine Stunde mit solchen Szenen zu quälen. Dramaturgisch wird diese Algiers Motel-Sequenz von einem Part, in dem man die brutalen Ausschreitungen der schwarzen Bevölkerung und zugleich die Überforderung der Gesetzeshüter sieht, sowie der unvermeidlichen Gerichtsverhandlung, umrahmt.

Bei ihrer Erzählung haben Kathryn Bigelow und Mark Boal keinen Wert auf den Charakteraufbau gelegt, man weiß quasi nichts über die Charaktere. Als Hauptcharakter könnte man vielleicht den afroamerikanischen Sicherheitsbeamten (gespielt von dem wunderbaren John Boyega) ansehen, aber auch über ihn erfährt man nichts Näheres. Außerdem ist der Film völlig nervig geschnitten. Selbst in Szenen, die Ruhe verlangen, kommen hektische Schnitte und die „Wackelkamera“ zum Einsatz. Für mich hat sich dieses, beinahe zweieinhalbstündige Filmerlebnis angefühlt, als hätte ich drei Tage im Kino gesessen. Ich brauchte sogar zwischendurch eine Pause. Ohne Eile suchte ich während des Films den Waschraum auf und kaufte mir sogar eine kleine Tüte Popcorn (für unfassbare 8 Dollar – seit wann ist denn Popcorn so teuer?).

In den USA wird darüber diskutiert, ob eine weiße Frau überhaupt die Richtige ist, die bei einem Film mit diesem Thema Regie führt. Während interessante Frauenrollen in Hollywood-Filmen immer noch erschreckend unterrepräsentiert sind, sind es doch vorwiegend männliche Regisseure, die sich der Gefühlswelt von Frauen annähern. Das dürfte Argument genug sein. Kathryn Bigelow („Point Break“, „Strange Days“ „The Hurt Locker“) ist eine großartige Filmemacherin. Jeder großer Regisseur inszeniert mal einen Film, der nicht ganz so gut funktioniert. Mit diesem Film hat sie sich an das Thema Rassismus und Polizeigewalt in den U.S.A. gewagt, etwas, dass im Jahr 2017 leider immer noch ein großes Thema in dem Land ist. Um so verärgerter bin ich, dass mir dieser Film nicht besser gefallen hat. Schwamm drüber. Schlimmer ist, dass ihr Film an der amerikanischen Kinokasse nicht sonderlich viel einspielen konnte. Ein Flop wird nämlich weiblichen Regisseuren mehr angekreidet als männlichen.

Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es nur vier weibliche Filmemacher (Lina Wertmuller, Jane Campion, Sofia Coppola und Kathryn Bigelow) die in der Kategorie Beste Regie je für einen Oscar nominiert wurden. Kathyn Bigelow ist die einzige, die in der Kategorie gewonnen hat. Ihr Film „The Hurt Locker“ hat sich noch dazu gegen den mittelmässigen Film ihres Ex-Mannes (James Cameron) in der Kategorie Bester Film durchgesetzt. Danke dafür noch mal, AMPAS.

„Detroit“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (John Boyega), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien

„Detroit“ ist am 28.07.17 in zwanzig amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 4.8.17 läuft er landesweit in 3,007 Kinos. Für Deutschland ist der 23.11.17 als Kinostart vorgesehen.

 

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Marshall„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Biopic-Thriller mit Chadwick Boseman, Kate Hudson, Dan Stevens und Sterling K. Brown. Leider spielt Josh Gad mit
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht – habe eine Josh Gad-Abneigung

Trailer v. Film: „Mother!“
Bewertung des Teasers: B
Kommentar: Darren Aronofskys neuer Film mit Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Michelle Pfeiffer, Ed Harris und Vater und Sohn Gleeson
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Only the Brave„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama mit Josh Brolin, Miles Teller und Jeff Bridges. Filme über Feuerwehrmänner können funktionieren („Backdraft“)
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: abwarten

Trailer v. Film: „The Mountain Between Us„
Bewertung des Trailers: D- (der Trailer verrät quasi die komplette Story)
Kommentar: Bestseller-Verfilmung mit Kate Winslet und Idris Elba
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Death Wish„
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Eli Roths Remake des gleichnamigen Charles-Bronson-Films aus den 1970er Jahren. Hier mit Bruce Willis – gähn
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „American Made„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Doug Limans neuer Actionfilm mit Tom Cruise – wie lange will der eigentlich immer dieselbe Rolle spielen?
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Blade Runner 2049„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Fortsetzung zu dem Film aus dem Jahr 1982. Denis Villeneuves führt Regie und Roger Deakins ist der DP, der Film sieht fantastisch aus. Es spielen Ryan Gosling, Jared Leto und Harrison Ford mit
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „American Assassin„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Action-Thriller mit Michael Keaton und einem neuen Filmstar? ( Dylan O`Brien)
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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3 Gedanken zu “NYC – Film: „Detroit“

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